Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meistergesang, m.

meistergesang, m.
(vgl. meistersang).
1)
art und kunst der meistersinger. beim frühesten aufkommen des wortes noch nicht in handwerksmäszigem sinne, nur als ehrende bezeichnung des formvollendeten gesanges:
wa man ficht mit meistergesang (in der singschule).
Germ. 3, 319 (15. jahrh.),
vergl. geselle mein, schlag frelich trauf
hie mit gesang gar maisterlich.
ebenda;
später von der genossenschaft: gründtlicher bericht des deudschen meistergesangs ... durch Adam Puschmann. Görlitz 1571; der ritterliche minnegesang war damals schon in den bürgerlichen meistergesang übergegangen. Schlosser weltgesch. 8, 537; der minnegesang oder das lied der begeisterung ward zum meistergesang, das heiszt zum handwerk, zum spiel, zur künstelei. 9, 412; der hauptmittelpunkt des meistergesanges war und blieb Nürnberg. 415; minne- und meistergesang sind éine pflanze, die erst süsz war, hernach im alter herb, und die verholzen muszte. J. Grimm über den altdeutschen meistergesang (1811) s. 171.
2)
das einzelne lied solcher art und kunst: meistergesäng singen. Bocc. 2, 190ᵇ; wie es von anfang umb die singekunst bei unsern vorältern, den alten Teutschen, eine gelegenheit gehabt, und wie endtlich die meistergesäng uffkhommen? Spangenberg v. der musica 113 Keller; wofehrn noch verhandten oder sich fündten möchten gute leith und liebhaber dieszer hochlichen kunst dʒ meistersüngensz, die lust und lieb hetten, ausz oder in bemelten maistergesangen sich zu exercirn und zu erlustigen. Schnorr v. Carolsfeld zur geschichte des deutschen meistergesangs (1872) s. 24 (von 1639); meisterlieder, cantilenae magistrales, alias meistergesänge. Stieler 1161; schon früh verachtet: cento maistergesank Dief. nov. gloss. 85ᵃ (15. jahrh.); bösz meistergsang, ungereimpte ding, versus incompti Maaler 287ᶜ. witzig wird mit meistergesang auf meister 11, a angespielt: so sprucht man doch, er hab kein meistergesang in seim haus gesungen, wover er das haupt nit hab zum fenster hinauszgebotten. Zimm. chron. 4, 78, 10; wiewol es nicht wol steht, wann die frawen meistergesang zu hausz singen, dann es ist gewisz, wie jener gut freund vom newen hanenpropheten von Gugelkam reimet: wann die henn will kräyen oder propheceien, so musz der han schweigen oder o weh schreien. Garg. 199ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1967, Z. 50.

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Zitationshilfe
„meistergesang“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meistergesang>, abgerufen am 27.10.2021.

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