Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meien, verb.

meien, verb.
mähen, s. sp. 1450; den mai feiern, s. maien sp. 1475.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1902, Z. 34.

mein, m., n.

mein, m. n.
verbrechen, frevel; einst allgemein über die deutschen sprachen verbreitet (nur goth. nicht aufgewiesen), altnord. mein, ags. mân, alts. mên, ahd. mein, und noch mhd. als mein viel verwendet (mhd. wb. 2, 1, 105), aber nach dieser zeit abgestorben und auszer in der zusammensetzung meineid, nur in der allitterierenden formel mein und mord bis in das 16. jahrh. übrig geblieben, eine formel, die zugleich den sinnlichsten und jedenfalls ursprünglichen begriff des wortes bewahrt hat, da es nach dem altnordischen zunächst körperliche verletzung, wunde bedeutet, und erst von da aus in den allgemeinern sinn des verbrechens, frevels, unrechts, auch der falschheit übergeht: da man zalt 1430 da zugen die Hussen durch den wald und tetten den leuten groszen main und mort. d. städtechron. 5, 92, 16; solt man solch ding leiden und zusehen von den edlen und söldnern, es möcht main und mort darausz wachsen. 270, 3; das hat herzog Ludwig den von Augspurg schreiben lassen, das wöll er von in im sinn han, dasz [sie] im solch grosz main und mord und den seinen tan wolten han. 305, 24; main und mord in allen gassen. Keisersberg has im pf. aa 4ᵈ; die gots buben die so vil jamers main und mord gestift habend. Schertlin briefe 19; (die widertäufer in Münster) richten main und mord und ein grewlich teufelisch wesen an. Mathesius Luther (1583) 107ᵃ;
noch schreit vil kristelichu schar
fast main und mord gar ofenbar
über den haidnischen hund (den Türken).
Liliencron volksl. 2, 7, 278;
daraus entspringen alle laster
als wucher, diebstahl, mord und mein,
geiz, untrew, schalkheit grosz und klein.
H. Sachs 2, 2, 97ᶜ;
auch würd sich mond und main begeben.
1, 1, 113ᵈ;
du solst anrichten main und mordt.
J. Ayrer 432ᵃ (2169, 8 Keller);
die formel war als mord und main für tod und verderben auch noch lange nachher nürnbergisch Schm. 1, 1611 Fromm.; in der form mahn und mord: und richten mahn und mord, zwispalt und aufruhr neben zurrüttung und zurstörung der kirchen an. Mathes. Sar. 158ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1912, Z. 6.

mein, adj.

mein, adj.
verbrecherisch, falsch, ein nachklang des mhd. adj. mein, der in der formel ein meiner eid für das componierte meineid dauert: swer der ist der einen mainen ait swert. Nürnberger pol.-ordn. 37 (14. jahrh.); eben so im adverbialen genitiv meines (in verbindung mit schwören): alle die strafen an leib und an gut, di mains sweren. 69; niederd. ok sede he, we en scolden öme neine meine eide sweren. d. städtechron. 6, 94, 20.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1912, Z. 45.

mein, adj.

mein, adj.
in gemein, s. d.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1912, Z. 53.

mein

mein, gen.
zu ich, s. th. 4², 2029, unter III, 1.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10 (1882), Bd. VI (1885), Sp. 1912, Z. 54.

mein, pron. poss.

mein, pron. poss.
meus.
1)
goth. meins, fem. meina, neutr. meinata und mein; altnord. minn, fem. mîn, neutr. mitt; ags., alts., altfr. mîn für alle geschlechter; althochd. mîner, mîniu, mînaʒ und mîn; mhd. mîner, mîniu, mîneʒ neben mîn; niederd. min, niederl. mijn, engl. my, schwed. min, neutr. mitt, dän. min, mit. der annahme, dasz das possessiv aus dem gen. sg. des persönlichen pronomens hergeleitet (gramm. 1, 783. 4, 338), steht eine andere gegenüber, dasz dasselbe adjectivbildung aus dem stamme des persönlichen pronomens sei, und dasz der genitiv des letzteren aus dem possessivum gebildet wurde (Scherer z. gesch. d. d. sprache, 2. aufl. s. 377 ff.).
2)
gekürzte formen des pronomens, wie sie im mhd. mehrfach erscheinen (gen. mîns, mîs für mînes, dat. mîme, mîm für mîneme, mînem), zeigen sich noch in quellen des 16. jahrh.: dasz ich meinet meim gesellen den ballen zuzuschlagen. b. d. liebe 237ᵃ; ihr sollt meins auszenbleibens euch nicht wundern. 237ᵈ; mit meim kebsweib. 301ᵇ; wie gehts jm, meim guͦten Hansen? Wickram rollw. 180, 27 Kurz; ich habe meim junkern jagen helfen. Mathes. bei Schuppius 836;
so sag mir balt mit einem wort,
ob ich mich kan an meim feind rechen.
J. Ayrer 434ᵈ (2185, 6 Keller);
wie auch mein für meinen steht:
und man hett mein vatter ghangen,
also wers auch meim bruder gangen.
436ᵈ (2195, 19);
und last mir aus mein lieben sohn.
437ᵇ (2196, 27);
und es ist namentlich der alemanische dialekt, der den angegebenen mhd. brauch nicht nur bis in diese zeit fortführt, und den gen. mins, dat. mim bildet: das was mins ellentz ein anfang. Th. Plater 4 Boos; do ich mit mim wib in Wallis zogen. 9; sties mich der präst an in mim hus. H. Salat 61 Bächtold;
es ist mins vaters hus.
N. Manuel 76, 1203;
es muͦsz mim herzen vil leids beschehen.
135, 18;
und bring mit mir vyl wilder gest,
zuͦ triben den hanen ausz meim näst.
P. Gengenbach welsch flusz 260;
ich wolt ee mit mim swärt drin schlagen.
gouchmat 598;
sondern der auch solche formen bis heute festhält: bist mir schier ein seltzamer gast in mim husz. Tobler dialektproben aus d. Schweiz s. 19 (von 1655); mir ist ums geld alles fail as grad mis Gretlis ehr nüd. 46;
se (so) chunnt mim sinn das hexli für.
Hebel 1, 127.
3)
mein, flectiert wie ein adjectiv, ursprünglich nur in starker form, doch kommt die schwache nach dem artikel bereits im mhd. empor, vergl. nachher nr. 4 und 12. im nominativ zeigt sich uns bei jener das masc. und neutr. flexionslos, wenn es mit substantiven und adjectiven steht, und nur das fem. flectiert: mein vater, mein lieber vater, mein kind, mein liebes kind, aber meine mutter, meine liebe mutter; mhd. war die flexionslosigkeit auch auf den nom. fem. ausgedehnt (gramm. 4, 480); aber nachklänge eines noch älteren brauches, der überall im nom. flexion litt (mînaʒ lîb. Otfrid 3, 14, 74; thaʒ thu liobo mîner bist. 5, 15, 18) haben sich ins nhd. hinein erhalten: lieber meiner, hat doch Antipho also ein weib genommen, ita ne tandem uxorem duxit Antipho? Maaler 91ᶜ, abgeblaszt als einleitung zu einer frage, wie unten mein nr. 10, aber statt mein lieber; schweizerisch steht das gekürzte neutrum mîs = mhd. mîneʒ für unser mein mit vorliebe: das häst erratha, mis Madleni. Tobler alte dialektproben s. 41; o mys herz, mys leben. J. Gotthelf erzählg. u. bilder aus d. Schweiz 4, 80;
herz, mys herz, warum so trurig?
J. R. Wysz in Hoffmanns volksthüml. liedern nr. 424.
steigerungsgrade, wie beim adjectiv, werden von mein begreiflich nicht gebildet, auszer in besonderen fällen in dichterischer rede:
du bist mein; und nun ist das meine meiner als jemals.
Göthe 40, 337;
und den allerschönsten kleinen,
ihn, den traum und wachen spinnen,
ihn, den allermeinsten meinen,
seh ich funkeln mitten drinnen (unter den sonnen).
Arndt ged. (1840) 418.
4)
über die verbindung des mein, wie der andern possessiven, mit dem bestimmten artikel s. unter der 32, th. 2, sp. 991 fg. im nhd. steht mein vor substantiven oder adjectiven ohne solchen, selten findet er sich in der älteren sprache: über ettlich jar nach dem ich uff ein mal usz den schuͦlen usz witten landen heim kam, ward der min gesell minen innen. Th. Plater 9 Boos, wo aber der mehr als bloszer artikel scheint, bezug auf einen kurz vorher genannten gesellen hat und fast wie dieser mein gesell oder jener mein gesell gedeutet sein will; das possessiv folgt aber unflectiert dem mit artikel verbundenen substantiv und adjectiv, beispiele schon th. 2, 992:
ich reden es uf die trüwe min.
N. Manuel 72, 1090 Bächtold;
nun vernim die rede mein.
fastn. sp. 484, 11;
das ist der will des herren mein,
das ich im häg vil hirsch und schwein.
Schwarzenberg 138ᵇ;
du must ins gefengknus aufs aller minst
und dennoch behalten die tochter mein.
J. Ayrer 435ᶜ (2189, 5 Keller);
im volkslied:
der sommer und der sonnenschein
ganz lieblich mir das herze mein
erquicken und erfrewen.
Uhland volksl. 84;
das lacht die herzallerliebste mein.
ebenda;
will das vertrawen setzen
auf gott den herren mein.
119;
den gefangnen mein, den geb ich dir nicht.
Herder z. litt. 8, 173,
vergl. das gefiel dem esel im sinne sein.
194;
von wo es neuere dichter übernehmen:
und sing ich dann im herzen mein
lob gott mit allen würmelein.
Göthe 13, 78;
soll ich den lieben vater mein
im besten schlaf erwecken?
Uhland ged. 340;
im ausruf ohne artikel: o getrewer vatter, vatter mein, wie hastu mich verlassen? Spee güld. tugendb. 579;
du solt trinken, vater mîn,
waʒʒer; sô wil ich trinken wîn.
meier Helmbr. 471;
ach Elslein, liebstes Elslein mein,
wie gern wär ich bei dir!
Uhland volksl. 92;
tuͦt ewer herz auf schlieszen,
schlieszt mich darein,
herzallerliebste mein!
177;
guten tag, guten tag, liebe hasel mein,
warum bist du so grüne?
Herder z. litt. 8, 169;
ihr irrt euch, liebe herren mein!
Göthe 13, 77;
soweit nicht mhd. auch hier der artikel erscheint, hinter welchem mîn wol auch schwach flectiert ist:
lieber sun der mîne (: schîne),
sus troumt mir vert von einem man.
meier Helmbrecht 584.
5)
demonstrativen folgt das possessiv: diese meine bemerkungen fanden kein gehör; ich sah jene meine reisebegleiter später nicht mehr; dem adjectiv geht es voraus, doch ist es bisweilen auch hier nachgesetzt; so wenn es zugleich noch auf ein vorhergegangenes demonstrativ sich bezieht: wenn ich sie in diesen und andern meinen schriften länger mit stillschweigen übergienge. Opitz poeterey A 3ᵃ (vorrede); doch auch sonst: andere meine geschefft. P. Rebhuhn klag des armen manns 3; nach verrichteter meiner andacht. nord. Robinson 2, 20; in der anrede:
wist, lieber mein man,
man hat mir unrecht getan.
fastn. sp. 506, 33;
drumb lieber mein Grobharde glaub,
es ist deim leben eitel gift,
so bald die kelt das herz betrifft.
Grobian. L 1ᵇ (v. 2678);
ich sol und muͦsz von hinnen,
ei schönes mein lieb!
Uhland volksl. 176.
6)
bezieht sich mein auf ein vorangegangenes aber nicht wiederholtes substantiv, so steht es entweder ohne artikel in der starken form, oder mit dem artikel in der schwachen, vergl. th. 2, 993; doch hat mhd. und noch später auch nach dem artikel zunächst die starke form statt:
wie kumt daʒ ich sô wol verstê
ir rede, und si der mîner niht?
Walther 71, 28;
'ich sich dört ain maister stan,
den will ich mirs (das schwert) vegen lan.'
so will ich auch das mein
laszen machen, das es schein.
fastn. sp. 426, 33;
was noch gelegentlich in heutiger rede sich zeigt:
wenn ich sechs hengste zahlen kann,
sind ihre kräfte nicht die meine?
ich renne zu und bin ein reicher mann,
als hätt ich vier und zwanzig beine.
Göthe 12, 91;
gegen unsern gewöhnlichen brauch:
dein mahlschatz bin selbst ich,
du meiner.
Fleming 312;
neidenswerther, ach, zehnmal neidenswerther
ist, o vogel, dein schicksal, als das meine!
Hölty 82 Halm;
prinz. und wenn er seinen gegenstand benennt,
so gibt er ihm den namen Leonore.
Leon. es ist dein name, wie es meiner ist.
Göthe 9, 109;
dasz ich kein anderes loos wahrlich mir wünsche als meins.
Arndt ged. (1840) 258;
meinen sohn hast du verführt,
hast der tochter herz verzaubert,
hast auch meines nun gerührt.
Uhland ged. 286;
die kunde fügt
mit meiner sich wie schal und kern zusammen.
Freytag dram. werke 2, 172.
7)
mein in schärfster bedeutung, was ich besitze: das ist mein haus, mein eigenthum; das kostet mich mein geld; meine äcker, meine wiesen; meine schafe hören meine stimme. Joh. 10, 27; ich trag meinen han und nicht den ewren. Steinhöwel Esop 59; hier, herr wirth, ist mein geld. Hebel 2, 10;
mein haus hat keinen gibel,
es ist mir worden alt,
zerbrochen sind die rigel,
mein stüblein ist mir kalt.
Uhland volksl. 91;
ich mach kesz und rühr auch schmalz ausz
und hab mein bares gelt darzu.
J. Ayrer 435ᵇ (2187, 5 Keller);
so lang mir friede bleibt, so lange wünsch ich
in meinem haus ihn zu genieszen.
Göthe 9, 108;
mein mann, der ich mein eigen bin, nicht der hörige eines andern:
liebr will ich arm sein und mein mann
denn reich an einer kette stahn.
froschmeus. V 7ᵃ (2, 1, 6);
aber auch, was zu mir gehört, mir anhaftet, mich berührt, sich auf mich bezieht u. ähnl., in verschiedener abschwächung des oben angegebenen begriffes; so von personen des eigenen geschlechtes, hauses, dienstes: wer den willen thut meines vaters im himel, der selbige ist mein bruder, schwester und mutter. Matth. 12, 50; meine braut, meine frau, meine kinder, mein knecht, meine magd u. s. w.; mein geschlecht, meine familie, meine angehörigen;
hat mir ain brauns maidlein verhaiszen
sie wöll mein aigen sein.
Uhland volksl. 69;
fraw nachtigall, du kleines waldvögelein!
ich wolt, du soltst mein botte sein.
47;
das ich heur hab mein weib verlohrn.
J. Ayrer 435ᵇ (2187, 7 Keller);
jetzt bistu mein leibeigner knecht.
436ᵈ (2194, 26);
es galt als tadelnswert, bei nennung der eigenen eltern die herzliche beziehung, die im mein liegt, mit diesem zu unterdrücken: es ist ein schamliche, schantliche gewonheit hie und wer ein ungehört ding in dem Oberland, das einer sprechen solt, wa ist der vatter oder wa ist die muter, als ob sie nicht sein muter were und er nicht sein vater wer. ein Oberländer, sprich ich, derselb schammet sich in sein bluͦt, das er also sprechen solt. aber er spricht schlechtlich und einfaltigklich, wa ist mein vatter oder wa ist mein muͦter. Keisersberg evangelia (1517) 195; während in solchem falle heute die weglassung des possessivs, wie damals im unterland des Elsasses, gewählter klingt: der vater besuchte mich, anstatt mein vater; die mutter und die schwestern sind ausgegangen;
wer weisz, ob der papa nicht schon für mich gewählt!
Körner die braut, 2. auftr.;
in niedriger rede ist weit verbreitet meiner für mein mann, meine für meine frau; alemannisch: mit mine bezeichnet die frau, die geliebte ihren gemahl, geliebten, mit mini der gatte, der geliebte seine gattin, geliebte. Seiler 206ᵇ; schles. meiner, menner, meine, menne, die gegenseitige bezeichnung der eheleute unter einander. Weinhold 61ᵇ; meine sagt auch die dienstmagd für meine frau, meiner der knecht für mein herr; 'mein herr', sagen sie (bediente) von ihrem herrn, wenn sie bei ihres gleichen sind; unter sich sagen sie blosz meiner: meiner hat heute wieder gebrummt; meiner schläft noch. Lichtenberg 4, 203; in bezug auf mehr innere, herzliche zugehörigkeit: aber ich kenne meine Italiäner schon gut. Göthe 27, 86;
daran erkenn ich meine Pappenheimer (spricht Wallenstein).
Schiller Wallensteins tod 3, 15;
gesellschaftliche zusammengehörigkeit drückt die genitivische formel meines gleichen (dazu verstanden ein mann oder leute u. ähnl.) aus, mhd. sagte man noch mîn gelîche:
warumb solt ich eim andern weichen,
so er doch eben ist meins gleichen?
Grobian. C 2ᵇ (v. 652);
man hat mich
vor ein gericht von männern vorgefodert,
die ich als meines gleichen nicht erkennen kann.
Schiller Maria Stuart 1, 2;
mein in bezug auf den eignen körper oder die eigne seele und das was sie fühlt, leidet und thut: meine füsze tragen mich kaum mehr; meine sinne schwanden; meine freude ist grosz; meine stärke beruht in meiner zuversicht auf gottes hilfe; du aber hast erfaren meine lere, meine weise, meine meinung, meinen glauben, meine langmut, meine liebe, meine gedult, meine verfolgung, meine leiden, welche mir widerfaren sind. 2 Tim. 3, 10; da schwimmt alles vor meinen sinnen. Göthe 16, 15; du kennst von alters her meine art, mich anzubauen. 16;
da macht sie mir ein kränzlein drausz
und setzet mirs auf mein har.
Uhland volksl. 69;
du schelm, wann du so stolz wilt sein,
so sag mich ledig meiner glüeb.
J. Ayrer 434ᵈ (2184, 31 Keller);
ist denn nun mein dorfgeheule
auch bisz in die stadt erschallt?
P. Fleming 431;
meine ruh ist hin,
mein herz ist schwer ...
mein busen drängt
sich nach ihm hin.
Göthe 12, 178;
mein dasein, dabeisein, meine anwesenheit, abwesenheit, mein bleiben;
wolauf, gut gsell, von hinnen!
meins bleibens ist hie nit me.
Uhland volksl. 125;
mein theil, mein antheil, der mir zukommt, der mir gebührt: ich habe meinen theil empfangen; auch in der verbindung für mein theil, so viel mir zukommt, mich betrifft, ich für mein theil habe genug; meines teils, pro mea parte Stieler 881, vergl. auch zusammengerücktes meinestheils;
denn jeder mensch hat neigung und beruf,
wie sie denn sind — ich, für mein armes theil,
seht ihr, will beten gehn.
Shakesp. Hamlet 1, 5;
meine jugend, mein alter:
ich schäme mich der unerfahrenheit
und meiner jugend nicht.
Göthe 9, 153;
meine zeit, meine lebenszeit:
meine lebenszeit verstreicht.
Gellert 2, 174;
mein lebtag, meiner lebtage vergl. oben sp. 470, daneben auch meiner tage: ich hab meiner tage so etwas nicht gesehen; und mein tag:
kein mensch mich mein tag also schlug.
J. Ayrer 436ᵈ (2195, 10 Keller);
meine zeit, auch in bedeutendem sinne, meine blütezeit, die zeit in der ich jung und tüchtig war: zu meiner zeit waren die menschen noch anders, sagt der greis;
zu meiner zeit
bestand noch recht und billigkeit.
Hagedorn 3, 72 ('die alte');
meine stunde, die stunde zu der ich etwas bestimmtes thun oder leiden werde: meine stunde ist noch nicht komen. Joh. 2, 4;
nach zweien tagen kömmt die nacht,
da man das osterlämmlein schlachtt;
dann ist auch meine stunde.
P. Gerhard 31, 18;
nun ist mein stündlein für der thür.
32, 55;
mein in versicherungsformeln, die mit bezug auf eigenes heil oder eigenen besitz gegeben werden: bei meinem leben!; bei meiner seele!; wenn das vornehm gedacht ist, bei meiner armen seele, so ist es auch sehr abgeschmackt gedacht! Lessing 1, 556; dafür auch nur meiner seele: meiner seele! getroffen! rief der kleine dicke rathsherr. Wieland 19, 247; und entstellt meiner six (da man sich scheut, seine seele ausdrücklich zu verschwören): mein six! das fenster ist offen! Arnim 1, 158; mein blut: o! mein blut, du wärst mir die rechte! Lessing 2, 394; bei meiner treue und meiner treue: meiner treu, herr vetter, ich bin ganz verwundert über ihn. Schiller parasit 2, 8; bei meinem eide;
ich nime eʒ ûf die triuwe mîn,
deich iu niht schaden wolte.
Goldemar 6, 7;
so sprechen dann die gest guͦt rund:
mein eid, das ist ein freier hund.
Grobian. L 4ᵇ (v. 2876);
'wer ist die dam auf jener alten zinn,
die mit dem Roland spricht und er mit ihr?'
'bei meiner treue', Lambert ihn beschied,
'schön Alda ists, das edle frauenbild.'
Uhland ged. 425;
mein von dem, dessen thun mich trifft: mein ankläger, der mich anklagt; und wer war mein vertheidiger in dieser gesellschaft?; mein unbekannter wohlthäter; mein fägteüfel, der mich so kestiget und plaget, meus carnifex. Maaler 286ᶜ;
ohnehin
hatt ich beschlossen, seine majestät
noch heut zu bitten, meinen kläger mir
zu stellen.
Schiller don Carlos 4, 14;
vergl. mhd. mîn diep, der mich bestohlen hat:
er muoʒ sîn iemer sîn mîn diep.
Walther 112, 1;
auch in der formel um meinen willen, es ist der gute wille, der auf mich geht, vergl. unten meinetwillen:
umb mein willen jn der straf erlat.
H. Sachs 3, 1, 152ᵃ;
von dingen: ein vorspringender fels war mein schutz; das ist mein schaden, mein pech (schutz, schaden, pech für mich); durch meine schuld (die schuld die mich trifft); wie mhd.
mîn tumber meisterloser muot
der ist der mir dâ leide tuot,
der ist der mînen schaden wil.
Trist. 28, 7;
meine seite, eigentlich die seite die auf mich bezüglich ist, bei mir sich befindet, vergl. auch meinerseits, meinethalben: das glück ist auf meiner seiten, ist mir günstig und lachet mich an. Maaler 286ᶜ; von meinen selbs wägen, meapte causa. ebd., vergl. meinetwegen; endlich mein, wenn es nur bezug auf eigenen gebrauch, gewohnheit, übung hat: ich mache täglich meinen spaziergang, auch meinen gewohnten spaziergang; ich gehe meines weges, auf dem wege, der mir vorgezeichnet ist; ich besorgte erst, wie gewöhnlich, meine geschäfte, dann gieng ich ins wirthshaus mein glas bier trinken; so vertraulich, so heimlich hab ich nicht leicht ein plätzchen gefunden, und dahin lasz ich mein tischchen aus dem wirthshause bringen und meinen stuhl, trinke meinen kaffee da, und lese meinen Homer. Göthe 16, 17; wenn ich des morgens mit sonnenaufgange hinausgehe nach meinem Wahlheim, und dort im wirthsgarten mir meine zuckererbsen selbst pflücke, mich hinsetze, sie abfädne, und dazwischen in meinem Homer lese. 39; nun habe ich zwar zu meiner zeit auch meinen vers gemacht, wie ein anderer, aber der witz ist eingerostet in den leidigen geschäften! Schiller parasit 3, 5; ich habe denn einmal wieder so mein gängelchen durch das land gehalten. Immermann Münchh. 1, 139;
Insbruck! ich musz dich laszen,
ich far dahin mein straszen.
Uhland volksl. 131;
sprich, auf lantzman, setz dich hiehar,
geh ausz meim ort, dann ich ghör dar.
Grobian. c 3ᵃ (v. 666);
auch in der selbstbewusten redensart ich stelle meinen mann, ich stehe meinen mann, stelle mich oder stehe, wie ichs in der übung habe, wie mans von mir gewohnt ist, d. i. tüchtig oder tapfer.
8)
gleiche abgeschwächte bedeutung waltet, wenn mein bezogen wird von einem erzähler auf den von ihm schon vorgeführten helden seiner geschichte (in gleicher weise steht unser, s. d., wobei aber dem leser oder hörer ein antheil am helden zugesprochen ist): kamen also uf die ban in irem geschmuck und was mein Wilwolt recht und reuterisch heraus gestrichen. Wilwolt von Schaumb. 65; da blib mein schöner mönch am nuszbaum henken, wie ein anderer dannzapf. Garg. 251ᵇ; ich besuchte mein gutes weib unter der linde (das weib, von dem ich schon erzählt). Göthe 16, 115; meine weibchen redeten davon, wie man eben davon redet. 127;
mein mann verspricht mit vielen schwüren,
indem er ihre knie aus dankbarkeit umfaszt,
sich sehr bescheiden aufzuführen.
Wieland 10, 212;
mein Cefalus geht alles willig ein.
225;
mein bursche kehrt zu seiner bürde
zurück.
18, 135;
so langt denn, unter lautem lachen
der ganzen stadt, mein kauz am schloszplatz an.
137;
mit diesen worten sprengt mein krauskopf stolz davon.
138;
mein ritter, ohn ein wort zu sagen,
eilt nach dem stalle, zäumt sein thier.
354;
doch denket, wie betroffen
mein junker stand.
21, 286;
mein stier nahm frisch und froh
dies tempo wahr.
Bürger 23ᵃ;
der köter knirscht in jeden stein,
zerrt bald an meines herrchens rocke,
bald an dem degen, bald am stocke.
32ᵇ;
knaps! zerstückt lag kling an klinge:
all der hagel! welche sprünge
that mein leutnant und husar!
Voss 2, 108.
9)
mein in anrede und anruf, richtet sich nach den verschiedenen schattierungen in der bedeutung des zu persönlichen substantiven gesetzten mein (oben 7): mein vater!; mein sohn!; mein gott und herr!; mein gott, mein gott, warum hastu mich verlassen? ps. 22, 2; herr mein fels, mein burg, mein erretter, mein gott, mein hort, auf den ich trawe. 18, 3; mein son Absalom, mein son, mein son Absalom, wolt gott, ich müste für dich sterben, o Absalom, mein son, mein son. 2 Sam. 18, 33; mein vater, mein vater, wagen Israel und seine reuter. 2 kön. 2, 12;
sieh an, mein herr (gott), wie stadt und land
an vielen orten ist gewandt
zum tiefen untergang.
P. Gerhard 9, 36;
mein vater, mein vater, und hörest du nicht,
was erlenkönig mir leise verspricht?
sei ruhig, bleibe ruhig, mein kind.
Göthe 1, 183;
in ergebener anrede an den gesellschaftlich höher stehenden, wo das mein die zugehörigkeit und abhängigkeit des sprechenden gegen den angeredeten besonders hervorheben soll: mein könig!; mein fürst!;
mein fürst! wenns doch kein leeres furchtbild wäre! (Gordon zu Wallenstein).
Schiller Wallensteins tod 5, 5;
mein hoher herr, hier lieg ich dir zu füszen.
H. v. Kleist Käthchen v. Heilbr. 4, 2;
nach französischem vorbild, wo das possessiv sehr gewöhnlich steht: man sagt nicht: herr general. man sagt mein general! Göthe 14, 271 (bürgergeneral); in mehr traulicher rede unter gesellschaftlich niedriger stehenden: mein kelner! redet ein bauer höflich einen kellner an. H. Sachs 1, 473ᶜ; mein mann, mein lieber Chuͦne oder Ruͦde, ist ein schmeichlende red, mi vir. Maaler 286ᶜ;
mein mulner, hor ich wil dir sagen.
fastn. sp. 203, 13;
und freundlich von höher gestellten gegen geringere:
mein Angelica, mich versteh!
gen hof für die rahtstuben geh (kaiserin zu ihrer jungfrau).
J. Ayrer 95ᵇ (481, 19 Keller);
auch in verbindung mit adjectiven wie lieb, gut, was die trauliche rede bis heute bewahrt hat: mein guter mann, sie sind irre; kommen sie, mein lieber herr!;
wann du vil ausz zurichten hast,
so thuͦs nur selbs, mein lieber gast.
Grobian. G 2ᵃ (v. 1681);
wo dann mein in solcher anwendung auch wol ganz verblaszt und selbst in zorniger rede sich zeigt: kein aber, mein guter kerl! das bitte ich mir aus. Möser phant. 1, 174;
mein diern, antwort nicht fur die frauen (kupplerin gereizt zur hausmagd).
fastn. sp. 164, 13;
mein wilter mann, so komm mit mir!
J. Ayrer 276ᶜ (1382, 28 Keller);
in tändelnder anrede an die geliebte mein liebchen!; mein kind!; mein schätzchen, mein engel! u. a.;
sag an, mein Leiszgen, was rets du? (narr zur närrin).
fastn. sp. 182, 24;
mein engel, nimm auf brust und wangen
nun meinen keuschen kuss.
Menantes 50;
mein liebchen, was willst du mehr?
H. Heine 15, 165;
mein kind, gegenüber einem jungen mädchen: Franziska. einer kammerfrau? das soll ich wohl sein? der wirth. ja, mein schönes kind. Lessing 1, 530; Franz. wir kommen, dem könige einen officier wegzukapern — wirth. wie? was? mein kind! mein kind! 531;
mein kind, wir waren kinder,
zwei kinder, klein und froh.
H. Heine 15, 153;
unter solchen zahlreichen anreden ist hervorzuheben mein herr!, wie niederl. mijnheer, engl. mylord, franz. monsieur; namentlich im plur. meine herren! jetzt gewöhnliche einleitung zu einer ansprache oder gröszeren rede, aber auch im sing. seit alters viel gebraucht (vergl. dazu herr th. 4¹, 1132, nr. 9):
wie nû, mîn her Keiî?
nû sprechent ir doch, ir sît vrî
valscher rede: wie schînet daʒ?
Iwein 2509;
mein herr, wir habens wol bedacht.
fastn. sp. 366, 2;
mein lieber herr, laszt doch von den sachen.
480, 3;
mein herr, habt die versz gmachet jhr.
J. Ayrer 105ᵇ (531, 23 Keller);
doch hat sich nur spärlich eine ähnliche verwendung der formel wie im niederl. engl. franz. ergeben, dasz mein herr bei bloszer nennung wie der herr steht, und nur im sing., nicht im plur.: das gehört dem mesner, das gehört meim herr pfarrer. Schade sat. u. pasqu. 2, 150, 31; und denn so fragt mein gnediger herr der bischof ernstlich, ob die huͤner gachzen. 3, 181, 29;
sus was mîn her Iwein
mit disen nœten zwein
sêre bedwungen.
Iwein 1723;
mein herr der apt der darf dein (bedarf deiner).
fastn. sp. 203, 14;
mein herr Pinkenpank hat ain wein auf getan,
da sült ir all zu gan.
484, 20;
neuer nur noch in ironischen wendungen:
mein herr Alcest — der schwärmt — mein weibchen schläft allein (Söller in den mitschuldigen).
Göthe 7, 63;
nicht dieselbe anwendung hat meine frau gefunden (niederl. mevrouw, engl. mylady, franz. madame), da das deutsche frau ohne weiteren beisatz nicht so titelhaft steht wie herr, und ein beisatz wie in frau fürstin!, frau generalin!, frau doctor! u. a. die verwendung des possessivs ausschlieszt; nur das fremde meine dame! hört man als anrede, mehr den plur. meine damen!, wofür im süden, namentlich unter älteren leuten, noch meine frauenzimmer!; mhd. konnte aber mîn vrouwe bei bloszer nennung gesetzt werden, wie heute noch die verglichenen niederl. engl. franz. ausdrücke:
si besahn in als ein wunder
und sprâchen alle besunder:
wer brâhte disen rîter her?
ob got wil, eʒ ist der
den mîn vrouwe nemen sol.
Iwein 2383;
was noch im 16. jahrh. unvergessen ist: so hat er sunst ain kirchtag mit seiner Gertrauten. die ist herr im haus, gat zuͦ kirchen und strasz her brangen, als ob si mein frauw richterin sei. Schade sat. u. pasqu. 2, 139, 26.
10)
mein allein stehend in der anrede, man kann sich denken, dasz es kürzung sei von mein geselle, mhd. mîn geselle, die einst so häufige anredeformel für jeden dem man freundlich gesinnt war: er neigete sich und küssete des gesandten hände und füsze, sagend: mein! bleibe doch etliche tage bei mir. pers. baumg. 2, 14;
und sprach zu seim gesellen bald:
mein, last uns bitten mit gewalt,
das uns doch gott teutsch reden lehr.
Fischart Domin. 2084;
als meiner: meiner, wenn diser von im selbs nit gnug tobet, so reiz du in. Bolz Terenz 30ᵇ; meiner, thun ims und kumm morn wider. 60ᵃ;
eia, lieber meiner, sag an,
mit welcher red er zu euch kam.
fastn. sp. 460, 6;
und im plur. meine:
o ihr edlen Castalinnen,
thut darümm nicht, wie ihr meint,
dasz der schönste seiner tage
unbeschenkt sich von uns trage.
nicht so, meine. stimmt die seiten,
und mischt euren thon darein.
Fleming 44;
ach meine, seht doch an die starken Niederländer,
ihr ob wohl kleines land beschämt die weite welt.
120;
meist ist dies mein zu bloszem ausrufe verblaszt, eine ermahnung oder auch ein leises wundern einleitend, wie bitte! ei! ach! oder nun!, vergl. einen ähnlichen vorgang bei lieber oben sp. 903. 911, mit welchem worte es wol auch verbunden erscheint: mein, lieber sag mir, hast nie keim narren ins muesz geblasen? Fischart groszm. 59; gewöhnlicher allein: dic quaeso, mein sag an! Schm. 1, 1616 Fromm.; mein, ich bitt, das wir unser glocken sammt jhren klipfeln haben möchten. Garg. 153ᵇ; mein, was hat doch das buch vor einen titel? Harnisch 290; dann mein, wie könte ein teufel ärger sein? Philander 1, 36; wiltu aber das herz erforschen? mein, so lasse sie allein. 77; mein! wie verfährt man darmit? oft schlimmer, weder die kinder. Rompler vorrede 7; mein! wo kömpt es doch her, dasz du einen so herzlichen nahmen führest? pers. baumg. 1, 6; mein! vertrage doch nur seine (des ehemanns) verdrieszlichkeit. 3, 10; monsieur Heinrich, ich musz eilends nach Wien, und daselbst hab ich einen wechsel zu empfangen. mein geld aber, das ich noch habe ist mir unterwegen vonnöthen. mein, er sage doch hier gut vor dasjenige, was ich im wirtshausz werde schuldig sein. Schuppius 256; wann ich unterweilen zur mahlzeit kam, und in tiefen gedanken sasz, pflag sie mir also zuzureden: mein, was macht ihr doch ietzo für calender? 573; mein! wir wollen eins spielen und trinken. Abele unordn. (1669) 40; mein, warum nimmst du dein gewissen nicht eben so in acht? Chr. Weise kleine leute 333; mein, fragte er mich im scherz, wer hat euch mit einem solchen besondern privilegio begabt? Pierot 1, 444; mein, haltet es gänzlich davor, dasz uns gott manches mal auf anderer leute rücken schlägt, er stäupet oft das hündlein dasz sich das kind bessern soll. Scriver Gottholds andachten (1721) 141;
mein, sag mir, ob du besser bist,
als Petrus oder Paulus war.
Fischart Domin. 1488;
mein, sagt er, was würd es doch ewer einen frommen.
D. v. d. Werder Ariost 2, 16, 1;
mein, sag mir, was es sei,
disz leben, wie mans nennt.
Fleming 128;
vater, mutter, schwester, freunde,
mein, erläubet disz doch mir.
329;
mein, wer ist denn seine liebe?
sie ists, unsre Dorile.
376;
mein, was hilft es doch dem dichter,
dasz sein fleisz ihn überlebt.
416;
die bürd die du getragen,
ist zwahr ein groses kreüz; doch legst du es ietzt ab.
mein, gib dich fein zur ruh!
Rompler 77;
wie hast du aber wol dargegen dich verhalten?
mein! hast du knüe und händ in dankbarkeit gefalten,
dein sündlichs thun beräut?
88;
mein sag, was sind doch alle deine güter?
nichts anders ja als netze der gemühter.
Neumark lustwäldchen 4;
du willst den feind mit worten gar zubrechen;
mein, lasz die that und nicht die worte sprechen.
Chr. Gryphius poet. wälder 1, 789;
mein! sage, was dein groll aus meinen worten faszt?
Günther 527;
mein! sage mir, warum die fürsten fechten?
fragt Görgel den gevatter Hein.
Hagedorn 3, 47;
Veit ist ein witzger kopf, und zählet sechzig? — mein!
er hat noch lange hin, ein kluger kopf zu sein.
Lessing 1, 26;
mein sagt, was mag die ursach sein
von diesem wunderlichen schrein?
(Merck) rhapsodie (1773) s. III;
mein! sollte wohl der wein noch flieszen?
Göthe 12, 118;
es ist ein schusz gefallen!
mein! sagt, wer schosz da drausz?
2, 277;
mein! sagt mir Truffaldin, was giebts denn neues,
dasz man den divan schmückt in solcher eile?
Schiller Turandot 2, 1;
ei mein: ei mein, der du so embsig bist, ... gib dich zur ruhe. pers. rosenth. 8, 98; der canzler sprach, ich bin ein narr. ei mein, ich meine so nicht, was gläubestu? sagte der bischof. Leyermatzs lust. correspondenzgeist (1668) 238; ei mein! nicht zu hitzig. Plesse 1, 179; ei mein! sprach der jude, das ist viel geld. 181;
ei mein! was sind studenten doch?
sie müssen das studierensjoch
an ihrem halse zihn.
Göring liebesmeyenblühmlein (1654) 43;
ei du mein, ach mein in eindringlicherer rede, wo man an unterdrückung des namens gottes oder Jesu denken könnte, die man sich scheut im ausrufe zu misbrauchen: es war ein ander adelicher und hochgelehrter ehebrecher von hause aus dabei, welcher vermeinete, dieses sei etwas zu hart geredet, und sagte: ach mein, was thäte David? Schuppius 466; ei du mein! wer hätte sich dás träumen lassen! Schiller räuber 4, 3; mein doch! was treibt ihr? das ist ja gottlos gebetet! 5, 1; ach mein, ach mein! was wälzen hochwürden für centnergewichte auf mein schuldiges herze. Holtei Chr. Lammfell 4, 85;
sie wend sich zum Ruggier, und sagt, ach mein, ach mein!
lasz unsre waffen doch, zu dieses diensten sein.
D. v. d. Werder Ariost 22, 41, 7;
der ausruf ist noch jetzt in oberdeutschen dialekten viel gehört; auch schles. mein, meines! ausruf der verwunderung Weinhold 61.
11)
mein in der formel etwas ist mein, mein eigenthum, ist das possessiv in prädicativer stellung, unflectiert (vergl. dazu auch dein th. 2, 910), ebenso sie ist mein, er ist mein, zugehörig in liebe:
dû bist mîn, ich bin dîn.
minnes. frühl. 3, 1;
Gilead ist mein, mein ist Manasse. ps. 60, 9; mein lere ist nicht mein, sondern des der mich gesand hat. Joh. 7, 16; wenn Leipzig mein wäre, wolte ich es in Freiberg verzehren. Pistorius thes. par. 1, 57;
noch dem man bruchen wart den pfluͦg,
do fing man an ouch gytig syn,
do stund ouch uff, wer myn das dyn.
narrensch. 83, 42;
ich weisz mir eine jungfrau schön,
wolt gott, sie wäre mein!
Uhland volksl. 58;
o muͦter! die (jungfrau) ist mein allein,
ich fand sie nechten spate
bei einem holen stein.
193;
herr, mein hirt, brunn aller freuden,
du bist mein,   ich bin dein,
niemand kann uns scheiden.
P. Gerhard 123, 62;
wann ich die (deine liebe) hab, ist alles mein.
206, 31;
doch alles, was ich frisch geniesze,
ist das drum weniger mein?
Göthe 12, 91;
mein ist die ganze weite welt,
ich wohne wo mirs wohl gefällt.
13, 86;
(schon sah ich) die glücklichste von allen sie,
und mein durch seelenharmonie,
durch ewig festen bund der herzen.
Schiller die berühmte frau;
mein ist der helm und mir gehört er zu.
jungfrau von Orleans, prolog, 3. auftr.;
und es ruft aus den tiefen: lieb knabe, bist mein!
Tell 1, 1;
ihr könntet euch entschlieszen, hier zu leben,
in meinem vaterlande mein zu sein? (Rudenz zu Bertha).
3, 2;
denn mein ist die macht in der wohnung.
Odyss. 1, 360;
in der schwachen form meine:
die burg die ist meine! du hast sie geraubt.
Göthe 3, 6;
wenn nur die ohrring meine wären!
12, 143;
mein sein auch in bezug auf eine zuständigkeit, pflicht, ein amt: der schaden, der verlust ist mein;
es mögen (spricht Ares) die sterblichen menschen
unter einander sich tödten, so wie sie des sieges begier treibt.
mein ist sie aufzuregen, aus ferner friedlicher wohnung.
40, 355;
nach dieser formel ähnliche: das wird mein werden, in meam potestatem veniet. Frisch 1, 655ᶜ;
ach strenge schäferin, wird auch dein herz nicht mein,
so bleibst du dennoch werth, von mir geliebt zu sein.
Gellert 3, 369;
das soll mein, soll mir gehören;
Daphne. wem soll denn dieser straus? Galathee. hier ist er. Daphne. soll er mein?
Gellert 3, 445;
mein bleiben:
du bist zwar mein und bleibest mein.
P. Gerhard 100, 1;
erst ein russischer oberst, der wollte mich trotzig verdrängen (aus dem mühsam errungenen häuschen),
dann ein Kosackenmajor; was ich erstritten, blieb mein.
Arndt ged. (1840) 246;
mein machen: ich werd ihn (den entschlusz) hören und mein machen. Schiller Fiesko 3, 1;
mein fühlend herz macht ihr vergnügen mein.
Wieland 17, 126 (Idris 2, 102);
mein halten, für mein erklären:
das alles hielt ich fest und mein,
nun aber lose, wird es dein.
Göthe 41, 216;
verwegner, halt! die sklavin raubst du mir,
die ich erobert und für mein erklärt?
Schiller die Malteser, fragment der 1. scene;
über die häufige fügung mein gehören s. th. 4¹, 2508 fg., wo zahlreiche belege: auszer der 14ten epistel .. gehört der stoff zu den übrigen mein. Gökingk 1, vorrede 4; auch hier, wie in der verbindung mit sein (oben) die form meine: die ganze gegend gehört meine. Claudius 4, 10.
12)
mein in schwacher form zum persönlichen artikel gestellt, der meine, die meine, vom angehörigen des eigenen hauses oder geschlechtes; die verbindung ist eine alte, vergl. mhd.:
daʒ was al der sînen spot;
sie sprâchen alle: eʒ missezimt u. s. w.
Barlaam 44, 18,
und der meinige, die meinige (s. d.) ist erst eine jüngere bildung derselben bedeutung;
dich hab ich erzogen;
doch weh mir, du bist nicht die meine! (nicht meine tochter).
Gotter 3, ⅬⅩⅩⅤⅠⅠ;
häufig im plural die meinen, meine angehörigen:
und han auch zu disen stunden
den alten veint gepunden
und pin meinen lieben chomen zu trost,
di ich von sünden han erlost (Jesus spricht).
Erlauer spiele 3, 1158 Kummer;
auch wird sich der segen ergieszen,
und mich mit erwünschtem gedeihen
sammt allen den meinen erfreuen.
P. Gerhard 7, 55;
nimm all der meinen eben wahr.
208, 91;
einst umschwebt ihr (tauben) vielleicht die himmlischen lauben der meinen.
Stolberg 1, 430;
an jenem fest, wo sich die treuen meinen
der stunde freun.
Göthe 9, 268;
ich will fort und gehe, die armen meinen zu suchen.
40, 329;
mich verlangte, eine heitre stunde
im lieben kreis der meinen zu verleben.
Schiller Wallensteins tod 3, 4;
du sorgst für Rom, ich dachte nur der meinen.
Freytag dram. werke 2, 278;
der meine, die meine, auch der, die geliebte, verlobte: muthige jugendliche träume schweben vor mir, und begleiten die geliebte gestalt des unvergleichlichen, der nun wieder der meine wird (Marie von Clavigo). Göthe 10, 110; der gatte, die gattin: ich vergasz, dasz er nie der meine werden konnte — dasz er ihnen angehört. 14, 167;
im vaterland willst du die meine werden! (Rudenz zu Bertha).
Schiller Tell 3, 2.
13)
ebenso das meine, mein eigenthum:
des meinen ich nit grathen thu (komme nicht vorwärts).
J. Ayrer fastn. sp. 3ᶜ (2350, 12 Keller);
was bleibt mir übrig, als mich selbst und alles,
im wahn das meine, dir anheim zu geben?
Göthe 41, 214;
was ich kann und nach vermögen thue, mein bestes, mögliches:
erzählte von frau und schafen und kindern,
auch von der neulichen ostermusik, wo ich leider gefehlet,
um auch das meine zu thun, bei dem rasch abrollenden presto.
Voss Luise 2, 264;
auch was mir zu thun obliegt, meine schuldigkeit, pflicht: ich habe nunmehr das meine gethan, für heute ist feierabend, spricht der mit seiner tagesarbeit fertig gewordene.
14)
endlich das mein als neutr. subst., unterschieden vom vorigen, indem es bezeichnet das, was den namen 'mein' hat (wie das ich, das mich, th. 4², 2029 fg.), und was demnach einen gesamtbesitz oder das ganze einer zugehörigkeit ausmacht: wenn Norberg zurückkehrt, bin ich wieder sein, bin ich dein, mache mit mir, was du willst, aber bis dahin will ich mein sein ... dieses ganze mein will ich dem geben, der mich liebt und den ich liebe. Göthe 18, 5;
o denk! o denke
wem du gehörest!
wie es uns kränke,
wie du zerstörest
das schön errungene
mein, dein und sein (Helena zu Euphorion).
41, 235;
nicht worte sinds, die diesen traurgen streit
erledigen! — hier ist das mein und dein,
die rache von der schuld nicht mehr zu sondern.
Schiller braut von Mess. v. 396;
in der zusammenstellung das mein und dein auf habe und eigenthum bezogen, vergl. dazu unter dein th. 2, 912: würde er das mein und dein als die quell aller uneinigkeit abgeschafft .. haben. Schuppius 6; mein und dein ist alles zankes ursprung. Simrock sprichw. 372;
doch ist kûm ieman alsô guot,
daʒ nicht erzürnet werd sîn muot.
daʒ tuot diz wort: mîn unde dîn;
daʒ ist vil dicke worden schîn.
daʒ machet under vriunden haʒ.
wær mîn und dîn nicht, wiʒʒent daʒ,
sô tæt nieman dem andern leit.
Boner edelst. 34, 11;
vil krieges machet mîn und dîn.
95, 1;
in der ehe kann kein fried nicht sein,
darin regiert das mein und dein.
Lehmann floril. 1, 168;
mein und dein
bringt alles unglück herein.
Simrock sprichw. 372,
weil der eigene besitz als das beste gilt:
zer werlde mac niht beʒʒers sîn
dan ein wort, daʒ heiʒet mîn.
Freidank 31, 7.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 10,11 (1882,1883), Bd. VI (1885), Sp. 1912, Z. 55.

min, adv.

min, adv.,
s. unter minder.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 12 (1884), Bd. VI (1885), Sp. 2222, Z. 53.

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Zitationshilfe
„mein“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mein>, abgerufen am 16.10.2021.

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