Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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marmel, m.

marmel, m.,
wie marbel sp. 1618, für marmor (s. d.): ahd. genus marmoris pretiosi chunni marmules tiurlihhes, chunni marmules diurlihcher Steinmeyer u. Sievers 1, 48. 49, 30; mhd. als gewöhnliche form marmel mit überschwanken in mermel, später auch in mormel, murmel, murmer, vgl. Dief. 349ᶜ; mit gröszerer annäherung an die gelehrte form, marmol (vergl. auch unter marmelbrust, marmeln und marmelstein):
sigs-zeichen fallen umb und grausz den marmol dekkt.
Aszmann v. Abschatz ehrengedicht vor Lohensteins Arminius;
die form marmel ist (neben der häufigen verdeutschenden zusammensetzung marmelstein) auch nhd. nicht unbeliebt geblieben, selbst in der neueren sprache: marmor marmel, alabastrum glenzender marmel. voc. opt. 45, 10. 11 (s. 54ᵇ); Rom hab ich von ziegelstein empfangen, ich verlasz sie euch von marmel. Schuppius 742;
er sieht sein prächtig haus, wie es von marmel prahlt.
Caniz 105;
ein stein von marmel drückt ihn schwer,
längst todt und tief verscharrt!
Bürger 46ᵇ;
in einem bilde:
trägt Abas marmel in dem herzen?
A. Gryphius (1698) 1, 174;
dir ward ein herz von parschem marmel, fürstin!
H. v. Kleist Hermannsschlacht 1, 2;
der plur. von stücken oder platten des steins: die benke waren gülden und silbern, auf pflaster von grünen, weiszen, gelen und schwarzen marmeln gemacht. Esther 1, 6. marmel, schusser, schnellkeulchen, heiszen auch kleine spielkugeln der kinder, die besonders aus festem marmorartigen kalkstein gemacht werden, der politur annimmt. Jacobsson 3, 24ᵇ; vgl. dazu unter marbel.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1659, Z. 46.

marmor, m.

marmor, m.
marmor. das lateinische wort, selbst aus griech. μάρμαρος entstellt, erfuhr mit dem bekanntwerden und der verwendung der sache im deutschen seit dem 8. jahrh. verschiedene umwandlungen, die oben unter marmel sp. 1659, sowie unter marbel und marber sp. 1618 aufgezählt sind, und die das gepräge des wortes heimischer machten; die fremde form hielt sich selten (marmorvaʒ alabastrum Graff 3, 730, vgl. auch unter marmorn und marmorstein), gewann aber, seitdem die ausgebreiteten humanistischen studien die sprache beeinfluszten, seit dem 16. jahrh. weitere verwendung, zunächst bei gelehrten dichtern und schriftstellern (bei welchen auch die noch von marmel ausgehende, aber marmor genäherte form marmol, s. oben sp. 1659), später, und jetzt durchaus, auch in der sprache der gewerke. die tonlose aussprache des o, wie sie im gewöhnlichen leben statt hat, wurde einigemal versucht, in der schrift auszudrücken:
ab falber stirn und wangen,
füsz, händen marmerweisz
die tropfen anher drangen.
Spee trutzn. (1654) 32;
der brust erhobnes pflaster
(ist) der reinste marmerstein.
P. Fleming 154;
wie die schreibung marmer noch Campe empfiehlt, ohne damit durchzudringen. als geschlecht des wortes steht nur ganz ausnahmsweise das neutrum:
das todte marmor hört
was man von fürsten dacht.
A. Gryphius (1698) 1, 67.
der plural in der bedeutung marmorarten und arbeiten aus marmor, s. unten 3. marmor bezeichnet
1)
den bekannten kalkstein in manigfacher art, farbe und verwendung für bautheile und bildhauerarbeiten: mit weiszem und reinem marmor, werden alle jre gassen gepflastert werden. Tob. 13, 21; eine vase .. welche von schwarz gräulichem marmor ist. Lessing 6, 532; auf zwei alten denkmahlen und urnen von marmor. Winckelmann ebenda 8, 242; sie (die büste) wird nun gleich in marmor angefangen und zuletzt auch in den marmor nach der natur gearbeitet. Göthe 29, 83; eine base, nebst dem piedestal von einer derselben .. sind von weiszem marmor. 37, 203;
es mag die häuser zieren
mit marmor, wer da will.
Opitz 1, 130;
baut von marmor euch jetzt
die maale, vergessen zu ruhn!
Klopstock 1, 216;
ihm stellt ins schlafgemach, das er allein erfand,
die säulenordnung Rom, Paris die spiegelwand,
vor der, in hellem erzt und stufenweis erhöht,
der lächelnde Fatill (als büste) auf schwarzem marmor steht.
Hagedorn 1, 22;
(das bild) scheint aus den spiegelwellen wieder,
so wie der sonne bild von glattem marmor thut.
Wieland 17, 21 (Idris 1, 19);
ich folg ihr, bis sich mir ein herrlicher palast
von weiszem marmor zeigt mit goldbelegtem dache.
156 (3, 46);
auf einem fuszgestell von schwarzem marmor.
183 (3, 95);
(ein) quell,
der, kalt wie eis und spiegelhell,
sein perlend wasser in ein becken
von grünem marmor gosz.
18, 363;
soll ich zur weiszen wand des marmors beten?
H. v. Kleist Amphitryon 2, 5;
mit erz und elfenbein zusammengestellt:
die zeit, gedachtest du, kan erz und marmor spalten.
Günther 600;
feiert die helden! marmor und erzt sei der helden
ewiges mal!
Klopstock 2, 76;
von gold und silber, elfenbein
und marmor schimmern alle wände.
Wieland 18, 81;
als köstlicher baustoff dem geringen lehm gegenüber gestellt:
die stolze armuth, die vom witz
des reichthums miene borgt, die sich in flittern blähet,
den lehm zu marmor macht, und holz zu gold erhöhet.
17, 134 (Idris 3, 2);
marmor in ruinen:
bald soll der pflug aufs neü in seinen gränzen spielen,
und durch den teüern schutt zerknirschten marmors wühlen.
Drollinger 85.
2)
gern in vergleichen und bildern. es heiszt weisz, kalt, glatt, hart, fest wie marmor, vgl. dazu die zusammensetzungen unten: weisz wie marmor. H. Heine 2, 168;
du hattest jahrhunderte zeit, zu bekämpfen
deinen schmerz durch kälte, dich hart
wie den marmor zu machen, der in dem Orion emporsteigt.
Klopstock 2, 207;
so kommt mein fieber
zurück! sonst war ich ganz gesund, vollkommen
genesen, fest wie marmor, wie ein fels
gegründet.
Schiller Macbeth 3, 8;
der starre, kalte, leblose oder gefühllose wird dem marmor verglichen:
wie reizend winkt sie ihm! der müszte marmor sein,
der ihr zu nahn sich nicht versucht gefühlet hätte.
Wieland 17, 261 (Idris 5, 12);
als, plötzlich aufgeschreckt, Rosine
mit einem schrei erwacht, und ihn (der nicht entflieht
weil er zu marmor wird) vor ihrem bette sieht.
21, 331;
auf einmal stürzt die schöne,
die eine weile her lebloser marmor schien,
gleich einer rasenden durch alles volk auf ihn.
23, 22 (Oberon 7, 29);
marmor, die glatte eisbahn:
weder den schnee durchklingelt ein schlittener, noch umschwebt
ein läufer
mit stahl der eisbahn blankgefegten marmor.
Voss 3, 182.
3)
marmor, das aus marmor gefertigte; namentlich statue, büste, bildsäule, relief: zerschmettert diese marmor; verbrennet diese bilder. Lessing 3, 200; in eben dem werke des Gori, in welchem er diesen stein mitgetheilt, kömmt ein marmor vor, von welchem der stein gleichsam nur die carrikatur heiszen könnte. die gerippe, die auf dem steine fahren und überfahren werden, sind auf dem marmor genii. 8, 253; unter seinen marmorn waren einige unschätzbare fragmente, von bronzen besasz er eine sehr instructive suite. Göthe 18, 104; von Elgins marmorn vernahm man immer mehr ... nähere kenntnisz der aeginetischen marmore ward mir gleichfalls. 32, 125; in dem ersten zimmer befinden sich die marmore, worunter einige vortreffliche büsten und der torso eines Jupiter. 37, 201;
er steht entzückt (vor dem bilde), und glaubt, je mehr er sieht,
dasz warmes blut in diesem marmor glüht.
Wieland 17, 267 (Idris 5, 22);
mache, Phöbus Apoll, dasz mein lied, bat Telon am altar,
gleich dem mädchen Pigmalions sei,
da verwandelt der marmor nun war, die wang ihm entglühte,
da die ader ihm schlug, und das herz!
Klopstock 2, 106;
und belehr ich mich nicht, indem ich des lieblichen busens
formen spähe, die hand leite die hüften hinab?
dann versteh ich den marmor erst recht.
Göthe 1, 265;
sarkophagen und urnen verzierte der heide mit leben;
faunen tanzen umher, mit der bacchantinnen chor
machen sie bunte reihe; der ziegengefüszete pausback
zwingt den heiseren ton wild aus dem schmetternden horn.
cymbeln, trommeln erklingen; wir sehen und hören den marmor.
347;
eine inschriftplatte: dieses Smyrna, von welchem auf den oxfordischen marmorn gesagt wird, dasz es die schönste und glänzendste aller asiatischen städte sei. Wieland 1, 9;
haue mir marmor, künstler,
und grab in den marmor mit goldschrift!
höre genau, und verfehle der laute keinen;
denn edel ist die that!
Klopstock 2, 137;
ein grabmal: mein Roller starb einen schönen tod. man würde einen marmor auf seine gebeine setzen, wenn er nicht mir gestorben wäre. Schiller räuber 3, 2;
ernst, in sterbegedanken, umwandl ich die gräber, und lese
ihren marmor und seh schrift wie flammen daran.
Klopstock 1, 201;
und deckte gebildeter marmor euch das grab:
schandsäul ist der marmor.
2, 12;
die erde lag in ihrer betäubung. betäubter
bleibet der freund nicht am grabe des frühentfliehenden freundes,
oder, wer grosze thaten versteht, an dem marmor des edlen
patrioten, der tugenden nachliesz.
4, 126 (Mess. 8, 413);
wandle auf den kirchhof, wo der städter
unter marmor schlummert.
Hölty 53 Halm.
beim goldschläger heiszt marmor derjenige marmorstein, worauf in den formen die gold- und silberblätter bis zur gröszten feinheit geschlagen werden. Jacobsson 3, 25ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1661, Z. 12.

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Zitationshilfe
„marmel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/marmel>, abgerufen am 26.11.2021.

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