Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

mehrheit, f.

mehrheit, f.
die gröszere zahl; ein schon gelegentlich von Notker verwendetes (sie versagent selben dia iustitiam mêrheite unde minnerheite, unde sanitatem: uuanda bristet rehte, sô ne ist iʒ reht. ist iʒ ubere, so ne ist iʒ aber reht. 3, 443ᵃ Hattemer), später nicht weiter erscheinendes, auch von den wörterbüchern bis auf Adelung fast gänzlich verschwiegenes wort; nur der achtsame Kramer kennt es, vom niederländischen drauf geführt: mehrheit, meerderheit. nider-hochteutsches wörterb. 2 (1719) 143ᵃ; met meerderheit der stemmen iets besluiten, mit mehrheit der stimmen etwas beschlieszen. 1, 193ᵃ; bis es nach der mitte des vorigen jahrhunderts in häufigeren gebrauch kommt, zunächst von einem stimmenverhältnis: wenn unter dem volke die mehrheit über zwei drittheil geht, so macht sie bei der stimmensammlung drei stimmen aus. Klopstock 12, 5; ein mann hätte .. seine wohlfahrt der mehrheit knechtischer stimmen unterwerfen müssen. Möser osn. gesch. 1, 60; können wir .. von der mehrheit ihrer leichtfertigen stimmen das wohl unsers staats und unser eignes abhangen lassen? phant. 1, 255; indem sie ihr geistliches oberhaupt selbst durch die mehrheit der stimmen wählten. 305; seht Genueser! der feigen waren mehr, denn der streitbaren, der dummen mehr, denn der klugen — mehrheit setzte durch. Schiller Fiesko 2, 8; dasz die mehrheit des ausschusses die von uns beantragte einholung eines gutachtens der militaircommission nicht für erforderlich halte. Preuszen im bundestag 3 (1882), 320;
gebt euch, edler herr!
ihr seht, dasz euch die mehrheit widerstrebt.
treibts nicht zu einer unglückselgen spaltung!
Schiller Demetrius 1. act, v. 444;
die mehrheit?
was ist die mehrheit? mehrheit ist der unsinn;
verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen.
457;
der staat musz untergehn, früh oder spät,
wo mehrheit siegt und unverstand entscheidet.
466;
jenen (Ludwig den Baier) schützte Luxemburgs macht und die mehrheit der wähler.
hist.-krit. ausg. 11, 72;
dann auch in der allgemeinen bedeutung einer über die eins reichenden zahl: da also .. eine mehrheit der principien statt findet, so kommt es darauf an, welches von beiden .. überwiegen wird. 10, 457; viele wörter sind nur im plurali gebräuchlich; das sind insgemein wörter, dabei sich mehr als eine sache denken läszt: doch gibts auch einige andre, wo keine mehrheit sichtbar ist. Scheller ausführl. lat. sprachlehre (1779) 64; und von solcher verwendung aus wird es von Adelungs zeitgenossen weiter in die grammatik eingeführt, mehrheit als pluralis.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1896, Z. 1.

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Zitationshilfe
„mehrheit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mehrheit>, abgerufen am 29.11.2021.

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