Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maulschelle, f.

maulschelle, f.
1)
klatschender schlag aufs maul. die zufrühest begegnende burschikose form maulschellium deutet auf das heimische des wortes in solchen kreisen: ich hette auch gerne, wenn mir meine Kethe ubers maul führe, one das ich sie nicht liesze viel dran gewinnen, ein maulschellium. Luther tischr. 308ᵇ; sonst seit dem 16. jahrh. in deutscher form ein geläufiges wort: maulschelle, colaphus, alapa Stieler 1725; solten der schmeichler meuler jetzund zu hof, als oft sie lügen schnitzend, maulschellen han vor jren theil. Kirchhof wendunm. 38; schlägt der herzogin eine gute maulschelle. Schweinichen 1, 124; der mann wollte etwas reden, aber es fing an abscheulich zu klatschen, dasz die zuhörenden geschworen hätten, der gute kerle bekäme maulschellen. Chr. Weise erzn. 12 Braune; kurz von der sache zu reden, der prinz kam in das gedränge, dasz er mehr maulschellen einfrasz, als er unterthanen hatte. 116; bald muste er mit den backen aufblasen, und eine maulschelle nach der andern einfressen. 146; dem inspector schmerzten die maulschellen nicht sowol auf dem backen als im herzen. pol. maulaffe 232; gab er ihr ein halb dutzent männer-maulschellen. pol. stockf. 209; bekam .. eine tüchtige maulschelle. Felsenb. 2, 372; ein paar maulschellen. 437; potz stern, wie gemein würden die maulschellen sein, wenn alle die welche bekommen sollten, die euch küssen wollen. Lessing 1, 243; Amalia gibt ihm eine maulschelle. Schiller räuber 3, 1; da versahs einer (beim pfänderspiel), patsch! eine ohrfeige, und über das gelächter, der folgende auch patsch! und immer geschwinder. ich selbst kriegte zwei maulschellen, und glaubte mit innigem vergnügen zu bemerken, dasz sie stärker seien, als sie sie den übrigen zuzumessen pflegte. Göthe 16, 36; gab ihr eine derbe maulschelle. Arnim 1, 43; die maulschellen sind gar nicht zu zählen, wenn ich ihre kauderwälsche sprache nicht verstand. schaub. 2, 264; mit anlehnung an die eigentliche bedeutung von schelle: einem eine gute maulschellen anhengen. lyrum larum (1730) nr. 310; sprichwörtlich: dasz ich zu dieser arbeit gekommen bin wie jener zur maulschelle (unverhofft). Felsenb. 1, vorrede; auf eine maulschelle gehöret ein dolch. Pistorius thes. par. 1, 61; die erste maulschelle ist besser, als zwo andere. 4, 68; auf eine lüge gehört eine maulschelle. 6, 81. vergl. das einfache schelle.
2)
maulschelle, schlappe im kriege: durch die flucht darvon helfen umb der ersten maulschellen willen. Kirchhof mil. discipl. 188; auch sonst nachtheil kleinerer art bei irgend einem ereignis: er hat auch bei der zahlungseinstellung dieses kaufmanns eine maulschelle bekommen. vergl. ohrfeige.
3)
maulschelle, eine art gebackenes aus butterteig. Jacobsson 6, 533ᵃ; in Schwaben gefüllte nudel. Schmid 379. vergl. maultasche.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1807, Z. 56.

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Zitationshilfe
„maulschelle“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maulschelle>, abgerufen am 27.11.2021.

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