Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

marschall, m.

marschall, m.
eine hofwürde. ahd. marahscalc, marahschalc, marscalh, marschalch, marscal, mhd. marschalc bezeichnet den bedienten, aufseher über die streitrosse (vgl. unter mähre sp. 1467), der im Heroldschen text der lex salica (11, 6) unter unfreien dienern aufgeführt wird: si quis maiorem, infestorem, scantionem, mariscalcum, stratorem, fabrum ferrarium, aufrificem, sive carpentarium, vinitorem, vel porcarium, vel ministerialem furaverit, wie denn die romanischen entlehnungen, ital. mariscalco, maniscalco, maliscalco, trient. marascalco, span. portug. mariscal, prov. manescalc, franz. maréchal unter dem worte den hufschmid verstehen (Diez 1, 264); während das deutsche es als eine hofwürde auffassen lernte:
Dancwart der was marschalc:   dô was der neve sîn
truhsæʒe des küniges,   von Metzen Ortwîn.
Nib. 11, 1;
deren beziehung zum marstall (s. d.) noch lange gefühlt wird: stabularius marschalke, marschalk Dief. 550ᵃ; wo ist ein stalljung oder ein küchenjung so alber und einfältig, dasz er etwas böses im marstall oder in der küchen thue, wann er weisz, dasz der stallmeister, der hofmeister, oder der marschalk in der küchen oder im stall sei? Schuppius 145; doch meint es gewöhnlich einen hohen aufsichtsbeamten über die hofhaltung; die ältere form marschalk ist dabei seit dem vorigen jahrhundert allgemein in marschall übergegangen: marschalk, senascalcus, marscalcus. voc. inc. theut. n 4ᵇ; marschalk, aulae praefectus .. scribitur etiam marschall. Stieler 1717; der fursten marschalk oder hoffmeister, wo die hie weren. Tucher baumeisterb. 256, 4; so einer eines fürsten hofmeister, canzler, marschalk oder rath, und doch nicht von adel were, der mag sich denen vom adel .. gleich tragen (in der kleidung). reform. guter policey, Augsb. 1530, xiv § 2; mich dünkt, ich wisse, wie es damals hergangen seie an Herodes hof. vielleicht wird Herodes, wann er ausz der predigt kommen, zu seinem marschall gesagt haben: Johannes sei ein extraordinari guter prediger. ob der marschall gehört und in acht genommen habe, wie er den beiden stolzen pfaffen, dem Hannas und Caiphas, so artige stich gegeben habe? da wird denn der marschall vielleicht ein reverenz gemacht .. haben. Schuppius 243; wann du an einen königlichen hof kämest, und würdest krank, ... und der könig sagte zu dem marschalk, oder einem kammerjunkern: ihr solt auf desz Ascani gemach warten, und ihn fleiszig besuchen. 257; vgl. hofmarschall; eine militärische würde: die marschalken, tribuni militum Maaler 284ᵇ; dasz er (der magister equitum) nicht allein marschalk und statthalter des dictators im felde gewesen, ist gewisz. Niebuhr 1, 632; titel eines höchstcommandierenden und feldherrn, vgl. feldmarschall:
ich nem dazu auch nicht das lob,
dadurch dein vatter hochgepriesen,
der, marschalk, sich mit khüner prob
dem groszen Heinrich grosz erwisen.
Weckherlin 373;
hast du den marschall Dörfling aufgefunden?
H. v. Kleist prinz Friedr. von Homburg 2, 1;
bei dem deutschen orden war der marschall der nächste nach dem groszcomthur: der marschalch solt zu Königsberg wohnen und alles was zum kriege gehört, bestellen. Waiszel Preuszen (1599) 104;
von dem marschalk wart gelesen
von Prûʒen brûdere ûf die vart.
livl. chron. 5574;
marschall, ordnender oberbeamter bei ständischen corporationen, vgl. landesmarschall, landtagsmarschall; marschall auch in volkskreisen, die eine genossenschaft bilden, wie sie sich ähnlich einen könig setzen, vgl. th. 5, 1697: den knechten (der Moselweiser kinder bei einem feste) aber setzt man vor funf keesz, die man essen kan, und brotsz genug, darnach funf kuechen, ieden von zehen eyer, thuet zusammen funfzig eyer, die sall der konig undt marschalk selbst, damit sie es gewisz sein, einschlagen, sonsten kombt keiner weder von den kinden weder von den knechten in die kuechen, sondern pleiben alle sitzen bisz sie satt sein. undt der konig und der marschalk gehen in die scheure zu den kindern und besehen, ob es wohl und recht zugehe. weisth. 2, 510 (Untermosel, von 1580); bei leichenbegängnissen in Düringen und Obersachsen gehen männer mit umflorten stäben dem sarge zur seite, die marschälle heiszen; in einem bilde:
du marschall dieser welt, du könig aller stralen,
die das gewölbte haus, den himmel, übermalen (die sonne ist angeredet).
Scultetus bei Lessing 8, 273.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1673, Z. 45.

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Zitationshilfe
„marschall“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/marschall>, abgerufen am 29.11.2021.

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