Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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gemäulet

gemäulet,
mit maul versehen: die heszlich gemeulete jungfrawen werden den schleyer vor dem maul haben. Fischart groszm. 85 (613 Sch.), mit häszlichem maule.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 6 (1884), Bd. IV,I,II (1897), Sp. 3169, Z. 12.

maulen, verb.

maulen, verb.
1)
ein maul machen (vgl. maul 4, d), verdrieszlich, ärgerlich, verstimmt gegen jemand gebaren, schmollen; in den wörterbüchern seit dem 17. jahrh. verzeichnet, aber im 16. schon nachzuweisen: maulen, contrahere vultum, rechigner. Schottel 1362; ausmaulen, desistere corrugata fronte et vultuoso ore aliquid facere. 89; maulen, das maul hängen, vultum contrahere, labra torquere, os distorquere, grundire, torvum videre, er mault, stomachatur, indignatur, ringitur, er mault, sive wirft das maul auf, dasz dirs wolgehet, dum tibi sit quod placeat, ille ringitur. Stieler 1255; es (das mädchen) lacht und schilt, es droht und spottet, es liebäugelt und mault. Lessing 7, 147; die herren runzelten die stirne, trotzten, maulten, fanden nichts recht was die weiber thaten oder nicht thaten. Wieland 8, 194; theatergeschichten werden auch erzählt: du seist in Jena um zu maulen, weil sie nicht tanzen wollen wie du pfeifst. Zelter an Göthe, briefw. 2, 396; wenn der gnädige herr zu hause kömmt, und findet nicht gleich alles fertig, dasz er sich nur hin zu setzen braucht, so mault er den ganzen tag. Tieck 3, 316;
ein gscheid frau laszt den man wol wüten,
aber darfür soll sie sich hüten,
das sie jn nicht lang maulen lase,
sonder durch linde weis und mase
und durch holdselig freundlich gspräch
bei zeiten jm den mund aufprech.
Fischart dicht. 3, 273 Kurz (philos. ehzuchtbüchl.);
der edle mault nur, um das maul
den andern zu verbieten.
Göthe 56, 91;
das brummt, mault, poltert nicht, das liebt und bleibt uns treu.
Kotzebue dram. sp. 3, 71;
mit einem maulen: er fieng kein troianischen farrenwütigen hellenkrieg drumb an, mault mit keim Agamemnon umb das Brisachelslein. Garg. 61ᵇ; vor dem blutigen doch muthigen Troja, wo der held Achill mit seiner bundesbrüderschaft so lange um ein freudenmädchen maulte. Musäus volksm. 583; Mara war der gemeinste schuft und maltraitirte seinen herrn aufs äuszerste. er maulte mit ihm wochenlang. Zelter an Göthe, nr. 420;
wir haben zu viel lebensart,
um hier mit euch zu maulen.
Göthe 12, 226;
auch einem maulen:
der lebende bedenke,
wenn auch der tag ihm mault,
dasz er den freunden schenke
was nie und nimmer fault.
4, 344;
infinitiv im substantiven gebrauch: ich kann das maulen nicht leiden. Hermes Soph. reise 3, 368; dasz nur durch das maul das maulen auf die süszeste art in sprachlose freude übergehen kann. Tieck nov.-kranz 2, 243;
was hilft das maulen? fort!
Kotzebue dram. sp. 1, 34.
maulen ist mundartlich in Oberdeutschland (Schm. 1, 1586 Fromm.) ebenso verbreitet wie niederdeutsch (mulen das maul hangen lassen und dadurch, auf eine kindische weise, seinen unwillen blicken lassen. brem. wb. 3, 199).
2)
zu maule gehen, schmecken: eine speise maulet gut. gemeine kost maulet ihm nicht, will ihm nicht maulen. Adelung ('in den niedrigen sprecharten'). vergl. munden. in Tirol heiszt maulen von thieren stark fressen. Schöpf 429.
3)
auch das maul brauchen: so kärntnisch maulen zurückreden, keine ermahnung annehmen wollen (neben sehr langweilig reden, zaudern, mürrisch sein). Lexer 188; tirol. maulen zanken, schmähen, im obern Etschland auch schmeicheln. Schöpf 429; alem. mûlen, das maul brauchen, widersprechen aus zorn, unwillen. Stalder 2, 202; in Appenzell mûla das maul brauchen, im zorn, unwillen reden. Tobler 326ᵇ; ebenso in Vorarlberg mûla. Fromm. 3, 301; rheinisch maulen, das maul tüchtig brauchen, schimpfen. Kehrein 275; auch düringisch maulen, widersprechen: maule nicht, wenn ich etwas sage! spricht der vater zum ungehorsamen sohne; sich vermaulen, sich mit worten vertheidigen, bei Albrecht Leipz. mundart 230ᵃ mit fremder endung sich vermauliren; vergl. unten maulieren.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1801, Z. 12.

mäulen, verb.

mäulen, verb.,
umgelautete nebenform des vorigen.
1)
gewöhnlich, wie maulen 3, das maul brauchen, keifen, schelten; reflexiv (gleichsam sich ein maul anschaffen oder zulegen): aber die hohen geister achten unser schrift nicht, laufen uberhin, und meulen sich nur ein wenig drüber, so ist uns gnug geantwortet. Luther 3, 344ᵇ; mus mich wundern des feldflüchtigen teufels, das er so gar nichts mit schriften, sondern allein mit bloszen worten dawider sich meulet, und so gar ungebissen bisher hat gelassen. 485ᵃ; also auch, weil sie in jrem buch nicht finden diese wort, Maria ist Davids tochter, oder vom hause David, so meulen und rüsseln sie sich dagegen, als weren sie gewis, das es müsse nichts sein. 8, 120ᵇ; ob er wol, wie Kappessen gaul, sich sehr hoch mäulen thet. wiszbad. wisenbr. 2, 161;
er eifert, meult sich, zannt und greint.
fastn. sp. 236, 16;
ich waisz [nit], was ich der maid hab than,
dasz sie sich auf mich meulet heint.
561, 21;
drutz das sich einer darumb meul.
H. Sachs 3, 1, 63ᵈ;
darob het der jung mann ein grawen
und mewlet sich ob seiner frawen.
5, 386ᵃ;
mein alte, thw dich nit vast mewln,
zürn nit so ser, dw wirst sunst schwarz.
dessen fastn. sp. 2, 76, 168;
von einem thiere:
der wolf, der heult,
wann er sich meult (das maul aufthut).
Eyering 2, 130;
auch transitiv, ein wort mäulen, herausstoszen mit dem maule: dem geiste, welcher, wo er fület, das er von mir getroffen wird, entweder springet oder zürnet, oder meulet ein wort oder zwei die helft, und heiszts denn ein antwort. Luther 3, 464ᵇ; einen ausmäulen, schelten: also hat jener pauer den landsknecht aufgenommen und beherbriget, der hat darnach seinen wirt ausgemeulet. Mathes. Syrach 1, 72ᵇ; meulet damit den guten kerl aus. 2, 97ᵇ. nassauisch sich mäulen, sich hören lassen, murren. Kehrein 275.
2)
aber auch wie maulen 1, schmollen: mäulen, grundire, sich etwas verdrieszen lassen, estre fasché et despité de quelque chose. Schottel 1362; ich mäule mich, os distraho. Steinbach 2, 34; nicht allein murret und mäulet man über ihne, sondern man sagt gut rund und unverholen, dasz er sich entweder habe lassen bestechen oder aber sich begeben zum stelen. Albertini hofschul (1610) 121ᵃ; gibt man jnen aber etwas anders und geringers (dem gesinde bei tische), so schelten und fluͦchen sie ... oder meulen sich doch aufs wenigste, wöllen nit zu tische sitzen, sondern verzürnen die malzeit. P. Glaser gesind teufel F 8ᵇ;
wir halten auch Kartewser regel:
sie munkt und ret den nichs mit mir,
so meul ich mich, red nichs mit ir,
einander wir sawer ansehen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 156, 294;
niederdeutsch mülen, ein schiefes maul machen. Adelung. im henneberg.-fränkischen aber mäult sich die kuh, ist krank und friszt nicht. Fromm. 4, 308; und es läge nahe, dieses mäulen, sowie das oben angeführte kärntnische maulen in der bedeutung zaudern, mürrisch sein in nächste beziehung zu setzen zu mäuen sp. 1773, wovon sich auch ein schweizerisches diminutiv mäuelen, von menschen langsam und ohne lust, mit wenig appetit essen (Stalder 2, 202), gebildet hat, wenn nicht andrerseits die beziehung auf maul wieder so deutlich hervorträte. vergl. auch unten mäulig 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1802, Z. 3.

mäulen

mäulen,
plur. pantoffeln: wenn sie auf den meulen oder pantoffeln herschlappen. Garg. 41ᵃ; die schuch, pantoffelchen und mäulen von rot carmesinsammat zerschnitten wie ein krebsbart. 281ᵇ. es ist das niederl. muyl, muleus, sandalium, calceamenti genus alto solo. Kilian, niederd. mule pantoffel. brem. wb. 3, 200; durch die romanischen sprachen verbreitet, ital. mula, franz. mule, span. mulilla pantoffel, wo die ableitung von lat. mulleus nicht unbedenklich ist, vgl. Diez wb. d. rom. spr. 1, 284. auch Schottel 1364 gibt meulen, mullei, mulleoli, schuh mit hohen sohlen.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1802, Z. 64.

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Zitationshilfe
„maulen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maulen>, abgerufen am 27.11.2021.

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