Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meerwunder, n.

meerwunder, n.
wunderbares wesen des meeres: merwunder, monstrum marinum. et sunt plura, videlicet siren, bellua marina, etc. voc. inc. theut. n 7ᵃ; denn alle natur, der thier und der vogel, und der schlangen und der meerwunder (ἑρπετῶν τε καὶ ἐναλίων) werden gezemet, und sind gezemet von der menschlichen natur. Jac. 1, 7; einem papst zu Rom wäre ein meerwunder gebracht worden, das hätte halb gesehen als ein mensch. Luther tischr. 3, 6 Förstemann; mich bedunket er (Äsop) sei ein trumper under den meerwundern, wann sie streiten wöllend, also grosze backen hat er. Steinhöwel (1555) 3ᵇ; olaische mitnächtige meerwunder, wie sie einem zu mitternacht inn der fronfasten, wann man zu vil bonen iszt, und am rucken ligt, fürkommen. Garg. 18ᵃ; dann wie konnt er inn minderer zeit ein solchen herculischen groszen betzen zimmeren, der die ganz welt von scheusalen, meer- und heerwundern und wüterichen erseubert. 78ᵃ; die nereiden erschienen mit halbem leib aus dem wasser hervorragend ... die symfonie, unter welcher diese meerwunder heran geschwommen kamen. Wieland 19, 308; häufige sogenannte meerwunder (auf einer säule abgebildet). Göthe 44, 188;
dô wolten si des wænen,   eʒ wære ein wildeʒ twerc
oder ein merwunder   von dem sê gegangen.
Gudr. 75, 3;
all paid sie wie die peren prumen.
sag mir, sind es zwai merwunder?
ach der schewzlichen, schnöden kunder!
H. Sachs fastn. sp. 2, 79, 261;
der meerwunder gröstes wunder.
Weckherlin 186;
die meerwunder jhr gesicht
ab solcher eitelkeit ergötzen.
568;
nun entsteigt der göttergleiche,
von dem rings umschäumten rücken
freundlicher meerwunder schreitend, ..
auf zum felsen.
Göthe 40, 421;
meerwunder drängen sich zum neuen milden schein,
sie schieszen an, und keines darf herein.
da spielen farbig goldbeschuppte drachen,
der haifisch klafft, du lachst ihm in den rachen.
41, 63;
meerwunder als sehenswürdigkeit und gegenstand des anstaunens: nu ist zeit daʒ wir sagen von den merwundern, dâ pei wir verstên auch oft guot und übel an dem menschen. wan wie daʒ sei, daʒ der mensch von nâtûr edler sei denn kain ander tier, iedoch wenn er niht leben wil nâch menschleicher art und nâch vernunft, so macht er sich pœser wan kain ander tier und lebt an etsleichen siten eim pfärd geleich, an etsleichen eim hund oder eim vogel, und dar umb dürf wir niht auʒ dem land laufen durch merwunder zu sehen: wir haben pei uns genuog. Megenberg 230, 29; (eine) hübsche jungfrauw, die viel seltzamer geschmeid und kleinot trug ... die besahe man so sehr, als ob sie ein meerwunder wer gewesen. b. d. liebe 289ᵈ; ich wollte nicht, dasz er .. die gesunde weltweisheit für ein meerwunder ansehe. Mattheson kl. generalbaszschule 58; sie starren all auf mich, wie auf ein meerwunder. Fr. Müller 2, 181; all diese adligen künste, die der gute bürgersmann als meerwunder angafft. H. Heine 1, 161; er wollte nun einmal ein kleines meerwunder aus dir gemacht haben. Göthe 57, 105; meerwunder für einen abscheulich häszlichen menschen (vergl. dazu oben die stelle aus Steinhöwels Äsop 3ᵇ); von wannen kompt das spötlich meerwunder? ebenda 5ᵃ (unde haec abominatio?); du hast mir ein meerwunder für ein knecht gebracht, treib in von mir. 7ᵇ;
du merwunder, ungelucksnest, du falldubel.
fastn. sp. 255, 15.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1862, Z. 61.

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Zitationshilfe
„meerwunder“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meerwunder>, abgerufen am 28.11.2021.

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