Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maultrommel, f.

maultrommel, f.
crembalum, brummeisen, eisernes tongerät mit einer elastischen zunge, das zwischen den zähnen gehalten und gespielt wird, so dasz die mundhöhle den resonanzboden bildet. der zweite theil der zusammensetzung erscheint in der älteren sprache in der formverschiedenheit, wie das einfache trommel (s. d.) selbst: (sie tanzten) nach den lustigen schalmeyen, seifelen, pfeifenbeukelen, hend und maul, lullenpfeifen, schwegeln, maultrummen, schnurren. Garg. 82ᵇ; ob aber die mauldrummen (deren die junge bursch zu Romrod sich des nachts auf der straszen gebrauchte) auch unter das saitenspiel gehören, das weisz ich nicht. Schuppius 236; ob sie mauldrummel sein. ebenda; der pedant gab ein concert pianissimo auf der maultrommel. Göthe 19, 212;
unser Myrtillo schlägt seine maul-trumpe.
J. C. Göring liebesmeyenblühmlein (1654) 27;
ein schiefer zug flog
um den mund ihm, so wie einem
mann, der die maultrommel spielet.
Scheffel trompeter s. 205 (13. stück).
übertragen auf das keifen eines weibes: diesen rath gib ich fast allen bösen weibern, gedenket meine weiber, dasz gemeiniglich krieg im hausz entstehet, wann man solche maultrommel rührt. Abr. a S. Clara Judas 1, 19; und selbst aufs gebet: eifrigst betten thät er immerdar, und gar recht, dann gleichwie der David den teufel von dem Saul getrieben durch und mit der harpfen, ebenfalls nichts bessers den sathan in die flucht jaget, als diese maultrommel, verstehe das gebett. 367.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1810, Z. 34.

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Zitationshilfe
„maultrommel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maultrommel>, abgerufen am 26.11.2021.

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