Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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matt, f.

matt, f.
für mahd sp. 1449, ein schwaden: wann ein zehendbarer baugrund von neuem zu einer wiesen gemacht würde, musz nicht weniger die zehende matt von heu und grummat gereicht werden. Hohberg 1, 41ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1756, Z. 36.

matt, adj. und adv.

matt, adj. und adv.
languidus.
1)
der ausdruck des schachspiels matt (ursprünglich persisch schah mate der könig ist todt, vgl. Wackernagel kl. schr. 1, 112 und schachmatt) ist bekanntlich, wie in die romanischen sprachen (ital. matto, span. portug. mate, prov. franz. mat, vgl. Diez wb. d. rom. spr. 1, 269), auch ins deutsche übergegangen, wo es sich seit dem 12. jahrh. nachweisen läszt (Zarncke im mhd. wb. 2, 1, 87 fg.), in festen, dem spiele gemäszen formeln: sprig schaig vanme rogge ... und mat vanme rittere. schachaufgaben des 14. jahrh. in Haupts zeitschr. 14, 180 (niederrhein.); ove he nimt den rittere, nim du den sin aldin, unde salt yme gen (geben) mat bit deme rogge. ebenda; zom drittin gif yme mat vanme rogge. 182; (ziehe) zome viertin dat rog in dat (feld) D, und is mat. 183; zuͦg dat rog in dat A, den ritter in dat B, und in dat C und in dat D und in dat E und in dat F, und mat bit der kuninginnin. 186; wie später und noch heute: spielent wol mein süne, wan jr werdent bald mat sein (im schachspiel). Aimon bog. a 3; jüngst sah ich, dasz du als meister spieltest, und mit diesem zug deinen gegner matt setztest. Klinger theater 3, 152;
Sittah. schach! und schach! und schach!
Saladin. und matt!
Lessing 2, 228;
wenn auch die königinn nichts gilt: ihr seid
doch darum noch nicht matt.
233;
dieses matt als subst. neutr. gebraucht: das matt; ein blindes matt, wenn der spieler ohne zuruf verfährt; mhd. hiesz es der mat. mhd. wb. 2, 1, 87ᵇ. Lexer 1, 2059.
2)
bei der häufigkeit des spiels ist auch die bildliche verwendung des ausdruckes mat von alters her und bis auf unsere zeit vielfach:
dô Gunthêr mit den sînen
wert daʒ lant und ouch die stat,
dô mohte ir etelîchem mat
werden aller sîner spil.
Biterolf 12008;
der minr dem mêren dicke schat:
ein vent dem künge sprichet mat.
Boner edelst. 16, 46;
da fand ich schach und mat
an mangem stolzen wib.
Altswert 173, 22;
do sprach er: o du veile statt,
wie werstu so bald schoch und matt,
wann du ein koufman hettst allein.
Brant narrensch. 46, 54;
ob sie schon ein concilium müsten machen, haben sie doch dasselbe zuvor mat gemacht, damit, das sie die fürsten zuvor mit eiden verpflichten, sie bleiben zu lassen, wie sie sind. Luther 1, 289ᵃ; (willst du wissen) dasz alle unsere weiblichen künste einzig für dieses wehrlose stichblatt fechten, wie auf dem schach alle officiere den wehrlosen könig bedecken? überrumpelst du diesen — matt! und wirf getrost das ganze brett durcheinander! Schiller Fiesko 4, 12;
kein zug des schicksals setzt mich matt:
matt werden kann ja nur der könig!
Freiligrath dicht. 3, 134.
3)
die bildlichkeit des ausdrucks verwischte sich, matt wurde, ohne mehr an das schachspiel zu denken, als ein adjectiv verwendet, dessen sinn aus dem begriffe des unterlegenseins zu dem des persönlich kraftlosen in folge vorausgegangener anstrengung, und dann des kraftlosen überhaupt, sich herausarbeitete. dieser vorgang fällt in die späteren zeiten des mhd., wird zuerst in nördlichen quellen beobachtet und ist schon zu anfang des 16. jahrh. durchgebildet:
vumf tûsent Rûʒen lâgen tôt
ûf der selben walstat.
die andern vluchtic und mat
jageten hin zû lande.
livl. chron. 7666;
die Rûʒen wâren strîtes mat
dâ vor bie Îsburc worden:
sie boten sich dem orden.
2152;
daʒ klopfen und der stimmen dôʒ
bôt irschreknisse sô grôʒ
und sô dicke dem wîbe
und unrû irme lîbe,
unz sî zu jungist wart sô mat,
daʒ alle wollust von ir trat.
Jeroschin 22612;
matt oder muͤd, fessus, defessus, matt werden, flaccere, conflaccere, frangi, matt werden von älte, fracere, fracescere, matt machen, frangere Dasypod.; matt, debilis, kraftlosz. Schottel 1362; und das wort steht nun so
a)
von menschen und thieren, körperliche und seelische erschöpfung hervorhebend; mit verwandten begriffen zusammengestellt: wie sie dich angriffen auf dem wege, und schlugen deine hindersten, alle die schwachen die dir hinden nach zogen, da du müde und matt warest. 5 Mos. 25, 18; der herr der ewige gott der die ende der erden geschaffen hat, wird nicht müde noch matt. Jes. 40, 28; wie einem durstigen trewmet, das er trinket, wenn er aber aufwachet, ist er mat und durstig. 29, 8; wil jn überfallen, weil er matt und lasz ist. 2 Sam. 17, 2; alle meine kraft ist dahin, und bin aller dinge (schlechterdings) matt und verzagt. Luther 3, 9ᵇ; er hat sich gerhümet, ich werde nicht sterben, sondern leben, darauf spricht fleisch, welt, menschen, und fürsten, und wollen jn weich und matt machen, heist das nicht gestorben, wenn du verbrennet, geköpft .. wirst? 5, 62ᵇ;
es geht dahin, wird matt und krank.
P. Gerhard 68, 5;
matte soldaten, milites languidi, ein mattes pferd, equus languidus, mattes vieh, jumenta languentia, matte tagelöhner, defessi operarii Steinbach 2, 30; matte fliege, musca debilis, metaph. dicitur de homine viribus destituto, er ist eine matte fliege, elumbis, enervus, languidus homo est. Stieler 1248; die matte fliege. Cer. Weise kl. leute 49;
die nacht kömmt angegangen,
mit ruhe zu empfangen
den matten erdenkreis.
P. Gerhard 296, 5;
ihn warf zur sommerszeit ein hitzig fieber nieder,
und folterte den mann auf seinem polstersitz;
sogleich besuchten ihn die feisten ordensbrüder,
und alle trösteten den matten bruder Fritz.
Hagedorn 2, 97;
substantivisch der matte:
meine frischen zweige wehen
lebenskraft dem matten zu.
Herder zur litt. 3, 220;
wir denken dein, der hier und dort
mit uns will eins sein fort und fort,
den matten, den gefallnen hebt.
4, 127;
matt sein, matt werden: und da die menner Israel mat waren desselben tags, beschwur Saul das volk, und sprach, verflucht sei jederman, wer etwas isset bis zu abend. 1 Sam. 14, 24; die sonne stach Jona auf den kopf, das er matt ward. Jona 4, 8; wie werden .. die autoren so blasz und so matt und so gelb! J. Paul Qu. Fixl. 6; mit näher bestimmenden zusätzen: müste doch fur solchem man der Türke sein so matt als eine fliege. Luther 5, 468ᵃ; das jr nicht in ewrem mut mat werdet, und ablasset. Hebr. 12, 3; ein schmid, der mus bei seinem ambos sein, und seiner schmitte warten, und wird mat vom fewr, und erbeit sich müde uber der esse. Sir. 39, 29; da zu sind wir matt von fasten. 1 Macc. 3, 17;
oft schläft der thor, noch hungrig und mit pein,
vom hüten matt, auf vollen säcken ein.
Hagedorn 2, 69;
noch matt von einem austernschmausz,
in weiszer morgenkutte,
sasz sie.
Gotter 1, 89;
der hirsch ist rund umstellt,
und matt bis in den tod.
Gökingk 3, 18;
einen oder sich matt machen, jagen, hetzen u. ähnl.: wenn er gleich sich mat gefastet, gewachet, geerbeitet hat. Luther 1, 405ᵇ; den die arbeit matt gemacht, quem labor languefecit. Steinbach 2, 31; er jagte seine bedienten matt; ein matt gehetztes wild;
er zeiget dir,
wie matt er sich getragen
an deiner last.
P. Gerhard 163, 78;
nun ist die sünd all abgeschafft
durch Christi treu und liebe,
ihr ernst und macht   ist matt gemacht;
trotz, dasz sie uns betrübe!
290, 23;
ach! denkt das veilchen, wär ich nur
die schönste blume der natur, ..
bis mich das liebchen abgepflückt,
und an dem busen matt gedrückt!
Göthe 1, 180;
nieten? nieten? nichts als kahle nieten?
nun, so so niete dich denn satt und matt!
Bürger 50ᵇ (Fortunens pranger).
b)
von den theilen des menschen, an welchen die erschöpfung sich besonders bemerkbar macht: wir gedenken der fissche, die wir in Egypten umb sonst aszen, und der körbis, pfeben, lauch, zwibel und knoblauch. nu aber ist unser seele matt, denn unser augen sehen nichts denn das man. 4 Mos. 11, 6; da sie jn aber treib mit jren worten alle tag, und zuplaget jn, ward seine seele matt, bis an den tod. richt. 16, 16; das ganze heubt ist krank, das ganze herz ist matt. Jes. 1, 5; an deren anblick ich mein krankes, mattes herz ein wenig labte. Hölty 242 Halm;
oft manches mattes herze
erquickt disz warme badt.
anonymus bei Opitz (1624) 176;
was für ein süszer trieb erfrischt die matte brust?
Hoffmannswaldau u. a. ged. 6, 144;
nun geht, ihr matten glieder,
geht hin und legt euch nieder,
der betten ihr begehrt.
P. Gerhard 61, 31;
hier strecket der wallende pilger die matten
brennenden glieder in säuselnden schatten.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 311;
die ihr aus furcht nur tugend ehret,
und schuldlos bleibt, weil keine lust
das matte blut in euch empöret!
Gotter 1, 222;
als ich einst das heimweh hatte
in dem land Italia,
wissen mochte gar das matte
herz nicht, was das auge sah.
Rückert 299;
da will des greisen wange neu sich röthen,
sich zu verjüngen meint das matte herz.
Uhland ged. 161.
c)
matt adverbial: jre fürsten sind, wie die wider, die keine weide finden, und matt fur den treiber her gehen. klagel. Jer. 1, 6; wenn der schriftsteller in der vorrede zur probier-auflage sich so gar matt und scheu handhaben musz. J. Paul uns. loge 1, xxix;
stets lässiger und matter ficht
die holde scham mit Amors süszem triebe.
Wieland 17, 272 (Idris 5, 31);
die fluren dürsten
nach erquickendem thau, der mensch verschmachtet,
matter ziehen die rosse.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 47.
d)
in einigen fällen hebt matt weniger erschöpfung, als stumpfheit und energielosigkeit hervor:
auch ist weiblich gschlecht blöd und mat.
H. Sachs 4, 3, 28ᵈ;
weh dem menschen, dessen herz
nichts zur freud entzündet;
der sich, zwischen gram und schmerz
matt durchs leben windet.
Gotter 1, 108;
was bunter tand, wornach der matte greift?
Arndt ged. (1840) 372.
e)
auch pflanzen und das sie tragende feld werden, auszerhalb eigentlicher personification, als matt bezeichnet, indem hier immer die vorstellung eines bewusten und selbstthätigen lebens die wahl des adjectivs beeinfluszt:
ein röslein, wenns im lenzen lacht,
und in den farben pranget,
wird oft vom regen matt gemacht,
dasz es sein köpflein hanget.
P. Gerhard 12, 66;
steh (nach dem regen) auf, du mattes feld,
aus deinem trauerzelt.
18, 31.
4)
matt von dem, was ein matter in sich trägt, fühlt, thut und äuszert: matte kräfte, vires effoetae. Stieler 1248; die hoffnungen blieben zu matt. J. Paul flegelj. 1, 3;
matter schwermuth klagen oder thränen
ziemen nicht zum todtenopfer denen,
deren lob durch raum und zeit erschallt.
Bürger 92ᵇ;
er sah die krallen gekrönter wappenthiere am entfiederten raube haken und hörte diesen mit matten flügelschlägen zucken. J. Paul Qu. Fixl. 45;
in diesen schwülen sommertragen
fliegt Amor nur in kühler nacht,
und schlummert, wenn die sonne wacht:
die muse träumt nur matte klagen.
Uz 1, 135;
(lippen) die sich zu matten, halbgeküszten küssen
kaum zu schlieszen vermögen.
Stolberg 1, 242;
den ... buchhändlern die aus bosheit den matten umlauf seiner verlagbücher nicht durch einen erlaubten nachdruck beleben wollen. J. Paul auswahl a. d. teuf. pap. 2, 19;
lasz diese matten zeilen (zeilen eines erschöpften)
dir zu gemühte gehn und nimm dich meiner an.
polit. stockf. 105;
verschiedentlich weist matt hierbei schon auf die folgende bedeutung (5) hin, indem mehr das stumpfe und ausdruckslose als das kraftberaubte hervorgehoben wird: was soll mir ein mattes vergnügen, welches auch meine unterthanen genieszen könnten? J. E. Schlegel 2, 17;
bei gütern, die wir stets genieszen,
wird das vergnügen endlich matt.
Gellert 1, 63;
matte worte, matte verse; der matte schlusz eines schauspiels, einer rede; eine matte entschuldigung, excusatio calva. Stieler 1248; das ding kommt matt heraus, minus conveniens, inconcinnum, absurdum hoc est. ebenda; matter scherz, joca inepta, nugae invenustae. ebenda; dasz der bube in das heiligthum der gesetze griff — diese aufforderung war dir zu matt — der bube muszte noch ins heiligthum deines bluts greifen. Schiller Fiesko 1, 10; graut dir vor diesem Karl? ekelt dir schon vor dem matten gemälde? (der schilderung seiner person). räuber 1, 3; die rede ist deutlich, aber sie ist auch matt. Gellert 5, 166;
wie unruhvoll wird seine (des dichters) lagerstatt,
wann ihm der nächste tag, so bald er ganz erwachet,
des fundes (eines gefundenen gedankens) werth mit recht verdächtig
machet!
der einfall welkt: die worte flieszen matt.
Hagedorn 1, 129;
substantivisch das matte, auf solchen ausdruck bezogen: ich werde sehen, wie er denkt und spricht, ohne in das matte und leere zu fallen. Gellert 5, 132; er wird dem reime nie etwas von dem gedanken aufopfern, noch durch die tyrannei des reims sich zwingen lassen, etwas überflüssiges, mattes oder kriechendes zu sagen. 8, 136;
er wies dem alten, schritt für schritt,
hier bald das matte, dort das leere,
und dachte nicht, dasz der, mit dem er stritt,
der autor des gedichtes wäre.
1, 234;
matt mit dem urheber solches ausdrucks in bezug gebracht: er wird das natürliche, und das leichte, das naive, das lachende, das dialogische in der sprache der erzählung anbringen, ohne matt, ohne niedrig, ohne gezwungen zu werden. 8, 136.
5)
matt für sittlich schwach, steht nur ausnahmsweise:
begingst du ihn im keller gleich,
tief in der nacht der erde,
hervor musz er, der matte streich,
dasz er beschnickschnackt werde.
Bürger 65ᵃ
(vorher: mach aber einen schwachen streich.
64ᵇ).
6)
matt, stumpf, ohne kraft, von gegenständen.
a)
für das auge, von sonst strahlendem, glänzendem, farbigem: item was (an einem heiligenbild) hor ist, (soll werden) matt mit dem besten gold. anzeiger des germ. mus. 1866 sp. 273 (Basel, von 1518); mattes gold, mattes silber, ein mattes roth, blau; der umbra und der massikot ... sind matte farben. Jacobsson 3, 34ᵇ; gold- und silberarbeit, welche matt oder glanzlos sein soll. 35ᵃ; matt nennt man die mineralien, so gar kein licht von sich werfen. 6, 531ᵇ; der mondschein überzieht heut alle gänge mit mattem silber. Freytag soll und haben 2, 313;
der blumen zarter schnee, den matter purpur färbet,
schlieszt ein gestreifter stern in weisze strahlen ein.
Haller 40;
(wenn) der west das schlaffe seegel kühlet,
und matter schaum das ruder spület.
Gotter 1, 224;
ein öd und trüb gemach; der abendsonne schein
bricht durchs vergilbte glas der fenster fahl herein!
matt durch die matten scheiben bricht er.
Freiligrath dicht. 1, 105;
in einem bilde:
am ersten tag der fünften woche schon
begann ich weisz nicht welch ein matter farbenton
dem glück der liebe was von seinem glanz zu stehlen.
Wieland 18, 175;
von den strahlen der sonne, des mondes, der sterne, einer leuchte: bis nichts mehr am himmel ist als ein mattes nachglimmen des gewölkes. J. Paul Qu. Fixl. 4, 166;
vor der herrlichen gestalt
selbst die sonne matt und kalt.
Göthe 41, 217;
Lunens matter strahl,
der mit der nacht nur schwach und sterbend kämpfet.
Wieland 21, 252;
beim matten licht,
das hier und da von fern durch fensterscheiben bricht.
238;
ein unermeszner bau im schwarzen flor der nacht,
nächst um ihn her mit mattem strahl beschienen,
ein streitendes gestaltenheer.
Schiller die künstler v. 106;
kein sternbild ist zu sehn! der matte schein dort,
der einzelne, ist aus der Kassiopeja.
Wallensteins tod 5, 3;
matt schon glüht im westen die gluth; ein stern nach dem andern
trat aus dem glanz und umblinkte die hellere sichel des mondes.
Voss Luise 1, 798;
er ward
ganz blasz, als er dich sah — das ist ein zeichen
wie matte wolkenstreifen stets für mich;
ich fürchte einen bösen sturm!
H. v. Kleist familie Schroffenstein 3, 2;
matte nacht, die glanzlose:
der erde schöner grüner teppich soll
kein tummelplatz für larven sein. dort unten
such ich euch auf: dort bindet alle dann
ein gleich geschick in ewge matte nacht.
Göthe 9, 28;
in einem vom strahl der himmelskörper entlehnten bilde:
vom matten strahl der hofnung kaum erhellt.
Gökingk 3, 190;
vom auge: mit gewaltigen, groszen augen blickt er umher, aber die matten spiegel empfinden nur eine leere abwechselung von licht und schatten, nicht die volle gestalt, die feste farbe. Immermann Münchh. 3, 79; das seelestrahlende auge wird matt. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 97.
b)
für den geschmack: matt, nit räsz, hebes gustu Maaler 284ᵈ; ausz ursach, dasz sie ein lind, mürb oder matt fleisch haben. Forer fischb. 13ᵃ; das wasser ist matt, nicht frisch; die limonade ist matt, wie deine seele. Schiller kabale u. liebe 5, 7; bier, wein ist matt, schal: befahrest du dich aber, dasz dieser wein matt wird. Coler. hausb. (1640) 86.
c)
für gehör: ein mattes echo; das gewitter war vorübergezogen, nur ein matter donner rollte noch nach; für den tastsinn: die kugel war zu matt, sie schlug nicht mehr durch; verwundung ... an dem schulterblatt durch ein granatstück und eine matte gewehrkugel. Berliner tagebl. 1882 nr. 313;
auf meine brust lasz deine pfeile zielen! ..
sie werden sich vor halbem lauf
in meinen feuchten strahlen kühlen,
und stumpf und matt um meinen busen spielen.
Wieland 10, 145;
und sonst für das erkennungsvermögen:
waren, Laura, diese lustsekunden
nicht ein diebstahl jener götterstunden?
nicht entzücken, die uns einst durchfuhren?
ineinanderzuckender naturen
ach! nur matte spuren?
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 283.
7)
matt, in der sprache der bergleute: matte, schwache wetter, wetter welche einen geringeren antheil von sauerstoff enthalten als die frischen wetter, daher die funktionen der athmungsorgane erschweren und das brennen des grubenlichtes nur unvollkommen erhalten. Veith 571: und blos der matten wetter wegen steigen schichtlöhne und gedinge. A. von Humboldt über die unterird. gasarten (1799) 21; die der bergmann matte, uneigentlich auch wol schlechte wetter nennt, jene wetter nämlich, in welchen lichter und feuer schwerer oder gar nicht brennen. 168.
8)
matt, in den kupferhütten, heiszt soviel, als strenge. Jacobsson 3, 34ᵇ; es wird von strengflüssigem erz gebraucht.
9)
matt, in der sprache der kaufleute, von dem angebot und der nachfrage auf waaren, den höheren grad von flau (th. 3, sp. 1735 oben) bezeichnend: frachten unverändert matt. die börse schlieszt matt, in matter haltung. börsenberichte; hafer flau, gerste matt. Berliner tagebl. 1882 nr. 305.
10)
matt, für matt machend, erschlaffend, drückend:
so bald die matte hitz im mittag sie (die rose) bezwingt,
und der geschwinde sturm von süden, nordwerts dringt,
bleibt nur ein dornenbusch, vor dem man sich entsetzt.
A. Gryphius (1698) 1, 611;
anders ist der matte schlaf gemeint, als gegensatz zum festen, doch auch hier mit rücksicht auf das nicht kräftigende desselben: weil er in solchen gedanken bisz gegen morgen gelegen, gerieth er in einen matten und annehmlichen schlaf, also dasz er vor neun uhr nicht wieder erwachte. indessen hatte er viel schwere und verdrieszliche träume, wie es bei denselben kein wunder ist, die sich in der nacht müde gewacht haben. Chr. Weise erzn. 179 Braune.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1756, Z. 40.

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Zitationshilfe
„matt“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/matt>, abgerufen am 08.12.2021.

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