Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meh, neutr., und adv.

meh, neutr. und adv.,
wie schon mhd. mê, verkürzte form von mehr (s. d.), mundartlich noch jetzt weit verbreitet, namentlich oberdeutsch (alemannisch, schwäbisch, bairisch, fränkisch; aber auch rheinfränk., niederrhein. mî, vgl. Fromm. 5, 415, 24. 6, 279, 34), während die schriftsprache nach dem 16. jahrh. es abgestoszen hat, wie es denn der sprache Luthers fremd war. es steht zur bezeichnung einer gröszeren zahl:
dann es sint leider bättler vil
und werden stäts ye me und me.
Brant narrensch. 63, 80;
ich bin nit alt, noch denkt mir, das
vor me ein solcher buntschuͦh was
uff dem hungers berg vereint.
Murner luth. narr 761;
der zweinzigk thausent wʒ (war) und me.
Schwarzenberg 104ᵃ;
doch findt man inn der newen ee
vil sölcher quäl der tugent mee.
156ᵈ;
eines höheren grades: ja die Mary zuͦ Einsidlen ist mein schwester und dasz noch mee ist, der teüfel zuͦ Costenz und der grosz gott zuͦ Schaffhausen meine gebrüder. Wickram rollw. 18, 26 Kurz;
wir wöln me mit einer seiten brumen,
dan schluͤg man sechs und zwenzig trumen.
Murner luth. narr 3988;
die der schrift wollen sein ein meister,
sich und andre inn plindheit führen,
und täglich sich nur meh verwirren.
Fischart bienk. 246ᵇ;
wie schweizerisch dieses meh auch als verstärkung dem besser hinzutritt: das sei jetzt noch einer von den mehbessern, der hätte noch religion, wie man sie ehemals gehabt hätte. J. Gotthelf schuldenb. 114; zur bezeichnung einer zeitfolge, oft, öfters:
ich scham mich nichtz zuͦn narren stan,
dan ich hab es vormals me gethan.
Murner luth. narr 837;
und Lazarus hät ach und wee,
den Abraham tröstet bald me.
Schwarzenberg 157ᵈ;
fürder, fernerhin: und solten alle nonnen kein kinder meh machen. Fischart bienk. 89ᵃ; ich isz nit me mit dir. Ulensp. 86, s. 125 Lappenberg;
so ich dein fürt nit me bedarf.
Schwarzenberg 145ᵃ;
bald sie böser gesellschaft gewonen,
so hilft kein strafen noch vermanen
von jren frommen eltern meh.
H. Sachs fastn. sp. 1, 81, 357;
von meh ist gebildet ein superlativ mehest: sich am mehesten in anzihung jrer natürlichen liblichait und gemainer ergezlichait saumen. Fischart dicht. 2, 275, 25 Kurz; welche tragen am mehesten schlüssel bei sich, die weiber oder die männer? bienk. 14ᵃ; der mehesten augen (spielen). Garg. 168ᵇ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1864, Z. 19.

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Zitationshilfe
„meh“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meh>, abgerufen am 08.12.2021.

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