Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maultasche, f.

maultasche, f.
1)
klatschender schlag aufs maul, maulschelle: die taschen, maultaschen Schm. 1, 627 Fromm.; maultasch alapa Frischlin nomencl. 397; der teufel sihet von herzen gern, das man im haus schnurt und murret, stuel, benke, und tissche uber einander wirft, mit der frawen die stuben keret, oder sonst ein maultasschen gibt, das ist des teufels seitenspiel. Luther 5, 341ᵇ; das ihrer zween einander reufen oder einer dem andern eine maultaschen gibt. Mathesius Syrach 2, 11ᵃ; der maultaschen rauschen ist sehr ein gemein spiel in bierheusern. 50ᵃ; dasz der mann jr träuwete, wann sie nit schweige, dasz es maultaschen regnen würde. Kirchhof wendunm. 332; Agatha gibt jrem mann ein maultaschen. J. Ayrer fastn. sp. 89ᵇ (2786, 16 Keller); mit güldenen sentenzen, welche (ich) vor diesem unter der grammatisten tyrannei, mit der syntax-regul umb so viel maultaschen hab kaufen müssen. Schuppius 708; da hergegen frau Gertrud, die den reichen wucherer geheirathet, hunger stirbt und mehr maultaschen als krametsvogel von ihrem mann auffressen musz. A. Gryphius (1698) 1, 765; hat er vorhero ihr (dem weibe) allezeit ein maultaschen versetzt. Abr. a S. Clara Judas 1, 22;
darunter waisz ich wol ain maultaschen,
der (so, als masc.) auch gut wer in den schnabel zu waschen.
fastn. sp. 756, 30;
du leugst als, pfaff. ich dörft dir schier
geben ein maultaschen also guet
dasz dir abfiel dein fasnachthuet.
Schade sat. u. pasqu. 1, 152, 262;
eine maultasch ist ein ding, zwar nicht schädlich an dem leben;
auszer, dasz sie dem gehör abbruch wil und nachtheil geben.
Logau 2, 26, 97;
in der form maultäsche (alem. mûldäsche Seiler 212ᵃ):
er macht sich gar unnütz darvor,
schlug mein geferten ohn alle schult
und bewegt jhn zu ungedult,
dasz er jhm ein mauldeschen gab.
J. Ayrer 280ᵃ (1398, 31 Keller);
als maultatsche (vgl. tatschen klatschend schlagen):
so trifft die fabel auch zum theil
die bösen weiber, die sich schemen,
kein schleg für wort an bzalung nemen,
mit dem schwerdt in der waffel quatschen,
so kriegt die scheid ein maultatschen.
B. Waldis Esop 2, 91, 36.
2)
maultasche, in Schlesien ein gebäck. Weinhold 97ᵇ; in Schwaben gefüllte nudel. Schmid 379. s. maulschelle.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1809, Z. 21.

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Zitationshilfe
„maultasche“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maultasche>, abgerufen am 27.11.2021.

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