Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meiden, m.

meiden, m.
männliches pferd, verschnitten oder unverschnitten; das im mittelalter viel gebrauchte wort (zahlreiche belege mhd. wb. 2, 1, 91ᵇ. Lexer wb. 1, 2071), hat sich über diese zeit nur selten noch erhalten: caballus maiden Dief. 86ᵃ (mit dem zusatze vilis equus; eine verschlechterung des begriffes wie bei mähre sp. 1467); ein beschäler, in Baiern ehedem maidten Nemnich 2, 1509; schweiz. maiden, zuchthengst Stalder 2, 193.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1899, Z. 16.

meiden, verb.

meiden, verb.,
vitare.
1)
das verbum gehört nur den Westgermanen an (vgl. Zimmer in Haupts zeitschr. 19, 456); ags. mîdan, prät. mâđ, midon, altfr. mîtha, formîtha vermeiden, alts. mîđan, prät. mêđ, miđun, ahd. mîdan, prät. meit, plur. mitumês, bei Otfrid 3 plur. midun; mhd. mîden, prät. meit, plur. miten. der begriff des wortes scheint auf der vorstellung des wechselns, vertauschens, verkehrens entstanden, eine reihe verwandter wörter bei Fick², 154, von denen goth. gamaids ἀνάπηρος, maidjan, inmaidjan, verändern, umgestalten, verwandeln, die uns nächsten sind. im nhd. erscheinen versuche, das wort schwach zu conjugiren: solche meide. 2 Tim. 3, 5 (goth. jah þans afvandei); es war ein man im lande Uz, der hies Hiob, derselb war schlecht und recht, gottfürchtig, und meidet das böse. Hiob 1, 1; und lerete jn gottes wort von jugent auf, das er gott fürchtet, und die sünde meidete. Tob. 1, 10; so wir doch in unser confession das wort, sacrificium, mit vleis gemeidet haben. J. Jonas bei Luther 6, 458ᵇ; drumb meidete er das böse. Schuppius 146; damit nun Corinna den müsziggang meidete, liesz sie Crobyle unterrichten. 483. sonst haben sich die ablautverhältnisse des verbs, wie aller dieser classe, gegen das mhd. verschieden gestattet, es ist aber der nachklang alter verhältnisse, wenn im plur. und im part. des prät. theils kurzer vocal, theils schreibung t des stammauslautes auftritt: der sol bei verlust der seligkeit nicht gehört, sondern verlassen, gemidden und verdampt .. sein. Luther 8, 5ᵃ;
wollt gott, ihr könnt erbitten
euch allen dies grosz gut,
dasz ihr die zweiung mitten
mit gleichem sinn und muth:
und hieltet (var. hielten) euch beisammen
und stündet (var. stunden) all vor ein.
Joh. Doman lied von der Hansa 11 (zeitschr. des vereins für hamburg. gesch. 2, 458).
2)
meiden, intransitiv, sich zurückziehen von etwas, sich fern halten, wie ahd. mîdan latere: derâ suntâ rahcha ibu ist mîdanti sô filu, peccati causa si fuerit latens tantum. benedict.-regel bei Hattemer 1, 98ᵇ; ags. mîdan:
scealt þu Andreas ellen fremman!
ne mîđ þu for menigo!
Andreas 1211;
später noch in der reimenden formel meiden und leiden, als seltene erscheinung:
erbeit la dir nit ligen swer.
du muost miden und liden.
Altswert 2, 17;
sustine et abstine, leid und meid. S. Frank sprichw. 2, 133ᵇ, vergl. dazu oben das substantive meid; immer hat sich der mann gelitten und hat gemieden. Felder sonderl. 2, 272, in vorarlbergischer redeweise. vgl. dazu meidsam.
3)
gewöhnlich, wie schon mhd., transitiv, mit persönlichem object, das zusammensein mit jemandem entbehren, es sich versagen:
wie sol mîn herze daʒ erlîden?
muoʒ ich sie iht langer mîden,
sô bin ich an vröuden tôt.
minnes. 1, 363ᵇ Hagen;
sol ich dich, feins lieb, meiden,
meim herzen dem gschicht we.
Uhland volksl. 126;
das etwan in lieb auch sei leiden,
so zwei einander müssen meiden
etwan viel zeit, bisz sie gelück
mit frewden zam bring in dem stück.
H. Sachs fastn. sp. 1, 7, 236;
will ich dich doch gerne meiden,
gieb mir nur noch einen kuss,
eh ich sonst das letzte leiden
und den ring zerbrechen musz.
Günther 275;
lebe wohl, lebe wohl, mein lieb!
musz noch heute scheiden.
einen kusz, einen kusz mir gieb!
musz dich ewig meiden.
Uhland ged. 56;
so soll ich dich nun meiden,
du, meines lebens lust!
57;
der infinitiv in substantiver stellung, oft in der reimformel scheiden und meiden: scheiden und meiden, was sonst so schwer aufs herz fällt, ward hier zum kleinen scherzhaften frevel, man floh sich um sich einander augenblicks wieder zu finden. Göthe 22, 100;
und wie jn (den liebenden) war das neidig glück
widerwertig in manchem stück
mit klafferei, senen und meiden.
H. Sachs 3, 2, 192ᵇ;
dergleich du mit deiner bulerei
hast auch das bitter heimlich leidn.
dich krenkt die sehnsucht und das meidn.
dessen fastn. sp. 1, 61, 223;
dein herz erst brinnend wird in leiden
durch sehnen, eifern, schaiden und meiden.
107, 251;
liebste, was kann denn uns scheiden?
kanns das meiden?
kann uns meiden scheiden? nein.
Rückert ges. ged. 1, 243;
in schärferem sinne, dem zusammentreffen mit jemand geflissentlich aus dem wege gehen, einem ausweichen:
sô meit sî mich, vil wol gelobe ich daʒ,
mê dur ir êre danne ûf mînen haʒ.
minnes. frühl. 205, 25;
jr könnet wol wider freunde werden, wenn du jn nicht meidest, und redest mit jm. Sir. 22, 26; scheme dich nicht deinen freund zu schützen, und meide jn nicht. 30; einen ketzerischen menschen meide, wenn er ein mal und abermal ermanet ist. Tit. 3, 10; böse gesellschaft meiden, improborum societatem declinare, aversari, a perditorum familiaritate abesse. Stieler 1261; er meidet den menschen, hunc hominem fugit. Steinbach 2, 61; die gegenwart eines paria wird daher von allen übrigen Indiern mit abscheu gemieden und geflohen. Göthe 45, 339;
(der weise) meidet den, der den genusz vom leben,
der jeden tag nur dem gewerbe weiht,
und jüdisch lacht, so oft er sieht und höret,
wie die vernunft geschmack und wahrheit ehret.
Hagedorn 1, 11;
und auf dem rosse miedet ihr den feind?
Freytag dram. werke 2, 167;
formell zum folgenden fallend:
der knabe
don Karl fängt an mir fürchterlich zu werden.
er meidet meine gegenwart.
Schiller Carlos 1, 6.
4)
mit sächlichem object, in mehrfacher weise: eine stadt, ein land meiden, den aufenthalt darin entbehren, als strafe, in verbannung: queme ein fuer auʒ in eins mannes houʒe, und beschryet er sein nicht, ee den er auʒ treit, und wirt er fluchtig und weichit: er sol lyden der stat kor und dy stat ein ior mydin. Magdeb. blume 2, 2, 217; darumb habe ich mein haus verlassen müssen, und mein erbe meiden, und meine liebe seele in der feinde hand geben. Jer. 12, 7;
den könig haben sie erzürnt, nicht mich,
drum nehmen sie diesz denkmal meiner gnade
und dieser stunde. meiden sie das reich,
sie haben nur in Spanien gesündigt (königin zur Mondekar).
Schiller don Carlos 1, 6;
die liebe meiden, ihrer entbehren:
und wann ich für mein feins lieb ge
so gschicht mir in meinem herzen we
dasz ich sein lieb musz meiden.
Uhland volksl. 123;
auch hier in schärferer bedeutung (vergl. oben 3), sich von etwas geflissentlich fern halten: ein haus, eine strasze, einen gewissen weg meiden;
ir müeʒet vliesen den lîp ..
welt ir ûf die burc varn.
jane redent siʒ durch deheinen haʒ,
wan daʒs iu des gunden baʒ
daʒ ir dise burc mitet
und noch fürbaʒ ritet.
Iwein 6141;
etliche stück sind nicht wider das offenberliche gottes wort, noch wider klare schrift an jnen selbs, als der heiligen feire, bestimpte tag fasten, fleisch meiden an fasttagen, und was des dings mehr ist. Luther 3, 524ᵃ; und were kein gewissen mit dem fleisch meiden beschweret für gott. 525ᵃ; und verbieten ehelich zu werden, und zu meiden die speise, die gott geschaffen hat. 1 Tim. 4, 3; den wein gar dannen thuͦn und meiden, circumcidere vinum ex toto. Maaler 289ᶜ;
fort wolt ich meiden solche speisz.
H. Sachs fastn. sp. 1, 144, 328;
die lere des weisen ist eine lebendige quelle, zu meiden die stricke des todes. spr. Sal. 13, 14; der das böse meidet, ist den thoren ein grewel. 19; ein weiser fürcht sich, und meidet das arge. 14, 16; der weg des lebens gehet uberwerts klug zu machen, auf das man meide die helle unterwerts. 15, 24; wir werden viel gutes haben, so wir gott werden fürchten, die sünde meiden, und guts thun. Tob. 4, 22; so werden wir nicht müde, sondern meiden auch heimliche schande. 2 Cor. 4, 2 (goth. afstôþum þaim analaugnjam aiviskjis); meidet allen bösen schein. 1 Thess. 5, 22 (goth. af allamma vaíhtê ubilaizô afhabaiþ izvis); frommkeit meiden und fliehen, cavere pietatem. Maaler 289ᶜ; solche böse unchristliche gewonheit, sollen sonderlich die jungen leut meiden und neiden. L. Sandrub kurzweil 38; solche verkehrte weise solle man billich meiden. 14; gottsförchtige .. räth und diener zu halten, die unrechtmäszige geschenk meiden. Zinkgref apophth. 1, 15; die gefahr meiden, periculum vitare. Steinbach 2, 61; zank meiden, contentiones declinare. ebenda;
köstliche wirtschaft meide du!
lasz fürwitz dich nit raisig machen!
H. Sachs fastn. sp. 1, 111, 353;
wer miede nicht, wenn ers umgehen kann,
das äuszerste!
Schiller Wallensteins tod 2, 2;
auch eine krankheit meiden, der gelegenheit sie zu erlangen aus dem wege gehen (unterschieden von vermeiden, s. d.):
der krankenluft nie in sich sog,
weil er gesunde nur zu seinen freunden wählte,
und schnuppen mied, wie unser eins die pest.
Gotter 1, 315;
statt des sächlichen objects ein infinitiv mit zu:
zu widersprechen meid ich.
Göthe 40, 403.
5)
meiden, in der neueren sprache auch mit sächlichem subjecte, das damit eine gewisse belebung empfängt:
ich schlief wie du. jetzt meidet mich der schlummer.
Gotter 1, 175.
6)
meiden ein ding, einem dinge entgehen, es nicht brauchen dürfen:
so ist das sein (des arztes) messer,
wer das meit, das ist pesser;
da mit chan er den harnstain sneiden
an mannen und an weiben.
Erlauer spiele 3, 453 Kummer;
später nicht mehr bezeugt; vgl. jedoch vermeiden.
7)
ebensowenig über die ältere sprache hinaus reicht die bedeutung verfehlen, fehlen, die sich aus dem begriffe des ausweichens herausbildete:
eʒ (das fallgatter) was swære unde sneit
sô sêre daʒ eʒ niht enmeit
eʒn schriete îsen unde bein.
Iwein 1100;
ob mich ir beider sper dâ miten?
nein, ir tjost alsô geschach
daʒ ieslîcher wol verstach
sîn sper ûf mir.
Lichtenstein 201, 18;
dar zu hat er auch chind,
di hinder zwain jarn sind,
mit nichte haiszen meiden,
si schüllen in alln di häls ab sneiden.
Erlauer spiele 2, 251 Kummer;
wie endlich auch reflexives mhd. mîden abstinere mit gen. (gramm. 4, 35) später erloschen scheint.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1899, Z. 23.

miede, f.

miede, f.,
plur. mieden, beim leinweber die beiden zweiarmigen hebel, durch schnüre mit dem quertritte verbunden, woran die schäfte des webstuhls ebenfalls in schnüren aufgehängt werden. Jacobsson 3, 63ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2170, Z. 69.

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Zitationshilfe
„meiden“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meiden>, abgerufen am 25.11.2021.

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