Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maulaffe, m.

maulaffe, m.
1)
affe mit groszem oder offenem maule, bild für einen glotzenden oder gaffenden menschen. älter und noch mhd. ist das gleichbedeutende munt-affe (Lexer wb. 1, 2234). sonst wird der narr mit offenem munde, wie durch einfaches affe (th. 1, 182) auch durch gähnaffe und verwandtes (th. 4¹, 1148) ausgedrückt; maulaffe ist seit dem 15. jahrh. nachzuweisen:
lacht, greint und singt ein wenig leis,
ir kelber, tortschen und maulaffen!
fastn. sp. 539, 18;
als eigenname eines 'dummen' teufels:
Nagenranft und Ackertrapp,
Relling und Maulaff,
Polsterpuob und Schlickenprein,
die sollen vorsinger sein.
445, 38;
peor oder phegor heiszt hiatus, et pertinet ad os proprie, das maul aufsperren, darumb baal peor, ein man, dem das maul aufgesperret stehet, den wir auf deudsch nennen maulaffen. Luther 2, 126ᵇ; als uns das die römischen historien wol zeigen, da sie manchen feinen keiser tödteten, alleine darumb, das er jnen nicht gefiel, oder nicht jren willen thet, und lies sie herrn sein, und hielte sich (betrachtete sich als) jren knecht und maulaffen. 3, 319ᵇ; den satan, der mir aus meinem herrn und heiland Jesu Christo, nichts anders machet, denn einen leichtfertigen narren, und sein gespött an jm hat, als were er ein maulaffe, oder trunkenbold im abendmal gewest. 473ᵃ; und ist unser schuld, das wir solche maulaffen sind, und lassen uns so effen und nerren. 5, 227ᵃ; welche maulaffen und unvorsichtige narren das sind. 6, 266ᵃ; maulaffen sollen yhr herrn sein. Jes. 3, 4 (später geändert zu kindische sollen uber sie herrschen); es werde (das tractätlein) ... durch deroselben hoch- und vielgeltende authorität für naseweiser maulaffen unzeitigen urtheil an diesen orten sicher sein. Schuppius 2; eben an dem tag, da diese junge maulaffen, die junge Phariseer, zu Christo kamen. 790; will dann jetzo ein jeder maulaff, ein jeder pedant, an mir zu einem ritter werden? 791; dasz mancher stümper tag und nacht seufzet, bisz er zur liebsten kommen kan, und wenn sich das glück nach seinem wunsch füget, so steht er wie ein ander maulaffe, und weisz kein wort vor zu bringen. Chr. Weise erzn. 74 Braune; maulaffe sei nichts anders als ein einfältiger und dennoch hocheingebildeter mensch. pol. maulaffe 73; wir stunden also wie ein paar maulaffen. avantur. 1, 86; ich nahm mir nicht einmahl die mühe, diesem maulaffen behörig zu antworten. Felsenb. 3, 197; der? der maulaffe? der lauswenzel? Fr. Müller 2, 98; halbdenkern und ästhetischen maulaffen darf man es (das schauspiel die räuber) kühnlich konfisziren. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 372; es traten wohl so etliche vorlaute bursche vor die fronte heraus und fragten den obersten, wie theuer der fürst das joch menschen verkaufe? aber unser gnädigster landesherr liesz alle regimenter auf dem paradeplatz aufmarschiren und die maulaffen niederschieszen. kabale u. liebe 2, 2; kriegen wir ein urtheil endlich, wo ich so viel recht hab als er, und er so viel als ich, und wir eben stunden wie die maulaffen. Göthe 8, 76; kann ich doch, .. wenn ich ein maulaffe sein will, die zurückkehrenden triumphatoren in der heiligen strasze erwarten. 27, 249; beifall gelehrter und witziger maulaffen. Hamann 1, 383; schweig, maulaffe, sapperment! Kotzebue dram. sp. 1, 207; auch von einem weibe:
maulaffe! du, ja!
gotts blitz, Margrethe!
H. v. Kleist zerbr. krug, 2. auftr.;
die redensart maulaffen feil haben, halten, tragen, bieten, wie bloszes affen feil haben (th. 1, 182) für gaffen, müszig glotzen, lehnt an feil haben, feil tragen im sinne von überflüssig mit etwas versehen sein, in hohem grade zu eigen sein, an (vergl. th. 3, 1447): maulaffen feil haben, hietare, oscitare, moras nectere Stieler 24; stehet und hat maulaffen feil und will alles bekucken und besichtigen. Coler. hausapothek (1640) 249; hastu hier maulaffen feil, und ich suche dich aller orten? ped. schulfuchs 218; aber das sage ich dir, dasz du mir unterwegs nicht maulaffen feil hältst. Kotzebue dram. sp. 2, 132; der Kienholz sandte nun den ständlisänger Christen, der eben vor den fenstern maulaffen feil trug, eilends im dorfe herum. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 35; vergl. mhd.
wie wol sî (zwei dumme bauern) noch verkoufent, daʒ sî tôren vüerent veile.
Neidhart 51, 27.
das bei Keisersberg erscheinende malaffe ist, trotzdem es anders bezogen, wol nur eine umdeutung von maulaffe: der tüfel isset gern affen, das seind narren und weltliche menschen .. wir habent: lobaffen, sangaffen, jaraffen, malaffen, jaaffen, monaffen, munaffen, ginaffen, schluraffen .. brösaml. 59ᵃ; die dritten seind malaffen, die ir har büffen, es seind bulherzen. ebenda; das seind malaffen in beiden geschlechten, fraw und man, die sich also usstreichen (schminken und färben). 59ᵇ; malaffen, .. die sich malen, zieren und uffmutzen. irrig schaf 23; eine andere umdeutung ist maulauf: so schwäbisch; im bairischen walde einer der zu sehr auf anderer reden horcht. Schm. 1, 1586 Fromm.; ein junger maulauf gilt nicht viel. Simpl. 1 (1713), 66; und mauloff:
ein mauloff und ein lap,
ein leicher und ein bescheiszer ...
die sind alle geswister kind.
Schm. 1, 45 Fromm.;
rheinfränkisch mûlop. Fromm. 6, 280, 3; in der grafschaft Mark meulop. 5, 168, 151.
2)
maulaffe, in Marburg ein mürbes weizengebäck. Vilmar 264.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1796, Z. 53.

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Zitationshilfe
„maulaffe“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maulaffe>, abgerufen am 07.12.2021.

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