Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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marterer, märterer, märtrer, m.

marterer, märterer, märtrer, m.
martyr.
1)
die angegebenen formen, die auf ahd. martirâri, marterâri zurückgehen, im mhd. als marterære, martrer, merterære die gebräuchlichen sind und, wie sie ganz deutsches gepräge zeigen, auch im sprachbewustsein nicht mehr als fremden ursprungs empfunden werden (vgl. dazu marter 1), haben anwendung zum theil bis in unsere zeit hinein erfahren, wo die schon im 16. jahrhundert hie und da auftauchende schreibung martyrer und märtyrer (s. d.), die nur einer übel angebrachten gelehrten erinnerung ihr dasein verdankt, die allein herschende geworden ist. das unumgelautete marterer ist in der alten sprache häufiger als die umgelautete form, die sich erst später ausbreitet; ein daneben erscheinendes marteler, märteler (vgl.martel für marter oben sp. 1677) verschwindet nach dem 16. jahrh. wieder: martyr marterer, merterer, marteler, merteler Dief. 350ᵇ; marteler martyr. voc. inc. theut. n 4ᵇ; märterer, martyr, confessor Stieler 1244; märterer martyr Steinbach 2, 29 (beide als einzige form); marterer martyr Frisch 1, 646ᵇ (neben martyrer); bi den kronen aller marteler. d. städtechron. 8, 119, 29; von der märtler blut, das sie vergossen haben. Fischart bienk. 149ᵃ; der märtler Bonifacius. 171ᵃ;
ein heilger mertler muszt er werden.
E. Alberus 117ᵇ;
also hat Christo es gefallen,
das die erst märtler unter allen
inn seiner kirch solln kinder sein.
Fischart dicht. 3, 138, 12 Kurz;
bei den köhlern heiszen märtler die abgelöschten kohlenbrände eines ausgebrannten kohlenmeilers, die zu einem neuen meiler aufgehoben werden. Jacobsson 3, 27ᵇ; eine gekürzte form marter, martel war selten: martyr ein martel Dief. 350ᵇ;
hornbruoder unde martere.
minnes. 2, 218ᵇ Hagen;
vgl. dazu unten märterlein und unter märtererin, märtererkrone, märterertod, märtererthum.
2)
gebrauch des wortes im eigentlichen sinne: das die römische kirche von gott für allen andern geehret sei, ist kein zweivel, denn daselbs s. Peter und Paul, 46. bepste, dazu viel hundert tausent marterer, jr blut vergossen. Luther 1, 166ᵇ; die heiligen marterer. 3, 28ᵃ; so haben sie auch allen marterern gethan, die umb des gecreuzigten Christi namens willen gestorben sind. 4, 63ᵇ; dadurch sind die lieben marterer gen himel komen. 5, 214ᵃ; kein prophet, apostel noch marterer. 6, 232ᵇ; das auf einen tag (wie man in historien findet) durchs römisch reich sibenzig tausent marterer erwürget wurden, wie man noch zu Rom einen kirchoff findet, darauf, wie man sagt 80000. marterer, und 46 bischove begraben ligen. 447ᵇ; gott hat etliche menschen zu märterern berufen. Butschky Patm. 57; die gröste pein, die man den christen anthat, war eine überaus heisze quelle, in welche man die märtrer so oft hinunter liesz, bis sie starben, oder den glauben verleugneten. Haller schweiz. ged. 71 note (märtyrer neben märtrer 73 note);
propheten und darzu die heilgen marterer,
das waren mannes pild und liten grosze schwer.
lied (15. jahrh.) in Wolfs zeitschr. f. d. myth. 1, 469;
allhie findt man vor augen
vil heilthumb werth und gut
der märtrer, so den glauben
bezeugt mit jhrem blut.
Wackernagel kirchenl. 5, nr. 1400, 20;
wie hat manch märterer mit noth und tod gerungen!
Chr. Weise zeitvertr. 2, 66;
an eifer gab er keinem märtrer nach;
er war an glauben stark, wiewohl an kenntnis schwach.
Wieland 22, 261 (Oberon 6, 24);
die fenster (der kirche) glühten dunkelklar
mit aller märtrer frommen bildern.
Uhland ged. 399;
übertragen auf die blutzeugen der evangelischen kirche: Jhesum Christum, der uns solchen trost gibt, durch diesen seinen lieben diener und marterer Leonhart (Keiser). Luther 3, 423ᵃ; ein lied von den zween merterern Christi, zu Brüssel von den sophisten von Löuen verbrandt. 8, 370ᵇ.
3)
in freier verwendung: (dasz) sie (die gottlosen) aber zwifaltig des teufels marterer sind, beide hie und dort jre helle haben. Luther 5, 443ᵃ; welche wegen des gemeinen nuzzen politische märterer worden. Butschky kanzl. 305;
ich weiʒ wol, eʒ ist ein altes mære,
daʒ ein armeʒ minnerlîn ist reht ein marterære.
minnes. 2 154ᵃ Hagen;
Hainz. ich .. halt neunerlei gaistlich oren (orden)
da haim in meim elichen stant ....
kellner. thw mir den füenften orden sagen!
Hainz. das ist der lieben mertrer orden.
H. Sachs fastn. sp. 1, 155, 271;
die ihr am Helicon als thorheits-märtrer leidet.
Günther 491;
disz werkgen, sehts doch an, vertritt des glases stelle,
wenn sich die einfalt putzt und zu bespiegeln sucht;
nur schade, dasz dadurch viel theure märtrer leiden,
da wir vor ihr verdienst so grobe federn schneiden.
500;
von solchen, die durch krankheit qual leiden: denn wir sind solche zertlinge und so weiche marterer, wenn uns nur ein bein wehe thut, oder ein klein bletterlin aufferet, so künnen wir himel und erden vol schreien. Luther 5, 45ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1680, Z. 75.

marterer, märterer, m.

marterer, märterer, m.
der da martert: marterer carnifex, tortor, lictor, lorarius (als häufigere form neben märterer) Stieler 1244; marterer, qui excruciat Steinbach 2, 29; märterer, qui alios excruciat, der andere martert Frisch 1, 646ᶜ; alle die bi gotte sweren frevelliche und daʒ nüt beszernt, sint ouch verlorn, wan die sint und heiszent gottes marteler. d. städtechron. 8, 115, 16; schon ahd. martrara, manslagun, carnifices Graff 2, 858.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1682, Z. 5.

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Zitationshilfe
„marterer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/marterer>, abgerufen am 28.11.2021.

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