Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meineid, m.

meineid, m.
falscher eid, eidlich abgegebene und nachher gebrochene versicherung oder versprechen; uraltes gesamtdeutsches rechtswort, altnord. meineiđr, ags. mânâđ, altfries. mênêth, alts. altnfr. mênêđ, ahd. mhd. meineit (goth. nicht bezeugt); zusammengesetzt mit dem subst. mein verbrechen (oben sp. 1912), woneben sich jedoch in der alten sprache auch nicht zusammengesetzt und mit dem adj. verbunden ein meiner eid, ags. mân âđ (nu on worulde her monnum ne deriađ mâne âđas. Grein dicht. der Angelsachsen 2, 299, 48) findet, vgl. das adj. mein sp. 1912. als feststehender ausdruck für die sache blieb das wort, auch als der erste theil der zusammensetzung dem sinne nach erstorben war: periurium meineit Dief. 427ᶜ; meineid, ein falscher eid, periurium, periuratio, offenlicher meineid, der wol ze merken ist, insigne atque illustre periurium. Maaler 286ᵈ; meineid thun, ein falschen eid schweeren, sacramentum perfidum dicere. ebenda; das nit werd gereizet der zorn des herren, ob wir hetten mainaid geschworen. bibel von 1483 104ᵃ (ne contra nos ira domini concitetur, si pejeraverimus. Jos. 9, 20 in der vulg.); was ist in der welt? hochfart, unkeuscheit, fresserei, mainaid schweren und allerhand laster. Keisersberg pred. 66ᵇ; und gehet bei jnen unternander her, blut, mord, diebstal, falsch, betrug, untrew, pochen, meineid, unruge der fromen. weish. Sal. 14, 25; welcher vor richter oder gericht, einen gelehrten meineid schwert. Carol. art. 107 (einen falschen eid, der ihm vom richter gelehrt, vorgesagt worden ist); ich habe ausz erfahrung gelernet, dasz einen falschen eid schweren das gemeine volk für keine oder doch für eine geringe sünde halte, weil der meineid nicht durch den bütel oder henker gestrafet würde. Schuppius 621; die redlichkeit (war) mehr als eine gemeine tugend, und gleichsam geheiliget, so dasz jedes versprechen die kraft eines ehrenwortes, und jede treulosigkeit den hasz eines meineides mit sich führen machte. Möser osn. gesch. 1, 58;
der duvel schent si al sament
de meineide swerent mit godes namen.
d. städtechron. 12, 154, 4643;
Gryphin bewacht sein geld: an seiner seite wacht
ein menschenfeind, der geiz, der horchende verdacht,
der zänkische betrug, der meineid im gewerbe.
Hagedorn 1, 19;
seine eide donnern aus dem grabe wieder,
ewig, ewig würgt sein meineid fort.
Schiller kindsmörderin v. 85;
mit meineid hilft sich jeder bösewicht.
Phädra 4, 2;
lasz fahren, kind, sein herz dahin!
er hat es nimmermehr gewinn!
wann seel und leib sich trennen,
wird ihn sein meineid brennen.
Bürger 13ᵇ;
nun dann, weil dus so willst, so schwör ich dir
und rufe mir der götter ganze schaar,
des meineids fürchterliche rächer, auf.
H. v. Kleist Amphitryon 2, 5.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1922, Z. 36.

meineid, adj.

meineid, adj.
einen meineid auf sich habend, meineidig, mhd. meineide: periurus maneid Dief. 427ᶜ; der meineid, falsijurius. Maaler 286ᵈ; meineider mann, periurum caput. ebenda; eʒ sint etleich warm prunnen, die hailent die kranken augen, aber si strâfent die dieb, wan welcher diep für ein diebstal swert, ist er mainaid, sô erplindet er von den waʒʒern, ist er aber des niht, sô gesiht er paʒ dann vor. Megenberg 483, 5; wer meineide vor einr stat rat bewisit wirt, daʒ er meineide vor gerichte gesworn hot, dem sol man dy vingir obhawin und dy stat vorsagin. Magdeb. blume 2, 5, 12; item, welcher manaid wirtt und das kuntpar wirtt, ist zebuosz verfallen ainem herren fünf und zwainzig pfunt pfenig. weisth. 1, 221 (St. Gallen, von 1469); welches land und gricht desz sich übersehe, dasz sie anderstwo püntnusz aufnemind, dieselben werden dann meineid. pündtnerischer handlungen deduction von 1632 bei Tschumpert 292;
beim wanst thät man ihn fassen:
woher, meineider mann?
Tobler schweiz. volksl. 49, 17 (von 1653);
und noch schweizerisch: wie meineide, untreue buben gehandelt. Pestalozzi schriften 2 (1819), 151; niederdeutsch: me scholde den vorreders or recht don, wente se weren alrede, de seven de dar seten, meineede. d. städtechron. 16, 464, 17; wo auch ein meineide eid gesagt ward, Schiller-Lübben 3, 65ᵇ, für meine eid, vergl. das adj. mein sp. 1912, und meineidig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1923, Z. 1.

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Zitationshilfe
„meineid“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meineid>, abgerufen am 19.10.2021.

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