Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meil, n.

meil, n.
fleck, makel; goth. mail ῥυτίς; ags. mâl, mæl, farbenfleck, zeichnung; ahd. mhd. meil, macula, wo das wort ganz unterschieden von mâl (vergl. sp. 1493) besteht; auch nach der mhd. zeit zeigt es sich noch in oberdeutschen quellen, verschwindet aber langsam aus der schriftsprache, während es mundartlich im bairischen sprachgebiete bis heute lebt (tirol. mail mal, makel, das schwarz auf der scheibe, narbe, wundmal Schöpf 412 fg.; kärntn. mâl aus meil, spur, fleck, schmutzflecken, fehler in sinnlicher und geistiger beziehung. Lexer 188; bair. die meilen fleck, mal, makel Schm. 1, 1584 Fromm.): macula mayll, mail Dief. 243ᶜ; das die junkfrauschaft doselbs on alles mail gehalten solt werden ewiklich. Müglin 4ᵃ; selig ist der reich, der do ist erfunden on mail. bibel von 1483 330ᵃ (beatus dives, qui inventus est sine macula Sir. 31, 8); zum vierden läszt die sünd hinder ir ain masen oder mail, die an menschlichem geist hangt. Berthold teutsche theol. (1528) cap. 33, 3;
das hilf uns, muͦter Maria one mail.
Uhland volksl. 426 (Augsburg 1449);
mit disem stück musz ich bedecken
das mail darmit ich thet beflecken
des Hetitters weib Bathseba.
H. Sachs 3, 1, 88ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1906, Z. 65.

meile, f.

meile, f.
das längenmasz.
1)
das wort ist aus der bekannten streckenbezeichnung der wegesäulen auf heerstraszen des römischen reiches: millia passuum (gekürzt m. p.) mit zugesetzter zahl, von Deutschen übernommen worden, die in theilen des reiches eingewandert waren, namentlich von Oberdeutschen und Angelsachsen: die älteste ahd. form milla schlieszt sich der lateinischen noch eng an, nur ist vocalverlängerung schon frühe vorhanden: milibus millun, mîllun Steinmeyer-Sievers 2, 253, 29; es übersetzt auch milliarium, aber in der späteren lat. bedeutung der durch ein solches bezeichneten wegstrecke: angarizanti milliario vadunt et duo, kenoottanteru millu kangant ioh zuuo. benedictinerregel bei Hattemer 1, 54; auf die bildung des geschlechtes hat nicht blosz die lat. endung, sondern wol auch das geschlecht des einheimischen wortes, welches durch das fremde verdrängt wurde, goth. ahd. rasta, sowie das sinnverwandte ahd. stunta gewirkt. ebenso ags. mîle, mîl Grein 2, 250; das altnord. mîla ist erst später aus dem deutschen dorthin gekommen, vergl. Vigfusson 432ᵇ.
2)
der begriff ist in Deutschland nicht der römische geblieben, hat sich vielmehr auf eine längere strecke bezogen, worauf auch wieder das deutsche rasta einwirkte. diese strecke ist örtlich so ungleich wie jedes masz. gegenüber gestellt werden mhd. die diutsche oder grôʒe der welschen mîle, mhd. wb. 2, 1, 171ᵇ; später unterscheidet man deutsche, Schweizer, französische, englische u. s. w. meilen; ein lange Schweizer meilen, der eine gar nahe vier stund zu gehen hat. Kirchhof wendunm. 279ᵇ; vier ungrische thun fünf teutsche meilen, fünf französische machen drei teutsche, zwei schwedische drei teutsche, sieben spanische machen sechs teutsche. öcon. lex. 1583; nun stieg ich, ob ich gleich diesen tag schon durch vier meilen Apenninen von Spoleto herüber gekommen war, noch eine deutsche meile lang den hohen steinweg zu dem falle des Velino hinauf. Seume spazierg. 1, 106; die erde hat 5400 deutsche meilen oder 10800 stunden im umkreis. Hebel 2, 2; eine geographische meile; vergl. auch postmeile, seemeile; eine nicht genaue, nur ungefähre bestimmung spricht von einer starken, guten, oder einer kleinen, kurzen meile: eine starke meile, milliare longius, eine kleine meile, milliare brevius Frisch 1, 655ᵇ; gedingt pferd machet kurze meilen. Pistorius thes. par. 5, 40;
uber kurzer mîlen drîe
lige wir morne zû nacht.
livl. chron. 993;
in was ein burg gelegen bie,
uber gûter mîlen drie,
Kretênen was daʒ hûs genant.
6978;
das band der freundschaft miszt die allerlängsten meilen.
Günther 619;
Ad. ihr kommt von Holla schon.
Walter. zwei kleine meilen.
H. v. Kleist zerbr. krug, 4. auftr.;
meilen werden gelaufen, gegangen, zurückgelegt: und so dich jemand nötiget eine meile, so gehe mit jm zwo. Matth. 6, 41; also eileten sie von ihrem vaterlande hinweg .. als sie aber etliche funfzig meilen hinter sich hatten, kamen sie auf den abend sehr müde in das wirthshaus. Chr. Weise erzn. 10 Braune; er (mein hengst) gieng in einem futter dreiszig meilen hin und her. 100; ich habe die paar hundert meilen zu fusz zurückgelegt. Immermann Münchh. 2, 94; der ernste begleiter sehnte sich .. schon nach den ersten zwanzig meilen in seine amtsstube zurück. 3, 208;
ich lauf oft etlich hundert meil,
eh wann ich find ein herren paldt.
H. Sachs 1, 120, 166;
so herzlieb von herzlieb musz scheiden
etwan viel meil in frembde landt.
8, 261;
und da wir einen tag zwo meilen rückwärts legten.
Günther 786;
sein gang, der zwanzig jahr an einer meile schleicht.
Drollinger 153;
zählt der pilger meilen,
wenn er zum fernen gnadenbilde wallt?
Schiller Wallensteins tod 4, 11;
aber bei nacht fünf meilen durch thau und kältende nebel
gehn zum besuche der braut, wie gewissenhaft!
Voss Luise 2, 230;
entfernungsbestimmung einer örtlichkeit nach meilen; mit präposition bei meilen: von dannen steiget man auf den berg Saron und kumpt bei drei meilen zuͦ dem schlosz Laudaleon. Frank weltb. 164ᵇ, ungefähr drei meilen davon; auf meilen: von disem flusz auf zwo meilen ist die statt Sarepta. 165ᵃ;
da hieb dem Bonaparte
das glück eine solche scharte,
dasz man auch ohne warte
sie sah auf meilen raum.
Arndt ged. (1840) 296;
oder durch genitiv: die galgen müszten dichter stehn. man sieht ja kaum aller zwei meilen einen. Lessing 1, 305; oder durch den accusativ bezeichnet: do ward künig Wentzelaus von Pechaim ... gefangen zuͦ den Pettlern vier mil von Praug. d. städtechron. 4, 98, 4; wer ... bettelt, sol ein jar und ein meil von der stat sein (auszerhalb der bannmeile, s. nachher). Nürnberger pol.-ordn. 316; von Tripoli der statt ist zwo meil zuͦ der statt Leopardorum. Frank weltb. 166ᵃ; einer sprach: es sein drei meilen von Jena gen Weimar: der ander sprach: es sein nur zwo meilen: diese zwen bedeutet Clausz also: lauf du den weg für zwo meilen, und du lauf jhn für drei meilen, es hat einer nicht umb ein schrit weiter, als der ander. Zinkgref apophth. 1, 377; dasz eine meile von dar ein warmes bad sei. Chr. Weise erzn. 10 Braune; wie auch in der älteren sprache:
daʒ gûte hûs zû Velîn lît
nicht verre von der walstat,
dâ man sie kampfes machte sat,
wol anderhalbe mîle.
livl. chron. 1387;
ir lant lît zwû mîle in dem mere.
6175;
auch meile wegs (vergl. unten meilwegs): es ist manche meile wegs von hier bis dorthin;
wie vil meil wegs gen Rom hin sei.
Grobian. N 3ᵃ (v. 3332);
bei bestimmung des maszes eines umfangs: verpranten alleʒ daʒ in 6 milen was. d. städtechron. 4, 69, 7;
die schlacht wert uff zwo ganze mil:
darzwüschen lagen Walchen vil
zerhowen und zerstochen.
Veit Weber lied auf die schlacht bei Murten in Wackernagels leseb. 1 (1873), 1432, 5;
vergl. auch quadratmeile, bannmeile, für welches letztere auch nur meile steht: item vorm krieg was die meil verpoten: wer dorinn ein fueder holcz hieb, der must 4 [[undefined:poundsign]] on gnad geben. 2, 326, 22; die hawer sullen auch in keiner meil nicht hawen, bei irem eide. Nürnb. pol.-ordn. 307, vergl. unten meilenrecht; oder einer länge:
da liet bie des meres strant
ein gegende, heiʒet Kûrlant:
die ist wol vumfzik mîle lanc.
livl. chron. 353;
zweimal zehn meilen ziehn am flusse die plantagen
sich hin, wo man für dich die baumwollstaude baut.
Freiligrath dicht. 1, 99;
bei solchen maszbestimmungen steht auch der singular von meile, wie bei fusz, zoll, klafter, theilweise bei stunde, tag (s. d.): seinethalben bin ich so viel meile weges gereiset. Schuppius 253; er sei nit mehr ein barmherziger, sondern ein unbarmherziger gott, und er sei nicht mehr bei uns in der noht, sondern er sei viel tausend meil von uns. 258 (aber gott sei nicht bei ihm in der noht, sondern er sei von ihm, und allen Israeliten, viel hundert meilen gewichen. 259); er wolle solche (steine) ohn einigen schaden und gefahre 12. meil wegs tragen. 777; wollt ich wär tausend meil davon. der junge Göthe 2, 173 (wollt ich wäre tausend meilen davon. 362, worte des Götz von Berlichingen).
3)
meile in sprichwörtern, bildern, redensarten: wann vatter und muͦter einer handbreit der jugend erloubend, so machendt sy ein myl darusz. Diog. C 2ᵇ; er denkt drei meile hinter gott. Schottel 1115ᵃ; diese rede wolte dem jungen fäntgen nicht zu sinne, dasz er sich so viel meilen hinter den backofen verlaufen solte: absonderlich war ihm diesz zuwider, dasz er seine liebste so lange verlassen müste. Chr. Weise erzn. 8 Braune; indesz wäre es doch möglich, dasz einmal auch ein alter künstler, nach ihrer art zu reden, der liebe und den grazien weniger geopfert, und hier bei hundert meilen an die liebe liebe nicht gedacht hätte! Lessing 8, 237; ich sehe hier und da (bei fragen, welche durch die fragmente angeregt werden), auf tausend meilen, keine antwort. 10, 206; eine meile wegs davon ist ein guter panzer. Simrock sprichw. 372; bei einer über erwarten langen entfernung heiszt es: die meile hat der fuchs gemessen und den schwanz drein geben. ebenda.
4)
meile, die wegstrecke, d. h. der ein bestimmtes meilenmasz ausmachende weg selbst:
die reine sonn,
schmuckt jhre cron,
den kocher fült mit pfeilen:
ihr beste rosz,
läst laufen losz,
auf marmerglatten meilen.
Spee trutzn. (1654) 27;
wie die pfeil von bogen zielen,
lief er (der bach Cedron) ab auf nasser meil.
185;
weniger ausgesprochen in dieser bedeutung anderwärts, wo das entfernungsmasz noch immer im vordergrund der vorstellung steht:
ich denke under wîlen,
ob ich ir nâher wære,
waʒ ich ir wolte sagen.
daʒ kürzet mir die mîlen.
minnes. frühl. 51, 36;
bei dem lustigen erzehlen
wird uns keine meile lang.
Günther 187;
husch ist sie dort (in Karlsbad) — in jenem ehrenvollen reihn, ..
wo, eingeschickt von fernen meilen,
zerriszne tugenden von ihren wunden heilen.
Schiller die berühmte frau v. 105;
Joseph! Joseph! auf entfernte meilen
folge dir Louisens todtenchor.
kindsmörderin v. 41.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1907, Z. 13.

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Zitationshilfe
„meil“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meil>, abgerufen am 03.12.2021.

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