Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mehrertheil, m., n.

mehrertheil, m. n.
der gröszere theil, vgl. mehr 25, b sp. 1883 und mehrtheil; im 16. jahrh., wo das wort aufkommt, um später wieder zu verschwinden, vielfach mit getrennter schreibung beider theile (auch im acc., dat., gen.), wiewol der erste unflectiert steht und im sprechen wol immer der ton auf ihm gelegen hat (méhrertheìl); im nominativ: davon uns der merertail des kriegscostens biszher zukhomen. staatspap. Karls V. 409; daʒ merertail gunten im, daʒ er ledig würt. Ulensp. 58, s. 85 Lappenberg; dasz sich der mehrertheil desz ackerbauwens ernehret. Kirchhof wendunm. 150ᵃ; denn wir allen fleisz anwenden wöllen, dʒ der mehrertheil an ewer gnaden hof den preisz erwerben müste. Galmy 103; darzu were das schiff sein eigen, und das mehrertheil güter von seiden, sammet .. were auch sein. b. d. liebe 201ᵇ; der mehrertheil jrer nachbauwren. 289ᵈ; denn der mehrertheil der ritterschaft und wehrhaft volks auszerhalb waren. 372; erzeigten sich der mehrertheil desz rahts seiner meinung ganz anhengig. 324; ich sehe jetzo schon, dasz der mehrertheil unter euch seinen reten zustimmen. ebenda (aber: bei dem auch der mehrer theil seiner ritter waren. 315); wie man das wol zu Hall sehen mag, da so viler krüppel und lamer stelzen und krucken .. hangen, dasz der mehrertheil deren, so sie dahin gehenkt, weder an der linken noch rechten zehen mehr sich ubel gehaben. Fischart bienk. 141ᵃ; darumb der mehrertheil mit schanden und spott gestorben und umbkommen. Ayrer proc. 1, 15; im accusativ: derhalben thut gott der welt noch eine gnade, das er das mehrer teil wider jren willen in ehelichen stand wirft, und jnen mühe und erbeit auflegt. Luther 4, 26ᵇ; wenn Cain so gräulich nicht gefallen wäre, sollt er wol den mehrer theil der leute verführet haben. tischr. 3, 7 Förstemann; aber was von essendhafter speis was, hatt er den merer teil im haus gelassen, als anken, schweinin fleisch, käs und eier. Wickram rollw. 154, 17 Kurz; hiewe jme das merertheil seins angesichts abe. Aimon bog. E; darzuͦ sie uns den merertheil der unsern getödt und erschlagen. bog. l (zusammengerückt aber mit flexion beider theile: als nun der herzog mit sampt andern mächtigen herrn ... den mehrerntheil jrer geschäft zu gutem end bracht hatten. Galmy 63); in adverbialer geltung: er ward das mehrertheil bei dem ermel, den er jhr abgerissen, von jr erkannt. b. d. liebe 23ᵇ; die leüt geen den meerer theil nackend. Frank weltb. 186ᵃ; in zeitlichem sinne: disz gestech begibt sich das mehrertheil bei liecht und nebel. Garg. 259ᵇ; mehrertheil in der nacht. Kirchhof mil. disc. 175; im dativ: durch jn selbs zum mehrer teil im gefengnis geschrieben. Luther 3, 409ᵇ; und er sampt dem mehrertheil erschlagen (ward). Kirchhof wendunm. 6ᵇ; im genitiv: wie denn priester und mönche des mehrerteils in der jugent in solchen stand aus unwissenheit komen sind. Melanchthon Augsb. conf., im corp. doctr. christ. (Leipzig 1560) 23; der ander stamm ... besteht mehrer theils von unkeuschen hurern. Fischart bienk. 209ᵇ; jrer basen ein heimzusuchen, ... bei deren sie mehrertheils zu wohnen pflegt. Amadis 411; welchergestalt ich schier mein ganzes leben in groszer herrn, fürsten und königen dinsten und schweren obligenden geschäften und raisen (mehrertheils als secretary) zugebracht. Weckherlin vorr. zu den weltl. gedichten; nominativ in genitivform: dieser ritter trug unter sein armen, ein treffenlich schön ledlin oder trüchlein. derwegen der mehrer theils vom adel, als sie jhn gegen dem könig gehn sahen, jhm platz und weg machten. Amadis 300; vergl. dazu unter mehrtheil und mehrentheil.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1894, Z. 58.

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Zitationshilfe
„mehrertheil“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mehrertheil>, abgerufen am 04.12.2021.

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