Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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marsch, m.

marsch, m.
soldatischer zug und dazu tönende musik.
1)
marsch ist das franz. marche, welches bereits im 16. jahrhundert als ausdruck für eine regelmäszige truppenbewegung gebraucht erscheint (Littré 2, 441ᵇ), und in die deutsche sprache zu der zeit herüber genommen wird, als nach dem sinken der landsknechtischen kriegsweise das ausbilden der heere nach französischem vorbilde aufkommt, ende des 16. jahrh. in den ersten zeiten des dreiszigjährigen krieges ist das wort, mit seinem verbum marschieren (s. d.), wie andere aus dem französischen aufgenommene militärische wörter, bereits verbreitet, noch längere zeit in französischer oder ihr naher schreibung, als marche, march, bald aber auch in deutscher; das geschlecht ist masculin geworden, zweifelsohne weil das eigentliche deutsche wort für die sache, zug, dieses geschlecht hat; als plur. verzeichnet Stieler 1247 die marsche, später gilt märsche. eine schon früher einmal, in mhd. zeit von Reinfried von Braunschweig unternommene entlehnung des gleichen französischen wortes als fem. marsche (Lexer mhd. wb. 1, 2052) im allgemeinen sinne einer reise blieb ohne verbreitung.
2)
marsch, in militärischem sinne, der zug eines heeres oder einer abtheilung desselben, sowie die dabei beobachtete ordnung: marsch, agmen, ductus exercitus, zugordnung Schottel 1362; marsch, expeditio, ductus, profectio exercitûs, agmen Stieler 1247; marsch, iter, via militum, ordo exercitus iter facientis Steinbach 2, 29; bei dem march hat man vielerlei zu bedenken, insonderheit musz man den march anstellen, nach der gelegenheit desz landes und desz feindes. Böckler kriegsschule 552; wann etliche regimenter in einen march oder zug-ordnung sollen gebracht werden. 553; man musz mit guter ordnung ziehen, also dasz die trouppen nicht über ein halbe stund im march von einander begriffen. 554; wann 10000. mann zu fusz, je 10. und 10. in einem glied marchiren, darbei 1000. zu pferd je 5. in einem glied, darbei 10. halbe carthaunen mit jhrer zugehör, und der nothwendigsten pagage, die nehmen ohngefehr einen weg ein im march 28000. schue lang. 557; es heiszt ein langer, weiter, starker, beschwerlicher marsch; langsamer marsch, expeditio lenta. Stieler 1247; sie tuhn starke und grosze marsche, profectiones longas, celeres, maximas efficiunt. ebenda; marsch nach den winterqvartiren, deductio cohortum in hyberna. ebenda; ein schwerer marsch, iter difficile, ein geschwinder marsch, iter subitum, ein gefährlicher marsch, iter periculosum. Steinbach 2, 29; einen marsch machen, den marsch antreten, sich auf den marsch begeben, zum marsche blasen, im marsche halt machen; sich auf den marsch begeben, iter ingredi Frisch 1, 646ᵃ; um diese zeit bekam mein gemahl befehl zum marsche, weil Schweden mit der krone Pohlen in einen krieg verwickelt wurde. Gellert 4, 271; während wir uns auf dem marsch nach Verdun und mit dem bombardement der stadt beschäftigten. Göthe 30, 45; als um zwölf uhr aufzubrechen befohlen ward. nun ging aber aus allem hervor, dasz dieser marsch nicht ganz sicher sei. 101; auch der heutige marsch ging nicht weit. 102; ein eilbote nach dem andern ging an Wallenstein ab, ihn zum marsch nach der Donau zu vermögen. Schiller 956ᵇ; auf die einladung Gustav Horns setzte er sich ungesäumt in marsch gegen die Donau. 972ᵃ; eine wirklich barbarische hinopferung der soldaten in winterfeldzügen, märschen, stürmen und offenen schlachten. ebenda;
der abend kam, da schliefen wir
nach langem marsch einmal.
Gleim 4, 29;
hat abgepackt und aufgepackt,
und weiter nichts ereilt,
als dasz man auf dem marsch sich plackt,
im lager langeweilt.
Göthe 1, 148;
und der Franke floh mit eiligen märschen zurücke.
40, 292;
wir folgten jenem Mansfeld unverdrossen
durch alle schlangenkrümmen seiner flucht;
ein ruheloser marsch war unser leben.
Schiller Wallensteins tod 3, 15;
die reiterei ist, die du kommandirst,
auf eine stunde schon im marsch voraus.
H. v. Kleist prinz von Homburg 1, 4;
in die persönliche bedeutung der so ziehenden übergehend: der marsch verliesz die hauptstrasze, wir kamen über Arancy. Göthe 30, 20;
schwer und dumpfig,
eine wetterwolke,
durch die grüne ebne schwankt der marsch.
Schiller die schlacht;
die marschzeit betonend: in 11. marschen dahin kommen, undecimis castris eo venire Frisch 1, 646ᵃ; bildlich: das kleine bedrängte Baden hat uns einen marsch abgewonnen. Bunsen an Friedr. Wilh. IV (in C. C. J. freih. v. Bunsen 3, 425), nach dem franz. gagner une marche sur l'ennemi (obtenir sur son adversaire un avantage de temps et de position) Littré 2, 440ᶜ.
3)
marsch, das für einen militärischen zug gegebene aufbruchs- und tactzeichen, durch trommeln, pfeifen oder andere musikinstrumente; auch hier zunächst fremde schreibung (vergl. oben 1): liesze er durch underschiedliche angestelte trommenschläger .. den teutschen, schweizerischen, niderländischen, englischen, wallonischen, französischen etc. und andere marche oder schläg machen. Zinkgref apophth. 2, 27; später deutsche: marsch, das zeichen zu marschiren, signum procedendi, den marsch schlagen, dare signum procedendi peditibus vel dimachis, den marsch blasen, buccina signum procedendi dare equitibus, den marsch einem bei der wache vorbeigehenden hohen officier oder prinzen zu ehren schlagen, signo procedendi salutare praetereuntem principem. Frisch 1, 646ᵃ; der marsch ist sodann ein förmliches ausgearbeitetes musikstück, bestimmt während des marschierens gespielt zu werden: einen marsch spielen, aufspielen, blasen;
dort am wald ist ein echo, da bläst der fröhliche postknecht
gerne sein morgenlied und den marsch des fürsten von Dessau.
Voss Luise 2, 129;
einem den marsch blasen, den marsch machen bildlich für einen strafend zur ordnung, zu besserem verfahren mahnen: denen wollte ich den marsch machen, die sollten mir! J. Gotthelf schuldenb. 144; o ätti, wenn du doch dabei gewesen wärest, denen hättest du den marsch gemacht! 321.
4)
marsch, in nicht mehr militärischem sinne, der gang von einzelnen, wobei aber die bedeutung des geordneten und zugartigen noch im hintergrunde steht: ich habe heute schon einen tüchtigen marsch gemacht; wir waren eine kleine gesellschaft und unternahmen einen marsch über die berge; seinen marsch nach hause nehmen, domum se conferre. Stieler 1247; ich will meinen marsch nach bette (quidam dicunt nach Bethlehem) nehmen, ad somnum proficiscar. ebenda; der vergleich paszt nicht, entgegnete der professor rauh und setzte seinen marsch fort. Freytag handschr. 1, 109 (vorher der professor, mit groszen schritten die stube durchmessend).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1671, Z. 35.

marsch, m.

marsch, m.
im kartenspiel, s. martsch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1672, Z. 76.

marsch, f.

marsch, f.
fruchtbare niederung am ufer des meeres oder eines flusses; ein wort des niederdeutschen sprachgebietes: ags. mersc, mittelniederd. mersch, marsch, masch (Schiller-Lübben 3, 77ᵇ); in der letzteren form ist es den mundarten an der Nordsee jetzt am gewöhnlichsten, ostfries. marsk und mask, niederd. marsch, gemeiniglich masch (brem. wb. 3, 133), bis nach Westfalen und Niederhessen, in der form masch reichend (Vilmar 263), engl. entspricht marsh sumpf; in die schriftsprache ist es in der engen beziehung auf die genannten niederdeutschen gegenden aufgenommen worden: marsch, locus pascuus et fertilis Schottel 1361; marsch, niedriges land, districtus depressior et propterea palustris, uliginosus, als im Hannoverischen. Frisch 1, 645ᶜ; marsch ist solches land, welches in den ältesten zeiten von der fluth überströmt wurde, wo aber bei der ebbe ein fetter schlick oder klei zurückblieb. v. Kobbe Bremen u. Verden 1, 3; da sie von der geest ab in die marsch durchzudringen sich bearbeiteten. Walter dithmars. chronik (1683) 78; das land (Hadeln) besteht aus marsch, mit ausnahme dreier moorkirchspiele. Niebuhr kl. schr. 1, 3; ob nicht vor der entstehung der marschen an allen unsern friesischen küsten .. mööre gelegen haben sollten. 65; setzt man aus der geest über den haiderücken, so kommt man auf der westküste von Schleswig in die bekannte marsch. Ritter Europa (1811) 1, 292; unter ihr (der thonerde) liegt wirklicher sand, den man beim pflügen nicht heraufbringen darf, wenn die marsch gut bleiben soll. ebenda; bei Bürger einmal in weiterem sinne:
wie die pappel,
welch auf feuchter marsch an groszen sümpfen emporwuchs.
219ᵃ (Il. 4, 483 ἐν εἱαμενῇ).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1672, Z. 77.

marsch, interj.

marsch, interj.,
dem franz. imperativ marche von marcher nachgebildet, zunächst militärisches commandowort, auch in der verbindung vorwärts marsch! wie franz. en avant, marche Littré 2, 443ᶜ; marsch! für marschiret! procedite Frisch 1, 646ᵃ;
denn Friedrich war noch nicht zu sehn,
bis Moritz sagte: marsch!
von allen war ér nun zu sehn,
und alle sagten: marsch!
Gleim 4, 32;
hoch führt der grav die reuter an:
mein sohn ist wie ein andrer mann!
marsch! kinder! in den feind!
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 346;
dann in allgemeinerer verwendung, wie vorwärts!: ich nehme meine tochter in arm, und marsch mit ihr über die gränze. kab. u. liebe 2, 4; jetzo marsch, zurück! J. Paul Siebenk. 1, 67; marsch fort hinein! Kotzebue dram. sp. 2, 255; also geschwind, marsch in dein kabinet! 3, 241;
marsch! setz er sich!
Schiller Piccol. 4, 1;
Adam (zum büttel). die kläger rufst du — marsch!
H. v. Kleist zerbr. krug, 5. auftr.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1673, Z. 25.

martsch, martschen

martsch, martschen,
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1689, Z. 19.

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Zitationshilfe
„martschen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/martschen>, abgerufen am 27.11.2021.

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