Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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marode, adj.

marode, adj.
müde, matt, zum weitergehen unfähig; es ist das franz. maraud, im 15. jahrh. noch marault lump, herumziehender bettler (Littré 2, 436ᵇ), was wahrscheinlich die soldatensprache des dreiszigjährigen krieges herübernahm, sofort aber auch umdeutete, indem sie es mit dem namen des kaiserlichen obersten von Merode in beziehung setzte, und für nachzügler und untüchtige soldaten den namen Merodebrüder bildete: als dieser cavallier einsmals ein neugeworben regiment zur armee brachte, waren die kerl so schwacher baufälliger natur wie die französische Britanier, .. und wo man einen oder mehr kranke und lahme leinenweber auf dem markt, in häusern und hinter den zäunen und hecken antraf und fragte: wes regiments? so war gemeiniglich die antwort: von Merode! davon entsprang, dasz man endlich alle die jenige, sie wären gleich krank oder gesund, verwundt oder nit, wann sie nur auszerhalb der zug-ordnung daher zottelten und sonst nicht bei ihren regimentern ihr quartier im feld namen, Merode brüder nante, welche bursch man zuvor säusenger und immenschneider geheiszen hatte. Simpl. 1, 406 Kurz; und der name blieb lange: ein Merodebruder, der immer auf das plündern und placken ausgeht. Frisch 1, 659ᶜ; daneben aber auch das einfache adjectiv in der fremden französischen form sowol, wie in deutscher schreibung: maraud, untüchtig, nichts nutz, nichtswerth ... insonderheit aber werden die im krige von einer armee zurück gebliebene kranke und unberitten gewordene soldaten und muthwillige freibeuter marode oder Merode-brüder geheiszen. Nehring hist.-pol. lex. (1736) 731; welche leztere später sich einzig hält (betonung maróde): aller art fuszgänger, uniformirte, marode, gesunde aber trauernde bürgerliche, weiber und kinder drängten und quetschten sich zwischen fuhrwerk aller gestalt. Göthe 30, 136; auch auszerhalb der soldatensprache in niederer rede: und trage mich zuweilen, wenn ich zu marode bin, um fortzukommen. Wieland in Mercks briefs. 1, 143; endlich bei einem baumstamme liesz er (ein schneider) sich sachte niedersinken, .. und wehmüthig lächelnd rief er: da bin ich armes schindluderchen schon wieder marode! H. Heine 1, 22; in Leipzig in der allitterierenden verbindung ich bin müde, matt und marode. Albrecht 166ᵇ; bairisch maród, maródig, abgemattet, unpässlich, krank Schm. 1, 1637 Fromm.; schweiz. maródi, kränklich, verdrieszlich Seiler 204ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1669, Z. 75.

marode, f.

marode, f.
substantiv zum vorigen, auch in der fremden schreibung maraude; es bedeutet die handlung eines maroden soldaten, raub (franz. maraude und maraudage): maraude, marode, heiszt der raub, den ein soldat bei dem landmanne verstohlener weise zusammen raffet. Eggers kriegslex. (1757) 130; aber auch die gesamtheit der maroden (franz. maraudaille): ein cornet, .. der alle marode, das ist alle übel berittene und kranke mannschaft, gedruckte und beschädigte pferde vom regimente führet. 145;
und der Friedli seit: d' marodi wemmer verfolge.
Hebel 1, 145;
in der form merode und nicht mehr in der strengen soldatischen bedeutung: da sich allerhand merode, liederliches und herrenloses gesindel zusammenrottieren ... es soll der merode einiger sammelplatz oder aufenthalt nicht gestattet werden. des fränk. creises verordnung von 1706 bei Schm. 1, 1637 Fromm.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1670, Z. 33.

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Zitationshilfe
„marode“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/marode>, abgerufen am 04.12.2021.

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