Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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matte, f.

matte, f.
1)
mattheit, mattes wesen: matte nennt der gold- und silberdrahtplätter ein kleines glanzloses, beim gusz entstandenes grübchen auf der walze der plättmaschine, eine glanzlose stelle derselben, die durch schmirgeln entfernt werden musz. Jacobsson 3, 35ᵇ; matte, was von glatten flächen etwas einwärts gehet, als in metallenen geschirren. Frisch 1, 649ᵃ.
2)
etwas matt machendes: beim vergolder ist matte eine durchsichtige flüssigkeit, womit matte stellen bei einer vergoldung angebracht und befestigt werden. Jacobsson 3, 34ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1761, Z. 33.

matte, f.

matte, f.
pratum; ein altes, wahrscheinlich einst westgermanisches und in orts- und stammnamen schon früh begegnendes wort (vgl. Grimm gesch. d. d. spr. 582), ahd. mato, aber auch matta in dem eigennamen Harmoltes matta Graff 2, 658, mhd. mate, fries. mede, altengl. medewe, engl. meadow, das jetzt mundartliches leben noch im alemannischen sprachgebiete führt, während es in der schriftsprache nur der höheren rede angehört: dem Alemannen im dialekt klingt wiese so selten und poetisch, wie anderen Hochdeutschen matte. niederl. entspricht das neutr. mat eingeschränkter platz (Kramer 1, 191ᶜ); und vielleicht soll auch mit dem worte ursprünglich das eingehegte wiesengrundstück hervorgehoben werden, wie denn schweizerisch geschlossene güter mit bloszer oder vorwiegender weidewirtschaft als letzten theil ihres namens -matt zeigen: die Kranzmatt, Marchmatt, Schafmatt, Lachmatt u. a., vergl. Seiler 204ᵇ; im Ober- und Niederelsasz, sowie im südlichen Schwarzwald ist matte als flurname in zusammensetzungen ungemein häufig, vergl. Birlinger Alemannia 10, 193ᵃ. matte wird von wiese unterschieden: grüne gärten, wiesen und matten. Bocc. 1 (1580) 38ᵇ; das thal der Saar ... ist zu beiden seiten von bergen begleitet, die traurig heiszen könnten, wenn nicht an ihrem fusz eine unendliche folge von wiesen und matten, die Huhnau genannt, sich bis Saaralbe und weiter hin unübersehlich erstreckte. Göthe 25, 321;
immer abwärts, immer tiefer, wässern wir, mäandrisch wallend,
jetzt die wiese, dann die matten, gleich den garten um das haus.
41, 248;
aber oft auch ihm gleich gesetzt: pratum, ein wise, matte, pratensis, das aus den wisen oder matten ist Dasyp.; die matten oder wysen, pratum Maaler 284ᵈ; da het ein ritter gar ein grosze matten oder wisen. Pauli schimpf 22; gestanden ist ein katz uff einer schönen matten oder wisen. Cyrillus 74; dieses gewächs findet man in bergechtigen matten oder wiesen. Tabernaemont. 520; wann die wisen zu dürr sein, so were es trefflich gut, das man ein bächlin liesz uber die matten laufen, dieselbigen damit zu befeuchtigen. Sebiz feldb. 458;
ir wolt in fremder wiesen grasen.
man sol euch stellen als eim hasen,
und das man euch fieng in der matten
und euch schür ein narrenplatten.
fastn. sp. 143, 14;
matte in der älteren sprache als ein wort der gewöhnlichen rede: rychtum, acker unde matten. Keisersberg bilg. 14ᶜ; die matten wässern. schiff d. pen. 102ᶜ; do ... gsach man den obresten houptman Laveter unden durch ein matten uffher kummen. Th. Platter 78 Boos; die matten sind ganz weisz vom reifen, prata canis albicant pruinis. Maaler 284ᵈ; man hat bei den alten im bauwrenwerk die matten aller höchst geschetzt, primas prato tribuerunt veteres in agri collatione. ebenda;
der felber sprach: ich bin so drat,
ich ston dört mitten in der matt
und halt ob einem brünle kalt,
darusz zwen lieben trinken.
Uhland volksl. 31;
wie noch bis jetzt bei den schriftstellern alemannischer heimat (im wechsel mit wiese): da zeigte er mir allerlei vögel, käfer und würmchen, dieweil er die matten säuberte. a. mann im Tockenb. 13; deine halbe matte gehört deines bruders kindern. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 1, 18; in allen berg-kantonen der Schweiz .. sind in einer nacht, und fast in der nämlichen stunde, durch die lawinen .. matten und gartenland bis auf den nackten felsen hinab aufgeschürft und weggeführt und ganze wälder zerstört worden. Hebel 2, 165; zur Keszlere (dem bauernhof) hatten matten gehört im thal. J. Gotthelf schuldenb. 39; er ging daher mit ihm auch in die matten und äcker und befragte ihn dort um seine meinung. Wilhelm rieth ihm kurzweg, die äcker ebenfalls wieder in matten umzuschaffen, was sie früher auch gewesen seien; denn was an ackerfrüchten hier oben gedeihe, sei nicht der rede werth, während vom walde her genug feuchtigkeit da sei, die wiesen zu tränken. G. Keller leute von Seldwyla 2 (1876), 141; sprichwörtlich in der Schweiz: das ist für ihn eine gemähte matte, ein gefundenes fressen, eine altbezeugte redensart:
mich zwang mein groʒʒe girde,
das rauch geferde daucht mich ain gemayget matte.
minnefalkner 167;
dem alemannischen sprachgebrauche zunächst steht Göthe, in seinen schilderungen schweizerischen und elsässischen lebens: ganz früh sah ich ihn auf die matte schleichen, die er oben im walde hat. sein tage hat er nicht so oft nach den sennen gesehn. 11, 7 (Jery u. Bätely); ein fremder verwüstet uns die matten. 23; wir .. hatten im frischen schnee einen schlüpfrigen weg über die matten zu machen. 16, 271 (briefe aus der Schweiz); unser weg ging nunmehr durchs Ursner thal, das merkwürdig ist, weil es in so groszer höhe schöne matten und viehzucht hat. 298; die ganze gegend .. ist mit schnee bedeckt, fels und matte sind alle überein verschneit. ebenda (und noch öfters in diesen briefen); denkt man sich nun zwischen diesen üppig ausgestreckten matten, zwischen diesen fröhlich ausgesäeten hainen alles zum fruchtbau schickliche land trefflich bearbeitet (im Elsasz). 25, 226; so schien auch sie (Friderike von Sesenheim) ihre art und weise am deutlichsten auszudrücken, wenn sie etwas vergessenes zu holen, etwas verlorenes zu suchen .. über rain und matten leichten laufes hineilte. 26, 16; der stieg war abscheulich, über schlüpfrige, feuchte matten. 43, 186 (Schweizerreise); thal hineinwärts, erst gelinde ansteigende, dann steile matten .. gegen die Tellenplatte ist eine schöne stelle, erst kahler fels und steinrutsche, dann anmuthige nicht allzusteile matten mit schönen bäumen und büschen umgeben. 189; ein schön gepflasterter weg führt über eine höhe, zwischen matten hin, auf welchen kühe schwelgten. dergleichen matten werden im frühjahr abgeätzt, und wenn das heu gemacht ist, wachsen sie abermals stark genug. 203; daneben braucht er, wie andere vor und zu seiner zeit (s. nachher), das wort in gehobener rede: mit einem so lieblichen wesen allein, auf grüner matte, zwischen gras und blumen, von felsen beschränkt, von wasser umrauscht! 23, 96;
führ uns indesz durch blumenreiche matten.
2, 158;
begegnest mir auf neu beblümten matten.
3, 21;
ein grün gelände,
zieht sichs nicht hin am flusz durch busch und matten?
25;
wie denn matte, im gesamtgebiet des hochdeutschen nie ganz vergessen, in den wörterbüchern des 17. jahrh. beiläufig erwähnt (matte, wiese, pratum Schottel 1362. matte, pratum, et nonnumquam omnis campus virdis sive rus nitidum Stieler 1208; Hederich und sein ausschreiber Steinbach führen das wort nicht an), von dichtern, namentlich süddeutschen, gelegentlich verwendet:
das grasz, das schön und grün die matten zieret.
Weckherlin 204;
die schönheit ist wie gras, wie blümlein auf der matten.
Rompler 214;
warum so gar allein? geliebte Sylvie!
gefällt dir dieser pusch mehr als die bunten matten? (: schatten).
Leander aus Schlesien in Hoffmannswaldaus u. a. ged. 6, 144;
seit der zweiten hälfte des 18. jahrh. ein gern gebrauchtes dichterwort wird:
lieber bach, der zwischen felsen
sich in grüne matten drängt.
Gleim 2, 185;
bis Titans froher blick, nach überwundnen schatten,
jetzt wieder unverfinstert strahlt,
und in den aufgehellten matten
um Floren lacht und ihre bluhmen mahlt.
Uz 1, 194;
in stille matten, an denen ein rieselnder bach
durch junge durchsichtige büsche sich windet.
Wieland 10, 61;
am geschwätz des baches, auf den matten
flogen ihre füsze
oft im tanze.
Hölty 50 Halm;
so schleichet, im freundlichen schatten
der pappel, auf blühenden matten,
die natter, und sticht dich im fusz.
Stolberg 1, 147;
und die sonne blickt durch der zweige grün,
und mahlt auf den glänzenden matten
der bäume gigantische schatten.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 288;
ihr matten, lebt wohl!
ihr sonnigen weiden!
Tell 1, 1;
der matten warmes grün, der blumen schmelz.
1, 4;
ich fand ein bett zu süszer ruh
auf weichen, grünen matten;
der wirth, er deckte selbst mich zu
mit seinem kühlen schatten (der apfelbaum).
Uhland ged. 61;
die abendsonne strahlt, ich sasz im kühlen
und blickte tief ins lichte grün der matten.
142.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1761, Z. 42.

matte, f.

matte, f.
geflochtene decke, aus dem lat. matta übernommen, ein lehnwort, das mit dem geräte wol zufrühest in klöstern heimisch war: priatium matthun, matta Steinmeyer-Sievers 1, 229, 24 (das lat. wort aus griech. ψίαθος); matta matte, matt, mat Dief. 351ᶜ; plecta matte, mat, matt 441ᶜ; mit nebenform math o. nath ebenda, welches letztere, mit wechsel des anlautenden m in n, dem spät vulgärlateinischen natta, altfranz. nate, später natte (Diez wb. d. rom. spr. 2, 385) entspricht, auch Kilian führt als alte sicambrische (d. h. in Geldern, Jülich, Cleve gebräuchliche) form natte neben niederl. matte auf; andere nebenform mit verschiebung der dentalen matz, matzen Dief. a. a. o., welche bis ins 16. jahrh. oft erscheint, s. an alphabetischer stelle; sie hält sich nur ausnahmsweise über diese zeit hinaus, während in Niederdeutschland matte (wie im niederl. engl. mat) weiter lebt, gelegentlich auch in der schriftsprache bei niederdeutschen autoren erscheint:
den, der die matten wirkt, ob er schon weben kan,
nimbt, wo man seide wirkt, doch nicht zum weber an.
pers. rosenth. 7, 14 (vgl. dazu mattenweber);
aber die wörterbücher vor Frisch führen das wort nicht auf. erst im 18. jahrh., und offenbar von Niederdeutschland her, wird es wieder allgemeiner: matte, eine decke, teges, eine matte von stroh, storea, eine matte von bindsen, teges ex juncis, stragulum ex scirpo aut sparto Frisch 1, 649ᵃ; bedeckten also den ... cörper mit einer matte. Felsenb. 2, 75; die andere (grazie) breitete eine matte von den feinsten gespaltenen binsen darüber aus. Wieland 12, 217;
sein alter mentor schlief getrost auf seiner matte.
Wieland 4, 75 (neuer Amadis 3, 27);
seht! da sitzt er auf der matte,
aufrecht sitzt er da.
Schiller nadowess. todtenklage;
matte auf den schiffen: matten .. werden von binsen, gespaltenem rohre, bast und dergleichen, geflochten und auf den schiffen gebraucht, die brodtkammer, das segelbehältnisz, und auch den raum des schiffs zu beschlagen, wenn korn blosz eingeschiffet wird, um die feuchtigkeiten abzuhalten. Eggers kriegslex. 2 (1757), 173; als bekleidung des mastes:
inmitten der fregatte
hebt sich der starke mast,
mit segel, flagg und matte.
Freiligrath dicht. 1, 115;
matte für hängematte (vgl. th. 4², 440):
ich will in die matte mich strecken.
A. v. Droste-Hülshoff ged. 181.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1763, Z. 38.

matte, f.

matte, f.
geronnene milch, matz (vgl. das. nr. 8): episerum matte, matten Dief. 205ᵃ, vgl. käsematte th. 5, 254; rendel, lipp, käsemägel, matten, dick- sive schlippermilch, coagulum, lac coagulatum Stieler 1612; die matten essen, lactis coagulata edere Steinbach 2, 31;
dort kan man aus dem brunn auch käse-matten schöpfen.
Wiedemann märz 21.
das katal. mató rahmkäse, franz. maton quark in klumpen (solche klumpen heiszen in der Normandie les mattes Littré 2, 475ᵇ), ital. mattone backstein, nach der ähnlichkeit der form so genannt (Diez wb. 1, 269), ist dasselbe wort; ob auch matte, der ältere name einer groszen spanischen silbermünze, ist fraglich; der name spanische matte ist auch auf eine muschelart, Venus litterata, übergegangen. Nemnich 4, 1548.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1763, Z. 81.

matte, f.

matte, f.
motte (s. d.): tinea matte Dief. 584ᵇ (hochd.-böhm. wb. von 1470); tinea matt nov. gloss. 365ᵃ (von 1421); matten, blatta, insectum vestibus et libris inimicum Schottel 1362; es kommen matten in die kleider, tinea morsu pertundunt texta vel vestimenta. Stieler 1208; es seind matten in büchern, blattae sub foliis librorum latitant. ebenda; matte, blatta Kirsch cornuc.; seit dem vorigen jahrh. zu gunsten von motte gewichen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1764, Z. 10.

matte, f.

matte, f.
in Niederdeutschland der theil des getreides, den der müller für das mahlen erhält. Frisch 1, 649ᵃ. brem. wb. 3, 137. es ist die niederd. form von metze: matte, mette, moldura Schiller-Lübben 3, 46ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1764, Z. 17.

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Zitationshilfe
„matte“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/matte>, abgerufen am 28.11.2021.

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