Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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markt, m.

markt, m.
mercatus, nundinae, forum.
1)
das wort ist die deutsche umformung des lat. mercatus, mit welchem die römischen krämer, die schon zu Cäsars zeiten (mercatores. bell. gall. 4, 2. 4) und in späteren jahrhunderten vermehrt, das deutsche land durchzogen, ihren hausiervertrieb bezeichneten. sie werden das wort an hoch- und niederdeutsche stämme abgegeben haben: im frühen ahd. erscheint es in einer dem lat. noch nahen form: nundina merkati, mercati Steinmeyer und Sievers gloss. 1, 216, 14, gleichzeitig aber auch, wie später, in mehr veränderter: in mercato marcât, marchato, marchito 648, 49; nundinas jârmarchta, jârmarchata, jârmarchat, jârmarchit, jârmarchte 648, 24—27; niederdeutsch ist es so früh nicht bezeugt, fries. merket, merkad, marked; ein ags. selteneres market in geâr-market, vgl. unten 3, auch im sinne von marktrecht, verkaufsrecht: sancte Marie and sanctus Benedictus and se abbod and þâ gebrôđra intô Ramesêge habben .. þat market ät Dunham bî wätere and bi lande, mit inlâde and mid ûtlâde and mid eallen þan gerihte þe þærtô hêređ. Thorpe dipl. angl. 422 (11. jahrh.), so wie ein altnord. markađr (Vigfusson 413) sind dagegen in keinem falle unmittelbare entlehnungen aus dem lateinischen, sondern kommen zunächst aus dem hoch- und niederdeutschen gebiet. das wort lebt fort als mhd. mnd. market, merket, markt, engl. market, schwed. marknad, dän. marked; die romanischen sprachen haben es ebenfalls als ital. mercato, span. mercado, prov. mercat, franz. marché bewahrt. das geschlecht ist im hochdeutschen das masculine, im niederdeutschen gewöhnlich (Schiller-Lübben 3, 35ᵇ) das neutrale; in solchem hat es auch das ags. aufgenommen (vgl. oben), und kommt es bisweilen auch in unsere schriftsprache (ein beispiel aus Luther 5, 268ᵃ in traulicher rede s. unter jahrmarkt th. 4², 2246): darmit die leute sehen, dasz uns kein esel aufs markt gebracht. kunst über alle künste 162, 2.
2)
mehrfache nebenformen des hochd. markt, die theils den alten e-laut zeigen, theils consonanten des schlusses wegfallen lassen: forum merket Dief. nov. gloss. 180ᵇ; er het an dem merg sinen koufman. Wackernagel pred. s. 260, 3;
der macht nit werschaft uff dem merkt
wer nit uff kunftig blonung werkt.
Brant narrensch. 111, 3;
forum market, markt, mark, marg, marte, mart Dief. 244ᵇ; bair. noch jetzt mark, march, mart Schm. 1, 1652 Fromm.; schweiz. marcht, märig, märt Stalder 2, 198; von diesen ist mark am meisten in die schriftsprache übergegangen und hat sich hier am längsten gehalten (vgl. auch unten in einer reihe von zusammensetzungen und marken für markten): die fürstl. hessische residenzstadt Cassel hält mark auf h. drei königtag. Schuppius 63 (neben halten markt ebenda); märke zu Straszburg, Frankfurt, Leipzig, seind entheiligung des sabbaths und der feiertägen. ebenda im register;
und ob dieselben doch geleich
waren edel, gwaltig und reich,
so straft man sie doch gleich vor ark
offentlich mitten auf dem mark.
H. Sachs 2, 2, 87ᵃ;
o fürwitz, dein rhat ist gar ark.
du kaufst es neher an dem mark.
ders. fastn. sp. 1, 105, 197;
geh an den mark und kauf uns ein
drei capaunen, gemest und feist.
2, 46, 250;
weitere belege in folgendem verstreut, ein beispiel noch aus Göthe unten nr. 7.
3)
markt, das öffentliche feilbieten einer oder mehrerer bestimmter waaren, ursprünglich durch wandernde krämer. dieses feilbieten hat sich schon früh örtlich und zeitlich geregelt, so dasz dergleichen leute sich an einem bestimmten orte und zu einer bestimmten jahrzeit eingefunden und die käufer erwartet haben: ahd. jârmarchat nundinae, vergl. oben unter 1, und danach schon ags.: ealra þæra manna þe sêceađ geârmarket tô Stôwe. Thorpe dipl. angl. 372 (von 1053); und es bilden sich so die öffentlichen, nach zeit und waare bestimmten verkäufe aus, vgl. wochenmarkt, weihnachtsmarkt, ostermarkt, fastenmarkt, ferner getreide-, korn-, wein-, vieh-, nasch-, trödelmarkt u. a.; unter ihnen die gröszeren und bekannteren, die nach dem orte benannt sind, in dem sie stattfinden: also belaib die stat usz Nördlinger markt (kam nicht auf den markt zu Nördlingen). d. städtechron. 4, 106, 2; doctor Jonas hat für, der halben gen Leipzigk in den markt zu kommen. Melanchthon opp. 3, 782 Bretschneider; vgl. auch unter jarmarkt 1, th. 4², 2246;
wir sind ein handeltreibend volk, mein könig.
was köstlich wächst in allen himmelsstrichen,
wird ausgestellt zur schau und zum genusz
auf unserm markt zu Brügg.
Schiller jungfr. von Orl. 3, 3;
ein solcher markt ist frei, gemein, offen: waʒ ze sprechen über des frîen marktes reht. Meraner stadtrecht, Haupts zeitschrift 6, 420; item unser herren .. die kurfursten haben ein offen markt zu Eger rüfen lassen. d. städtechron. 2, 36, 25; sonder ein jeder des herbsts, gemeinen markts, und gewonlichen schlages erwarten, und dardurch der gemein feil markt einem jeden zu seiner notdurft zu gut kommen, auch der arm neben dem reichen dester bas bleiben möge. Haltaus 1321 (Straszburg, von 1544); die alten hatten zwei wege, dem eigensinn und der übertheurung der handwerker zu wehren. dieses war ein jährlicher freier markt und die freimeisterei. Möser patr. phant. 1, 35; er steht nicht nur unter obrigkeitlichem schutze, sondern das recht ihn zu gewähren oder zu verbieten, gehört der landes- oder stadtherrschaft zu: obwohln sie (die Leipziger) von unsern vorfahren am reich, wegen geleister treuen diensten, von undenklichen jahren her, mit einem ansehentlichen mark, niederlags- und stapelsprivilegio, dergestalt begnadigt, dasz inner funfzehn meilen gerings umb dero stadt ... dergleichen niemand gestattet, noch darwider zu handeln zugelassen sein solte. der stadt Leipzig ordnungen (1701) 26; vgl. marktrecht;
was thun? spricht Zeus. die welt ist weggegeben,
der herbst, die jagd, der markt ist nicht mehr mein.
Schiller die theilung der erde;
ein solcher markt ist, wird gemacht, gehalten, währt, geht an und aus: sie machten auch alle jar ain mark nicht ferr von irem land, da komens hin und ander leut von andern landen. d. städtechron. 4, 281, 1; der mark gehet an, nundinae primordium capiunt. Stieler 1245; der mark wird gehalten, nundinae celebrantur. ebenda; der mark ist aus, finitae sunt nundinae. ebenda; dasz dieser mark über drei tage nicht gewären ... sol. der stadt Leipzig ordnungen 30; es war eben markt daselbst und auf demselben befand sich ein zahnbrecher, der trefflich geld lösete. Simpl. 1, 382 Kurz; vgl. mhd.
dar nâch der hübsche kêrte
für das betehûs zehant,
da man des mâles veile vant,
swaʒ man von krâme wolte.
swes man bedürfen solte,
des alles was dâ market.
troj. krieg 19561;
kaufen weil der markt vor der thür ist, scire uti foro, arripere oblatam occasionem. Frisch 1, 645ᵃ; der markt ist verlaufen, geendet, die käufer sind davon; bair. als ausdruck der geringschätzung einen solchen mann, eine solche frau krieg ich noch, wenn der markt verloffen ist. Schm. 1, 1652 Fromm.; ebenso alemannisch Tobler 311ᵇ; das hiesz auch ein kalter markt, in sprichwörtlicher wendung: hundsübel ergienge es ihme zwar, und wäre er aus verunglückung vielleicht auf einen kalten mark kommen (hätte kein günstiges geschick erlangt), wann ihme nicht das gute glück, wiederum von ganz ohngefähr, zu seinem lieben herzbruder geführet, und solcher gestalt errettet hätt. Simpl. 1 (1684), 275; der markt (gen. plur.) wol können brauchen, wol können kaufen und verkaufen, foro uti. Maaler 284ᵃ.
4)
diese bedeutung auch in andern (zum theil frei und bildlich verwendeten) verbindungen.
a)
zu markte gehen, kommen, ziehen, einen markt beziehen, besitzen u. ähnl.: wohin zu markte kommen, aliquo ad mercatum venire. Steinbach 2, 27; zu markte gehen, ire ad mercatum. ebenda; einen mit zu markte nehmen, avehere aliquem secum ad mercaturam. ebenda; auf den mark gehen, in forum prodire. Stieler 1245; der schwätzer und advocaten ist so groszer hauf in meinem vaterland, dʒ schier weniger ackersleut sein, weniger die in kaufmannschaft handeln, oder die so märkt besitzen (als händler sich auf märkte setzen). Schuppius 769;
wes schicket dich der bischoff rein?
und fordert ein solche grosze auflag,
das vor nie gwest ist sein lebtag,
so lang ich hab den markt gebaut?
J. Ayrer 268ᵃ (1339, 32 Keller);
wenn narren zu markte ziehen, so lösen die krämer geld. Chr. Weise erzn. 208 Braune; wann man die narren auf den markt schickt, so lösen die krähmer geld. Pistorius thes. par. 5, 35.
b)
etwas zu markte bringen, führen, tragen, treiben, richten u. ähnl.: du hast deinen handel auf dem meer gehabt, und allerlei wahr, silber, eisen, zihn und blei, auf deine merkt bracht. Hes. 27, 12; die haben alle mit dir gehandelt, mit köstlichem gewand, mit seidenen und gestickten tüchern, welche sie in köstliche kasten, von cedern gemacht und wol verwaret, auf deine merkt gefürt haben. 24; izt fehlte nur noch, dasz wir weiber und kupplerinnen würden, oder gar unsere jungferschaft zu markte trieben (wie waare). Schiller räub. 1, 2; stell den vermaledeiten kaffee ein und das tobakschupfen, so brauchst du deiner tochter gesicht nicht zu markt zu treiben. kab. u. liebe 1, 1;
wir vier da einher klingen   mit unsern sporen stark,
als wann man jetzt thät bringen   das schellenwerk zu mark,
ein solchs rasslen wir machen,   wir arme reutersknecht.
Opel u. Cohn 414, 10;
eilig warst du und frisch, zu markte die früchte zu tragen.
Göthe 1, 297;
auf märkten handeln:
auf fernen märkten hast du sie (die wolgerüche)
erhandelt von des südens horden.
Freiligrath dicht. 1, 17;
in freier verwendung bis heute häufig, zu markt bringen ein kräftigeres und anschaulicheres vorbringen: wer lügen wil zur warheit machen, und sie wider die warheit zu markt füret. Luther 3, 503ᵇ; das sie solche einrede nicht würden zu markt bringen. 518ᵇ; (dasz die poeten) mit tichten und schreiben etwas solches zu mark richten und bringen sollen, dardurch die ohren erlustiget ... werden. Sandrub kurzweil (1618) 5; wir konten vor allzugroszer freude wenig worte zu marckte bringen. Felsenb. 3, 51; (wir musten zur übung) briefe schreiben. ich brachte meine liebesgeschichte unter dem namen Phyllis und Damon zu markte. Göthe 19, 272; Vitruv bringt bei dieser gelegenheit das mährchen von der hütte zu markte, das nun auch von so vielen theoristen angenommen und geheiligt worden ist. 38, 163; er .. bringt nun seine vorigen unreinen versuche, seine falschen folgerungen wieder zu markte. 59, 258; wir dürfen nicht den verlust altdeutscher vorzüge so hart bejammern, indesz wir den gewinn neudeutscher gleichwol zu markte tragen. J. Paul dämmerungen 25; die eigene haut zu markte tragen, vgl. th. 4², 710;
wer seinen tollen traum nicht darf zu markte bringen,
schminkt ihn mit meiner (der religion) tracht.
A. Gryphius (1698) 1, 321;
man hatte nicht gedacht,
Veit würde jetzt in wenig tagen,
wie er auch that, den spasz der nacht
vor aller welt zu markte tragen.
Bürger 90ᵇ;
dasz er schnöde
sie (die zeit) mit dem alten klingklang tödte,
den, blinkend nur und neugeprägt,
die schreibsucht jetzt zu markte trägt.
Gotter 1, 454.
c)
ein markt ist aufgeschlagen (wie sonst kram th. 5, 1987): es ist als ob das schicksal dicht vor meiner thür seinen markt aufgeschlagen hätte. Bettine briefe 2, 54;
hast aufgeschlagen einen markt und schragen,
trau got, du werdest das stetgelt nit haben.
Schade sat. u. pasqu. 2, 184, 304;
eine waare ist zu markte feil: zu markt feil haben. Lehmann floril. 1, 18;
wo gleich und recht zu markte feil,
da kriegt ein armer selten theil.
Logau 2, 217, 37;
einen guten markt haben, gute geschäfte auf demselben machen:
alhie hab ich ein guten markt,
mein wahr ist mir abgangen stark
fast für all andern, die hier sein (Mercator spricht).
J. Ayrer 268ᵃ (1339, 9 Keller);
und so kann markt geradezu in den sinn des kaufes und gelderlöses auf dem markte übergehen: underkäufer, die gern einen kauf oder mark anstiften, damit sie desz weinkaufes genieszen. Philander (1642) 1, 313; der viehtreiber, umb einen bessern mark zu erhalten (sein vieh besser bezahlt zu bekommen). Phil. Lugd. 4, 162.
d)
sprichwörtliches und sonstige redensarten: der markt lehrt kramen. Fronsperger kriegsb. 1, 149ᵃ; der markt wirt dichs wol leren. Agr. spr. 161ᵇ; es pflegt nicht leicht ein kramer einen markt zu versäumen. Pistorius thes. par. 8, 2; wer den markt versäumt, dem schlägt man keinen neuen kram auf. ein mann macht keinen markt. man musz kaufen weil markt ist. rühme den markt nicht bevor er gehalten ist. später markt wird gern gut. auf einen bösen markt gehört ein guter muth. wie der markt, so der zoll. das nachgeld macht den markt. Simrock sprichw. 365; den mark verschlafen, post festum venire Stieler 1245; nicht lang markt mit einem machen, non diu nundinari, cito absolvere aliquem. Frisch 1, 645ᵃ (aus Keisersberg); schlesisch sich einen markt machen, ein vergnügen machen, hergenommen von der jahrmarktslust. Weinhold 60ᵇ.
5)
markt, ausgedehnt auf den ort und das treiben eines groszen handels im allgemeinen:
wohl von gröszerm leben mag es rauschen,
wo vier welten ihre schätze tauschen,
an der Themse, auf dem markt der welt.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 364;
bildlich:
eure hofstatt ist
der sitz der minne, sagt man, und der markt,
wo alles schöne musz den stapel halten.
jungfrau von Orleans 3, 3;
eine rege bewegung auf geistigem gebiete wird mit einem markte in beziehung gebracht: der grosze markt der welt; der markt unsrer litteratur hat solche schöpfungen noch nicht gesehen; auf dieser groszen wage (des nutzens) hat das geistige verdienst der kunst kein gewicht, und, aller aufmunterung beraubt, verschwindet sie von dem lärmenden markt des jahrhunderts. Schiller 1151ᵇ;
das masz, womit sie (meine seele) auf dem markt der welt
die dinge miszt, ist falsch; scheuszliche bosheit
hab ich für milde herrlichkeit erstanden!
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 5, 6;
das leben selbst ist einem markte verglichen:
disz leben ist ein schnee bei heiszen sommertagen,
es ist gleich einem markt, du wirst darvon nichts tragen,
kompstu mit leerer hand.
pers. rosenthal, vorrede;
o du (tyrann) ..., wie lange soll dein markt der boszheit so gescheftig betreten werden, wem kompts zu gute, wenn du auch die ganze welt gewinnest. 1, 13;
ich kenne noch den markt der schönen worte nicht.
Hoffmannswaldau bei Steinbach 2, 27.
6)
die beziehung auf das örtlich und zeitlich eigenthümliche des marktes tritt zurück, das wort bezeichnet mehr
a)
den handel oder öffentlichen verkauf, wie man ihn jederzeit schlieszen kann: markt, kauf, das markten, emptio, contractus Maaler 284ᵃ; es ist ein kunst under den krämern und kaufleuten, dasz niemandt ungekauft lassen von sich hingehn, dann die seind darumb da, umb gelts willen, wann das vorhanden ist, so ist der markt gemacht. ist aber kein kaufman vorhanden, so ist kein markt. Agr. spr. 131ᵇ; mit etwas einen markt aufrichten, handel mit etwas treiben, habere aliquid venale, mercatorem agere. Frisch 1, 645ᵃ; eim ein guͦten kauf oder markt machen, curare rem aliquam parvo. Maaler 284ᵃ; den markt halten können, als verkäufer bestehen: das pfund zinn, was die Tyroler den landleuten aufhängen, hält über drei viertel blei; und da ist es kein wunder, dasz die zinngieszer in den städten, die gewissen und ehre haben, gegen eine solche waare keinen markt halten können. Möser patr. phant. 1, 207; wir sehen mit den einheimischen handwerkern durch die finger, ... damit sie gegen die betrüger doch noch einigermaszen den markt halten können. 208; waare kommt zu markte, zum feilbieten: Antwerper .. welche sich nunmehr in lauter vorkäufer verwandelten, alle waaren, die dort zu markte kamen, aufkauften. 3, 175; es heiszt etwas auf verengtem markte kaufen, wenn die zahl der verkäufer beschränkt ist:
zum freien tausche ladet der vater (gott) ein;
doch schmiedet, hart und klügelnd, der blinde mensch
dem tausche zwang; der biedre Normann
kauft sein brod auf verengtem markte.
Stolberg 2, 105.
b)
auch in freier und bildlicher bedeutung einem den markt verderben, einem in den markt fallen, wie sonst den handel th. 4², sp. 372: eim in markt fallen, contraliceri. Maaler 284ᵃ; ich bin jm in markt gefallen, ich bin jm im markt vorgelaufen, hoc illi praemercatus sum. ebenda; schweiz. emm en bösa mart macha, einem ungelegenheit machen, unangenehmes zufügen. Tobler 311ᵇ; ein verlorner markt, vergebener handel:
dehein erzenîe im tohte,
sîn siechtuom was ze vaste erstarket,
des was eʒ ein verlorner market.
Lamprecht v. Regensburg Francisken leben 3614;
selbst wie handel im sinne von schlägerei:
als diser markt passârt (vorbei war, es war eine grosze prügelei gewesen).
Oswald v. Wolkenstein 65.
c)
in der heutigen kaufmannssprache ist markt ganz im sinne wie sonst 'geschäft' gebräuchlich: unser petroleummarkt verfolgte eine steigende tendenz. handelsbericht in der Weserzeitung 1866; wenig neue orders kamen in den markt .. der markt hat sich nicht geändert. ebenda; namhafte besserung im frachtenmarkt (d. h. die schiffsfrachten steigen). ebenda; englischer weizen wurde zu vollen montagsnotirungen aus dem markt genommen. Weserzeitung 1859 nr. 4870.
d)
markt nur auf getreide- und fruchthandel bezogen: der markt schlacht ye lenger ye mer uf, die theüre nimpt von tag zuͦ tag zuͦ, ingravescit annona. Maaler 284ᵃ; der markt schlecht ab, es wirt wolfeil, laxat annona. ebenda; ein guͦter markt, annonae vilitas, es kumpt guͦt markt, convalescit annona. ebenda.
7)
markt, die waare des marktes, handelswaare:
nu daʒ die vremeden koufman
ir market hæten ûʒ geleit,
vil schiere wart ze hove geseit,
waʒ dâ koufrâtes wære.
Trist. 56, 1;
lumpen und quark
der ganze mark (spricht der zigeunerhauptmann).
Göthe 13, 15 (jahrm. zu Plundersweilen);
bair. einen markt kaufen, haimbringen, etwas vom markte. Schm. 1, 1652 Fromm.; als geschenk, ebenso kärntnisch. Lexer 186; düringisch - hennebergisch. Fromm. 6, 515, 2; vgl. jahrmarkt 2, th. 4², 2246.
8)
markt, die leute des marktes: dergleichen unternehmungen (schau- und vorstellungen) werden dem besten genie in einer mäszigen stadt kaum beifall, vielweniger einen thaler einbringen. er eilt also heraus in den groszen ort, wo er sich für besser geld zeigen kann, wenn er anders lunge genug hat, den groszen markt zu überschreien. Möser patr. phant. 1, 189;
es schrie der ganze markt: ihr thut dem thiere schaden,
man pflegt nicht so, wie ihr, sein vieh zu überladen.
Caniz 131;
den lauten markt mag Momus unterhalten,
ein edler sinn liebt edlere gestalten.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 336;
übergreifend zugleich in die bedeutung des treibens einer solchen menschenmenge:
auch manche wagt der märterinnen
sich in des marktes frech gewühl,
sie will der menschen herz gewinnen
und singet sanft zum saitenspiel.
Uhland ged. 224;
wie mag er durch der märkte rauschen
vernehmen ihrer stimme laut?
242;
vgl. schon mhd.:
die klôster stênt gevieret
durch die stat in krûzes wîs,
dannoch hânt sie einen prîs:
sie sint harte reine
gesundert al gemeine
von des marktes ruofte
unt von des volkes wuofte,
daʒ sie daʒ niht irret.
Ebernand v. Erfurt 1157.
9)
markt, der eigens für abhaltung der märkte bestimmte grosze und freie platz einer stadt (oft nach der dort gehandelten waare mit näherer bestimmung, vgl. fischmarkt, kornmarkt th. 5, 1828, naschmarkt, rindermarkt, roszmarkt u. a.): der markt, ein gmein ort oder platz, da man allerlei feil hat oder verkauft, forum Maaler 284ᵃ; da die alt metzg vor stuͦnd, die ward abgebrochen und ward ain markt dar gemacht und ward mit ainer mur umbfangen. d. städtechron. 4, 94, 3; habens gerne, das sie gegrüszet werden auf dem markt. Matth. 23, 7; da legten sie die kranken auf den markt, und baten jn, das sie nur den saum seines kleides anrüren möchten. Marc. 6, 56; zogen sie auf den markt fur die obersten. ap. gesch. 16, 19; und er redet zwar zu den Jüden und gottfürchtigen in der schule, auch auf dem markte alle tage. 17, 17; also zottelten wir alle drei auf einen volkreichen platz, wohin Simpl. einen tisch, eine mas neuen wein, und ein halb dutzend lehre gläser bringen liesze: das hatte ein ansehen, als wann wir dorten auf offenem markt in der grösten kälte hetten mit einander zechen wollen. Simpl. 3, 183 Kurz;
zu Magdeburg auf dem marke,
da liegen zwei fasz mit wein.
Opel u. Cohn 194, 18;
er lobt die schöne stadt, und nennt mir alle plätze,
die brücken, jedes thor, die märkte, wall und wacht.
Hagedorn 1, 62;
das träge thier wird auf den markt gebracht;
der pöbel läuft herzu, bewundert, gafft und lacht.
2, 145;
hier (auf dem bilde) häuser, seht, vom groszen markt zu Brüssel.
H. v. Kleist zerbr. krug, 7. auftr.;
zu Wildbad an dem markte da steht ein stattlich haus.
Uhland ged. 358;
im gegensatz zur strasze:
frischer bursche reges leben
wallt auf strasz und markt einher!
Stolberg 2, 272;
hab ich den markt und die straszen doch nie so einsam gesehen!
ist doch die stadt wie gekehrt! wie ausgestorben!
Göthe 40, 233;
markt und strasze
werden stiller.
Schiller glocke (hist.-krit. ausg. 11, 315);
auch zum tempel: auf dem markte lernt man die leute besser kennen als im tempel. Simrock sprichw. 365; der markt lehrt dichs, nicht der tempel. 366; der markt als ort der gröszten öffentlichkeit: offentlich am markt auszbringen, inforare Maaler 284ᵃ; Mar. gräfinn, sie würden sich um den hals reden — Ors. wenn ich das mehrern sagte? desto besser, desto besser! morgen will ich es auf dem markte ausrufen. Lessing 2, 170; er .. soll gefragt haben: wer ist denn die dort, die rothen puder braucht? d. h. die rothe haare hat. dieses gehe nun an allen brunnen und auf allen märkten umher. Göthe 45, 174;
des bildes ruf erfüllt die ganze stadt,
man singt davon auf märkten und auf brücken.
Wieland 21, 293;
und platz für erfahren von neuigkeiten:
wol auf! wir wölln an markt spaciern,
forschen und fragen hin und her,
was für gut zeitung, newe mer
jetzt kommen sind ausz welschem landt.
H. Sachs fastn. sp. 1, 113, 425;
am markte sitzt, steht der müszige, der arbeit suchende: es ist den kindlin gleich, die an dem markt sitzen. Matth. 11, 16; und gieng aus umb die dritte stunde, und sahe andere an dem markte müszig stehen. 20, 3; dasz in manchen gegenden die arbeiter sonntags am markte stehen und dort von den landwirthen auf die woche gedungen werden. Stüve wesen u. verf. 191; die protestantischen kaufleute .. versäumten nicht, den einzig möglichen gebrauch von dieser volksklasse zu machen, die müszig am markte stand, und welche niemand gedingt hatte. Schiller hist.-krit. ausg. 7, 179; wir wissen dasz herzog Karl von Würtemberg am markte stand und wartete, wer ihn und seine truppen dingen wolle. Schäfer gesch. des siebenj. krieges 2, 1 (1870), 386. markt, auch die anwohner an einem marktplatze (vgl. dazu oben 8): der ganze markt, auf dem wir wohnten, erschien an ihrem namenstage und drängte sich und wetteiferte, sie zu beschenken. H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 1, 1.
10)
markt endlich der flecken, an welchem ein markt (nr. 3) gehalten wurde, ein ort mit marktgerechtigkeit: oppidum markt o. schlosz Dief. nov. gloss. 272ᵇ; und tuon dir kunt daʒ ich mich hebe von dem nâhsten mântage von dem hûse dâ ich alzan ûf bin, und var hinze dem hûse als du wol weist, und bin über naht in dem market der bî dir lît. Lichtenstein 32, 14;
nû sâhen sî wâ vor in lac
ein burc ûf ter strâʒe ..
diu burc stuont besunder,
und ein market drunder:
dâ kômen si in geriten.
do enpfiengen sî mit unsiten
al die in den strâʒen
stuonden unde sâʒen.
Iwein 6086;
es begab sich aber, da sie wandelten, gieng er in einen markt. Luc. 10, 38; und er gieng durch stedte und merkte. 13, 28; und wo er in die merkte oder stedte, oder dörfer eingieng, da legten sie die kranken auf den markt. Marc. 6, 56 (goth. jah þishvaduh þadei iddja in haimôs aiþþau baurgs aiþþau in veihsa, ana gagga lagidedun siukans); ich weisz nit, was geschrei die benachbarte städt und märkt durchlaufen hatte. Schuppius 691; das ist nit eines dörfleins oder markts, sondern der ganzen welt inwohner und bürger. 695;
reichtumb sprach: du machst dich gar wacker.
paw ich nit schlösser, märkt und stet?
H. Sachs fastn. sp. 1, 29, 253;
bair. markt, flecken: mehrere jetzige städtchen, z. b. Pfaffenhofen, Erding, Schrobenhausen, Lengenfeld, werden noch im 15. jahrh. märkte genannt. Schm. 1, 1652 Fromm.; kärntn. mark, marktflecken Lexer 186; im alemannischen ungebräuchlich, daher im Basler nachdruck des neuen testaments unter den erklärungsbedürftigen wörtern aufgeführt: markt, fleck, dorf. Fromm. 6, 43ᵃ. vgl. marktflecken.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1644, Z. 20.

markter, m.

markter, m.
krämer. Schm. 1, 1652 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1651, Z. 76.

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mannsherz mattweisz
Zitationshilfe
„markter“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/markter>, abgerufen am 27.11.2021.

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