Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

maus, f.

maus, f.
mus.
1)
der name des thieres ist bekanntlich über die indogermanischen sprachen verbreitet: sanskr. als masc. mûsh und mûsha, als fem. mûshâ und mûshî (von mush stehlen), griech. μῦς, μυός (für μυσος), lat. mûs, mûris, altslav. myši, ahd. mhd. alts. ags. altnord. mûs (im goth. nicht bezeugt). das wort folgt der declination der i-stämme, und wie im ags. der gen. dat. sg., nom. acc. plur. mŷs, so lauten dieselben casus ahd. mûsî, später mûse: similitudine ursi et muris, in gelîchenisse perin unde mûse. Notker ps. 103 (Hattemer 2, 372ᵇ); mhd. ist davon der plur. miuse, nhd. mäuse übrig, aber die singularcasus sind dem nom. acc. mûs, maus gleich geworden, so weit nicht in der formel der blinden miuse spiln, der blinden mäus spielen hier wirklich noch der alte umgelautete gen. sing. erscheint, da hier an einen plural nicht zu denken ist (vergl. unten nr. 3, g und unter blind th. 2, 122): spielt sie (die sonne) der blinden mäusz unter den wolken. Fischart groszm. 22;
nu wol wir der blinden meus spieln.
Heros ird. pilger 1562 19ᵇ.
die stammform mit umlaut zeigt sich auch noch an einer gröszeren anzahl unten folgender zusammensetzungen (wo, wie bei mäuseloch, mäusezahn u. a. kein plur. mäuse vorliegt), unumgelautet in mausefalle, mausekopf, mauseloch, mausetodt u. a., gekürzt zu maus- in mausstill, maustodt u. a.
2)
maus im eigentlichen sinne: mus, musz, mus, maus, mausz Dief. 372ᶜ; die mausz, mus, sorex, bauwrenmausz, mus rusticus, stattmausz, urbanus mus, väldmausz, mus rusticus Maaler 285ᵇ; diese sollen euch auch unrein sein unter den thieren, die auf erden kriechen, die wisel, die maus, die kröte, ein jglichs mit seiner art. 3 Mos. 11, 29; alle arten von mäusen, als hausmäuse, feldmäuse, waldmäuse, haselmäuse, spitzmäuse, wassermäuse und fledermäuse. Wieland 6, 11;
die maus, die maus, die maus
musz sterben und verderben,
die kleinen mäus, die groszen mäus, die haselmäus,
die wassermäus, die hausmäus, feldmäus, spitzmäus, fledermäus,
sie müssen alle sterben und verderben.
Hoffmann gesellsch. lieder nr. 175, s. 260;
als genäschiges ungeziefer in haus und hof:
ein hülzen hausz vol ratzen, meüsz,
zurissen gwandt, vol flöch und leüsz.
H. Sachs fastn. sp. 1, 28, 198;
so fressen mir mein brot die meusz,
und peining mich die haderleusz.
121, 223;
eine welke rübe,
da die mäuse den zippel abgebissen haben.
Chr. Weise erzn. 170 Braune;
eine maus nagt, knabbert, raschelt, pfeift, piept; die mäus kerrent wenn der môn vol ist, aber dâ zwischen bestumment si. Megenberg 153, 8; ihre farbe ist das grau (vgl. unten mausgrau):
verwünscht sei heut mir dieses schimmels (pferdes) glanz, ..
könnt ich ihn mit dem grau der mäuse decken!
H. v. Kleist prinz Friedr. v. Homburg 2, 8.
3)
in zahlreichen vergleichen, bildern, redensarten, sprichwörtern, wie maus auch ein in der fabel viel geschildertes thier ist.
a)
nach dem treiben und den gewohnheiten einer maus heiszt es nagen, rascheln, still sein, flink sein wie eine maus: dieser (der schuldige) verrieth sich selbst wie eine maus. polit. stockf. 27; fahren sie nur fort, und erzürnen sich nicht; ich will so still sein wie eine maus. Wieland 11, 70; nur ist er der landesart so kundig, weisz alle gänge und schliche im gebirg, dasz er so wenig zu fangen ist wie eine maus auf dem kornboden. Göthe 8, 96;
sie wâren stille sam ein mûs,
die ûffe der burge wâren.
livl. chron. 5980;
hört, hört! der negt gleich wie ein mausz.
H. Sachs fastn. sp. 1, 138, 181;
alsbald wurden still wie ein maus.
werke 1 (1558) 514ᶜ;
der pfeifer schwieg als wie ein maus.
L. Sandrub kurzweil (1618) 92;
von begierden aufgezehrt,
so still wie eine maus zu liegen.
Wieland 21, 327;
auch war der letzte, wie eine maus,
fort! wohl zur hinterthür hinaus.
Göthe 47, 76;
einen hohen grad von nässe bezeichnet nasz sein wie eine gebadete maus, vgl. dazu unter baden 12, th. 1, 1073:
vallet ab dem pfærde lanc
in die lachen hernider,
sô hilft man eu auf wider,
sô seit ir naʒ als ain maus.
ges. abent. 2, 545, 449;
jeder heim dauchet in sein hausz,
eben wie ein getaufte mausz.
H. Sachs 5, 307ᵇ;
ach! seht, nun führt man mich hinaus:
hier bringt man mich, den armen sünder.
ich zieh, wie die gebadte mausz;
es lachen drüber alt und kinder.
Hoffmannswaldau auserles. ged. 6, 23;
in einem bilde: kam so weit hinein (ins schlemmen), dasz alle schenken und was er in barem gelt mit im dahin bracht, in nasser war und guͦten biszlein dahin gienge, noch muͦszt die maus basz getauft werden. er macht dem würt bei den acht gulden an die wand. Uhland volksl. 620; das verhältnis zwischen katze und maus, vergl. th. 5, 283 oben; wenn die katze satt ist, schmeckt die maus bitter, semper abundantes pariunt fastidia mensae. Steinbach 2, 34; es will nit glücken mit mäusen katzen jagen. S. Frank parad. 151;
als die katze mit der mûs
spilten die Oselêre:
den Sweden wart iʒ swêre.
livl. chron. 1230;
mir geht es wie der katze mit der maus (Mephistopheles zum herrn).
Göthe 12, 24.
b)
spottend werden nach ihrem gebahren menschen so genannt: gehet hinen und wecket jn auf (Holofernes), denn die meuse sind eraus geloffen aus jren löchern, und sind küne worden, das sie uns nu angreifen thüren. Judith 14, 11; armselige mäuse, die gleich verzweifeln, wenn der hausherr eine neue katze anschafft! Göthe 8, 242; als nun die menschen unter den flammen wimmerten und jammerten, rief bischoff Hatto: hört, hört, wie die mäuse pfeifen! Grimm d. sagen nr. 242;
das dar (getraue ich) von Burgunden jähen,
sein gelt hat verfüret etliches ere, ...
on müwe, kostung und arbait
was die maus in der fallen!
Liliencron volksl. 2, 51, 324;
wenn sie (die stürmenden) sehen einen platz oder lücken .. ledig und ohne besatzung, ist gewisz der mausz daselbst gestellet (dem feinde eine falle gelegt). Kirchhof mil. disc. 185.
c)
sprichwörtliches. mulgere hircum, mit meuszen zuͦ acker gehn. S. Frank sprichw. 1, 2ᵇ; undt weiter wirdt de gradibus auch der modus componendi der alten untüchtig erfunden, dann sie fahren mit meusen zu acker. Paracels. opp. 1, 367 A; es musz eine schlechte mausz sein, so nicht mehr als ein loch weisz. Pistorius thes. par. 10, 1; die maus soll das loch suchen, nicht das loch die maus. wenn die maus satt ist, schmeckt das mehl bitter. in leere scheuern kriecht keine maus. unter einem fuder heu erstickt keine maus. beiszt die maus einmal am käse, so kommt sie wieder. hat die maus einmal den speck gekostet, so kommt sie wieder. Simrock sprichw. 370; kleine mäuse haben auch ohren. 371; dem schlafenden fuchs läuft keine weise maus in den mund. ebenda; vgl. mhd.
eʒ hât selten wîsiu mûs
den fuhs geladen heim ze hûs.
Freidank 141, 11;
hahaha! guter schlucker, mit speck fängt man mäuse. Schiller räuber 2, 3; wenn wir nur einen procesz oder ein actenstück ihm in der ferne zeigen könnten! ... mit speck fängt man mäuse. Immermann Münchh. 4, 138;
die maus läuft nach der falle,
weil speck drin ist.
Göthe 7, 102;
wenn sie aber solten auf den plan tretten, und solchs beweisen, so erwischen sie das hasenpanier, und halten sich zu der meuse wagenburg. Luther 1, 535ᵃ; wenn ich nicht fortheil brauch im kaufen und verkaufen .. so werd ich mager meusz ziehen (arm werden). Pauli schimpf 39ᵃ; den letzten abgang litte ich selbst, als der weber ein paar kneul garn von mir nach den diebischen mäusen warf (auf die seite that, stahl). Simpl. 2, 181 Kurz;
ein kind wie eine mausz (so klein)
macht einen hader so grosz als ein hausz.
Pistorius thes. par. 6, 34;
als bild eines geringen gewinnstes: jetzt nur kein wort von dem profit, es trägt ihn jede maus auf ihrem schwanz davon. Arnim schaub. 1, 286; eines armseligen aufenthaltes: warum kriechen wir hieher in dieses verwunschene schlosz, wo sich wahrhaftig keine maus satt fressen kann? Immermann Münchh. 1, 123; vergl. mhd.:
dâ heime in mîn selbes hûs,
dâ wirt gefreut vil selten mûs.
Parz. 185, 2;
zur bezeichnung eines leisen geräusches: dann ich habe gar geringen schlaf und werde fast von einer jeden laufenden maus erwecket. Jucundiss. 168;
und rühret sich nur eine maus,
so halt ich hier ja wache.
Voss 6, 156;
den mäusen pfeifen, unnützes thun: o, wenn ich hosen anhätte (sagt eine frau), denen wollte ich anders. so wie du es machst, ists ume (nur) de müse pfiffe! J. Gotthelf schuldenb. 55.
d)
allitterierende formeln. mann und maus (vergl. mann II, 1, h oben sp. 1557), zur bezeichnung einer ausnahmelosen gesamtheit:
und hätte man nicht stracks die segel eingezogen, ..
so sank das schiff mit mann und maus.
Wieland 21, 353;
das schiff mit mann und maus, und mit der frau marquise,
wie sich von selbst versteht, ward des corsaren prise.
Bürger 109ᵃ;
er hat sie gefangen mit maus und mann.
Arndt ged. (1840) 279;
der schiffer und das schiff zumal
mit mann und maus sie sind zerstoben.
410;
anfangs sind wir (lieder) fast zu kläglich,
strömen endlos thränen aus;
leben dünkt uns zu alltäglich,
sterben musz uns mann und maus.
Uhland ged. s. ⅩⅠⅤ;
maus wie mutter, kind wie eltern, eins wie das andere: die maus ist wie die mutter, mali corvi malum ovum. Steinbach 2, 34; summa, warheit und leben dienen noch gehören nicht für die welt, sondern lügen und mord, unter welchen eines des bapsts, das ander des Türken eigen werk ist, wiewol schier mausz als mutter ist, es sind zwo hosen eines tuchs. Luther tischr. 51ᵇ; freilich heiszt es hie ab uno disce omnes. es ist da mausz wie mutter. ist einer gut, seindt sie all gut, sagt jener von jungen wolfen. G. Nigrinus papist. inquis. 98; liebe bleibt liebe. eine königinn liebt nicht edler, als eine bettlerinn, und eine philosophinn nicht edler, als eine dumme bauersfrau. es ist maus, wie mutter. Lessing 2, 368;
sieh! pfaff oder böser geist
ist maus wie mutter, wie mans heiszt.
1, 21;
es ist maus wie mutter, sterze haben sie alle. Simrock sprichw. 370; es ist maus wie mine. ebenda.
e)
maus, im ausrufe:
botz mausz, wo kompt jr her so spat?
H. Sachs fastn. sp. 116, 24;
da ligt 6 esz, botz kleine maus! (beim würfeln).
Heros ird. pilger 1562 30ᵃ.
f)
plur. mäuse für skrupel, die man sich über etwas macht, schnurren, einwendungen, ausflüchte, finten; das bild lehnt wol zunächst an die im kopfe gleich mäusen hin und her schieszenden gedanken an, vgl. niederd. he süt ut, as een pott vol müse, von einem in gedanken oder grillen versunkenen menschen, und müsenester im koppe hebben, in tiefen gedanken sitzen, von nachdenken sauer aussehen, grillen haben. brem. wb. 3, 207; hessisch er macht ein gesicht, wie ein töpfen voll mäuse, ein finsteres, verdrieszliches gesicht. Vilmar 264. es heiszt mäuse haben, skrupel: ich habe mir fürgenommen, sie zu einem weibe zu nemmen, und wirst du viel mäusz darüber haben, so wil ich u. s. w. b. d. liebe 203ᵇ; auch einbildungen: ein junger graf .. der het auch sovil meus, als von den grafen von Embs gesagt ward. Zimm. chron. 3, 290, 33; er (ein kurpfälzischer hofrichter) spazierte zu Heidelberg auf dem schlosz im saal auf und nieder und berührete ungefehr einen französischen von adel mit dem elenbogen. der Franzosz fragt jhn: ob er mäusz hette? dem antwortete jener: nein, habt aber jhr, ich kan sie fangen. Zinkgref apophth. 1, 198 (die antwort enthält eine obscöne anspielung, vergl. unten g am ende);
spricht einer sc hon, du hatst viel meusz,
so sag, es gschach in voller weisz (als ich trunken war).
Grob. 1568 G 4ᵃ (b. 2, cap. 3);
der würt wolt sich aber keines wegs schweigen lassen (von dem schuldner) und sagt: ich kan nit vil umbstend, ... den besten wein, so ich in meinem keller gehabt, hab ich dir müssen auftragen, darum darfs nicht vil meus, hast du nit gelt, so gib mir deinen mantel! Uhland volksl. 621;
allein ein mannsvolk rief gar leise:
bist dus Cathringen? komm mein kind!
ei, dachte sie, hier setzt es mäuse,
wer weisz, was das vor vögel sind?
Günther 163;
mäuse machen, ausflüchte, finten: da vergaft sich eine; macht den eltern soviel mäuse, dasz sie sie ins kloster sperren, da bricht sie knaks ein paar zargen entzwei. Soph. reise 3, 172; sie (die festung) macht mäuse und will sich nicht ergeben. Göthe 14, 285; die expedition, bei der es nicht zum ordentlichsten zugehen mag, macht mir wegen dieser zahlung mäuse. ich bitte daher mir die gedachte quittung gelegentlich wieder beizulegen. an N. Meyer s. 14;
dann also tödt ich einem die läus (gebe ihm einen kopfhieb),
wann er sonst will machen viel mäus (im fechten).
Sutorius fechtbuch 35;
P. der kaiser macht uns mäuse.
C. wie so? P. es reut ihn schon, dasz er sich übereilt,
und den Paulin verdammt, er hat befehl ertheilt,
der flüchtgen kaiserin die bitte zu gewähren,
die sie noch letztlich that.
Günther 1034;
mäuse riechen, merken, solche ausflüchte oder finten durchschauen, unrat merken: das er (der papst) aber das evangelium seiner pflicht nach, solle frei und rein lassen gehen, dazu auch fördern, das höret er nicht gerne, denn er reuchet meuse, und schmeckt den braten wol, sorget er künde damit nicht bapst bleiben. Luther 6, 359ᵇ; aber Pilatus roch meuse, und sticht die aufrührer beim opfer nider. Mathes. Sar. 154ᵃ; dasz ... keines mäuse merkte. J. Paul Tit. 1, 69; nur die wildmeisterin, welche einige sitzungen mistrauisch belauscht hatte, wollte gar mäuse merken und muthmaszen, Pelz habe ihren mann zum narren. leb. Fibels 172.
g)
ein spiel, blinde maus, hessisch blinzelmaus (Vilmar 264), sonst blinde kuh (th. 5, 2550), wobei einer mit verbundenen augen nach seinen im kreise stehenden spielgenossen suchen musz, heute heiszt es wir spielen blinde maus (gewöhnlich in zusammenrückung betont blíndemaùs), früher mit dem genitiv, wobei sich der alte, sonst verschwundene umlaut hielt (vgl. oben 1): plinden mäusz. Garg. 164ᵇ im spielverzeichnis; öfter obscön gewendet: darnach oft im stall der blinden meüsz spilten. rastbüchl. 147;
so spilen der plinten meus die meid,
die haben dabei auch iren bescheid
in sundern stuben mit den knaben,
die sie darzu geladen haben.
die achten auch der licht nit vast.
welches das ander dan ertast
hinder dem ofen oder auf der bank,
die gewinnen einander an ein rank ...
fastn. sp. 385, 26;
wie es in gleichem sinne auch heiszt mäuse suchen: der junker wird mit seinem kammkätzichen nach Federsburg mäuse zu suchen spazieren gangen sein; sie werdens wol machen, dasz es fein ist, dasz wir es in drei vierteljahren werden haufenweis erfahren. engl. comöd. 2, Hh 7ᵇ; und wie selbst das weibliche geschlechtsglied verhüllt kammermäuselein hiesz (th. 5, 126); vergl.
des obends komt min her der schriber gegangen,
mit sinem fehen mantel umbhangen:
'sint wilkumen, her kurtesan!
wollent ir mir ein guldin geben, mit uch wil ich slofen gan.'
wenne si des obends uf der gassen loufen,
so schrigent die knaben: 'ein mus, ein mus! wil sie iemant koufen?'
die mentel si uber die höupter slan,
so ist dem pfaffen also gach, dasz er muge die mus gevan.
Liliencron volksl. 1, 265, 47.
4)
maus, schmeichelname für ein kind: sei nicht bange, kleine maus! Claudius 4, 92; für eine frau: Körner (zu seiner frau): gib mir einen kusz, kleine maus. Schiller hist.-krit. ausg. 4, 188. vergl. mäuschen.
5)
maus, von angehörigen der säugethiergattung cavia: cavia aguti die kaninchenartige maus, cavia aperea die brasilianische maus, cavia capybara die amerikanische maus, cavia cobaya die indianische maus, cavia paca die grosze brasilianische maus. Nemnich 2, 922—924; von der gattung vespertilio, vergl. fledermaus, speckmaus; von anderen, vergl. schermaus maulwurf, zobelmaus u. ähnl.
6)
maus, von porzellanschnecken: cypraea lurida die maus Nemnich 2, 1349; cypraea mus die linneische maus 1350.
7)
maus, muskel an arm und fusz, wie im handballen, auch griech. μῦς, lat. im diminutiv musculus: musculus die musz in der hand, mausz an einem arm o. daumen, die maus i. fleisch an bein Dief. 373ᵇ; die mausz, das ist die aderachtigen teil desz leibs, daran die sterke ligt, es seye an den armen oder an schenkeln, lacertus, musculus Maaler 285ᵇ; wa sich aber einer gemeid und so kühn bedunkt, das er jm under augen zur gegenwehr dorft tretten, da zeigt er jhm die sterk seiner mäusz und fäust. Garg. 206ᵃ; und schieszt den ladstock einem mädchen zur maus herein an der rechten hand, und zerschlägt ihr den daumen. Göthe 16, 65;
wer sieht nicht, wenn er sieht die adern sonder mausz,
die armen sonder fleisch, dasz disz mein schwaches hausz,
der leib entbrechen wird, noch inner wenig stunden.
A. Gryphius (1698) 2, 304 (vgl. auch mause);
maus bei den pferden, musculus elevator labii anterioris. Nemnich: so nimb dem gaul zum ersten die meusz (wie mans nennet) auf der nasen zwischen baiden naszlöchern wol oben. Seuter rossarzn. 161; wann die mäus oder musculi feist und grob sind. Hohberg 2, 133ᵃ.
8)
maus, ein mäusefarbenes muttermal. Adelung.
9)
maus, stagmaus, in der schiffahrt eine ringförmige erhöhung, welche oben um das stag gemacht wird und dazu dient, dasz das an dem ende befindliche stagauge dagegen liegen könne, damit der um den mast befindliche theil sich nicht zuschliere. Campe.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1815, Z. 39.

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Zitationshilfe
„maus“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/maus>, abgerufen am 30.11.2021.

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