Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

Es wurden mehrere Einträge zu Ihrer Abfrage gefunden:

meinen

meinen,
erweiterung von mein, gen. sg. zu ich (th. 4², 2029, unter III, 1), in alemannischen quellen des 16. jahrh., vergl. Weinhold alem. gramm. s. 451: als sy (meine mutter) minen gnäsen was. Th. Platter 4 Boos; meiner muͦter, alsz sy noch meinen kindts hinder dem umhang lag. F. Platter 121 Boos (über kindes liegen vergl. th. 5, 709);
hettist minen nit vergessen.
U. Eckstein concil 711 Scheible.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1924, Z. 32.

meinen, verb.

meinen, verb.
intelligere, sentire, cogitare, putare u. ähnl. ein nur im westgermanischen sprachgebiete ursprünglich heimisches wort: ags. mænan, fries. mêna, alts. altnfr. mênian, ahd. meinan, mhd. meinen, ohne spur im gothischen, ins nordische erst gegen die zeit der reformation als meina eingedrungen (Vigfusson 422ᵇ) und im schwedischen als mena, im dänischen als mene gewöhnlich geblieben; urverwandt ist das kirchenslav. měniti memorare, putare, dicere, significare u. ähnl. (Miklosich 391ᵇ), lit. minė́ti gedenken, welches mit einer anzahl griechischer und lateinischer bildungen (Fick² 146) auf man, sanskr. manyatê denken, meinen zurückführt. die grundbedeutung von meinen, seinen sinn auf etwas richten, gedanken machen über etwas, ist in verschiedener weise ausgebildet worden.
1)
meinen, im sinne haben, mit etwas durch wort, bild, geberde u. s. w. geäuszertem bezeichnen, andeuten, sagen wollen.
a)
mit sächlichem object, etwas meinen: ahd. dhâr ir quhad: Christ Jacôbes gotes, chiuuisso meinida ir dhâr sunu endi fater. Isidor 13, 24 Weinhold; die sînes scalches frido uuellen, ih meino Christi sînes sunes. Notker bei Hattemer 2, 121ᵃ (ps. 34); alts.
ên himilrîki giƀid he   allun theodun,
mannun te medu;   that mênda mahtig Krist,
barnô that betsta,   thô he that biliđi sprak.
Heliand 3510;
mhd. daʒ ist diu drîvaltikeit,
diu dâ heiʒet trinitas, ..
daʒ sint die drî, die ich meine.
Lamprecht von Regensburg tochter Syon 699;
nhd. der rat im herzen eins mans ist wie tiefe wasser, aber ein verstendiger kans merken, was er meinet. spr. Sal. 20, 3; heb dich satan von mir, du bist mir ergerlich, denn du meinest nicht was göttlich, sondern was menschlich ist. Matth. 16, 23; ich meine aber das, wer da kerglich seet, der wird auch kerglich erndten. 2 Cor. 9, 6; dasz die alten artisten, wenn sie ein skelet vorstellten, unter diesem skelete etwas ganz anders meineten, als den tod, als die gottheit des todes. Lessing 8, 215; wenn hingegen unter acumen, oder pointe, man etwas meinet, was blosz das werk des witzes ist. 455;
du willst, ich soll itzt mit Cecil,
dem feinen mann, bekanntschaft machen ...
er sagt recht höflich, was er meint.
Hagedorn 1, 90;
was kannst du meinen? sag es deutlich an.
Göthe 9, 209;
gern auch etwas mit etwas meinen: was meinen sie damit, engl. what do you mean by it?; wilt du uns nicht zeigen, was du damit meinest? Hes. 37, 18; und alles volk wendet sich umb zu jm, und fraget jn, was er mit solchen worten meinete? Sus. 47; und verstehn den gesetzgeber nit, was er mit disem seinem gesetz wölle oder mein. S. Frank sprichw. 2, 190ᵃ;
mit der tûben allermeist
ist der heilige geist
in der schrift gemeinet.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2448;
du schwarzer hunt! was meinst du damit?
fastn. sp. 172, 24;
lantzman was meinstu mit,
dasz du magst diser scheren nit?
Grobian. Rᵇ (v. 4299);
du stecktest
noch einen zweiten pfeil zu dir — ja ja,
ich sah es wohl — was meintest du damit?
Schiller Tell 3, 3;
ich habe euch geschrieben, in dem brieve, das jr nichts solt zu schaffen haben mit den hurern, das meine ich gar nicht von den hurern in dieser welt, oder von den geizigen, oder von den reubern, oder von den abgöttischen, sonst müstet jr die welt reumen. 1 Cor. 5, 10.
b)
auch mit persönlichem object, einen meinen, mit etwas gesagtem oder angedeutetem bezeichnen, auf ihn deuten:
ih meinu sancta Mâriûn,   kuningîn thia rîchûn.
Otfrid 1, 3, 31;
ouch quâmen williclîche
alle die brûdere, die gewalt
hatten, beide junc und alt,
ich meine die kummenture.
livl. chron. 7183;
ich meine ihn hierdurch ebenmäszig, hoc nomine complector etiam illum. Stieler 1262; dich meine ich, heus tibi dico. Serz 98ᵃ; ich meine mich, me dico, rem appello. 98ᵇ; Simon. wo ist denn meine braut? .. Ferd. ja, ich weis nicht, welche braut sie meinen; ob die erste, oder die letzte? Gellert 3, 212; auf den sack schlägt man, den esel meint man (sprichwort). Schiller hist.-krit. ausg. 3, 358 (kab. u. liebe 1, 1); nähert euch dem gott, den ihr meinet. 4, 55; wer in diesen schlund (der inquisition) hinabfiel, kam nicht wieder ... ihn meinte die mütterliche sorge der gerechtigkeit nicht mehr. 7, 74; dann sieht es (das herz) zurück auf die welt und findet überall gott und seinen widerschein .. denn die liebe zu gott ist das göttliche und ihn meint das herz in jedem herz. J. Paul Tit. 2, 235; dachte an das wort des greises, dasz die liebe gott meine und er im herzen wohne, das wir ehren. 237;
(der heiland) sprach klar und deutlich: seht, ich bin,
den eure augen suchen;
sucht ihr denn mich, so lasset gehn,
die ihr hier sehet bei mir stehn!
meint hiemit seine jünger.
P. Gerhard 32, 69;
meint ihr mich (mit eurem freudenrufe), ihr Nereiden?
nehmt ihr mich zur schwester an?
meint ihr meinen sohn, ihr götter?
nehmt ihr ihn zum mitgott an?
Ramler 2, 16;
sie (die königin) also,
sie war gemeint, wo ich so grenzenlos,
so warm, so wahr mich angebetet glaubte? (worte der Eboli).
Schiller don Carlos 2, 9.
c)
meinen wird auch zu sätzen und satztheilen gestellt, deren bedeutung man deutlicher oder anschaulicher machen will: ut audiam vocem laudis tuae. daʒ ich kehôre, ich meino, daʒ ih ferneme unde bechenne die stimma dînes lobes. Notker bei Hattemer 2, 89ᵃ (ps. 25); sîd imago dei (gotes pilde) dir ana ist, ih meino ratio (uuizze) und intellectus (fernumest). 150ᵇ (ps. 42);
waʒ aber ich mit dem halme,
mit der vedern meine ich, schrîbe,
daʒ hoffe ich eʒ ie blîbe
nütze über manegen tac.
epilog des heiligenlebens;
daʒ er von des ordens wegen
solde der meisterschefte pflegen,
ich meine dô zu Nieflant.
livl. chron. 10861;
aber sein genie, ich meine sein geist,
sich nicht auf der wachparade weist.
Schiller Wallensteins lager, 6. auftr.
2)
vor alters her auch von worten, einen angegebenen sinn haben, etwas bedeuten: zeli dhir sibun jaarô uuehhûn, dhazs meinit sibun stundôm sibuniu (numerabis tibi septem ebdomadas annorum id est septies septem). Isidor 25, 1 Weinhold; quid est excreuit (uuaʒ meinit perch iruuuohs)? Notker bei Hattemer 2, 353ᵇ (ps. 98); ebenso von zeichen, sinnbildern, handlungen: ahd.
thaʒ ih hiar gizeine,   waʒ thiu thîn gouma meine.
Otfrid 3, 7, 3;
alts. thâr was sô mahtiglîk
biliđi gibôknid,   thâr thê blindon man
bi themu wege sâtun,   wîti tholôdun,
liohtes lôse.   that mênid thôh liudiô barn.
Heliand 3592;
mhd. si willekomen hêr Sîfrit   her in ditze lant.
waʒ meinet iwer reise?   daʒ het ich gerne bekant.
Nib. 398, 4;
später nicht mehr häufig: mein allerliebster Fridrich, was meinet die trawrige gestalt deines angesichtes? Galmy 180;
der traum hat tod gemeint.
Bürger 16ᵃ;
welch feierlicher ton!
ich fasse nicht was diese reden meinen,
doch sie entsetzen mich.
Schiller don Carlos 4, 21.
3)
meinen mit bestimmendem zusatze, eine auffassung haben, verstehen, geistig auffassen, einen sinn unterlegen: ich meine so; wie meint er?; anders meinen, anders sagen, non idem sentire et dicere. Frisch 1, 656ᶜ; die leute (in einem trauerspiel) stehen wohl durch zustände und verhältnisse von einander ab, und meinen auch einer anders als der andere, aber es ist nirgends ein zug, der ein individuum .. darstelle. Göthe 33, 210;
spricht man mit jederman,   da hört man keinen;
stets wird ein andrer mann   auch anders meinen.
4, 335;
denn, wenn wir wie andre meinen,
werden wir den andern gleichen.
5, 32;
vergl. mhd. du weist wol, herre, wie ich meine:
du bist mîns herzen trôst aleine.
Lamprecht von Regensburg tochter Syon 1043;
über etwas meinen, etwas in bestimmter weise auffassen: die gesellschaft fing aufs neue an über die geschichte zu meinen und zu urtheilen. Göthe 15, 130;
soll auch ich, du willst es, mein freund, dir über das schreiben
schreibend die menge vermehren und meine meinung verkünden,
dasz auch andere wieder darüber meinen.
1, 335;
auch es so oder so meinen (verschieden von unten 5, a); so habe ich es nicht gemeint; wie hat er es denn gemeint?; so soll man dem gesetzgeber in das herz sehen ... wie er es doch gemeint hab. S. Frank parad. (1558) 240ᵇ;
hört vor, wie ichs gemainet hab!
H. Sachs fastn. sp. 2, 29, 80;
nein, so wars nicht gemeint,
dasz mein geschäft mein schönstes glück sein sollte!
Schiller Piccol. 2, 4;
etwas meinen, eine bestimmte auffassung mit etwas gesagtem verbinden: denn die solchs sagen, die geben zu verstehen, das sie ein vaterland suchen. und zwar, wo sie das gemeinet hetten, von welchem sie waren ausgezogen, hatten sie ja zeit wider umb zu keren. Ebr. 11, 15; in nachdrücklicher rede dás meine ich, dás habe ich gemeint; auch dás will ich meinen! (eine andere auffassung leide ich nicht); das wollt ich meinen; etwas auf etwas meinen, in bezug auf etwas verstehen: (die grabschrift) 'das publicum dem schauspieler', auf den alten guten Malkolmi gemeint. Göthe 4, 191;
er hätte teiche voll geweint
und mühlen mit seinen seufzern getrieben,
sie wäre so ruhig dabei geblieben,
als wär es nicht auf sie gemeint.
Wieland 21, 17;
wie ähnlich mhd.:
noch fröwet mich ein anderʒ baʒ,
dan aller vogellîne sanc:
swâ man noch wîbes güete maʒ,
dâ wart ir ie der habedanc.
daʒ meine ich an die frowen mîn:
dâ muoʒ noch mêre trôstes sîn.
Walther 92, 17;
gemeint sein, verstanden sein, mit dem gen. es im sinne von dadurch, damit (vergl. theil 3, 1137, nr. 15 unten): wenn ihr Hercules seid, so seid ihrs nicht gemeint. der junge Göthe 2, 400.
4)
meinen, auf absicht, vorsatz, vorhaben bezogen, beabsichtigen, bezwecken, haben wollen, wie denn meinen und wollen gelegentlich verbunden erscheinen:
bald nimmt er (der teufel) mir dein (gottes) meinen
und wollen aus der acht
und lehrt mich ganz verneinen,
was du doch fest gemacht.
P. Gerhard 328, 21;
und das erstere auch für das letztere steht:
ich verreise, sprach er einst.
nimm die schlüssel, liebe Trulle!
zimmer, kasten und schatulle
stehn dir offen, wenn du meinst.
Gotter 1, 51;
auch hier
a)
etwas meinen: wie aber potschaft geen Augspurg kom von des kaisers wegen, und was sie maint. d. städtechron. 5, 9, 9; do geborte der herzoge als ob er fliehen wolte, daʒ er doch nüt meinde. 8, 61, 2; hastu einen knecht, so halt uber jm, als uber dir selbs, denn wer jm thut, der meinet dein leib und leben. Sir. 33, 31;
'heiszt denn das nicht alles wagen?'
vielleicht; doch ist es, wie ihr wiszt,
genug, die göttin los zu sagen,
dasz sie es nicht gemeint.
Wieland 10, 155;
mit wider einen, auf einen u. ähnl.: erfar mir heimeliche, was Philippus meinet und gedenket wider mich. d. städtechr. 8, 302, 1;
da wo Zabothus hand (der Zobtenberg)
zeigt an, was Juno meint auf uns und unser land.
Logau 1, 190, 99;
und fragstu nun, wohin disz alles ist gemeinet,
dabei die ganze stadt so gar andächtig scheinet?
pers. reisebeschr. 1, 12.
b)
mit zu und infinitiv: an dem nunzendin tage des brachmandin .. wolde der keiser uff breche und meinte zu zihene kein Burgundien. Ködiz 43, 10; meinet er aber mich für gott meineidig zu schelten, so solt herzog George vorhin aus der schrift oder durch gottes wort beweisen, das ich meineidig were. Luther 6, 21ᵃ;
hierauf ist sie gesinnt den kopf jhm zu zertheilen,
sie hebt die hand hoch auf, und meinet sich zu eilen,
als aber sie erblickt und sihet das gesicht,
da helt sie ein.
D. v. d. Werder Ariost 4, 27, 2;
er meinte wiederumb sich auf sein pferd zu heben,
und auf ein newes jhm die sporen auch zu geben,
aus furcht er aber doch es endlich unterliesz.
6, 58, 1;
ohne zu: alle sahen eine solche gute ordnung, dasz sie eigentlich meinten acht haben, wie doch die hochzeit nur auszgericht solt werden, dasz sie sich auch ein ander mal darnach gerichten möchten. buch d. liebe 266ᵃ;
der sint vil tusent yetz verlorn
die meinten besser werden morn.
Brant narrensch. 31, 34;
der künig Nabuchodonosor,
do jm zuͦ fyel me glück dann vor
und er Arfaxat uberwandt,
meint er erst haben alle landt
und setzt ein götlich gwalt jm für.
56, 30;
mit abhängigem satze: an dem zendin tage des fumftin mandin erhub sich der keiser unde zoch mit groʒir herkraft kein Forlin, da besamente he sich und bestalte sin her und meinte he wolde sich geleit habe vor eine stat, genant Vegenze. Ködiz 41, 11; ei wie lustig bin ich doch nu widder die lutherische zu schreiben, ich meine ich wil ihn den kutzel vertreiben. Alberus widder Witzeln M 7ᵃ.
c)
auch einen meinen, es auf einen absehen, einen angreifen: so einer in einer rechten bewisen notweer wider seinen willen einen unschuldigen mit stichen, streichen, würfen oder schieszen, so er den nötiger meint ('petit' Gobler), treff und entleibt het, der ist auch von peinlicher straf entschuldigt. Carolina art. 145; wie sie (die prediger) auch der teufel fürnemlich meinet und angreifet. Luther 8, 188ᵃ; Nebucad-Nezar, der könig zu Babel, hat etwas im sinn wider euch, und meinet euch. Jer. 49, 30;
mit schieʒen und mit steinen
begunden sie die meinen
wer in quam sô nâhen.
livl. chron. 170;
mit beisätzen mit ernst, übel u. ähnl.: und jr (der feinde) einer sterker ist denn alle menschen, und dazu uns mit solchem ernst meinet, und zusetzet mit allen kreften. Luther 5, 512ᵇ; der teufel meinet uns mit ernst und schickt unter uns seine diener. br. 5, 95; es müste ein rechter kriegszfürst, der den feindt mit ernst meinet, darzu erwählet werden. Fronsperger kriegsb. 3, 178ᵇ; allermaszen er wieder auf ein neues anfieng, mir aufzurucken, dasz er mir viel ein anders vertrauet, ich aber hingegen ihn mit der allergrösten untreue von der welt gemeint hätte. Simpl. 1, 335 Kurz; warf damit sein rohr von sich und fiel auf die knye nider, mich um verzeihung zu bitten, dasz er mich so übel gemeint hätte. 413;
(als der könig) des ernst wart gewar,
daʒ si in übel meinten,
als si in bescheinten,
dô wolt der helt zier
sich haben gewert ier.
Wackernagels leseb. 1 (1873), 1047, 3;
für das persönliche object ein es (verschieden von unten 5, a):
der alt böse feind
mit ernst ers jtzt meint (hat es ernstlich auf uns abgesehen).
Luther 8, 364ᵇ.
d)
in solchem sinne auch gemeint sein, beabsichtigt, bezweckt sein: zwei moralisch gemeinte vorkehrungen. Kant 5, 329 (vorkehrungen die in moralischer absicht getroffen sind); gegen einen oder etwas: eine erfindung, die gegen den strom und zur bändigung der sinnlichen triebe .. gemeint ist. Claudius 7, 69; mit persönlichem dativ, für einen beabsichtigt sein: und vand, daʒ eʒ dem jüngling zu dem tod gemaint war. gesta Rom. 63 Keller; das ist dir nicht gemeint (worte der tugendhaften Theano zu einem der das schöne fleisch ihres armes rühmt). Fischart ehz. 40; verachte keine religion, denn sie ist dem geiste gemeint. Claudius 7, 81. ein anderes gemeint sein s. unten 7.
5)
meinen, auf gesinnung, wol- oder übelwollen bezogen.
a)
sehr gewöhnlich seit alters bis auf heute mit allgemeinem es und adverbialen beisätzen, gesinnt sein gegen einen oder etwas, gesinnung haben; so es gut, treu, redlich, übel, böse, falsch meinen: die .. iʒ aber ubelo meinent in iro herzen. Notker bei Hattemer 2, 93ᵃ (ps. 27); das möchte dich helfen, das du es so gut meinest, und zu unserm herrn gehen wilt. Judith 10, 16; das ichs treulich meine. 2 Macc. 14, 8; sie komen das sie schawen, und meinens doch nicht von herzen, sondern suchen etwas, das sie lestern mügen. ps. 41, 7; prüfe mich und erfare, wie ichs meine. 139, 23; wer nach gottes wort fraget, der wirds reichlich uberkomen, wers aber nicht mit ernst meinet, der wird nur erger da durch. Sir. 32, 19; sehen sie, dasz ich es nicht übel meinte, wenn ich sie ihnen ehedem zufreien wollte? E. C. König bei Lessing 13, 357; er meint es so redlich, und hat so viele verdienste. Gellert 3, 28;
ich danke dir von herzen,
o Jesu, liebster freund,
für deines todes schmerzen,
da dus so gut gemeint!
P. Gerhard 51, 60;
also weisz gott die seinen
am kreuz in acht zu nehmen
und, die es böse meinen,
zur rechten zeit zu zähmen.
169, 10;
empfindst du auch hier seine rut,
er meints nicht bös; es ist dir gut!
228, 88;
trau ihnen nicht. sie meinens falsch.
Schiller Piccol. 3, 5;
in einem wortspiele: ich meine es gut, aber er meint das guht, sententia mea salutaris et ingenua est, ille vero suae utilitati inservit. Stieler 1262;
dasz man sich vor denen hüte,
die nicht die sind, die sie scheinen,
sondern unser gut gut meinen.
Logau bei Lessing 5, 115;
ohne es: gut meinen macht oft weinen. Pistorius thes. par. 7, 7;
du trauerst dasz ich nicht erscheine,
vielleicht entfernt so treu nicht meine,
sonst wär mein geist im bilde da.
Göthe 3, 32;
auch nur es so meinen, die gesinnung haben die man zeigt (verschieden von oben 3): wiewol ers nicht so meinet und sein herz nicht so denket. Jes. 10, 7; es entferet oft einem ein wort, und meinets doch nicht so. Sir. 19, 16; es gut, böse u. s. w. meinen mit einem: die es mit mir von herzen meinen. Spee güld. tug. 251; ich meine es gut mit ihnen. Gellert 3, 25; sie meinten es mit mir so väterlich (Ferdinand zum präsidenten). Schiller kab. u. liebe 4, 6; sie war die einzige person, die es eigentlich gut mit ihm meinte. Göthe 19, 260; ich bin überzeugt .. dasz er es redlich mit mir meint. 20, 71; mit Jakob meinte gott es gut, am dritten tage liesz er ihn arbeit finden. J. Gotthelf 11, 238;
herzliebe Elsz, vertrawt mir das!
ich main es mit euch gut und treulich.
H. Sachs fastn. sp. 1, 40, 113;
weil dich Christus angenommen
und es treulich mit dir meint.
P. Gerhard 110, 92;
ich seh in allen dingen
wie so gut ers mit mir mein.
235, 4;
wo hat mit seinem herrn ein mann es je gemeint
wie dieser mann?
Wieland 23, 9 (Oberon 7, 7);
dieszmal nur traue mir noch.
redlich mein ichs mit dir.
Göthe 1, 277;
man sagt, ihr meint es gut
mit diesem staat, mit eurer königin.
Schiller Maria Stuart 1, 7;
dafür auch gegen einem:
geschicht es nicht, so gerewts mich,
das ichs gemeint hab so herzlich,
gegen dir schöns mein lieb allzeit.
Ambr. liederb. 81, 17;
zu einem: der bischof ist ihm abhold und hat es zu mir nie ehrlich gemeint. Freytag dram. werke 1, 95; vergl. auch die zusammengesetzten participien bösmeinend (theil 2, 261), gutmeinend, wohlmeinend; in seltenerer fügung:
so gieb mir einen treuen freund,
der alles, doch auch mit gewissen,
mit mir, wie mit sich selber, meint.
Günther 74
(der es in allem so aufrichtig mit mir, wie mit sich meint).
b)
auch von dingen, die dadurch gleichsam belebt und persönlich gedacht werden: die schlege des liebhabers meinens recht gut. spr. Sal. 27, 6;
wie falsch des glückes gunst es mit der tugend meint.
Günther 564;
sinkt doch die stärkste last, wenn sie kein grund erhält,
und wind und boden es mit ihr verräthrisch meinen.
616;
Daphne. nun, meine Galathee, die sonne meint es gut.
Gal. sie brennt fast gar zu sehr; man weis kaum, was man thut.
Gellert 3, 444.
c)
einen meinen, eine gesinnung für einen haben, gegen einen gesinnt sein:
der gast wirt schiere gewar,
enist er niht ein tôre gar,
wie in der wirt meinet.
Iwein 2685;
mit näher bestimmenden beisätzen, einen wol, mit treuen, übel u. ähnl. meinen: das ich aber uf graf Endresen sachen kom, so hat ine der kaiser Maximilian ganz gnedigclichen gemaint. Zimm. chron. 2, 298, 33; demnach ine herr Johanns Wernher zuvor ganz wol gemaint und ine vogt zu Seedorf macht. 413, 26; hernach hat grave Jos Niclas von Zollern disen Zimmerle und sein weib mit allen gnaden gemaint und ine zu eim vogt zu Ensisheim gemacht. 3, 481, 33; das ich nu der starken zuversicht bin, euer veterliche liebe meine mich mit allen treuen. Luther 1, 121ᵃ; wo zween oder drei gute freund sind, die sich wol unternander meinen, wenn da einer narret, kans im der ander wol zu gut halten. 2, 359ᵇ; gib mir ein kloster, ja einen münch, da man christlich und brüderlich gegen einander lebt, oder einer den andern trewlich meinet. 4, 174ᵃ; darumb sihestu, das er dich nicht gut noch wol meinet. 6, 303ᵇ; wenn man sie betreügt, hasset, und übel maint, so benedeiet sie .. wo man sie aber liebt und wol maint, so kan sie es nit leiden. S. Frank parad. 139ᵇ; treulich meinen, fidem servare, fideliter aliquid tractare, non simulare, non fallere Stieler 1263;
die ein mit solchen trewen meinen,
under tausent findstu kaum einen.
B. Waldis Esop 1, 94, 57;
hie mag man sehen, wie die frawen
ir männer meinen all mit trawen.
2, 45, 40;
laszt in seim hausz fornen und hinden
suchen, ich weisz, das man wird finden
meins herren feind, dazu die seinen,
die jn auch selb mit untrew meinen.
4, 100, 72;
doch wer ein herrn mit trewen meint,
desz lohn die that selber bescheint.
Kirchhof wendunm. 57ᵇ;
ach weh! wie thut das weib uns reuhen!
dann wir meinen sie gut mit treuen.
J. Ayrer 390ᵈ (1960, 16 Keller);
wer gütig ist, dæn wirst in güten mainen.
Melissus ps. F 8ᵇ;
thut wol dem der euch übel meint.
Opitz 3, 131;
was darf ein anstand sein, wo man die krieges-kinder
gar glimpf- und gütlich meint, und blosz die feisten rinder
sambt jhrer jungen art, und etwa pferd und schwein,
schaf, hun, han, ente, gans, läst seine feinde sein?
Logau 1, 3, 4;
ein freund der freund sein soll, der soll dich redlich meinen,
soll innen sein nicht so, und so von auszen scheinen.
1, 225, 31;
dafür einem meinen: da sonst zu befahren dasz die meinsten der auszlandischen, jhm nit weiter und länger dann sein geldt reicht und wehret, mit trewen meinen. Kirchhof disc. mil. 9; etwas meinen: er wuste wol mit was trewen er das land meinete, aber wie es die andern meineten, were ihm unbewuszt. Henneberger landtafel 269;
dasz man sich für denen hütte (hüte)
die nicht die sind die sie scheinen,
sondern unser gut gut meinen.
Logau 1, 13, 34;
gemeint sein, gemeint werden, eine solche gesinnung erfahren: welcher (papst), als er durch unerbare mittel den stul erreicht, fing er an zu merken, dasz er zu Rom nit wol gemeint und sicher was. Fischart bienk. 214ᵇ;
das ist der schendtlich eigennutz,
der hat bei allen menschen schutz,
und wird von jedem wol gemeint,
und ist doch unser gröster feindt.
B. Waldis Esop 4, 100, 151.
d)
die vorige bedeutung (c) geht über in die: sich eines annehmen, sich um einen kümmern, sorgen für ihn: bewiste der vorgenante furste dem clostir Reinhersborn vel gute unde gnade, wenne her daʒ selbe clostor mit ganzin waren truwen meinte. Ködiz 25, 7; sie sullent auch niemant kein zulegunge tun, beraden oder beholfen sin weder die stad zu Mentze und ir burger, sunder sie sullent sie ir leptage ganz usz truwen meinen und auch vor schaden waren. d. städtechron. 17, 314, 16; wo sie (wenn die fürsten) aber einander getreulich meinten. Wilw. v. Schaumb. 107; und sehen, das sie einen gott haben, der sie mit trewen meinet, und retten kan, wider jedermans zorn und toben. Luther 6, 48ᵃ; des, der deinen lieben son unsern herrn Jhesum Christum, herzlich geliebet, mit höchstem vleis geehret, und deine kirche mit allen trewen gemeinet hat. 8, 204ᵇ; so er doch der stad alles guts thet, und sein volk mit trewen meinete, und feste hielt uber gottes gebot. 2 Macc. 4, 2; die partheien, von denen sie zu rednern und procuratorn angenommen werden, sollen sie mit rechten treuwen meinen. Frankf. reform. 1, 5, § 8; dasz er die partheien, deren sachen er zu handlen annimpt, jn derselben sachen mit ganzen und rechten treuwen mainen ... solle. § 27; ein jeder gesellschafter ist schuldig, die gesellschaft mit treuwen zu meinen, derselben bestes zu werben, und schaden nach müglichkeit zu verhüten. 2, 23, § 8.
e)
häufiger aber hat sich geradezu die bedeutung lieben herausgebildet, wo dann wol auch meinen mit minnen, später mit lieben verbunden erscheint:
dâ von begundens under in
sich meinen unde minnen
mit herzenlîchen sinnen.
Trist. 29, 33;
als eʒ got in hât gegeben,
den si meinent unde minnent.
Lamprecht v. Regensburg Franz. leben 1048;
wo ein land also stehet, das herr und knecht sich lieb haben, und einander mit trewen meinen. Luther 6, 160ᵇ;
wi du dich selbert lieben sölst,
den nächsten also mainen wölst.
Schwarzenberg 153ᶜ;
(wenn) du mich meinst, wie dich mein herze liebt.
Opitz 3, 78;
die beispiele in prosa für diese bedeutung verschwinden nach dem 17. jahrh.: das ist allein davon, das sie sich selber suchen und got nit lauterlichen meinen. Keisersberg pred. 58ᵇ; gott lauterlichen suchen, in allein meinen und nit dich. 110ᵃ; da müssen man und weib für allen dingen in liebe und eintracht beieinander wonen, das eins das ander von herzen und mit ganzer trewe meine. Luther 4, 401ᵇ; da kamen alle kinder, waren alle gehorsam, sie meineten aber den vater nicht. 522ᵇ; das s. c. f. g. den verzweivelten Wahlen (Wälschen) nicht trawe noch gleube, denn jr wisset zum teil, was sie für leute sind, wie sie uns Deudschen bisher gemeint, und noch meinen. 5, 116ᵇ; ir finden seines gleichen nit mehr in Rom, der euch mit solchen treuen mein, als er euch alweg gehalten hat. Livius von Schöfferlin 73; wenn der ehestand mit herzlicher und bestendiger liebe überzuckert ist, und eines meint das ander wie sein eigen herz und einen sich freundlich mit einander. Mathesius hochzeitpr. N 1ᵇ; nu weisz ich edler ritter in aller welt keinen, so mich mehr mit treuwen meinet, denn allein du. Galmy 284; wo wir aber jemands finden möchten, so uns in ganzen trewen meinet, es müste ein weibsperson, und kein mann sein. buch der liebe 240ᵈ; wöllet .. gedenken, in was trewen es (mein herz) euch gemeint. 258ᵃ; da trafen die zwei einander an; es mag ein jeder wol gedenken, wie trewlich sie einander gemeinet haben, sind auch nach langem all bede am lotterbeth entschlafen, das in dem gartenheuslin was. Wickram rollw. 135, 15 Kurz; dasz mein herr i. c. f. g. gemahlin schwester, ein fräulein, meinen möchte ... aber mein herr meinet das fräulein nicht. Schweinichen 3, 52; ich hätte gemeint, sie solte mich von herzen meinen. Philander 1, 467; also wie dieser jüngling, thun auch aufrichtige freunde, die einander herzlich meinen. pers. rosenth. 5, 20; einfältigkeit meinet gott. Thom. a Kempis übers. von Arnd (1670) 99; sich unter einander so herzlich meinen als die störche. J. Prätorius storchs winterqu. (1676) 37; einen redlich und ehrlich meinen, serio aliquem amare, favere alicui ex animo. Stieler 1263; verehret zuvorderst den herrn des hauses mit brünstiger andacht, als welcher alles hat, und alles geben kan! wer ihn aufrichtig meinet, den würdiget er auf dem wege seiner freündschaft. Drollinger 58 (v. 1726); in poetischer rede dauert dieses meinen, wenn auch nach und nach seltener verwendet und in alterthümlichen klang gekommen, bis auf unsere zeit:
junkfrau aller tugent rain,
ich main euch, liebste junkfrau, allein.
fastn. sp. 408, 31;
sie liebet mir ganz inniglich,
die herzallerliebste mein,
in trewen ich sie mein.
Ambraser liederb. nr. 19, 7;
in trewen ich dich, herzlieb, mein,
auf erden mus mir kein liebere sein.
81, 11;
von der ich bin betrogen,
die ich mit trewen meint.
88, 54;
denn ich dich ganz von herzen mein.
227, 49;
man findt wol leut, die stellen sich,
als meinen sie von herzen dich,
und sind in ihres herzen grund
nicht, wie sie reden mit dem mundt.
E. Alberus 95ᵇ;
sie, die wir so treulich mainen,
das wir bei jn meh sint, dan kainen.
Fischart dicht. 2, 11 Kurz (flöhhaz 313);
zu trost dein freunden,
die dich im glauben mainten.
3, 147, 17;
ich wil mich ganz nicht jhrer mehr anmaszen,
weil sie dich meint, und mich so schändlich hat verlassen.
D. v. d. Werder Ariost 5, 41, 6;
meine mich,
wie ich dich herzlich meine.
Fleming 312;
wen der höchste herzlich meint,
den versetzt er jung von jahren
in der engel reine schaaren.
342;
diese jungfrau, der du scheinst,
meinet dich, wie du sie meinst.
440;
willst du mich getreue meinen,
so will ich auch deine sein.
521;
Cardenio, mein licht, den ich auf ewig meine!
A. Gryphius (1698) 1, 203;
was solte dieser wohl beginnen,
wüst er, dasz ihn Amarillis, wie sie thut, von herzen meint?
Hoffmannswaldau getr. schäfer 94;
hast du sie jemals recht und ohne falsch gemeinet.
Chr. Gryphius poet. wälder 2, 141;
gott wird Israel erfreuen,
wenn es ihn von herzen meint.
Caniz 31;
Jesu, den ich meine,
lasz mich nicht alleine.
Tersteegen geistl. blumeng. nr. ⅩⅤ;
o, was in tausend liebespracht
die holde, die ich meine, lacht!
Bürger 37ᵇ;
freiheit, die ich meine,
die mein herz erfüllt.
M. v. Schenkendorf in Wackernagels leseb. 2, 1529.
f)
gemeint sein zu etwas, beliebt, angenehm, erwünscht sein, mit persönlichem dativ: damit .. nicht der thumbtechant, der dann als wir wissen ewern ku. gnaden darzu nicht gemeint ist, darein kumb. urk. Max. nr. 70.
g)
schweizerisch gilt ein reflexives sich meinen in der bedeutung von sich etwas halten, sich etwas dünken, stolz thun. Stalder 2, 205. Seiler 201ᵇ.
6)
meinen, jetzt am gewöhnlichsten auf glauben oder blosze vorstellung über etwas bezogen, dafür halten, etwas wähnen: meinen, eins dings ein meinung fassen, percipere opinione, sentire, arbitrari, autumare, computare, deputare, ducere, numerare, reri, opinari, existimare, censeri Maaler 286ᶜ; meinen ist ein mit bewusztsein sowohl objectiv als subjectiv unzureichendes fürwahrhalten. Kant 2, 613; wenn etwas aus objectiven, aber mit bewusztsein unzureichenden gründen für wahrgehalten, also gemeint wird. 1, 130; das schwankende und unzulängliche, das in der bedeutung des wortes liegt, wird oft betont: das widerreden, zaudern, stocken, besser- oder anderswissen, das schwanken, meinen, um- und wiedermeinen. Göthe 17, 299; namentlich auch durch den gegensatz zu wissen und schauen: man kann davon noch allerlei meinen, niemals aber mehr wissen. Kant 3, 86; was ich ahnete, ward mir klar, und was ich meinte, lernte ich anschauen. Göthe 20, 40; als wenn wir sämmtlich, aus der region des blinzens und meinens, schon lange in die regionen des schauens und erkennens übergegangen wären. 60, 31; vergl. mhd.
'waʒ meint ir, künec Guivreiz?'
ich meine niht wan daʒ ich weiʒ.
Erec² 7929.
in manigfacher fügung auftretend, wobei in der bedeutung bald mehr nur die einbildung (daher das sprichwort die narren meinen. Simrock sprichw. s. 372), bald auch ein urtheil mit hervortritt (vergl. nachher unter b).
a)
ohne object (unterschieden von oben nr. 3): man kann so meinen, man kann auch anders meinen, wissen kann es niemand; ich meinte nur so, dixi sine certo consilio. Serz 98ᵇ; wenn er nur meint, ad solam suspicionem. ebenda; in der älteren sprache nicht bezeugt.
b)
mit acc., etwas meinen; in der sprichwörtlichen (vielleicht nur dem lat. non putaram nachgebildeten) wendung: ich hätte es nicht gemeinet, ne per somnium id quidem cogitassem. Stieler 1262; und haben zuletzt das elende klaglied singen müssen: ich hettes nicht gemeinet. ja lieber, das gute meinen, macht viel leute weinen. Luther 6, 142ᵇ;
der ist mit narheit wol vereint,
wer spricht, das hett ich nit gemeint,
dann wer bedenkt all ding by zyt,
der satlet wol, ee dann er rytt.
Brant narrensch. 12, 2;
in einem zwischengeworfenen, fast nur ausrufartigen satze:
was meint ihr wohl, die unholdin
trat vor den schönen schäfer,
zupft ihn am ohr und vorn am kinn,
und rief: wach auf mein schäfer!
Hölty 22 Halm;
und sonst, in gleicher verwendung wie glauben, nun aber so dasz die urtheilskraft deutlicher als in den vorhergehenden fällen mit einspielt, wodurch die bedeutungen 1 und 3 oben aufs nächste anrühren: danket er auch dem selbigen knechte, das er gethan hat, was jm befolhen war? ich meine es nicht. Luc. 17, 9; ich meine aber das, wer da kerglich seet, der wird auch kerglich erndten. 2 Cor. 9, 6;
gesetzt, sie spielte nun mit mir,
dürft ich denn auch ..? was meinet ihr?
Gellert 3, 118;
'meinst du denn alles was du sagst?'
meinst du denn ernstlich was du fragst?
wen kümmerts was ich meine und sage:
denn alles meinen ist nur frage.
Göthe 47, 255.
c)
in erweiterter fügung: einen weit weg meinen; ich meinte ihn schon über alle berge;
alle götter wissen morgen
was ihr meintet ganz verborgen.
Fleming 367;
oft fängt ein kleiner herr sich mächtig an zu brüsten,
und meint sich noch so grosz, wenn sich auf sein gelüsten
ein ungemeszner bau aus seinem boden streckt.
Drollinger 85;
und ohne, wenn mein arm sie wehmuthsvoll umschlang,
wie keusche furien, sich in gefahr zu meinen,
erlaubte sie mir, sonder zwang,
den bangen trost, an ihrer brust zu weinen.
Wieland 17, 55 (Idris 1, 82).
d)
namentlich auch mit infinitiv und acc. c. inf. in der älteren sprache: was züchst du für ein fröschlin aus dem wasser, das du dich meinest gar rein sein? Keisersberg baum der seligk. 23ᶜ; meinen solchs den verstorbenen nur ein beschwernusz sein. Micyll. Tac. 446ᵃ; so vil du mainst genug sein zu einer salb. Seuter rossarzn. 389; dasz du meinest, dich nicht wirdig sein, mich lieb zu haben, solt du in keine wege gedenken. b. d. liebe 236ᶜ; alle ding, so du uns meinest nohtwendig sein. 241ᵇ; Garnier seinen sohn suchet, welchem er die sach verborgen sein meinet. 246ᵇ;
einer floch her, der ander hin,
da er meint wol verborgen sin.
Liliencron volksl. 2, s. 93, 20 (von 1476);
der ist ein narr, der buͦlen will
und meint doch halten masz und zil,
dann das man wyszheit pfleg und buͦl
mag ganz nit ston jn einem stuͦl.
Brant narrensch. 13, 90;
nit mein uns narren syn allein,
wir hant noch bruͤder grosz und klein.
108, 1;
später mit dem inf. mit zu, eine schon im mittelniederd. öfter vorkommende fügung:
he mênde sinen geist dar up to geven,
unde troste do nicht lenger to leven.
Reinecke fuchs 799;
darumb meinen sie etwas anders zu finden, die sünde zu vertilgen. Luther 1, 186ᵃ (vorher aber mit bloszem inf. die da meinen jre sünde mit genugthuung tilgen und ablegen); es ist ein unbesonnen man, der seinen rat meinet zu verbergen. Hiob 42, 3; kam er zur kelter, und meinet funfzig eimer zu schepfen, so waren kaum zwenzig da. Haggai 2, 17; da sie meineten das heilige volk zu unterdrücken, wurden sie, als die ungerechten, der finsternis gebundene. weish. Sal. 17, 2; wer aber nicht hat, von dem wird genomen auch das er meinet zu haben. Luc. 8, 18; also eileten sie von ihrem vaterlande hinweg, und meineten nicht in der nachbarschaft viel merkwürdiges anzutreffen. Chr. Weise erzn. 10 Braune;
wenn du am besten meinst zu stehn,
so wird man dir den kehrab pfeifen.
H. Sachs fastn. sp. 1, 93, 378;
ihr jungfern, hört mir zu, doch fasset die geberden,
und meint durch meinen ruhm nicht stolzer wo zu werden!
Logau 2, 64, 58;
das meinen in dieser fügung, jetzt im norden seltener geworden, weil lieber dafür denken oder glauben eintritt, lebt noch kräftig im süden und bei schriftstellern dieser heimat: ich meine das ganze buch schon gelesen zu haben, wenn ich den ersten blick darauf werfe. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 382; meint ihr dem arm des vergelters im öden reich des nichts zu entlaufen? räuber 5, 1; schnappt mir das compliment weg — ich meine in ohnmacht zu sinken. kabale u. liebe 3, 2; dasz sie ihm das schöne kind in der folge zu vermählen gemeint habe. Göthe 17, 353;
die dogge meint, den schnellsten hirsch zu jagen,
der falke meint in sturmgewölk zu schweben.
Uhland ged. 443;
bei sein mit substantiven beifügungen, wo die heutige sprache es nicht mehr kennt: sie meinten auch nichts grewlichs mehr zu sein dasz sie leiden müszten, dieweil sie von dem schandlosen weib erlöszt sind. buch d. liebe 218ᵃ;
als er so hoch nun kömpt, dasz er die erde meinet
ein kleinen punkt zu sein.
D. v. d. Werder Ariost 4, 50, 1;
das der gemeine mann meint, ein grosz werk zu sein.
66, 4.
e)
mit abhängigem, durch dasz eingeleitetem satze: do meinde Edewart der künig von Engenlant, das daʒ künigrich von Frangrich were an sine muͦter gefallen und an in. d. städtechron. 8, 476, 22; meinstu das war sei, das ich noch geberen werde? 1 Mos. 18, 13; meinstu das du besser recht habest, denn Balak? richt. 11, 25; meinet jr das jr jn teuschen werdet, wie man einen menschen teuschet? Hiob 13, 9; meinestu aber, das deine weissagung gewis ist, so darfstu nicht erschrecken noch erblassen. Jud. 6, 4; meinen sie denn, dasz ich Christianen verführe? Gellert 3, 194; meinen sie etwa, dasz es mir an einem ringe fehlt? Lessing 1, 587;
meinstu dasz ich dir fasten wöll?
Grobian. Cᵃ (v. 525);
sie sieht sich selbst, und meint dabei,
dasz dieses bild die schwester sei.
Gellert 1, 306;
immer hast du mir gefallen,
und mir ist, dasz ich dich kenne,
meine aber, dasz wir künftig
mehr uns werden kennen gerne.
Tieck Octavian s. 32;
meinst du, dasz weisheit mit den jahren wächst.
81;
in andern fügungen: alsô das er sich und des sînen als wênik sûchte und meinte in allen dingen, als ob er nicht wêre. theol. deutsch 26; sie dürfen aber nicht meinen, herr vater, als wenn diese kindischen vorurtheile und abgeschmackten irrthümer mit unseren uralten vorfahren alle wären begraben worden. Lessing 11, 2;
mein schultheis, maint ir ob es döcht,
das ich den rayen füeren möcht?
H. Sachs fastn. sp. 2, 83, 39;
mit acc. und abhängigem satze, oder solchem zu relativpronomen: wer hette das gemeinet, das Tyro der kronen so gehen solt? Jes. 23, 8; die not wird sie dringen, das sie die stad ubergeben müssen, welche sie meinen, das sie nicht zu gewinnen sei. Judith 7, 10; wem meinstu denn das du gleich seiest in deiner herrligkeit. Hes. 31, 2; wie gros meinstu denn, das du (Pharao) seiest. 18; als in aber der könig fragte, wen er meinet, den er gen Jerusalem schicken kündte, der etwas ausrichtet. 2 Macc. 3, 37;
was meinst, das mir an freuden fehlt?
H. Sachs fastn. sp. 1, 61, 245;
vatter, was meinstu das es sei,
wenn ich gleich geh auf ein schlaftrunk?
73, 136;
was mainst, das menschlich leben wer,
wen man nit hett ein gueten muet?
2, 14, 66;
auch mit bedeutendem sinne von meinen, sich einbilden, sich zu gute rechnen: er meinte, was er gethan hätte, als er ihm das geld gab; er meint wunder, wer er sei.
f)
häufiger noch mit abhängigem satze im conjunctiv ohne dasz: wie etliche meinten, he worde si wedir heim sende. Ködiz 3, 28; trawen, ich meine ja, das sei etwas. Luther 3, 62ᵃ; meinstu, ich künde dich nicht ehren? 4 Mos. 22, 37; ich meinet du werest jr gram worden. richt. 15, 2; da meinet Eli, sie were trunken. 1 Sam. 1, 13; meinstu, ich wisse nicht, das ich heute ein könig bin worden uber Israel? 2 Sam. 19, 22; meinet jr, er werde ewr person ansehen? Mal. 1, 9; mancher meinet, es sei gefunden, was er borget. Sir. 29, 4; wenn jr betet, solt jr nicht viel plappern, wie die heiden, denn sie meinen, sie werden erhöret, wenn sie viel wort machen. Matth. 6, 7; und da sie jn sahen auf dem meer wandeln, meineten sie, es were ein gespenst. Marc. 6, 49; es kompt aber die zeit, das, wer euch tödtet, wird meinen, er thu gott einen dienst dran. Joh. 16, 2; die da meinen, gottseligkeit sei ein gewerbe. 1 Tim. 6, 5; ihr kommt mir vor als wie Peter Sqvenz, der meinte, weil er im dorfe keinen pfarherr hätte und derowegen als schulmeister der oberste zu Rumpelskirche wäre, so müste er unfehlbar der höchste in der ganzen welt sein. Chr. Weise erzn. 8 Braune; dasz die abergläubischen meinen, du hättest einen kobold, der dir dein geld und gut geschafft hat. Tieck Octavian s. 186;
und main, sie wollen mich ser drum strafen.
fastn. sp. 758, 20;
sie mainen, habn jr herz erquicket.
H. Sachs fastn. sp. 1, 8, 247;
meinst, dein frewdt sei der meinen gleich?
61, 234;
ich meint, ich het ein sammat gwebn,
so hats mir ein lautern filz geben.
87, 177;
ich glaub du meinst ich steck vol gift.
Grobian. B 2ᵃ (v. 332);
so meint man du habst wol studiert.
G 3ᵃ (v. 1728);
so aber hett der herr im hausz
gemeint du würdest bleiben ausz.
K 4ᵃ (v. 2598);
und wenn nur viel frommen ersterben
von deiner vergälleten zungen,
so meinst du, es sei dir gelungen.
P. Gerhard 6, 24;
Bav meint, ich glaubte nichts.
Günther 553;
die liebe labe
ihn kurze zeit!
er meint, er habe
nun seligkeit.
Stolberg 2, 89;
das übermannt mich so sehr,
dasz, wo er nur mag zu uns treten,
mein ich sogar, ich liebte dich nicht mehr.
Göthe 12, 185;
der eine meint da von uns allen,
wir seien, wie er, auf den kopf gefallen.
Platen 163;
im gemeinen leben steht statt des conj. auch der indicativ: ich meine ich musz in die erde sinken, da ich so etwas sehe, hört man öfter bei lebendiger schilderung; meinst du, ich soll es thun?; und so ist es auch wol schon bei H. Sachs empfunden:
meinst leicht, ich sol ein priester wern?
fastn. sp. 1, 103, 142;
auch wo meinen in den sinn des vorhabens (oben 4) übergreift: ich meine, ich will jetzt gehen, wo man nördlich lieber ich denke oder ich glaube, ich will jetzt gehen sagt (vergl. dazu oben d). Der abhängige satz ist unterdrückt: des menschen son wird komen zu einer stunde, da jr nicht meinet (er komme). Matth. 24, 44; ich wil hie sein ee dann du meinst, prius tua opinione hic adero. Maaler 286ᶜ.
g)
zwischenstellung von meinen: was meinestu, wil aus dem kindlin werden? Luc. 1, 66; wie viel meinet jr erger straf wird der verdienen, der den son gottes mit füszen trit? Ebr. 10, 29;
was sprecht ihr nachbar? dieser rein,
der sollte, meint ihr, euer sein?
Gellert 1, 40;
nur, meint der patriarch, sei bubenstück
vor menschen, nicht auch bubenstück vor gott.
Lessing 2, 221;
der sturm, ich mein, wird da sein, eh wirs denken.
Schiller Tell 1, 1.
7)
gemeint sein, für meinen.
a)
nach meinen 4, auf vorsatz, willen, vorhaben bezogen: ist der feindt vorhanden und zu stürmen gemeint. Kirchhof mil. disc. 43; Conrad war nicht gemeinet das erworbene recht fahren zu lassen. Hahn hist. (1721) 2, 236; Charlotte .. lehnte den wohlgesinnten antrag ab, weil sie nicht gemeint war, in ihrer umgebung etwas zuzulassen, wovor sie immerfort eine starke apprehension gefühlt hatte. Göthe 17, 340; und der herzog wird nicht gemeint sein, 2⁄3 in den ofen zu schmeiszen. Mercks briefs. 1, 206; nachdem unser hochgebietender feldherr, der durchlauchtige fürst von Friedland, .. des kaisers dienst zu verlassen gemeint gewesen. Schiller Piccol. 4, 1;
gottes engel, den er sendet,
hat das böse, was der feind
anzurichten war gemeint,
in die ferne weggewendet.
P. Gerhard 237, 77;
die kleine trübe neige leben
ist er in seinem gott gemeint
der geistlichen beschauung zu ergeben.
Lessing 1, 8.
b)
nach meinen 5, auf gesinnung bezogen:
die schönen blauen augen
versöhnen keinen feind,
denn die, so schwerdter brauchen,
sind feindlich auch gemeint.
Arndt ged. (1840) 61.
c)
nach meinen 6, auf den glauben bezogen: so sind wir alle in dem unflat gesteckt der eigen heiligkeit, und gemeinet, wir solten mit unserm leben und werken gottes gericht stillen und den himel verdienen. Luther 6, 232ᵃ.
d)
dieses gemeint sein ist (im gegensatze zu oben 4, d. 5, e) nur scheinbar passiv zu meinen; thatsächlich liegt, wie ähnlich bei den gleichgebildeten gewillt sein, gesinnt sein, eine bildung aus dem mhd. fem. meine, gedanke, wille, gesinnung, meinung, vor (gemeinet sein = mit gedanken u. s. w. versehen sein), die die bedeutung von meinen aufgreift.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1924, Z. 39.

meinst

meinst,
s. unter meist.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1938, Z. 2.

menen, verb.

menen, verb.
vieh treiben, zugvieh führen; vgl. unter mähnen sp. 1464.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2006, Z. 56.

Im ¹DWB stöbern

a b c d e f g h i
j k l m n o p q r
s t u v w x y z -
meieran messerzucken
Zitationshilfe
„meinen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meinen>, abgerufen am 24.10.2021.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)