Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

marke, f.

marke, f.
1)
nebenform zum fem. mark grenze, grenzland, die gegen diese gewöhnliche gekürzte nur spärlich sich aufweisen läszt (vgl. dazu mark 2, sp. 1633 fg.): marke, terminus, limes Schottel 1361; auch wie das zweite neutr. mark: marke, limes, signum, nota, argumentum. Steinbach 2, 27; das ist eine richtige marke, certum est signum, einem eine marke der unbeständigkeit geben, alicui argumentum levitatis dare. ebenda.
2)
schon früh war das wort in die romanischen sprachen eingedrungen, ital. span. portug. provenz. marca, franz. marque (Diez wb. d. rom. spr. 1, 263), und kehrt seit dem 17. jahrh. als kaufmännischer ausdruck in der bedeutung des zeichens, kennzeichens zurück, anfangs in der fremden schreibung marque: emballirte güter mit gewissen numeris und der kaufleute ihren gewöhnlichen handels-marquen .. gezeichnet. Hübners handlungslex. (1722) 2053; die andere art dieser waaren-bezeichnung geschiehet bei eigenen manufacturen, da man ein gewisses sinnbild, marque oder numer auf seinen waaren führet, entweder auf dem papier, nebenst dem namen in kupfer gestochen, oder gedruckt, oder auch in das holz mit einem stempel eingebrennet, oder gar mit dem hammer eingeschlagen. ebenda; bald aber marke geschrieben und umsomehr in allgemeinen gebrauch gekommen, als die deutschheit des wortes gefühlt ward: zwei knaben wollten schach ziehen. weil ihnen ein springer fehlte, so machten sie einen überflüssigen bauer, durch eine marke dazu (so 1753, später geändert durch ein merkzeichen). Lessing 1, 141; so wie man oft ein gemeines steinchen, das besondre flecken oder sprünge hat, aufhebt und behält, so laszt meine liebe zu euch eine marke von werth an dieser kleinigkeit sein. Fr. Müller 2, 183; die thiere, die gott einmal als solche anstellen will in seiner zweiten welt, hat er mit den deutlichsten marken auf diese gesetzt, z. b. maul-, stink-, pflanzen- und andere thiere. J. Paul freih.-büchl. 101; die marke bildet auch einen gegenstand für sich, aus papier, metall oder ähnl. hergestellt, zum ausweis dienend: auf den brief eine marke kleben (zum ausweis des gezahlten portos), eine briefmarke, freimarke; den wechsel mit einer marke versehen (zum ausweis des entrichteten wechselstempels); der diener gibt eine marke über das in der garderobe abgelieferte kleidungsstück; hunde, die keine marke tragen (der bezahlten steuer), werden weggefangen; marke bei den spielen, spielmarke:
lange kann man mit marken, mit rechenpfennigen zahlen.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 105;
waaren haben jetzt eine schutzmarke zur verhütung der fälschung. von dieser waarenmarke her erlangt marke auch den begriff der qualität: er raucht eine feine marke cigarren; die marke rothwein, die er uns vorsetzte, war nicht die beste; mehl beste marke holte bis jetzt 5 dollar. Weserzeitung 1866.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1636, Z. 60.

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Zitationshilfe
„marke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/marke>, abgerufen am 08.12.2021.

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