Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maulfranke, m.

maulfranke, m.
schimpfwort für einen thoren und prahler; das wort ist angelehnt an den stamm der Franken, denen man vollen mund bei ihrem sprechen nachredet (die Franken nehmen das maul gar zu voll, wann sie reden. Simpl. 4, 403 Kurz); zufrühest als eigenname:
darum, Lapp, Götz, Löffel und Droll,
Maulfrank, Haunolt, Schlauraff und Knoll,
Molkenpauch und wer ir seit,
seit mit eur pulschaft vor ungheit (Venus zu den weibernarren).
fastn. sp. 287, 4;
der dritt heilig heiszt sand Maulfrank.
540, 12;
und noch in andenken an den stammnamen: stolze Meichsner, Maulfranken, stumme schwein in Macedonien. Fischart groszm. 137; dann aber nur noch appellativ: was schadets mir, das auch ein loser klemdenhund und maulfrank gleicher gestalt von meinen büchern halt? Garg. 24ᵃ; obgleich er nichts von deinem lobe weisz, ohne dasz du maulfranke von dir selbst gegen ihn aufgeschnitten. Reinhold reime dich (1673) 124;
welcher nun sein wil in der welt,
sich nit nach ihrem wesen helt,
weiszt sich zuͦ schicken in all sachen,
den thuͦt die welt gänzlich verlachen,
helt ihn für einen thoren gar,
man sagt wo kumpt der maulfrank har.
G. Wickram irr reitend bilger G 2, bl. 22;
noch niederd. mûlfranke, ein mensch der freche reden führt, auch adj. mûlfrank, maulfrech, frech im reden Schambach 139ᵃ; schlesisch als verbum: vom schmollen oder maulfranken. Bunzlauer monatschr. 1776 bei Fromm. 4, 177.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1803, Z. 72.

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Zitationshilfe
„maulfranke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maulfranke>, abgerufen am 28.11.2021.

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