Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

meier, m.

meier, m.
1)
villicus; altes lehnwort aus dem lat. major, welches die mittellateinische urkundensprache des fränkischen und später des karolingischen reiches auf den vorsteher oder obersten beamten eines landwirtschaftlichen hofhalts bezieht; die lex salica zählt den major an der spitze der diener eines solchen: siquis maiorem, infestorem, scantionem, mariscalcum, stratorem, fabrum ferrarium, aurificem, sive carpentarium, vinitorem, vel porcarium, vel ministerialem furaverit. 11, § 6 des Heroldschen textes (de servis mancipiis furatis); als ein titel wird der lat. ausdruck ins deutsche aufgenommen und im täglichen gebrauche umgeformt, und ahd. glossen geben maior, meior, meiur, meier für lat. conductor, exactor, procurator, villicus (Graff 2, 843); alts. meiar, gen. meiras, dat. meira gutsverwalter: thit sint thie sculdi the themo meira selvamo an thena hof geldad. Freckenhorster heberolle 403; van thes meiars hûse. 234; mhd. meier, mnd. meier, meiger, oberster verwalter einer gutswirtschaft, mag er in unmittelbarem dienste oder in pacht- oder zinsverhältnisse stehen (mit einer gewissen obrigkeitlichen gewalt über die ihm untergebenen, vgl. rechtsalterth. 315 fg.): ruricola meier Dief. 504ᵇ; villicus meyer, meiger 619ᵇ; meyer, colonus, vulgariter bauman, i. rusticus, villicus. voc. inc. theut. n 5ᵃ (wie auch mhd. im armen Heinrich meier v. 295 mit frîer bûman 269 und gebûre 276 wechselt); und so auch später: meyer, lehenmann, verwalter und schaffner eines meyerhofs, villicus, ruricola Maaler 289ᶜ; und sahe, das sein mair sämlich (säumig) was gewesen in allen sein sachen. Müglin 53ᵇ; es was ein reicher mensche der hat einen meier. der meier ward verklagt vor dem herrn wie das er sein guͦt verwustet und er sendet nach ym und sprach zuͦ jm. was hör ich von dir. gib rechnung von deinen meierschaft, wann du magst nit mer meier gesin. spiegel menschl. behaltnus (1492) 181ᵃ (nach Luc. 16, 1 fg.; auch in Behaims evang. buche: ein mensche was riche, der hatte einen meier, bei Luther aber: es war ein reicher man, der hatte einen haushalter); ein hauszvatter soll ein meier erwehlen und nemmen, der zimliches und mittels alters seie, .. deszgleichen dessen weib eine hauszhalterin ist, und wol erzogene unterdienstbare kinder hat. Sebiz feldb. 37; seit auch nicht karg, jr hauszväter, ewerm meier sein notturft, so er an euch fordert, zu reichen, es sei gleich umb erhaltung ewers hauses, oder zu verbesserung und ergänzung der ding, so euch zugehören. 39; deshalb so stehet zu dem meier zu wissen, wann der mon ob oder under dem erdtrich sei. Herr feldbau 4ᵃ; in einer namhaftigen statt .. sas ein reicher meier, welcher auch ein radtsfreund was und darbei ein weltweiser geschickter lei. Wickram rollw. 160, 5 Kurz; in dem land wont ein meier in dem selben flecken und der was so karg an seiner kost. Ulensp. 7, s. 9 Lappenb.;
ich bin der mair von dem obern perge.
fastn. sp. 472, 14;
wir haben doch kuntschaft zu euch herein,
wann wir all eur hintersessel sein.
wir sein von Schnigling herein eur mair,
und pringen euch zu gült oft kes und air.
567, 8;
merkend es ist der vatter mein
ein mayer auch disz hofs gesein.
Wickram pilg. L 3;
(der das feld bauende) erschrickt nicht von dem blitz und donner der kartaunen,
wie zwar der landsknecht lebt, der tag und nacht das land,
das doch dem meier bleibt, schützt mit gewehrter hand.
Opitz 1, 154;
die schöne nachtigall läst sonderlich sich hören,
schwingt ihre stimme hoch dem meier wie zu ehren.
156;
häufig umgaben krieger die leiche, ähnlich den fliegen,
welche die milcherfüllten gefäsze des meiers umsummen,
in den tagen des lenzes, wenn milch die eimer herabtrieft.
Stolberg 12, 148 (Il. 16, 642);
selber eilt ich vorwärts
zu deinem gut. den meier ruf ich an.
Freytag dram. werke 2, 166;
sprichwörtlich:
wenn man den edelmann macht zum meier,
so bekommt der fürst weder hüner noch eier.
Pistorius thes. par. 3, 62
(mit der erklärung: quando administratio bonorum conceditur nobilibus, tunc princeps redituum suorum jacturam facit);
schlecht und gerecht,
ists meiers recht.
Sebiz feldb. 39;
in Baiern ist der meier in landwirtschaftlichen verhältnissen der erste unter den männlichen dienstboten einer gröszeren wirtschaft, ferner derjenige baumann (colonus), welcher ein gut auf zeitlichen, oder lebenslänglichen, oder erbpacht zu bebauen übernimmt, endlich der besitzer eines ländlichen anwesens überhaupt. Schm. 1, 1552 Fromm.; niederd. meier, lohnbauer, hofmeier, den man um jährlichen lohn dingt, dasz er die aufsicht über ein landgut habe und die arbeit verrichte, auch ein bauer, der einen gutsherrn hat, der seine länder zu lehen, oder meierrechte hat, it. pächter, erbpächter. brem. wb. 3, 113; vollmeier, halbmeier, drittler und handköthner, die pflichtigen, hausleute und köthner, die freien eigenthümer der marsch amts Hagen. Stüve wesen u. verf. 18; klagen eines meiers über den putz seiner frau. Möser patr. phant. 1, 70 (der sich einen armen leibeignen nennt 72).
2)
meier, vorsteher in politischem sinne, einer genossenschaft oder eines bezirkes, auch hier auf das lat. maior in der amtlichen sprache des fränkischen reiches zurückgehend: id ergo decretum est apud nos maioresque natus Francorum palacii procerum, ut apud quemcumque post interdicto latrocinio, vite periculum incurrat. pactus Childeberti et Chlotarii (lex salica von Hessels s. 415; vergl. auch major domus regiae, in späterer übersetzung hausmeier, th. 4², 684. Du Cange von Hentschel 4, 190 fg.), und setzt sich von hier, in der umformung der landessprache, sowol im franz. als maiour (von hier aus ins engl. als mayor), später maire, als im deutschen fort: meyer, consul Maaler 289ᶜ; mnl. meyer, praetor maior, praetor urbanus, consul maior, summus magistratus, meyer van het dorp, praetor minor, praetor rusticus, coloniae praefectus, praetor pagi, praetor suburbanus Kilian, vgl. auch dorfmeier th. 2, 1283; item der meier der herren von st. Alban hat das recht, das er soll sitzen neben des bischofs meier (beim ding), ohne das er nit soll den stab in der hand han. weisth. 1, 654 (Oberelsasz, von 1486); dieser zeit gehöret sie (die stadt Laufen) under die bischoffliche vogtei Zwingen, hat etwas besonderer freiheiten und rechtungen, welche der meier mit zehen von rhäten verwaltet. Wurstisen Basler chronik (1580) s. 14 (vergl. auch unten meierthum);
mein herr der mäyger und der rat
von Lappenhausen yeso drat
haben mich zuo euch gesant.
ring 46ᵃ, 11;
niederd. maier, eine obrigkeitliche person, nicht nur auf dem lande, sondern auch in den städten, vogt, oberschulz. brem. wb. 3, 112; bair. maier in amtlichen verhältnissen, salzmeier in Reichenhall und Traunstein der oberste salzbeamte, im salzsudhaus Hallein der fünfte knecht. Schm. 1, 1553 Fromm.; und das auf spielgenossen übertragen, maier der erste in der reihe, der vorspieler; daher wieder maier sein, werden, den vorrang, den vorzug haben, erhalten. ebenda.
3)
meier, in allgemeinerer verwendung, wie kerl, bursche, aber mit dem beisinne des tüchtigen:
er dunkt sich sin ein kuͤner meyer.
Gengenbach gouchm. 595;
Bacche, du bist ein wilder meyer,
dasz du ein solchen schönen trosz
mit dir hast bracht, das ist ein bosz.
Grobian. a 2ᵃ (v. 66);
in zusammensetzungen aber wie kerl, mensch überhaupt, und sogar mit dem beisinne des verächtlichen und untüchtigen; in täglicher rede heiszt ein heulmeier einer der immer wehklagt; angstmeier, ein stets ängstlicher mensch; ein vereinsmeier, der die leidenschaft hat, an vereinen theil zu nehmen; alt egelmeier, possenreiszer, vgl. th. 3, 33; in Westfalen ist flassmaier ein kind mit flachsfarbenen haaren. Woeste 302ᵇ; in Norddeutschland findet sich auch als volksausdruck einen meiern, foppen, täuschen, hintergehen.
4)
meier, in Baiern auch von dingen: der sengstenmaier, der stab, an welchem die sense befestigt ist. Schm. 1, 1554 Fromm., auf dem bairischen walde.
5)
meier, phalangium opilio, eine feldspinne. Nemnich 4, 927.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1902, Z. 36.

meier, m.

meier, m.
der mäher, s. d. sp. 1452.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1904, Z. 21.

meier, m.

meier, m.
von einem aus einer birke geschnittenen becher, s. maier, sp. 1480, birkenmeier th. 2, 39.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1904, Z. 22.

meier, m.

meier, m.
name der pflanzen anagallis arvensis, roter hühnerdarm, und alsine media, vogelkraut: morsus gallinae, illecebra, hünerbisz, .. meier, genskraut. Alb. FF 2ᵇ; hünerdarm nent man hünerserb, meier, hünerbisz, genszkraut, und vogelkraut. Bock kräuterb. 145ᵇ. ferner heiszen so cucubalus baccifera, der grosze schwarze hühnerbisz; amaranthus blitum, hundsmelde, kleiner meier; veronica agrestis und hederifolia, hühnerbiszdarm. Nemnich. der name ist zunächst entstellung von miere, w. m. s.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1904, Z. 24.

meiern, verb.

meiern, verb.
als meier wirtschaften: meiern conducere Stieler 1242; niederd. meiern pachten Schambach 132ᵇ; im fürstenthum Lippe mäggern, in Detmold meggern, einen meierhof, ein bauerngut bewirtschaften. Fromm. 6, 355. nicht dies meiern ist in folgendem gemeint: was wild? ich fang gern Hockheimer wild mit schleiern: darumb hört, wie ich so ein schön gesetz will meyern. Garg. 87ᵇ (trunken litanei), verse zusammenfügen, machen, es liegt wol eine durch den reim erzwungene umgelautete form von mauern, also ein mäuern zu grunde. über ein landschaftliches meiern foppen, täuschen vgl. unter meier 3, sp. 1903.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1906, Z. 14.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
meieran messerzucken
Zitationshilfe
„meiern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meiern>, abgerufen am 17.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)