Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mehrentheils, adv.

mehrentheils, adv.,
zusammengerückt nach des mehren theils, vgl. unter mehr 4 sp. 1872, zum gröszeren theile; seit dem 16. jahrhundert wie hauptsächlich, gewöhnlich, in zeitlichem sinne, bei zuständen, handlungen: bin also förder daheim mehrentheils gewesen. Schweinichen 1, 50; darum schickten sie mich mehrentheils auf die parthei, nur dasz sie im quartier unbeschädigt blieben. Chr. Weise erzn. 99 Braune;
mehrentheils weil (als) krieg noch wehrte, fiel ein meelthaw alle jahr
in die zarte jungfernblüte, der der würme viel gebar.
Logau 3, 183, 57;
warüm wolte ich nicht die fehler meines nächsten dulden, zuvoraus, wenn ich klärlich spühre, das das herze nicht böse ist, sondern vom glauben und liebe mehrenteils beherrschet wird? Butschky Patm. 148; krankheiten des körpers, mehrentheils die natürlichen folgen der unmäszigkeit. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 164; weil sie aber mehrentheils in allegorien eingehüllt sind. Ramler dichtk. des Horaz 13; dasz man sie mehrentheils nachher nicht wieder erkennt. Tieck 1, 48;
tod wird schlecht von uns bedankt, mehrentheils mit fluch und spot.
Logau 2, 169, 52;
zwerge sind gemeinlich stolz; wo am minsten von verstand,
hat der falschen meinung trotz mehrentheils die oberhand.
3, 220, 11;
verfertigt ists vor langer zeit;
doch mehrentheils gemacht erst heut (das bett).
Bürger 112ᵃ;
bei angabe von beweggründen: itzt sei er mehrentheils wegen seiner liebsten in das warme bad gezogen, als welche verhoffte, hiedurch fruchtbar zu werden. Chr. Weise erzn. 17 Braune; weniger zur bezeichnung eines eigentlichen theilbegriffs: die wurzel aber (des baums) war von ungültigen leuten (bestand aus solchen), als handwerkern, taglöhnern, mehrentheils bauren und dergleichen. Simpl. 1, 53 Kurz; solche gefährliche leute sollten in einem staate um so viel weniger geduldet werden, da es mehrentheils ausländer sind, die unsre thorheiten in contribution setzen. Möser phant. 1, 224; oder in örtlichem sinne: diesseits, das heiszt an des Rheines linkem ufer, sind die berge mehrentheils ganz mit reben oder gebüsch bekleidet, einige mit schattenden eichen. Stolberg 6, 28. vgl. mehrertheils, mehrtheils.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1893, Z. 47.

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Zitationshilfe
„mehrentheils“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mehrentheils>, abgerufen am 01.12.2021.

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