Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meder

meder,
zerdehnte form für mehr, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1838, Z. 21.

nieder, adv.

nieder, adv.,
ahd. nidar, nider, mhd. nider, nhd. nieder (in der ältern zeit noch ungedehnt nider), md. nider, nidder, nëder, alts. niþar, niđar, mnd. nëder, nëdder, nd. nl. nëder, ags. niđer, altfries. nither, nëder, altn. niđr: gebildet aus ni (s. bei nied präpos.) und dem alten comparativsuffix tara (skr. nur im adverbialen accus. sing. fem. nitarâm von einem adj. nitara, s. nieder adj.). gramm. 3, 622 ff. Fick² 112. 784. Curtius² 289. — nieder bezeichnet die von oben nach unten gehende oder ausgeführte bewegung und bildet den gegensatz zum adv. auf.
1)
auf und nieder, hinauf und hinunter, auf- und abwärts, auf und ab, mhd. ûf unde nider:
dar fuor er unde wider
die werlt ûf unde nider.
L. v. Regensburg tochter Syon 1800;
nhd. mit belegen unter auf th. 1, 605, dazu noch:
dasz ihre brust ..
wird auf und nieder reisen.
Hofmannswaldau 1, 327;
und wunderte sich nicht mehr, warum der elende galan die gassen auf und nieder gestutzt. Weise erzn. 60 neudruck;
gieng ich den mir bekannten steig ..
in meinem garten auf und nieder.
Brockes 1, 141;
mit brummen wälzt er sich im felsen auf und nieder.
Hagedorn 2, 36;
ich kenne das gute herz (der Louise) auf und nieder. Schiller 3, 424 (kab. 3, 1);
und die köpfchen auf und nieder
wiegten sie im tact dazu.
P. Heyse ges. werke 1, 32;
die welle schwankt am nachen auf und nieder.
3, 162.
substantivisch:
eh all mein weg, mein auf und nieder
allein an deinen wegen hieng.
K. Stieler wanderzeit 19.
2)
nieder elliptisch in verschiedenen fällen:
a)
nieder zu bette (nämlich gehen, kommen, liegen, s. niedergehen, niederkommen, niederliegen): wen sy zuo der ê komend, da sy zuo ein andren nider wend (wollen). weisth. 4, 345 (vom j. 1427);
also Peter nider (zu gehen, zu liegen) begert,
'wirt lieber, weis uns nun zu bet!'
P. Leu 106 Schade;
früh auf (gestanden) und spät nieder (gelegt)
bringt verlornes gut wieder.
früh nieder, spät auf
hat unlangen lauf.
Simrock sprichw. 151;
nieder denken, aufs schlafengehen bedacht sein Stalder 2, 236; nieder (gegangen, gelegen) sein, auch mit ellipse von sein (vergl. aufsein 3 th. 1, 735): het .. nur auf der erd geschlaffen und der lest nider (statt ist der lest nider gewesen). Aventin. 4, 475, 27; ware jedermann nider. Th. Platter 104; der frühste ab und der letzte nieder sein. Schweinichen 3, 56; es ist wohl spät, mein mann ist nieder und schläft. Gotthelf Uli d. pächter (1859) 415; hernachen, wenn er nieder wär, da macht ich ordnung in der werkstatt. O. Ludwig heiterethei 290.
b)
die sonne, der mond ist nieder (gegangen); das feuer ist nieder (gebrannt) u. dergl.: der abwesende kommt mit seiner spritze, wenn das feuer nieder ist. Göthe an frau von Stein (24. mai 1776);
und es gelüstete mich nieder (nämlich zu gehen) ans klingende meer.
P. Heyse ges. werke 2, 74.
c)
imperativisch bei verschwiegenem verb:
nieder, nieder
auf die knie!
Weisze kom. opern 2, 54;
nieder mit ihm!
Schiller 12, 388 (Wallenst. tod 5, 7);
nieder mit Doria! nieder! nieder! 3, 76 (Fiesko 2, 17); hab ich ihn! den Ludwig — hab ich ihn — nieder, nieder — oh dich unter meinen füszen, in meinen grimmigen händen! Klinger Otto 74, 22 neudruck;
nieder, nieder, feige träume!
W. Wackernagel ged., auswahl 32.
3)
nieder verbunden mit einem verb der bewegung (s. im folgenden die mit nieder uneigentlich componierten verba): niederer fliegen, volare demissius Maaler 306ᵃ;
als der (eimer) verzog im brunnen nieder.
H. Sachs 9, 138, 15;
so wolt er im (der adler dem fuchse) zum dank auch nieder (vom baume herunter)
sein junge füchslein geben.
207, 25;
nieder führen tausend steige,
keiner führt zum tag zurück.
Schiller 11, 200.
mit genauerer richtungsbestimmung: er slueg sein geleger und wagenpurg nider an dem wasserflus. Aventin. 4, 1143, 12; er liesz die maur umb werfen und nider auf den poden legen. 1142, 31; und brachten also das römisch reich ... gar auf die füesz nider. 1148, 30. mit nebenstehendem accusativ des raumes (mhd. wb. 2, 335ᵇ): Sathanas zücht dich nider sich und also verdirbstu. Keisersberg narrensch. 53ᵃ.
4)
ahd. und mhd. hinter den raumadverbien dar, her, hin: ahd. thâr nidare, hera nidar, mhd. dâ nidere, dar nider, her nidere, hin nider, woraus schon mhd. zusammengezogene formen dernider, ernider (aus her nider) entstanden sind; nhd. gelten diese verbindungen als composita, s. danieder, hernieder, hinnieder.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 743, Z. 72.

nieder, adj., adv. und präpos.

nieder, adj., adv. und präpos.,
gegensatz zu ober, hoch.
I.
adjectiv. ahd. nidari, nidiri, nideri, nidare, mhd. nidere, nider, nhd. nieder (nider), mnd. nd. nedder, nl. neder, altfries. nithere, nedere, neer, engl. nether: eine germanische bildung aus dem adverb (s. das vorige und gramm. 3, 624), mit ursprünglich comparativischer bedeutung, die auch alts. niþiri, ags. niđera, altn. neđri hat, doch sind diesz aus den entsprechenden adverbien oder präpositionen hervorgegangene adjectivische comparative. vergl. niedrig, das nach jetzigem sprachgebrauche in den meisten fällen an die stelle von nieder getreten ist.
1)
in eigentlicher, sinnlicher bedeutung.
a)
unter, unterhalb befindlich, tiefer liegend: ahd. in dero niderun Jerusalem. Notker ps. 67, 30; sîn obero snabel den nideren sô uberwahset. 102, 5; in dero niderôston gruobo, in lacu infimo. 87, 7; an dero niderun stete, circa ima corporis. Marc. Cap. 8; mhd.
in dem nidiristem gademe wâren die vogele,
in der arche obene was mit sînem gesinde Nôe.
Milstäter genesis 28, 16;
dâ saʒ der altiste an dem sedel hêriste,
der minnist an dem sedil nidirist.
95, 4;
sie ist snel umb daʒ nider teil (pudenda)
und laʒ umb daʒ houbet.
krone 23805;
daʒ nider tail an dem tier (sirene) ist als daʒ nider tail ains adlarn. Megenberg 240, 14 (vergl. niedertheil); daʒ der hôch luft rainer belaib wan der nider. 111, 1; dar umb beleibt er (der thau) oben in dem nidristen reich des luftes, dâ der luft sänft und lind ist. 83, 21; an nidern (tief gelegenen) steten. 312, 19; Baden die nider stat, dô die beder inne sint, wart umbemûret 1360. Königshofen 874, 3; nhd. nider oder under, inferus Dasyp. k 8ᶜ, sup. niderster infimus voc. 1482 x 5ᵃ, der niderest Maaler 306ᵃ; gegen mittnacht war die statt am nidersten. Reiszner Jerus. 1, 7ᵇ; am nidersten ort. Ryff chirurgie 104ᵇ; von hochen und nidern teutschen landen. Zimm. chron. 1, 78, 21 (vergl. niederdeutsch); sein ober und nider gebisz. Fischart Garg. 55ᵃ; niderer got, der gott der unterwelt, Pluto. voc. 1482 x 5ᵇ;
nach ihm ich wollte reisen
durch hoch und nieder bahn.
Spee trutzn. 35 B.
b)
von geringer höhe (nicht so hoch als etwas anderes), niedrig, kurz, klein, oft mit dem nebenbegriffe des ärmlichen: mhd.
daʒ (haus) was nider und niht hô.
Eraclius 2199 Graef;
des luftes reich ... niderr ist dann die hœhsten perg, die auf der erden sint. Megenberg 83, 4; die stette ... hettent dünne nider mûren. Königshofen 375, 8; nhd. wan ainer ain hoͤhern gibel oder hoͤheres hausz dann der ander sein nachpaur neben im hat, und der schlot an dem nidern hausz drei statschuch .. von dem hoͤhern hausz steet .., so soll der inhaber des nidern hausz schuldig sein, denselben seinen schlot drei statschuch hoch uber seines nachpaurn hausz aufzufüren. Nürnb. reformat. 26, 6; etlicher niddern wer (niedrigen wehr) not sy eins holwergs oder zwaier. reisbuch von 1504 22 Weech; aber die nüwen schuͦ sint zuͦ vil nider ... die selben schuͦ sint oben usz geschnitten und nider, das sie kum den knyckel (knöchel) bedecken. Keisersberg bilg. 94ᵈ; darzue wart (in der Peterskirche zu Rom) dem kaiser ain stuel darauf zu sitzen, doch etwas niderer den des babsts stuel, berait. Wilw. v. Schaumburg 9; ein klein nidere thür. Pauli schimpf 113ᵇ; das thürlin war so nider. 114ᵃ; man hanckt in an ein nideren galgen. F. Platter 228 B.; an vihe hat es (Deutschland) kein mangel ... aber es ist doch dasselbe gemeingklichen alles klein und nider. Micyllus Tacit. 439ᵃ; ich (der zwerg) hab wol ein nidern kleinen leib. Amadis 301 K.; in dem flusz Gambra ... sollen fisch wohnen gleich einem meerkalb, auszgenommen sein haupt, so sich einem roszkopf vergleichet, an der grösze wie ein kuh, allein dasz er kürtzere oder nidere bein hat. Forer Gesners fischb. 200ᵇ; nidere und kleine heusle bewonen. Maaler 305ᵈ; baueten wir vor mich eine hütten .. zwar so nider, dasz ich kaum aufrecht darinn sitzen konte. Simplic. 1, 71, 28; ihre behausungen seind auch klein und nider. Rauwolf 327; uber einen niederen zaun will iedermann hinsteigen. Stieler 1347;
so trug in der höhe
Hector den stein vor die beiden nicht niederen flügel der pforte.
Bodmer Homer 1, 198;
so weist mir aus erbarmen
nur eine niedre hütte an.
Weisze kom. opern 2, 31;
(er) hielt still
vor einer niedern hütte ...
gieng in die ofne niedre hütte.
Gleim kriegsl. 12, 104. 108 neudruck;
im kämmerlein,
so nieder und klein.
Göthe 1, 88;
doch dasz das geschriebene bleiben
sollte, sich durch länder treiben ..
kam ihm (dem knaben) in der engen schule
auf dem niedern schemel-stuhle
wahrlich niemals in den sinn.
4, 108;
ein niederer barometerstand. 51, 284; schuster (die stiefel anmessend). hohe oder niedere absätze? Schiller 4, 188; bis .. aus dem abgehauenen stamme ein spröszling hervorwächst, der wieder sein haupt erhebt über das niedere gesträuch. Gotthelf Uli der pächter (1859) 426; ein niedres kind. geld und geist (1852) 238.
c)
auch in bezug auf ton und stimme bildet nieder den gegensatz zu hoch, tief, nicht laut, leise, sanft: mhd.
ir (der vögel) sanc was sô mislich,
hôch unde nidere.
Iwein 617;
nhd. müd und mat werden (im zehnten alter) alle glieder,
ein athen kurtz, die stimb wirt nieder.
H. Sachs 4, 69, 16;
mit niderer (leiser) stimm. Bocc. 1, 238ᵃ. 2, 201ᵃ; die herzogin mit milter und niderer stimm anfieng. Galmy 32.
d)
selten von etwas in geringer höhe, wenig über dem boden sich bewegendem:
so schwebt in tief gesenktem bogen ...
die möwe längs dem meeresstrand,
und netzt den niedern fittig in den wogen
(humilis volat aequora juxta. Äneide 4, 255).
Schiller 6, 398.
2)
in übertragener bedeutung, vom grade.
a)
an werth, ansehen, rang, stand und würde zurückstehend, geringer als anderes seiner art.
α)
bei zahlen- und preisverhältnissen: eine niedere zahl, nummer im gegensatz zu einer höhern; zu niederm preise einkaufen u. dergl., doch selten statt niedrig.
β)
in bezug auf geburt, stand, besitz, macht, rang und würde: mhd.
sô bin ich doch, swie nider ich sî, der werden ein.
Walther 66, 37;
wes stênt die hôhen vor den kemenâten?
sô suln die nidern umb das rîche râten.
83, 21;
daʒ ir ze hôhen sachen
mich nidern und mich swachen
kneht hie ziehen wolten.
Konrad troj. krieg 1788;
er diuhte sicher si ze swach
unde lîhte gar ze nider.
Engelhard 1955;
die hôhen solten hôhe gern,
die nideren nider, daʒ stüende baʒ.
Winsbekin 36, 10;
nhd. ein man der frauen dienen wil,
der bedarf gesangs und seitenspil,
da mit er hoch und nider reicht.
fastn. sp. 743, 15;
wie wol sy (die junge frau) von nider gepurt was. Bocc. 414, 34 K.; die mächtigen söllent die nidern nit verachten. Steinhöwel Es. 95 Öst.; dise fabel leret die menschen, daʒ die nidern nit söllen verachtet werden (ne quis insultet inferiores). 96; das nider und schwach findt alzeit gut gemach. Frank sprichw. 1, 120ᵃ;
derhalb es auch so ubel steht ..
in allen stenden, ober und nider,
bei arm und reichen hin und wider.
H. Sachs 7, 342, 14;
ietz ist einr hoch, bald wirt er nider,
ietz ist einr arm, bald reicht er wider.
Frischlin 21 Strausz;
kein begehrtes nie verwiedren,
kein verwiederts nie begehren,
macht bei hohen, dasz dann niedren
hofe-gunst mag lange währen.
Logau 1, 8, 64;
hoch wird nider, und herwider,
was da nider, wird erhöht.
Kehrein kirchenl. 1, 396, 44;
all die ihr wonet hie auf erden,
so wol ihr leut von niderm stand,
als grosze herren hochgenant.
2, 174, 1;
hohe und nidere soldaten. Simplic. 3, 45 Kurz; bei hohen und niedern officiern. 88;
wer ist der niedre (in den späteren ausg. der neue) Messias
der die erdichtete gottheit im sterblichen körper herumträgt?
Klopstock Mess. (1748 2, 454;
der gatte zieht sein weib unwiderstehlich
in seines kreises abgeschloszne bahn, ..
aus niedrem zustand führt er sie hervor,
aus höhern sphären lockt er sie hernieder.
Göthe 9 354 (die nat. tochter 4, 3);
herzlich grüszt der biedre dieses tages stern,
hoch wird alles niedre, hohes neigt sich gern.
47, 112;
der grosze mit dem niedern geht,
ihn brüderlich umarmt.
J. G. Jacobi 3, 64;
ich bin nur eines hirten niedre tochter.
Schiller 13, 216 (jungfr. v. Orl. 1, 10);
für könige, für grosze ists geringe (das paradiesische gefühl),
die niederen besucht es nur.
1, 27;
es ist der fluch der hohen, dasz die niedern
sich ihres ofnen ohrs bemächtigen.
14, 33 (braut von Mess. 1, 5);
gegen die trientinischen schlüsse erklärte sich besonders die niedre geistlichkeit. 7, 172; (das buch handelt) von den tribunalen, hohen und niedern bedienten, die mit verwaltung der justiz beschäftigt sind. Frankf. gel. anz. (1772) 9, 19 neudruck; unrecht, das er einem niedern mann zugefügt hat. Freytag ahnen 1, 78;
am zaume hält sie doch ..
die liebe, der nichts ist zu nieder noch zu hoch.
Rückert brahm. 10, 165.
γ)
allgemeiner in bezug auf leben und wandel:
ich trachte nicht nach hohen dingen,
ich geh gern auf der niedren bahn.
Logau 1, 1, 62;
vom niedren steigt man hoch, vom hohen steigt man nieder.
1, 9, 73;
hoch überm niedern erdenleben.
Schiller 11, 319.
adverbial auf das niederste: also wen ain ding auf das höchst (zur höchsten macht) kombt, muesz es wider herab auf das nidrist. Aventin. 4, 679, 26.
δ)
überhaupt niedriger stehend, untergeordnet: die geringsten nidersten kreffte (des leibes). Luther 6, 382ᵃ; mein geist war noch nicht thätig — ich war niedriger als thiere niedrer gattung. Hermes Soph. (1776) 4, 314; begriffe heiszen höhere, insofern sie andere begriffe unter sich haben, die im verhältnisse zu ihnen niedere begriffe genannt werden. Kant 1, 426. 428. von rechten und institutionen, von schulen, stiften u. dergl., im gegensatze zu den oberen, hohen, höheren derselben art: mhd. die drü nidern gerihte. städtechron. 9, 957, 27 (14. jahrh.); nhd. das niedere gericht (Erberg 541ᵇ), die niedere gerichtsbarkeit (s. nieder-, untergericht, niedergerichtsbarkeit); junger mensch, welcher nur vor wenig wochen die niedern schulen verlassen hat. Rabener (1755) 1, 137; es ist .. sehr nachtheilig, dasz man die kenntnisse gleichsam als niedere betrachtet, mit welchen man schon auf den niedern schulen fertig geworden sein müsse, um sich hernach auf universitäten lediglich höhern wissenschaften widmen zu können. Bürger 380ᵃ; die niedere jagd im gegensatze zur hohen jagd in dreifachem sinne: die jagd auf kleines wild, das recht auf diese jagd und das jagdbare wild derselben, s. Heppe 165. Jacobsson 2, 301ᵃ und th. 4², 2205 f.
ε)
von sachen: der andern lai (art) adamas ist verr unwerdiger und niderr wan der êrsten lai. Megenberg 433, 15. besonders mit dem nebensinne des nichtigen:
welch ein neues feuer
reiszt mich vom niedern staub empor?
Lessing 1, 99;
ich wollt im stolzen schwunge die niedere erde zurückstoszen und rufen, du bist mir zu klein. F. Müller Fausts leben 109, 9 neudruck.
b)
in bezug auf innern werth und gehalt, auf das innere geistige leben und empfinden, gegensatz das hohe (th. 4², 1600):
das niedre schwillt, das hohe senkt sich nieder.
Göthe 9, 266 (die nat. tochter 1, 5);
wie verfährt die natur, um hohes und niedres im menschen
zu verbinden?   sie stellt eitelkeit zwischen hinein.
Schiller 11, 99.
im einzelnen.
α)
ohne höheren geistigen schwung und umfang:
mein lied .. war doch gar zu nider.
Weckherlin 678;
dasz die gedanken, seine tugend
zu fassen, vil zu nider seind.
441.
β)
auf niedriges, nicht auf hohes gerichtet:
dergleichen kunst ...
zeigt deinen niedern geist.
Lessing 1, 102;
in welchen strom versenk ich meiner thränen last, dasz
mich (die prinzessin) so niedre neigung (zum schützen) quält.
Arnim schaub. 1, 125.
γ)
auf tiefer stufe stehend, unedel, gemein, roh, besonders in sittlichem verstande:
wie frech hat nicht der mund der rasenden gesungen!
wie manches niedre wort ist in mein ohr gedrungen.
Zachariä 1, 27;
lasz neid und niedre raben schrein.
E. v. Kleist 1, 61;
die rache nimmt ein edler stolzer geist
an seinem niedern feind.
Rückert Nal (4. aufl.) 103;
wir wollen ... den niedern stolz des hofes nicht mehr unseres andenkens würdigen. E. v. Kleist 1, 158;
wirst du gepeinigt, so wirst du von deinen niedern gedanken,
sclave, gepeinigt!
Klopstock Mess. (1748) 2, 710;
wer musz das edle herz zu niedrer heuchelei
... so entweihen?
Gotter 1, 192;
die ihrem (der kunst) keuschen dienste leben,
versucht kein niedrer trieb.
Schiller 6, 267;
(die) dich verklatscht mit niederm sinn.
H. Heine 18, 50;
denn das mächtige wechselt auf erden,
nur das gemeine verwandelt sich nicht und das niedre vergeht nicht.
P. Heyse ges. werke 2, 178.
c)
in biblischem sinne, wie niedrig, sich nicht überhebend, demütig, unterwürfig: ahd. die nidere (humiles) sint in iro muote. Notker ps. 33, 19; nhd. ich bin demuͤtig und nider von herzen. Reiszner Jerus. 1, 21ᵇ; nider reden, submisse loqui Aler 1469ᵇ.
II.
adverb. gebildet aus dem adjectiv, ahd. nidaro, nidero, mhd. nidere, nider.
1)
nicht hoch, niedrig, tief, unten: ahd. unser bûch nidero ligendo haftet zuo dero erdo. Notker ps. 43, 25; mhd.
den selben leimstrich nam got fur sich,
ubir die âdir er in zôch, beidiu nidir unde hôch.
Milstäter genesis 7, 16;
ich gesetze ûch sô nidere.
Herbort Troj. 8224;
nhd. schlecht und nider gebauwen hausz, humilis casa Maaler 306ᵃ; nieder fliegen, nicht hoch fliegen. Rädlein 675ᵃ; ein binlein, wann es nider flügt, das ist ein zeichen, das es honig an seinen füszlinen hat. Keisersberg brösaml. 1, 7ᵃ;
der ein sas hoch, der ander nider.
Ringwald tr. Eck. F 3ᵇ. 4ᵃ;
aber die wissenden fursten .. sagten, er (der kaiser) säs zu nider (auf einem zu niedrigen stuhle im vergleich zum stuhle des papstes). Wilw. v. Schaumb. 9; diejenigen weiber, so ihre kinder gar nieder tragen, haben viel öfter beschwerlichkeit am harnen. Mauriceau deutsch 159; wachset zweier spannen hoch, etwann niderer. Bock kräuterb. (1551) 34ᵃ; die brüstlein .. in rechter höhe empor geruckt, nicht zu hoch auf schweitzerisch und cöllnisch, nicht zu nider auf niderländisch. Fischart Garg. 78ᵇ.
2)
in bezug auf ton und stimme (s. I, 1, c), tief, nicht laut, leise: mhd.
si huoben ir singen
lûte und vrœlîche,
nider unt hô.
H. v. Veldegge (minnes. frühling 63, 6);
nhd. lese nieder (leise, nicht laut). Frisch 2, 18ᵇ vom j. 1577; man musz (das lied) nicht zu hoch und nicht zu nieder anfangen. Lehmann floril. (1630) 17, 11;
liebte sonderlich die lieder,
die da giengen hoch, nicht nieder.
Logau 3, 5, 64.
3)
niedrig in bezug auf geburt, stand, ansehen, rang und würde (s. I, 2. 9, α): mancher ist hoch erkoren, aber nider geboren. Fischart Garg. 30ᵃ; hat es mir doch nicht geziemet, so nider die christen zu achten. Luther 1, 19ᵃ; wie hoch oder nieder der mensch erhoben werden soll, darzu legt die natur den ersten stein. Butschky Patm. 441.
III.
präposition mit dativ, unterhalb: infra domos, nyder den heusern. Trochus Y 6ᵃ; niedersich, baier. tirol. niderschi, deorsum Schm.² 1, 1728. Schöpf 468. vgl. nied und nieden II.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 4 (1883), Bd. VII (1889), Sp. 745, Z. 1.

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Zitationshilfe
„meder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meder>, abgerufen am 29.11.2021.

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