Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mehlicht, mehlig, adj.

mehlicht, mehlig, adj.
wie mehl erscheinend, mehl zeigend oder habend; zwei dem sinne nach ursprünglich verschiedene ableitungen, die aber in einander so übergegangen sind, dasz eine den begriff der andern ausdrückt; mehlicht ist der neueren sprache nicht mehr gerecht, eine zwischenform zwischen diesem und mehlig erscheint als mehligt nur selten, vgl. unten die stellen aus Jacobsson und J. Paul. das wort steht
1)
nach der eigentlichen bedeutung von mehl (2): mehlicht, farinaceus, farinarius Stieler 1304; mählicht, farinulentus, farinosus Steinbach 2, 16; von früchten mehlhaltig oder -artig: der griesz .. musz aber etwas grobkörnicht und nicht melbicht sein. Hohberg 1, 202ᵇ; die andern körner (samenkörner, im gegensatze zur ersten art, der milchgebenden) nennt man mehligte, weil sie kein überflüssiges öl enthalten, sondern ganz aus einer trocknen substanz bestehen. Jacobsson 7, 128ᵃ; was die feigen betrifft, so müssen wir sie ebenfalls, wie die citronen und orangen, aus fremden ländern beziehen, und durch das lange reisen werden sie dumm und mehlig. H. Heine 2, 75; gute kartoffeln müssen mehlig, nicht wässerig sein; mit mehl bestreut, überzogen: es ist nicht müglich, wer mit den müllern zu handeln hat, dasz er nicht melbig werde. Bebelii facetiae (1589) 51ᵃ; wie mehl anzufühlen oder anzusehen: das ganz gewächs ist melbicht wie die miltenkreüter. Bock kräuterb. 120ᵃ; seine (des guten Heinrich) bletter vergleichen sich der kleinen scheiszmilten, doch kleiner, ganz mälecht und eschenfarb. 273ᵇ; mit mehligten und ausgedehnten, winterlichen gesichtern (durch einen schreck) kamen die frauen wieder. J. Paul Siebenk. 4, 48;
auch entfaltet das nachtinsekt die mehlichten flügel,
schieszt nach der brennenden kerze des einsamen weisen, und gaukelt
um die flamme herum, bis seine schwingen versengt sind.
Zachariä tageszeiten (1757) 87.
2)
nach mehl 4, staubig: mehlicht pulverulentus Stieler 1304 (als seltenere bedeutung; sie ist heute noch elsässisch); darnach stoszet man das glas also, dasz es nicht gar zu melbig sunder fein körnet sei. L. Thurneiszer beschreib. influent. wirkungen (1578) 130; dasz er (der arsenik) sich crystallisch anhengt, und das jhenig das melbig ist, dasselbig ist nicht der arsenicus, der zu brauchen ist. Paracelsus opp. 1, 1057 A; bildlich:
mancher kumbt melbig zuͦ der bicht,
der ganz wisz werden meint und licht,
und gat berämt doch wider heim.
Brant narrensch. 34, 31.
3)
bei den malern heiszt mehlicht ein gemälde, welches mit hellen und abgeschmackten farben gemalt ist, wo das fleisch zu weisz, und die schatten zu grau sind. Jacobsson 3, 43ᵃ; vergl. franz. donner dans la farine, peindre avec des couleurs claires et fades. Littré 1, 1620ᶜ; coloris farineux, coloris d'un ton gris et fade. 1621ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1868, Z. 10.

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Zitationshilfe
„mehlig“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mehlig>, abgerufen am 04.12.2021.

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