Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mausig, adj.

mausig, adj.
mäuse fangend:
und ich wil ihm noch schenken
ein mausigs kätzelein.
Spee trutznacht. (1654) 164.
in Schwaben meint mausig niedergeschlagen. Schmid 379. vgl. dazu das verbum mausen 3 a. e., sp. 1827.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1833, Z. 24.

mausig, adj.

mausig, adj.
die mause vollbracht habend, die zeit der mause überstanden habend. dies wort, seit dem 16. jahrh. nur in der festen formel sich mausig machen begegnend, ist ohne zweifel der nachklang eines alten falkner-ausdrucks, wie auch mause und mausen (oben sp. 1828) kunstwörter der falknerei waren: hier galten die federspiele, die ein- oder mehrmals die mause überstanden hatten, als die zur jagd eigentlich kühnen und daher wertvollen; man wendete mittel an, die mause zu befördern oder hervorzurufen, wenn sie nicht von selbst eintrat (dergleichen mittel in bezug auf habichte Heuslin vogelb. 124ᵇ), das hiesz den vogel mäusen (oben sp. 1829); gleichbedeutend muste sein den vogel mausig machen; mausig war somit der zum beizen und stoszen geschickt gewordene, mindestens eine mause hinter sich habende falke, habicht oder sperber (mittellat. accipiter mutatus, qui mutam evasit du Cange von Hentschel 3, 591ᵇ). so bedeutete denn das wort bei seinem übergange in die gemeine rede zunächst rüstig, zum angreifen lustig: new besen keren wol ... new ehehalten (dienstboten) machen sich den ersten tag zween oder drei so mauszig und rüstig, das die hern wünschen, es solt keiner kein ehehalten uber acht tag haben. S. Frank sprichw. 1, 84ᵃ; gewöhnlich aber wog der beisinn des übermütigen, der mausig von anfang beiwohnte, vor, und die verbindung sich mausig machen schlug demnach in diese bedeutung um: sich mausig machen, efferre se, insolescere, sublati animi esse, nimium sibi tribuere Stieler 1259; mach dich nit mausig! Zimm. chr. 1, 463, 23; wie mausig sich der selbig gemacht und von seins herren wegen sich imperios erzaigt. 4, 291, 28; es vermaint auch herr Johanns Werner, der bischof dorft sich mit der herrschaft Bollingen nit so mausig machen, seitmals die von alter here dem stift Costanz nit gehört, sonder durch practiken were bekomen worden. 3, 95, 4; ich fieng an, in der küchen schröcklich zu poldern und mit hin- und wieder werfen, schmeiszen und schlagen mich gewaltig mausig zu machen. Simpl. 1, 238 Kurz; mädchen, mache dich nicht zu mausicht, du bist in meiner gewalt. Chr. Weise kl. leute 216; es sagte neulich ein fürnehmer officier in unserm hause, der hahne hätte sich zu frühe im neste mausig gemachet, wie die löwen biszweilen die klauen zeigeten. ped. schulf. 213; da der alte so genannte schiffscapitain nebst William und Henry sich von neuem mausig machen wolten, fehlete es nicht viel, dasz beide partheien einander in die haare gerathen wären. Felsenb. 1, 330; würde der nachbar sich wohl so entscheidend ausdrücken, und seinem gegner eine unbescheidenheit vorwerfen, der nur ér schuldig wäre? doch warum nicht? er scheint gerade der mann zu sein, der sich am mausigsten macht, wenn er am wenigsten recht hat. Lessing 10, 96; so herr! und sie wollen sich noch mausig machen? Lenz 1, 305; wer ist denn der, der sich so mausig macht? Göthe 30, 22; dann musz er (der küster an der hochzeit) beten und über tische die augen aller orten haben, seinen zierlichen spasz anbringen zur rechten zeit und in rechten einschnitten, und abtrumpfen, wer sich zu mausig macht, und ermuntern, wer wie ein tuckmäuser dasitzt. Immermann Münchh. 4, 74;
du darfst dich nicht so mausich machen,
wir sind von einem teig gebachen.
Grobian. 1568 A 6ᵇ (b. 1, 2);
dieweil das Hännsgen sich im keller mausig macht.
Picander 2, 275;
widerspruch und keck abweisendes entgegentreten hervorhebend: graf Carl von Zollern macht sich des heirats mit der schwarz Anna ganz mausig, wiewol ander leut vermainten, es were ain gleicher heirat, das kein thail den andern het betrogen. Zimm. chr. 3, 481, 18; gab mir derowegen anfänglich wunder, dasz obengedachter elender schindhund .. wider sie mutzen dorfte; aber er machte sich mausiger, als ich ihm zugetraut. Simpl. 2, 133 Kurz; wenn der könig sich nicht drüber mauszig macht, was vexirt denn ihr euch wol drum? Filidor Ernelinde 10; weilen sich aber der Schweizer noch mausiger machte und der wirth wohl sahe, dasz er mit gutem zu seinem geld nicht gelangen würde. Abr. a S. Clara etwas für alle (1711) 2, 100; allein die versicherung, dasz beide (herzog und erbprinz) an dem ganzen handel wenig oder gar keinen antheil nehmen, giebt mir so viel freies feld, mich gegen das minsterium so mausicht zu machen, als ich nur lust habe. Lessing 12, 507;
dich hilft kein ausred dichten,
tag, nacht woltst du sein vol,
ich truͦg dir auf den besten wein,
drumb mach dich nur nicht mausig!
ich will bezalet sein.
Uhland volksl. 623.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1833, Z. 29.

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Zitationshilfe
„mausig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mausig>, abgerufen am 02.12.2021.

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