Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meffern, verb.

meffern, verb.
für mäffern, frequentativ zu maffen sp. 1429: bittere und beiszige hunde, die .. andere leute fressen und anpellen, wie die polsterhündlein den getreuen hirtenhund anmefferten und anpelferten. Mathes. Syrach 3, 49ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1864, Z. 4.

messer, m.

messer, m.
der eine messe hält; vgl. frühmesser th. 4¹, 318.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2123, Z. 57.

messer, m.

messer, m.
der da miszt.
1)
eine messende person: messer, mensor, mensurator, mensator. voc. inc. theut. n 7ᵃ; messer, mensor, metator, dimensor. Steinbach 2, 56; wie dann ein regierender herzog zu Würtemberg einen flosz machen, und mit demselben darauf (auf dem Mummelsee) hinein fahren lassen, seine tiefe abzumessen; nachdem die messer aber bereits neun zwirnnetz .. mit einem senkel hinunter gelassen und gleichwol noch keinen boden gefunden u. s. w. Simpl. 2, 49 Kurz;
die erde, zuvor, wie luft und sonne gemeinsam,
zeichnete jetzt vorsichtig mit langer grenze der messer.
Voss Ovid. 1, 13;
messer der zeiten! die zeiten, die ihr nicht messet, sie stehen
still wie die schlagenden pulse des lebens am rande der gruft.
Rückert 369;
als obrigkeitliches amt (vergl. dazu unter messen 4, c): die aufleger (ladeknechte für waaren) und die messer. d. städtechron. 15, 407, 28; dasz ... verschiedene punkte mit der obrigkeit wegen beeideter messer, probierer, handelsrichter und dergleichen regulirt werden können. Möser patr. phant. 1, 312; vgl. feldmesser, holzmesser, kornmesser, weinmesser u. ähnl.
2)
messender gegenstand: gewisz sind die sinne die feinsten und erregbarsten messer und reagenten der ihnen gehörigen qualitäten und verhältnisse der materie. Göthe 50, 34; namentlich gerät zum messen, vergl. gasmesser, wassermesser, meilenmesser; und rücksichtlich der zeit, der stärke und des grades (vergl. messen 4, e) zeitmesser, milchmesser, wärmemesser; so brauch ich dir ihre erweichung über Karlsons trauerkarmen nicht nach tropfen mit dem thau- und feuchtigkeitmesser vorzurechnen, noch mit dem magnetmesser ihre liebe. J. Paul Kampanerthal 11; ferner maszstab nach dem gemessen wird, vergl. durchmesser, erdmesser, halbmesser.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2123, Z. 58.

messer, n.

messer, n.
culter.
1)
messer ist ein früh verdunkeltes compositum von hohem alterthume: die ags. form mete-seax, met-sax, ahd. meʒʒi-sahs cultrum (Steinmeyer-Sievers 1, 542, 10) neben maʒ-sahs cultellum (Hattemer 1, 309ᵃ) weisen auf älteres, goth. nicht bezeugtes mati-sahs, das sich zu goth. mati-balgs πήρα stellt, und wie dieses den ledersack bezeichnet, in welchem die zugetheilte nahrung (vergl. unter messen I, 1) für einen aufenthalt auszerhalb des gutes, für hut, jagd, waldarbeit oder reise gesteckt ward, so mati-sahs das hiefür dienende zerkleinerungsgerät, das auch dienste als schutzwaffe thun muste. die frühe verdunkelung der wortform zeugt für den häufigen gebrauch des namens dieses altgermanischen haushaltungsstückes: gegen ags. metseax steht schon alts. mezas für metsas, mit verlust des gutturals am ende, was sich im nd. weiter zu mezces, metz, mess, verflüchtigt, auch zu messet, mest verderbt, vgl. Schiller-Lübben 3, 80ᵃ; cultellus, cultellum metz, mess, mest Dief. 162ᵃ; cultellus mest nov. gloss. 123ᵃ; niederl. mes, messer, mets, culter, gladius Kilian. im Hochdeutschen aber ergibt sich, während der angeführten form maʒsahs noch ein rheinisches meʒ-ses des 12. jahrh. (Rother 2510) nahe steht, aus meʒʒisahs zunächst meʒʒirahs (meʒʒirahsum cultris Graff 2, 912), was sich nun verschiedentlich weiter entstellt: cultrum tuum meʒʒarehs dînaʒ Steinmeyer-Sievers 1, 335, 57; cultros lapideos meʒʒiras steininiu 379, 22; culter meʒʒeres 2, 496, 5; scalpellum, ferrum incisorium meʒres 453, 45; und schon in dem späteren ahd. zu meʒʒer zurückgeht (Graff 2, 912), welche form nun mhd. einzig bleibt.
2)
messer, zunächst für das zerlegen der speisen bestimmt, in der küche und bei tisch (vergl. küchenmesser, tischmesser, tafelmesser, brotmesser, fleischmesser): ein messer besteht aus heft und klinge (vergl. th. 5, 1172); das messer hat eine spitze, schneide, einen rücken;
schnell fertig ist die jugend mit dem wort,
das schwer sich handhabt, wie des messers schneide.
Schiller Wallenst. tod 2, 2;
das messer ist scharf, stumpf: ein scharfes messer, acutus culter Steinbach 2, 58; stumpf messer, culter obtusus, lückicht messer, culter crenatus Stieler 1252; eiserne, stählerne, silberne, goldene messer; mache dir steinern messer. Jos. 5, 2; dazu die messer, becken, leffel und nepfe waren lauter gold. 2 chron. 4, 22; kurze messer, grosze, lange messer (zum vorschneiden bei tische); messer zum einschlagen, vergl. einschlagmesser, taschenmesser; dreikreuzige messer, die als messerschmidszeichen auf der klinge drei kreuze tragen: wenn ein kind oder auch ein erwachsener mensch sich eine beule an den kopf stöszet oder fället, und mit einem dreicreuzigen messer drückt, so heilet die beule ohne gefahr. rockenphilos. 2, 69; das messer schärfen, schleifen, abziehen, wetzen; ein vermessener ist wie ein messer, dann gleich wie ein messer wetzt das andere messer, also macht ein vermessener den andern vermessen. Abr. a S. Clara Judas 1, 162 (nach spr. Sal. 27, 17);
und zeuch dein messer ausz der scheiden,
das stumpf, schärtig und rostig sei,
dasz steht vor erbarn leuten frei:
hengt dann noch gestrig brot daran,
so heb ein lüstigs wetzen an.
Grobian. C 3ᵃ (v. 678);
das messer sticht, schneidet:
mein messer ist ja sunst nichts werdt,
und schneidt wie sant Cathrinen schwerdt (gar nicht).
C 3ᵇ (v. 691);
ir etlich wölln kein messer leiden,
das schartecht sei und nit will schneiden.
R 2ᵇ (v. 4349);
mit dem messer schneiden, stechen, ritzen: mit dem messer das fleisch schneiden, cultro carnem secare Steinbach 2, 52; daselbst wird man dir zeigen ein allerheiligste hostien, mit der die verruchte Hebræer also schmählich umbgangen, dasz sie neben anderen auch dieselbe mit pfriem und messern durchstochen. Abr. a S. Clara 2, 372; und sie riefen laut, und ritzeten sich mit messern und pfriemen (beim opfer). 1 kön. 18, 28;
swer den vinger ûf daʒ meʒʒer leget,
sô er snîdet, als ein kürsner pfliget.
des Tanhausers hofzucht, bei Haupt 6, 491, 101;
das huͦn im ab dem messer fiel (beim vorlegen).
Grobian. O 1ᵃ (v. 3447);
ritzt etwan mit der spitz
des mässers auf den tisch und deller, wa der sitz
der Allobragen sei.
Rompler 131;
dem vater gegenüber sitzt Ulrich an den tisch:
er schlägt die augen nieder; man bringt ihm wein und fisch:
da faszt der greis ein messer und spricht kein wort dabei
und schneidet zwischen beiden das tafeltuch entzwei.
Uhland ged. 366;
mit dem messer stochern, grübeln, klappern bei tische, als anstandswidrig:
ir sült die zende stüren niht
mit meʒʒern als etlîcher tuot.
des Tanhausers hofzucht, bei Haupt 6, 492, 118;
auch so dir etwas bliben ist
in zänen stecken, wo du bist,
so nimb ein messer, stich und grübel
in zänen fast, das steht nicht übel.
Grobian. D 2ᵃ (v. 859);
oder mit deinem deller spil,
treib mit dem messer klepperns vil.
M 3ᵇ (v. 3070);
messer und gabel (vergl. dazu 4¹, 1119 a. e.): als sie ins wirthshaus kamen, und die andern ihre messer und gabel auszzogen, grieff dieser mit allen fünfen in den salat. Chr. Weise erzn. 103 Braune; sie trilte den deller herumb und wieder hinumb wie Hans Wurst seinen hut; so wolte ihr auch messer, gabel und löffel niemal nach ihrem sinn recht liegen. Simpl. 4, 63 Kurz.
3)
aber auch für den manigfachsten gebrauch in der wirtschaft, in gewerbe und kunst, von derselben, ähnlicher oder auch abweichender form; den gebrauch deuten zusammensetzungen an, vergl. federmesser, fleischermesser, gartenmesser, rebmesser, schlachtmesser, wiegemesser, hackmesser, wurstmesser u. a.; oder adjective, oder er erhellt sonst aus dem zusammenhang: und recket seine hand aus, und fasset das messer, das er seinen son schlachtet. 1 Mos. 22, 10; der weinstock bringet viel mehrer frucht, wann man ihme die ohnnöthige zweigel und gsträuszel mit den händen abropft, und abzopft, als wann mans mit dem scharpfen messer abschnaidet. Abr. a S. Clara Judas 1, 39; wie oft hat er nicht das schwerdt mit dem anatomischen messer vertauscht! Kästner verm. schriften (1783) s. 47;
so ist das sein (des arztes) messer,
wer das meit, das ist pesser;
da mit chan er den harnstain sneiden.
Erlauer spiele 3, 452 Kummer;
messer zum bartscheren, vergl. rasiermesser, schermesser; nun ist der alte in der barbierstube. das messer ist schon angesetzt. Lessing 3, 41; der meister nimmt das schlechteste messer, was er hat (zum bartabnehmen). Hebel 2, 144;
ists wieder zu bekommen,
was euch kein biedermann
genommen,
so komm, so lang ihr dessen harrt,
kein messer über meinen bart!
Wieland 18, 303;
messer von messerähnlichen werkzeugen verschiedener gewerbe, der weiszgerber, der zuckersieder, der formschneider. Jacobsson 3, 56; der hutmacher, bleiarbeiter, seifensieder, korbmacher, glaser. 6, 552.
4)
messer, als waffe; es ist zunächst das eszgerät, das der mann im gürtel trägt (oben 1), dann die seitenwehr mit kurzer, messerartiger klinge (ahd. sahs, ags. seax), die auch nach dem aufkommen des dolches (th. 2, 1222) sich hält, zum theil bis heute, wiewol auch beide worte in éinem sinne gebraucht werden:
sultan. ruchloser! ehrvergeszner diese hand,
dies messer soll die freche zunge lähmen! (wirft einen dolch nach ihm).
Florens. dein spitzer dolch fuhr hieher in die wand.
Tieck Octavian 343;
mässer, gladiolus, culter, machaera Maaler 281ᶜ; dem schwerte und andern hiebwaffen entgegengesetzt: slehit ein man den anderen mit knuttelin odir mit vlachim messer odir swerte. Magdeb. blume 2, 2, 242; und heissen das verwundet, was mit messeren, spiessen, swerten, spern, äcksen, kolben, gabeln, houwen, knüttelen, und swa mitte es vientliche oder argwanlich beschicht. Basler rechtsqu. 1, s. 15 (von 1339); daʒ nyemand frömd noch heimsch, er sye geistlich oder weltlich, burger oder nit, innwendig den crüzsteinen zuͦ beden stetten kein lang messer, swert noch tägen tragen solle über die maszen, so unden an dem richthusz stat. s. 225 (von 1494);
des wurt ich schiere gewert,
od ichn vunde meʒʒer noch swert.
Iwein 1898;
von messerarten wird besonders genannt das lange messer (verschieden von oben 2; bairisch noch e langs messer, das nicht zugeklappt werden kann. Schm. 1, 1670 Fromm.): swer ein langeʒ meʒʒer, daʒ ein stechmeʒʒer heiʒt, in der hosen treit. Heimburger handfeste, mhd. wb. 2, 1, 163ᵃ; langes messer, stechmesser, waidmesser (zu tragen verboten). Schm. a. a. o.; der gemain man (in Baiern) .. mag wer tragen, schweinspiesz und lange messer. Aventinus bair. chron. 1, 42, 22 Lexer (ehrlosen wird das tragen des messers von obrigkeitswegen aberkannt, s. d. stelle unter messerlein); waʒ geltes viele und keme von langen messern (als strafe). Basler rechtsqu. 1, 48 (von 1389);
ob ir gleich seit zwen eisenfresser,
dragt spizpartn und lange messer,
und wölt idermon stechen und hawen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 148, 22;
es wird umgegürtet, auf die reise genommen: da tanzen di pauren mit den diernen und haben ir messer an der seiten gegurtet. fastn. sp. 446, 12; darumb nehme ich kein messer mit auf die kanzel, sondern allein auf dem wege, wenn ich wandere und uber feld ziehe. Luther tischr. 390ᵇ; es wird gezogen, gezuckt, damit gestochen, geschlagen: alʒo sullin auch dy meister qwingin ire schuler, nicht sullin sy ir aber wider totin, noch lemen, noch blendin, noch mit messirin, noch mit knuttelin slahin. Magdeb. blume 2, 1, 68; einem ein messer in den leib jagen, (vulg.) cultro per iram necare aliquem. Frisch 1, 661ᵃ;
sie zucten meʒʒer unde swert
und drungen vaste dar wert.
ges. abent. 2, 257, 63;
und wolt im mit dem meʒʒer sîn
hân gestochen durch den lîp.
trojan. krieg 4258;
ei du verzagter galgenschwengel,
wo mann am tanz die messer zeucht,
bist du almal der erst, der fleucht.
H. Sachs fastn. sp. 1, 130, 191;
sol mein gelt sein denn gar verlorn,
nit wunder wer, das ich in zorn
im durch sein wampen stech ein messer.
3, 79, 241;
die tobsucht, welche dir die sinne so verrukket,
dasz du schon oft auf dich das mässer hast gezukket.
Rompler 90;
und klirrend zieht aus der scheide
er das messer, so und so
an der sohle wetzt er die scheide (zur vendetta).
A. v. Droste-Hülshoff ged. 225;
messer werfen, im kampfe (vergl. Schulz höf. leben 1, 130. 2, 15), aber auch von gauklern zur kurzweil geübt;
ich lêrt dich meʒʒer werfen,   des tar dich nieman bestân.
Wolfdietr. B I b, 2;
messer stürzen, abwärts kehren, in die scheide stecken, als zeichen dasz man nicht kämpfen wolle: wiewol sie auch nicht tödten können noch sollen, mein herr erleub es jnen denn zuvor, und sage mirs an, das ers jnen erleuben wölle, sonst sollen sie jar und tag ratschlahen, messer störzen, zeen blecken, maul einbeiszen und sawr sehen. Luther 5, 51ᵃ; da sie (die beiden fürsten vor ihren heeren) aber zusammen giengen, stürzten die messer, und redeten nur ein wenig miteinander, da schlugen sie alle beide die visir von helmen auf, redeten weiter, und gab einer dem andern die hand. tischr. 348ᵃ.
5)
bildlich und sprichwörtlich: es seind nicht alle köch die lange messer tragen. Agr. sp. 29ᵃ; nicht alle (sind) köche, sagt man, die lange messer tragen. Kirchhof mil. disc. 228; mit dem langen, groszen messer (oben 2) wird bei tische die speise aufgeschnitten und vorgelegt, hieraus entwickelt sich eine redensart bezüglich des auftischens und herumbietens von erzählungen in prahlerischem sinne (vergl. auch aufschneiden 5, th. 1, 728): als zweifele ich nicht, es werden sich etliche finden, die sagen werden, Simplicius schneide hier mit dem groszen messer auf. Simplic. 1, 177 Kurz; die goldmacher schnitten nicht mit dem groszen messer (im schlaraffenlande). Schuppius 539; ich habe einen schnitt mit dem groszen messer gethan, indem ich gedacht habe, dasz du in chronologia alles thun könnest, was dein seliger groszvater gethan habe. dieses habe ich nicht geredt aus ambition, oder dir zu flatiren, sondern nur zu hintertreiben die temerität. 587; und dir, gedachte ich, gehet das grosze messer nicht ab, du unverschamter aufschneider! Abr. a S. Clara Judas 1, 267; ist der vatter, mit ehren zu melden, ein lugner, und im maul ein gröszers messer tragt zum aufschneiden, als jener baur im magen, welcher mehr als ein spannlanges messer geschlickt, .. so wird der sohn auch gesparsamb sein in der warheit. 2, 63; die kunst zu lügen, oder höflicher gesagt, das lange messer zu handhaben. Münchhausens reisen s. 7; er pflegt mit dem groszen messer zu schneiden, immane mentitur. Serz 100ᵃ;
Simplex bitt, man woll ja etwan nicht meinen,
als wol er mit groszem messer erscheinen.
Simpl. 1, 177 Kurz;
in städten steht es nicht viel besser,
da herrschen schwelgerei und neid,
man schneidet mit dem groszen messer
dem nächsten in sein ehrenkleid.
Günther 940;
ein stumpf messer ist keiner sammtnen scheide werth. Simrock sprichw. 376; das messer schneidet das wasser bis auf den boden. ebenda; man musz über nacht kein messer auf dem tisch liegen lassen, sonst kann man nicht schlafen. ebenda; ein bräutigam soll seiner liebsten, vor öffentlichem verlöbnis, kein messer oder scheere kaufen, es wird sonst damit die liebe zerschnitten. rockenphilos. 1, 133;
es ist kein messer das schärfer schiert,
als wenn der bauer ein edelmann wird.
Pistorius thes. par. 2, 63;
das messer aufwerfen, sich zu tische, zur mahlzeit setzen, auch als gast bei andern, weil der gast sein eigenes messer mitbringt und beim beginn der mahlzeit aus der scheide holt oder aus der schale aufklappt: eben wie man von düringischen bauern auch sagen wil, die halten jre kirchweih, so lange noch ein tropfe biers von eim ganzen gepreu vorhanden ist, darnach werfen sie jre messer ins nachbarn hause auf. Mathes. hochzeitpr. Dd 1ᵃ; ähnlich: (der) auf frembde tisch aber gern sein messer legt und die zähn wol wetzen kondte. Kirchhof wendunm. (1602) 1, 283; einem sein messer schön machen, die zeche bezahlen: item handt die schöffen geweist, darum dasz sie uf dem tag des iargedings gehorsam seindt zu weisen, soll ein herr der probst von s. Remigesberg oder sein schultheisz den schöffen sein tagcosten geben und eim schultheiszen von des fauths wegen sein messer schön machen, das ist sein imbs bezalen. weisth. 3, 749 (von 1487); eine übermüthige unterhaltung bei tische war es, an einem messer zu zeigen, wie viele meilen es nach Rom seien:
solt auch glat nit kein messer leiden,
dasz ubersich ligt mit der scheiden,
schlag mit eim eisnen heft darein,
des bossen wirt zu lachen sein:
ir etlich zelen drauf gar frei,
wie viel meil wegs gen Rom hin sei,
und schlagen sovil streich daruff,
das gibt dem messer manchen buff,
so wirt ein feine seg darausz.
Grobian. N 3ᵃ (v. 3334);
damit zusammenhängend: das messer ist so stumpf, man könnte auf ihm nach Rom reiten; auf dem messer könnte man bis Rom reiten. Simrock sprichw. 376; finden, wo das messer steckt, den ort finden, wo etwas zu erlangen ist: kam ich in ein quartier, da der hauszwirth entflohen, oder dasz es sonsten ein herberg oder verlassene wohnung war, darin sonst niemand wohnen konte, .. so fande ich gleich, wo das messer steckte, und wuste, weisz nit, durch was vor ein innerliches einsprechen, schätze zu finden, die in vielen, vielleicht 100 jahren keine sonne beschienen. Simpl. 3, 95 Kurz; das messer taugt nicht in den händen eines kindes oder thoren:
mässer in des kindes händen
machen, dasz das kind sich sticht.
Rompler 198;
kind, hub die mutter an, eins muszt du mir versprechen:
die messer und die gabeln stechen;
drum rühre keins von beiden an.
Gellert 1, 288;
nichts setzt allmächtiger den grillen maas und ziel,
als — was der schwester Evens, was Pandoren,
nebst andern messern in der hand des thoren,
aus der verbotnen schachtel fiel:
als — frommes kartenspiel!
Gotter 1, 248;
aber es gehört dem manne zu und ist zeichen seiner stellung im hause, wie die hose (th. 4², 1839) und die tasche; das böse weib spricht:
die bruch ist gwunnen und ist mein.
will mein narr wider kummen ein
und mein genad wider erhaschen,
so musz er darzu messr und taschen
mir selber gürten an mein seiten,
das ich das trag zu allen zeiten,
das ich im hausz sei herr und man.
H. Sachs fastn. sp. 3, 36, 244;
so nimb an dich eins mannes mut!
sie (deine frau) würd zu letzt gar auf dir reiten,
und würd dir noch in kurzen zeiten
bruch, daschen und das messer nemen.
1, 51, 439;
es heiszt auch das längere messer, das der mann trägt (vergl. das lange messer als manneswehr oben 4):
het guot wîp einen biderben man,
diu enzürnet niht, ob er daʒ lenger meʒʒer henket an.
minnes. 2, 195ᵃ Hagen;
das sich die herschsüchtige frau zulegt:
ob iʒ morgen alsô quême (spricht die tochter)
daʒ ich einen man genême,
ern mohte mirʒ nimmer versagen,
ichn woldeʒ langer meʒʒer tragen.
vrouwen zucht v. 148, vgl. ges. abent. 1, 45, 142;
so sy alles das begang,
des sy frue und spat gelust,
desselben er ir hengen must,
wan sy trug das lenger messer.
Rosenplut bei Schm. 1, 1670;
und um das in der ehe gestritten wird:
lat mich das lenger messer tragen,
oder ich gib eu ains an den chragen (medicus ad uxorem).
Erlauer spiele 3, 821 Kummer;
das messer beim hefte haben, die obergewalt haben (vgl. das heft in händen haben th. 4², 766 unten, 767), nicht nur im hause:
wer ere oder guͦt haut (hat) ..
der geb den chinden in der mausz
dʒ er im selber auch lausz,
und hab dʒ messer heftes halb.
ges. abent. 3, 736, 357;
sondern allgemein:
vliehe! winter hat daʒ meʒʒer bî dem hefte.
minnes. 1, 151ᵃ Hagen;
vom schlachtvieh heiszt es, es wird ans messer gebracht, geliefert: von allem gehörnten und schmahlen vieh gibt man auf gedachter strasze vom stück 1 D, wann aber solches denen von Augsburg gehört und sie wollen das an dem schlegel oder an das messer für sie selbst und ihre häuser zu brauchen, gibt es keinen zoll. Birlinger augsb.-schwäb. wörterb. 335ᵃ (von 1433);
weiszlich gibt man ein unschuldig lamm
dem messer hin, um einen zürnenden
gott zu versöhnen.
Schiller Macbeth 4, 6;
von daher einen ans messer liefern u. ähnl., bewirken, dasz einem der garaus gemacht wird, einen in den tod schicken: die soldaten an das messer liefern, in perniciem milites trahere. Steinbach 2, 58; wenn ich jenen Doria an das messer liefre? Schiller Fiesko 3, 7; dasz er uns beide ans messer liefern wolle. kab. u. liebe 3, 2;
dann wenn du solt des junkherrn weib
ir kleid sehen an meinem leib,
so gieng sie mit mir an ein messer (machte mich kalt).
J. Ayrer 425ᶜ (2137, 13 Keller);
und noch mit voller abhängigkeit vom eigentlichen gebrauche dieser formel:
bist du es nicht, der ohne menschlichkeit,
ein schlächterhund des heiligen gerichtes,
die fetten kälber in das messer hetzte? (Carlos zu Domingo).
Schiller hist.-krit. ausg. 5, 15 (dom Carlos 1, 1);
das messer ist gewetzt, der tod nahe:
und morgen schon! ich hört es deutlich raunen;
die stunde naht, das messer ist gewetzt.
Uhland ged. 441;
ein messer an die kehle setzen, als zeichen der wehrlosigkeit einem höheren gegenüber: wenn du sitzest und issest mit einem herrn, so merke, wen du fur dir hast. und setze ein messer an deine kele, wiltu das leben behalten. spr. Sal. 23, 2; einem das messer an die kehle setzen, einem wehrlos in die höchste not bringen; das messer steht ihm an der kehle, inter sacrum et saxum haeret. Steinbach 2, 58; das messer an der kehle haben, in magno mortis sive necis periculo esse. Frisch 1, 661ᵃ;
wo ich aus dieser ketten,
aus dieser pein die mich wil in den abgrund treten,
aus dieser flut die mir bisz an die lippe geht,
von diesem messer das an meiner gurgel steht, ..
errettet, diese gruft des kerkers lassen soll:
so ist mein leben dein, so geht es beiden wol!
A. Gryphius (1698) 1, 56;
in milderem sinne, einen in die höchste verlegenheit bringen, einem jeden ausweg abschneiden: der mahler, dem das messer an der kehle sasz, suchte sich zu helfen, wie er konnte. Göthe 27, 167; er setzt mir ja das messer an die kehle. Kotzebue dram. sp. 2, 341;
dein vorwurf setzet mir ein messer an die kehle.
Günther 624;
zumal da Dindonette, statt unglück zu verhüten,
so unvorsichtig war, so fern von allem verdacht,
dem messer selbst die kehle darzubieten.
Wieland 4, 191 (n. Amadis 8, 27);
einem ein messer in die brust, ins herz stoszen: ich versteh ihn, vater, fühle das messer, das er in mein gewissen stöszt. Schiller kab. u. liebe 1, 3; sie stoszen mir ein messer ins herz. 3, 2; gott im höchsten himmel, du vernichtest mich! du legst mir deine worte kreuzweis wie messer in die brust! H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 3, 2; desto schlimmer, dasz ich sie (die umarmung) frostig erwiedern musz; der anblick der majestät fällt wie ein schneidendes messer zwischen mich und den herzog! (Verrina zu Fiesko). Schiller Fiesko 5, 16;
es machte mir stets eigene gedanken,
was man vom tod des vierten Heinrichs liest.
der könig fühlte das gespenst des messers
lang vorher in der brust, eh sich der mörder
Ravaillac damit waffnete.
Wallensteins tod 5, 3.
6)
in Schwaben gab es für ein einschlagemesser eine von dem weiblichen geschlechtsgliede hergenommene, nicht näher gekannte unzüchtige bezeichnung, auf welche in folgendem angespielt wird: als er mich (ein junges mädchen) fragte, warumb ich meinen gegentheil so gar abscheulich zugerichtet hätte, antwortet ich: darumb, dasz er mir nach der courage gegriffen hat, wohin sonst noch keines mannsmenschen hände kommen sein (dann ich wolte es verzwicken und nicht so grob nennen, wie die Schwaben ihre zusammen gelegte messer, welche man, wann ich meister wäre, auch nicht mehr so unhöflich, sondern unzüchtige messer heiszen müste). Simpl. 3, 20 Kurz (Courage, 3. cap.).
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2124, Z. 9.

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Zitationshilfe
„meffern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meffern>, abgerufen am 09.12.2021.

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