Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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maser, m., f.

maser, m. f.
tuber.
1)
das wort, in der alten sprache nur masc., später mit zum theil erweiterter bedeutung auch ins feminine geschlecht übergetreten, findet sich im altnord. als mösurr, mösur-trê ahorn, altengl. maser ahorn; ahd. masar, mhd. maser aber (und wol in älterem sinne, vgl. unten 3) ist der knorrige auswuchs eines baumstammes und das daraus gefertigte. die etymologischen bezüge von maser sind eben so dunkel, als die von mase, oben sp. 1698; verwandtschaft beider durch ursprüngliche kürze und länge des stammvocals von einander getrennten wörter wäre nicht unmöglich, da sie als im ablautverhältnis zu einander stehend aufgefaszt werden können, und da auch die bedeutung nicht weit auseinander liegt, indem der begriff des fleckes am masc. wie am fem. maser sich entwickelt findet.
2)
maser, auswuchs am ahorn oder an einem andern baume: tuber, knortz an holtz, maser Dief. 600ᵇ; maser bruscum, maser an eim baum, tuber Dasyp.; maser, tuberculum, bruscum. Maaler 284ᵇ; der maser ist nit grosz gnuͦg tisch ze machen, magnitudinem mensarum non capit bruscum. ebenda; der puchspaum hât gar knorret wurzeln, und dar umb vint man edlern maser an derlei holz wan an kaim andern holz. iedoch smeckt der wein paʒ auʒ viechteim maser. Megenberg 317, 3 (vgl. dazu unten 4); auʒ des holzes (des ahorns) maser macht man guot köpf. 338, 17; niederd. he gaff ême îslîken ênen kop van maseren, de ghans lîk wêren. Germ. 9, 262, 8; maͦser, maͦsel, auswuchs, knorre am baum, die im innern bunt geädert sind. Danneil 134ᵃ; in Baiern der maser, auswuchs oder knorren an ahornen, kirch- und nuszbäumen, birken u. dgl., den die dreher, tischler zu verschiedenen arbeiten benutzen. Schm. 1, 1658 Fromm.; schweiz. mäscher, mäser maserholz für tischlerarbeit, auch benennung einer verwachsenen person Stalder 2, 199; und sonst im gemeinen leben, man redet von einem pfeifenkopf aus maser, einem becher aus maser; vgl. masergeräth; die birkenmasern, oder die knorren am untern stamme, werden zu allerlei drechslerarbeiten gebraucht .. dergleichen masern oder knorren. Nemnich 1, 599;
und die wurzeln, wie die schlangen,
winden sich aus fels und sande, ..
aus belebten derben masern
strecken sie polypenfasern
nach dem wandrer.
Göthe 12, 205.
3)
wol wegen der auswüchse ist der ahorn selbst maser genannt worden, wie im altnordischen und altenglischen (oben 1): murra ein maeszer, maser, masser (neben masirbaum, masserpaum) Dief. 372ᶜ.
4)
das aus dem maser verfertigte trinkgeschirr, becher, ein im mittelalter gewöhnliches gerät (vgl. die stellen oben unter 2), in das mittellat. als scyphus maserinus, altfranz. madelin, maderin trinkgefäsz, übergegangen (Diez wb. der rom. spr. 2, 366):
vil süeʒe lîtgebinne,
ir sult füllen uns den maser.
meier Helmbrecht 1003;
uʒ maʒer und uʒ ficht
drinkt man dick guten win.
Altswert 195, 21;
bairisch maser ein derartiger, mit silber oder zinn beschlagener trinkkrug. Keinz zu meier Helmbr. s. 76.
5)
maser, flammen- und geäderzeichnung, wie sie sich am maser (nr. 2) findet, sonst flader, th. 3, 1708 fg. die bedeutung ist schon im 16. jahrh. ausgebildet, vgl. unten masericht: maser ... wird von einem und dem andern holz gesagt, welches dergestallt in sich zu wachsen pfleget, dasz dasselbe, wenn es durchschnitten worden, allerlei flecke, wolken und züge vorstellet. öcon. lex. 1531; und wird auch der maser in einem holze mit vielem unterscheid angetroffen, der beste ist allemahl an dem stammende bei der wurzel, und an den astigen, knorrichten theilen. ebenda; hier entwickelt sich aus dem plural ein femininer singular, es heiszt jetzt das holz hat eine schöne maser oder schöne masern;
wie viel adern, streifen, masern,
zirkelzüge, wirbelstrich,
winkel, klein und grosze fasern
sieht man mit verwundrung, sich
in den stämmen, in den zweigen,
sonderlich in wurzeln zeigen.
Brockes 9, 105;
maser auch das so gezeichnete holz selbst, s. unten maserholz.
6)
von der ähnlichkeit ihres gehäuses mit einer solchen zeichnung heiszt eine porcellanschnecke, cypraea lynx, maser. Nemnich.
7)
maser, verhärtung in der haut; eine übertragung der bedeutung 2, wobei doch aber auch ahd. masala blutgeschwür (s. nachher das fem. maser) einzugreifen scheint: ein guͦte salb die gehört noch dem bruch so ein harter maszer do bleibt und von kelt wee thuͦt. Gersdorf feldb. d. wundarzn. (1528) 51; dieser liquor oder feuchte, so sich also in das gleich begeben und versetzt hat, vermischet sich nachmalen mit dem glutine desz glieds und wirdt letztlich gar zu einem tartaro, so man maser nennet. Würtz pract. d. wundarzn. 334; der maser. 335.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1700, Z. 6.

maser, f.

maser, f.
erhabener ausschlag auf der haut, pustel: pustula heiszt eigentlich jede kleine entzündung, die sich auf der haut äuszert; eine blatter, eine maser, und dergleichen. weil nun aber so eine blatter, oder maser, über die haut hinaustritt .. Lessing 8, 499; es ist als masele, massele niederdeutsch (Schiller-Lübben 3, 41) und kommt mit ahd. masala, mhd. masel blutgeschwür (flegmen, tumor sanguinis, masala, masela, masale, masel Dief. 239ᵇ) überein; im Göttingischen bezeichnet mâsere, mâser den krebs an der borke der bäume Schambach 131ᵇ (also verschieden vom masc. maser). der plur. masern für die bekannte kinderkrankheit: masern, papulae rubentes Schottel 1362, bei Frisch 1, 647 maseln und masern; masern ist eine krankheit ... es äuszert sich dieselbe in rothen erhabenen flecken, die auf der äuszerlichen haut auffahren. öcon. lex. 1532; masern, morbilli, vari rubentes, das kind hat die masern, puer varis rubentibus decumbit. Steinbach 2, 30; niederl. maselen, maseren, .. vulgo variolae: exiles maculae rubrae aut purpureae interdum nigricantes pueris infestae. Kil.; der name war aber ursprünglich nur nieder- und mitteldeutsch, und ist noch jetzt im süden nur aus der schriftsprache bekannt.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 9 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1701, Z. 11.

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Zitationshilfe
„maser“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maser>, abgerufen am 05.12.2021.

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