Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maulgut, n.

maulgut, n.
von herrenlosem vieh: item ist der scheffen beladen, so es sach wehre, dasz ein maulguit hie in dem gericht funden würde, wie lang dasz zu gehen habe, ehe die hern hand mögen darahn schlagen? item weist der scheffen, ein maulguit habe zu gehen sechs wochen und drei tage und nit lenger, begibt sichs aber, dasz dasz vurgenandt maulguit nach obgenannten zil funden wirdt, moigen beide hern laszen hände anschlagen. weisth. 3, 762 (Lothringen, 16. jahrh., eine fassung von 1679 liest maulguit oder mundtvieh). es ist desselben sinnes wie der dunkle ausdruck mulvihe neben mulve und mulvane (vgl. mhd. wb. 2, 1, 232ᵇ. Lexer wb. 1, 2227), und mundtvieh wie maulgut sind vielleicht nur umdeutungen desselben; Haltaus 1370 erklärt maulvieh als vieh, das nur auf den frasz kommt, animal, quod quasi nullius, tantum ventris causa in alieno errat, der ausdruck aber steht sowol von vieh: ein vich, das sechs wuchen und dry tag umbgieng unansprechig, das sölt dann heiszen und sin ein mulefe (mulefê?), dasselb sölt einem landgraven ze Baden geantwurt werden. weisth. 4, 401 (Argau, von 1456); als von liegendem gut: guot das niemans aigen da wer, das als ist mulafich. 5, 154 (st. Gallen, von 1466); maulvieh und dergleichen freigut, dessen sich niemand annehmen will. Schm. 1, 1586 Fromm. (von 1586).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1805, Z. 16.

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Zitationshilfe
„maulgut“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maulgut>, abgerufen am 29.11.2021.

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