Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meister, m.

meister, m.
magister, praeceptor, opifex, artifex; lehnwort aus dem lateinischen, welches die älteren deutschen dialekte, mit ausnahme des gothischen, annehmen und auf grund der deutschen betonung mágister umformen; erscheint in früher ahd. zeit diese form noch in deutschen denkmälern (Peatres magistres spratta, Petri magistri regula. Murbacher hymnen 13, 2), so ist doch gleichzeitig unter verlust des inneren g die form maistar, meistar entstanden: opifex maistar, maister Steinmeyer-Sievers 1, 218, 27; hôrrên demu meistre, oboedire magistro. Ben.-regel bei Hattemer 1, 41; welche sich in ihrem deutschen gepräge in den verschiedenen dialekten verschieden gestaltet: alts. altnfr. mêstar, mêster, niederd. niederl. meester; fries. mâstere, mêster; altengl. maister, mester, neuengl. master; altnord. meistari, schwed. mästare, dän. mester; das spätere mhd. meister hat auch eine nebenform meinster (wie meist, an welches meister anklingt, die nebenform meinst, oben sp. 1947 fg.):
da waʒ der pharrer bei,
und meinster Heinrich der frei.
Keller erzähl. 214, 31;
es sei recht meinster, der mich eff,
und ich in nit hinwider dreff.
fastn. sp. 791, 31;
ach liber meinster, so schaut mir den zan
und helft mir seuberlich darvan.
795, 11.
die entlehnung des fremden wortes aber (das auch in die romanischen und slavischen sprachen übergieng) wurde sowol durch den hof wie durch die kirche vermittelt; am fränkischen hofe war nach römischer überlieferung magister titel von höheren beamten (magister aulae imperialis. Du Cange von Henschel 4, 176ᵃ; Gerungum ostiariariorum magistrum. Einhardi ann. ad ann. 822); die kirche fand das wort in der vulgata häufig gebraucht, wo es als übersetzung von διδάσκαλος und καθηγητής des urtextes stand (was Ulfilas durch das goth. laisareis wiedergegeben hatte, wie denn auch noch das ags. neue testament magister durch lâreow ausdrückte); beides bewirkte die ausbreitung auf weitere kreise zunächst für fälle, wo eine ehrende und titelhafte bezeichnung auf grund einer maszgebenden stellung, einer gelehrsamkeit oder kunst gegeben werden sollte.
1)
meister, seit der ahd. zeit in der bibelsprache, dem magister, lehrer, der vulgata entsprechend: thô antlingita ther heilant inti quad imo: thu bist meistar Israhêlô inti thu ni uueist thiz? (tu es magister in Israhel et haec ignoras)? Tat. 119, 6; aber ir sult nicht wollen geheiʒen werden meister, wan einer ist ûwer meister, und ir sît alle brûdere. Behaims evang.-buch, Matth. 23, 8 (vos autem nolite vocari rabbi, unus est enim magister vester, omnes autem vos fratres estis);
wio se minnôtun thar,   thaʒ man sie hiaʒi meistar.
Otfrid 4, 6, 37 (amant .. vocari ab hominibus rabbi, Matth. 23, 7);
und so auch bei Luther: bistu ein meister in Israel, und weiszest das nicht? Joh. 3, 10; und im gegensatz zu jünger: der jünger ist nicht uber seinen meister, noch der knecht uber den herrn. Matth. 10, 24 (ahd. nist jungiro ubar meistar noh scalc ubar sînan hêrron. Tat. 44, 16); wenn der jünger ist wie sein meister, so ist er volkomen. Luc. 6, 40;
gebt achtung, was der meister thut,
das soll der jünger fassen.
Günther 43 (geistl. lied).
2)
namentlich von Christus: meistar ist aʒ inti suohhit thih (magister adest et vocat te) Tat. 135, 17; wan dîn tochtir ist tôt, waʒ muͦwes dû vorbaʒ den meister? (quid ultra vexas magistrum)? Behaims evang.-buch, Marc. 5, 35;
biûtan iuwa mêster êno
haƀad it farlâtan (den zinsgroschen zu entrichten).
Heliand 3193;
da das die phariseer sahen, sprachen sie zu seinen jüngern, warumb isset ewer meister mit den zölner und sündern? Matth. 9, 11; pflegt ewer meister nicht den zinsgrosschen zu geben? 17, 24; einer ist ewer meister, Christus. 23, 8; so nu ich ewr herr und meister, euch die füsze gewasschen habe, so solt jr auch euch unternander die füsze wasschen. Joh. 13, 14;
Maria ist das arme weib,
von welcher unser meister,
der starke helfer, vormals treib
auf einmal sieben geister.
P. Gerhard 56, 163;
geht schnell, sagts Petro und der zahl
der andern jünger allzumal:
ihr herr und meister lebe.
189;
Christ ist erstanden ...
euch ist der meister nah!
Göthe 12, 47;
in der anrede: meistar, uuellemês fona dir sum zeihhan gasehan (magister, volumus a te signum videre). Monseer bruchstücke des ev. Matthäi 12, 38; sie aber sprachen zu jm, rabbi, das ist verdolmetschet meister, wo bistu zur herberge? Luther Joh. 1, 38; spricht zu jm, rabuni, das heiszet meister. 20, 16 (ῥαββουνί, ὃ λέγεται διδάσκαλε); und es trat zu jm ein schriftgelerter, der sprach zu jm, meister, ich wil dir folgen, wo du hin gehest. Matth. 8, 19; guter meister, was sol ich guts thun, das ich das ewige leben müge haben? 19, 16; Jhesu lieber meister, erbarme dich unser. Luc. 17, 13;
liesz er die seinen
schmachtend uns hier zurück;
ach! wir beweinen
meister dein glück! (chor der jünger).
Göthe 12, 46.
3)
meister, nun auch allgemeiner, für lehrer und gelehrter: dedascalus meister. voc. sti. Galli 417 Henning; preceptorem meister, maister, meistir. Steinmeyer-Sievers 1, 499, 25; der meister, leerer, magister, praeceptor. Maaler 287ᵇ.
a)
der andere schulmäszig unterweist; als eine klosterwürde: ôk iuhu ik sô huat sô ik thes gideda thes uuithar mîneru cristinhêdi uuâri, endi uuithar mînamo gilôvon uuâri, endi uuithar mînemo bigihton uuâri, endi uuithar mînemo mêstra uuâri. altsächs. beichte 7; und allgemeiner: super omnes docentes me intellexi ... ih fernam mêr danne mîne meistra. Notker bei Hattemer 2, 437ᵇ (ps. 118);
biginnu ih hiar redinôn,   wio er (Christus) bigonda bredigôn,
joh meistera, ther uns onda,   samanôn bigonda.
Otfrid 2, 7, 2;
namentlich auch unterweiser der jugend: und der kaiser, aller posheit vol, der liesz das geticht in alle schul geben, und gepieten allen maistern und allen lermaisterin, das iedes ire jungen ze lernen. d. städtechron. 11, 593, 10; alʒo sullin auch dy meister qwingin (zwingen) ire schuler, nicht sullin sy ir abir wider totin, noch lemen, noch blendin, noch mit messirin, noch mit knuttelin slahin .. seczt sich auch ein schuler wider seinen meister mit gewaldigir hant, der meister mag in mit gewalt widersten. Magdeb. blume 2, 1, 68; du meister meiner jugent. Jer. 3, 4; und die jr soltet lengest meister (var. lerer) sein, bedürfet jr widerumb das man euch die erste buchstaben der göttlichen wort lere. Hebr. 5, 12;
ain statt di stuͦnd in groszer wehr,
als si verlegt das römisch hör;
ain maister darin ward verkert,
der vil der bürgerkinder lert.
Schwarzenberg 113ᵃ;
zu dem findt man vil freier knöpf,
die haben solche gschwinde köpf,
dasz sie on aller meister fleisz
erreichen Grobianer preisz.
Grobian. F 3ᵇ (v. 1518);
ich sprich er sei ein dapfer gsell,
der nie kein meister haben wolt,
der jn strafen und schelten solt.
A 1ᵃ (v. 25);
später, auszer in der zusammensetzung schulmeister, ungewöhnlich geworden:
ein meister einer ländlichen schule
erhub sich einst von seinem stuhle.
Göthe 13, 114.
b)
meister, der die würde eines akademischen lehrers bekleidet: zwelf meister sint erhaben ze Paris in der schuole. Haupts zeitschr. 4, 497;
dô fuorten si in beide
gên Barîs âne leide.
dâ funden si einen meister guot;
an künsten was er wol behuot.
Wackernagels leseb. 1 (1873) 820, 19;
(er) fuor gegen Sâlerne,
und suocht ouch dâ durch genist
der wîsen arzâte list.
den besten meister er dâ vant.
a. Heinrich 183;
die jugent acht all kunst gar klein,
sie lerent lieber yetz allein
was unnütz und nit fruͦchtbar ist;
das selb den meistern ouch gebrüst,
das sie der rehten kunst nit achten,
unnütz geschwetz allein betrachten.
Brant narrensch. 27, 10;
später tritt das lat. magister auch im deutschen auf, vgl. oben sp. 1446, doch blieb der meister der freien künste (magister artium liberalium) noch länger: meister der fryen kunst, magister artium. voc. inc. theut. n 5ᵇ; einer, der sich vor einen meister der sieben freien künsten auszgab. Zinkgref apophth. 1, 340; an Albrecht Teübel, als er zu einem maister der freien künsten erklärt worden. Rompler 156; und scherzhaft daran angelehnt: meister der siben faulen künst. Fischart groszm. 88; wie denn meister überhaupt als akademischer grad und titel neben magister sich noch eine zeit lang hält: doctor, licentiat, maister, baccalari und student. stiftungsurk. der universität Ingolstadt, bei Schm. 1, 1682 Fromm.; dem ersamen und unserm pfarrer zu Pfaffenhofen maister Ludwigen Stempfel. bair. landtagshandlung, ebenda.
c)
dann nun auch der studirte gelehrte, der solchen grad erlangt, oder doch die kenntnisse eines solchen grades hat; so der gottesgelehrte: ein meister vûr von Scyti in Allexandriam zû einem bischofe. veter buch 44, 13 Palm, nachher prister z. 16; wollen der schrift meister sein. 1 Tim. 1, 7, wie mhd. die rehten maister der geschrift. Megenberg 221, 19; her Diderich van Munster, ein grosze meister in der gotheit. d. städtechr. 13, 102, 3; der rechtslehrer, rechtsgelehrte: des frâgen wir einen meister von lantrehte, der heiʒet Marcellus, der half den künigen vil gûter landrehte machen. Schwabenspiegel cap. 56; ein meister, heiʒet Adrianus, der des lantrehtes vil gemachet hat. cap. 9, 1; nu vernemet den andern fride, den der keiser gesezet und gestetiget hat in allen tiutschen landen mit williger kur der fürsten und anderre wisen liute und hoher meister, die in den landen waren. cap. 205, 1; böse sachen müssen gschwinde meister und juristen haben, die jn ein gstalt eins guͦten, mit subtilen griffen machen. Agr. spr. 98ᵃ; der arzt (vgl. dazu die stelle aus dem armen Heinrich 183 oben b): medicus dicit ad populum:
ich pin ain maister lobsam
und var da her von Asian.
Erlauer spiele 3, 83 Kummer;
von einem maister wil ich euch sagen neue mer,
der ist kumen ausz fremden landen her
ferre ausz Schlauraffen.
mit seiner erznei hat er ertot munch und pfaffen.
fastn. sp. 58, 25;
hie sullent ir ain arzet schauen,
ain maister, der ist kunsten reich,
niendert fint man sein geleich
weder zuo Prag noch zu Pareis.
365, 8;
herr der wirt, ir sult urlaup gunnen
den groszen maistern, die solch grosz künst hie künnen (vier ärzten).
753, 20;
und von da aus dann, zumal als die eigentlichen ärzte sich doctor nannten, der chirurg, feldscheer, selbst barbier: nun hat man zu den wunden unterschiedene mittel, und ist fast kein meister, er will ein sonderliches kunststück haben. Agricola neue feldscheerkunst (1701) 76;
sy hub an und fragt mich pasz,
ob ich der recht maister wer.
ich sprach: ja, ich kann lassen und scheren,
und kan alle kunst woll,
dy ain idlicher palbirer kunen soll.
Keller erzähl. 426, 12;
gieng hin, für eins balbierers thür,
und schrei: o meister kompt herfür,
ich bin sehr wund, ach mich verbind!
der meister kam schnell und geschwind.
L. Sandrub kurzweil (1618) 118;
der grammatiker, philosoph, astronom u. ähnl.: sprechent die maister von der nâtûr. Megenberg 6, 16; dâ von wænent manig gramatici, daʒ sint der rede maister, daʒ ibis ain storch haiʒ. 201, 28; meister der messung des ertrichs, geometricus. voc. inc. theut. n 5ᵃ; meister des gesangs, musicus, meister der hubschen red, orator, rhetor. n 5ᵇ; lasz her tretten und dir helfen die meister desz himelslauft, und die sternkucker, die nach den monden rechen. Jes. 47, 13;
ir mocht noch abenteur hie horen
mit hoher kunst und maisterschaft
damit dieser gelert maister (Aristoteles) ist behaft.
in hoher disputation
des himels lauf und spacion
kan er probiren nach dem text
ausz siben kunsten die complext.
138, 29;
auch hier erscheint das titelhafte in der anrede oder bei der nennung:
Aristotiles, ir meister fein,
was conplex mag mein herr wol sein?
141, 21;
der meister hat uns hie geseit ...
145, 24;
got gruesz euch, maister Uncian!
wir pringen euch do ain kranken man.
365, 14;
der hervorragende gelehrte im allgemeinen, und hier öfters mit ebenso titelhaften ehrenden beisätzen, bis auf unsere zeit: und gab sich da usz für ein groszen meister, zuͦ berichten grosze fragen, dy sunst ander meister nit uszlegen oder bericht kunten geben. Ulensp. 28, s. 38 Lappenberg; es hat aber der könig unter andern bedienten einen weisen meister nahmens Philometer gehabt. pers. rosenth. 7, 13 anm.; deszhalb haben unsere (der zwerge) weise meister schon vor vielen jahren den ausweg erdacht .. Göthe 23, 92;
worauf manche tiefe meister
wissenschaft und kunst ersannen.
Tieck Octavian s. 148;
daʒ habent vil haidenischer maister und christenischer lêrer bewært. Megenberg 106, 10; Arsace hat jetzund jre persische meister und räht bei jhr. buch d. liebe 211ᶜ.
d)
meister, vom verfasser eines werkes, buchschreiber, dichter:
sine sprâchen in der rihte niht
als Thômas von Britanje giht,
der âventiure meister was.
Trist. 5, 31;
desselben buchs meister ist ein Sachs gewest. E. Alberus fab. ix; und will der meister dieses buches so viel sagen. pers. rosenth. 2, 13, anm. b; der meister so die fabuln zusammen geklaubet. Schuppius 829;
entschuldigt doch disz blat, ihr meister guter lieder!
Günther 570;
die wunderbare sache mit dem löwen
und eurem andern sohn steht aufgeschrieben ..
in einem buch von einem meister Adam.
Tieck Octavian s. 449.
e)
meister, in weiterem sinne, der in lehre wie in ausübung vorbild ist, durch sein wort wie sein beispiel, mit oder ohne persönliches dabeisein, unterweist:
sold ich gar in allen wîs
von ir zimierde sagen,
so müese ich mînen meister klagen,
von Veldek: der kundeʒ baʒ.
Wolfr. Willeh. 76, 24;
des sunâbendes wîet man ouch die phaffen zu gotes dînste, die der cristenheit meister sint. Sachsensp. 2, 66, 2; meister und leerer artlich und künstlich ze reden, dicendi artifices et doctores. Maaler 287ᵇ; gern auch noch in unserer sprache: unser meister ist derjenige, unter dessen anleitung wir uns in einer kunst fortwährend üben, und welcher uns, wie wir nach und nach zur fertigkeit gelangen, stufenweise die grundsätze mittheilt, nach welchen handelnd wir das ersehnte ziel am sichersten erreichen. in solchem sinne war ich meister von niemand. Göthe 45, 429; unsere meister nennen wir billig die, von denen wir immer lernen. nicht ein jeder von dem wir lernen verdient diesen titel. 49, 49;
Hektor der braune rettete den knaben,
floh nach Britannien mit ihm, und ward
der führer seiner jugend, und sein meister in
der ritterschaft.
Wieland 18, 31;
er .. sank zu seines meisters füszen.
23, 175 (Oberon 10, 19);
der gegensatz ist lehrling (oben sp. 576), schüler, jünger: aber der herr wird den, so solchs thut, ausrotten, aus der hütten Jacob, beide meister und schüler. Maleachi 2, 12;
ein unterthan märkt auf, wasz ihm sein landsfürst saget,
ein jünger denkt ihm nach, wasz ihn der maister fraget.
Rompler 207;
sprichwörtlich auf des meisters worte schwören, nach dem lat. jurare in verba magistri (Horat. epist. 1, 1, 14);
ich soll nicht auf den meister schwören,
und immerfort den meister hören!
nein, ich weisz, er kann nicht lügen,
will mich gern mit ihm betriegen.
Göthe 2, 251;
in der anrede: sie aber, hoher meister, legten zart und weise die süsze fabel als schlichte, treue wahrheit aus. Immermann Münchh. 1, 93;
herr und meister! hör mich rufen!
Göthe 1, 240 (zauberlehrling).
4)
meister, der in einer kunst oder einem fache ausgelernt ist, sie versteht und fachmäszig ausübt. auch diese bedeutung ist schon im ahd. entfaltet: maistar, opifex, artifex Graff 2, 886; architectus meistar derô hôhspâheô Steinmeyer-Sievers 2, 331, 14 (vgl. dazu architectus der haohspâhô id est magister 1, 25, 39); sie steht
a)
allgemein, ohne nähere bestimmung durch genitiv oder präposition:
swer wol ein hûs gemeistert hât,
dâ prîset man des meisters rât.
Barl. 154, 40;
meister, künstler, fabricator, opifex, artifex, operarius Maaler 287ᵇ; der meister geuszt wol ein bilde, und der goldschmid ubergüldets, und machet silbern keten dran. des gleichen, wer ein arme hebe vermag, der welet ein holz das nicht faulet, und suchet einen klugen meister dazu, der ein bilde fertige. Jes. 40, 19. 20; was wird denn helfen das bilde, das sein meister gebildet hat, und das falsche gegossen bilde, darauf sich verleszt sein meister, das er stummen götzen machte? Habac. 3, 18; gold aus Uphas, durch den meister und goldschmid zugericht. Jer. 10, 9; wer ist unter allen ein künstlicher meister, denn sie (die weisheit)? weish. Sal. 8, 6; der meister hats (das schiff) mit kunst zubereit. 14, 2; zwo spangen, die des meisters hand gemacht hat. hohel. 7, 1;
der haf gemacht ausz laim und kat
seins maisters kunst nit wissens hat.
Schwarzenberg 128ᵃ;
in der späteren sprache, wo der begriff der kunst im heutigen sinne sich noch entschiedener mit dem worte verbindet: von welchem meister ist dies bild gemalt?; tonstücke von älteren meistern; Florindo, der bei einem guten meister von jugend auf war informirt worden, und im lautenspiel wenig seines gleichen hatte, bekandte zwar, dasz er vor etlichen jahren zwei oder drei stückchen gelernet; doch schämte er sich an einem solchen orte sich damit hervor zu thun, da er meister (vergl. unten 5) vor sich hätte. Chr. Weise erzn. 202 Braune; diese palläste zürnen über ihren meister, der sie so fest in die erde zwang, dasz sie meinem Fiesko nicht zuspringen können. Schiller Fiesko 5, 5;
wer ist der meister, der allhier
nach würden aus kann streichen (malen)
die händlein, so dies kindlein mir
beginnet zuzureichen?
P. Gerhard 159, 50;
o wie vergnügen mich, wo die kein schwätzer störet,
die werke, deren ruhm die meister überlebt.
Hagedorn 1, 28;
vielleicht ist der nahme des meisters am fuszgestell (der bildsäule)
eingegraben.
Wieland 4, 217 (n. Amadis 9, 29);
nicht der kundigen hand, noch dem hauch des meisters gelehrig,
schlummre (du aeolische harfe), wenn flöten umher tönen und schallt das klavier.
Stolberg 2, 211;
es (das haus) hat ein dach, krystallenrein,
von einem einzgen edelstein, —
doch noch kein auge schaute
den meister, der es baute.
Schiller parabeln u. rätsel 4, 12;
das kirchlein kennst du, herr, das hoch
auf eines felsenberges joch,
der weit die insel überschauet,
des meisters kühner geist erbauet.
kampf mit d. drachen v. 172;
obschon auch in fällen die handwerkerische bedeutung (unten 6) einspielt; so in zusammensetzungen titelhafter art, wie baumeister, fechtmeister, braumeister, wenn darunter der fachmäszig gebildete bierbrauer verstanden wird, aber auch ohne solche:
und diesz sei fortan ihr (der glocke) beruf,
wozu der meister sie erschuf.
glocke 397;
meister titelhaft zu eigennamen gestellt: die büste vom meister Rauch; meister Mozarts unsterbliche schöpfungen;
so drück ich meinen vollen frohen kranz
dem meister Ludwig auf die hohe stirne.
Göthe 9, 102.
b)
meister in einer kunst, einem fache: den Thubalkain den meister in allerlei erz und eisenwerk. 1 Mos. 4, 22; der war ein meister im erz, vol weisheit, verstand und kunst zu erbeiten allerlei erzwerk. 1 kön. 7, 14; damit ich spüren möge, dasz du ein erfahrner meister in deiner kunst seiest. volksbuch von dr. Faust 74 Braune; Dädalus, ein meister in der baukunst, bildhauerkunst und mechanik. Ramler 1, 173; mit an: den meistern an eisen und erz, zu bessern das haus des herrn. 2 chron. 24, 12.
c)
mit dem gen. der kunst oder des faches: die älteren meister der tonkunst; aufrisse von heutigen meistern der baukunst; meister der bildhauerei, der malerei, der steinschneidekunst;
einen mann, der ihr
der baukunst meister schien.
Blumauer 1, 234;
der meister eines baues gräbt den grund
nur desto tiefer, als er hoch und höher
die mauern führen will.
Göthe 11, 351;
mit anklang an die bedeutung 5:
Arion war der töne meister,
die cither lebt in seiner hand.
A. W. Schlegel werke 1, 294;
die weisheit, so aller kunst meister ist, leret michs. weish. Sal. 7, 21.
d)
mit zu und infinitiv: Ahaliab, .. ein meister zu schneiten, zu wirken, und zu sticken mit geler seiden, scharlacken, rosinrot, und weiszer seiden. 2 Mos. 38, 23; ich bins, der gerechtigkeit leret, und ein meister bin zu helfen. Jes. 63, 1.
e)
meister, im gegensatz zu hümpler, stümper, pfuscher: desgleichen gehets in allen andern künsten, ja in allen handwerken, das die rechten meister müssen solche hümpler und sudler leiden. Luther 6, 220ᵃ; ein guter meister macht ein ding recht, aber wer einen hümpler dinget, dem wirds verderbet. spr. Sal. 26, 10; das lehrt dich den pfuscher vom meister unterscheiden. Göthe 15, 12; es gab damahls zu Abdera eine art von leuten, die sich von der kunst nährten, schlimme händel so zurechte zu machen, dasz sie wie gut aussahen .. weil diese lebensart sehr einträglich war, so legte sich nach und nach eine so grosze menge von müszigen leuten darauf, dasz die pfuscher zuletzt die meister verdrängten. Wieland 19, 205;
meister entwarfen dereinst zum schönsten gebäude der welt mich,
stümpern erlag nachmals, plumpen geschmacks der koloss.
Platen 140 ('Sankt Peter');
zu dilettant, laie: wenn die meister in der kunst dem falschen geschmack folgen, glaubt der dilettant desto geschwinder auf dem niveau der kunst zu sein. Göthe 44, 271;
aus wie vielen elementen
soll ein ächtes lied sich nähren,
dasz es laien gern empfinden,
meister es mit freuden hören?
5, 12.
f)
sprichwörtliches: das werk lobet den meister, und einen weisen fürsten seine hendel. Sir. 9, 24;
und das end ist des maisters prob.
Weckherlin 389;
von der stirne heisz
rinnen musz der schweisz
soll das werk den meister loben.
Schiller glocke;
das werk (Schillers braut von Messina), das herrlich seinen meister lobt.
Göthe 4, 57;
wie auch sonst werk und meister formelhaft verbunden ist: und wird das werk sampt dem meister gequelet werden. weish. Sal. 14, 10; gleich als wenn ... ein werk spreche von seinem meister, er hat mich nicht gemacht. Jes. 29, 16; spricht auch ein werk zu seinem meister, warumb machstu mich also? Röm. 9, 20 (goth. gadigis du þamma digandin); wie der meister, so das werk. das werk schlägt dem meister nach. Simrock sprichw. 373; in bezug auf das zu schaffende heiszt es: in der beschränkung zeigt sich der meister;
wer groszes will musz sich zusammen raffen.
in der beschränkung zeigt sich erst der meister.
Göthe 11, 316;
es ist keiner ein meister allein. es ist kein meister vom himmel gefallen. es ist kein meister geboren, er musz gemacht werden. kein meister so gut, der nicht noch zu lernen hätte. drei dinge machen einen guten meister: wissen, können und wollen. Simrock sprichw. 373; meister von dem, der etwas wie ein solcher ansieht und beurtheilt: wer am wege baut, hat viel meister; ich bin in der sache nicht meister, res non est mei arbitrii. Steinbach 2, 46;
ich zimbere so man saget bie wege;
des mûʒ ich manegen meister han.
Sachsenspiegel, prol. 2.
5)
von der bedeutung 4 her wird meister nun auch einer genannt, der in irgend etwas als kunst oder fach angesehenem hervorragt; mhd. und noch später der erste seines gleichen:
ei edler vogel Jesu Christ,
dû aller vogel meister bist,
fliug mînem herzen alsô nâhen,
daʒ ich dich drinne muge vâhen.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2505;
er ist unter den handwerkern der meister, opificum supremus est. Steinbach 2, 40;
du künstegott (Apollo), du arzt, du traumauszleger,
du sengerfürst, du krauszpenhaar,
du immer-jung, du meister aller jäger,
von dir kömpt alles ganz und gar.
Opitz 1, 72;
aber auch nur von einem, der sich auszeichnet: in zyten syner jugend was er (ein) anderer Sitellus, ein meister fechtens und schirmens. Wyle Lucrezia; ein freund, der ihn begleitet hatte und von allen schönen künsten in einem hohen grade der vollkommenheit meister war. Wieland 6, 110; eine einsicht in den verborgenern winkel des menschlichen herzens und seiner leidenschaften, .. von welcher Ovid ein gar vortrefflicher meister war. Göthe 25, 221; ein meister auf dem clavier, auf der orgel;
du bist ein meister auf der armbrust, Tell,
man sagt, du nähmst es auf mit jedem schützen!
Schiller Tell 3, 3;
ein lautenist
bricht viel saiten, eh er meister ist.
Simrock sprichw. 373;
ein rächter meister die richter mit gaaben ze bestächen, artifex ad corrumpendum judicium. Maaler 287ᵇ; ich bin der meister einer, ders kan, was die leute verdreuszt. Luther 6, 315ᵃ;
auf meinem stillen rasen
mir launen einzublasen,
dén meister möcht ich sehn!
zwar giebt es grosze blasemeister.
Voss 5, 95;
meister in einer kunst, in einer fertigkeit: er ist ein meister im spielen, est in eo ludendi facultas, perfectissimus aleatorum est. Stieler 2376; dir ists ja so leicht, so leicht, bist ja meister im morden, zeuch dein schwert, und ich bin glücklich (Amalia zu Karl Moor). Schiller räuber 5, 2; (der könig) der nicht nur ein unnachahmlicher meister in verstand und redekunst war, sondern der auch in verschiedenen praktischen künsten sich über die gewöhnliche weise der könige, ja sogar über den fleisz der besten künstler erhob. Göthe 54, 13; in jeder art ritterlicher kunst bist du ein meister. Freytag dram. werke 1, 84;
der ist doch darinn (im schwülstigen stile) schon ein gröszrer meister,
das macht die übung, die stärkt das talent.
Tieck Octavian 383;
hier auch von frauen (wie unten 11, b; doch vergl. meisterin):
ein mädchen, meister im talent
die herzen anzuketten.
Gotter 1, 89;
das kann er fur einen meister (meisterhaft). Luther tischr. 1, 32 Förstemann; das hat ein meister gemacht, das ist ein meisterstück, hoc factum est fabre. Maaler 287ᵇ; ein meister sezte die arien die darinn (in den räubern) vorkommen, in musik, und ich bin überzeugt, dasz man den text bei der musik vergessen wird. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 205; die rechnung hatte ein meister gemacht. kab. u. liebe 5, 8; in jeder, auch der gemeinsten kunst, wird erfordert, dasz man erst proben des vollendeten lernens abgelegt habe, ehe man die kunst als meister ausüben kann. Schelling vorles. über die methode des akad. studiums 50; übung macht den meister. Simrock sprichw. 577;
früh übt sich, was ein meister werden will.
Schiller Tell 3, 1;
der ist mir der meister,
der seiner kunst gewisz ist überall.
3, 3.
6)
mit dem aufkommen des zünftigen handwerkerthums wird nun aber auch meister auf den in seinem handwerke selbständigen, der andere lehren kann, übertragen, er steht gegenüber seinem gehilfen, dem knechte (vergl. th. 5, 1387 fg.): man hat auch gesetzet, daʒ ein ieclich smidekneht, swie er genant ist, der maister hie werden wil, der sol vor burckreht gewinnen. Nürnb. pol.-ordn. 159 (13.—14. jahrh.); eʒ sol auch der mülner und sein kneht von armen leuten niht schenkunge von dem corne nemen bei sehtzic hallern; tuͦt eʒ aber der kneht, so muͦʒ der maister für in peʒʒern. 167; da die frau nicht wolte, bat der meister seinen schmiedknecht. Chr. Weise erzn. 180 Braune;
jeder knecht meister werden will,
des sint ietz aller hantwerk vil.
Brant narrensch. 48, 7;
aber die bauhandwerker (von denen überhaupt der name meister in dieser bedeutung ausgegangen zu sein scheint, da er bereits frühe den bauverständigen, damals des geistlichen standes, gegeben wird, s. oben 4), nennen ihre gehilfen vornehmer helfer: daʒ man .. den stainmaiʒeln, den cimbermannen und den deckern, die der werke maister sint, ir ieclichem niht mer geben sol deʒ tages ze lone denne xxij haller, und ir helfern, gegenmaurern und mitcimbermannen sol man niht mer geben denne xvj haller deʒ tages ir ieclichem. Nürnb. pol.-ordn. 285 (13.—14. jahrh.); eʒ sol auch kain maister stainmaiʒel unde cimberman von sinem undertan, der sein helfer ist, niht nemen. 286; und später geselle: der stat werkmeister, der zimmermann .. auch sol der meister kein frembden gesellen nit furdern an der stat arbeit on wissen und willen eines paumeisters. Tucher baumeisterb. 37, 17; so auch bei den straszenmachern: der pflastermeister und sein gesellen. 48, 11 (aber knechte der schlosser 97, 14, der wagner 103, 10, der hafner 104, 28, der glaser 106, 9, der schreiner 109, 2, der seiler 110, 21), und diese vornehmere bezeichnung geht allmählich auch auf die andern handwerke über: wo aber jemand von denselben frembden ankommenden handwerksgesellen ... dienst oder einen meister begehren. reform. guter policey, Augsb. 1530, Tit. xxxix, § 1; (es soll) auch ein jeglicher obermeister eines jeden handwerks schuldig sein, erkundigung einzuziehen, ob die meister seines handwerks mit schickung der gesellen dieser ordnung nachgegangen. der stadt Leipzig ordn. 1701 s. 508, 36 (wie weit dem gegenüber knecht sich noch theilweise hielt, s. th. 5, 1388); und wenn nun auch noch der lehrknabe, lehrjunge, lehrling hinzutritt: wo aber einer bruchig wurde, es wer ein lerjung oder der gelubden gesellen einer, vor der zeit hinloff (bei den maurern), so soll im der meister nachfragen. Tucher baumeisterb. 36, 27; wer auch (von den webern) lehrknaben setzet, der selbig lehrknab sol ieclicher ein halb pfundt wachs einer aptissin geben und sol das der meister uszrichten, der in zu lehr setzt. weisth. 4, 82 (Elsasz, von 1579); so erscheinen die drei namen oder auch zwei von den drei öfters formelhaft verbunden: gott ehr ein ehrbar handwerk, meister und gesellen! weim. jahrb. 4, 66; die stufen von lehrling, gesell und meister müssen aufs strengste beobachtet werden. Göthe 23, 160; hat man da (im orient) ordentliche fleischbänke und eine metzgergilde? .. und die gesellen und meister, alle sind ordentliche Türken? Tieck Octavian s. 170;
meister rührt sich und geselle
in der freiheit heilgem schutz.
Schiller glocke v. 314;
meister und bursche:
winkt der sterne licht,
ledig aller pflicht,
hört der pursch die vesper schlagen;
meister musz sich immer plagen.
v. 273;
es heiszt meister einer zunft, einer gilde; sämmtliche meister der seilerinnung; der meister der diesen tisch gemacht hat, der meister dieses tisches; solche handwerker sind es, woraus der lordmaire erwählt wird, und parlamentsmitglieder genommen werden. ein solcher war Tailor, der als generalzahlmeister im letzten kriege sich als meister zu dem silberservice bekannte, woraus er die generalität bewirthete. Möser patr. phant. 1, 30; meister werden, sich als meister setzen, niederlassen: er hatte sich dort als meister gesetzt und die wittwe seines vorgängers geheiratet;
du willst gern meister werden, in ein brod
dich setzen.
Tieck Octavian s. 195;
für die arbeit im handwerke wird ein meister gesucht, gefunden:
weil ich meim hantwerk nach det wandern
crewzweis von eim lant zw dem andern,
wart ich oft helich, müed und schwach, ..
fant oft lang einen maister hart.
H. Sachs fastn. sp. 2, 10, 333;
sprichwörtlich: meisters sohn bringet das recht mit sich. Pistorius thes. par. 8, 56; wer das handwerk verstehet, der verräthet den meister nicht. 9, 4; auch hier ist nun meister als titel für nennung und anrede gewöhnlich geworden: meister Ulrich Huffnagel, der stat sćhlosser. Tucher baumeisterb. 100, 29; einer (ein wagner), genant meister Jorg. 101, 31; mit gunst, günstige liebe meister und gesellen! weim. jahrb. 4, 25; ich suchte nach meinem schuster und fand ihn bald in der vorstadt. auf seinem schemel sitzend empfing er mich freundlich und sagte lächelnd, nachdem er den brief gelesen: ich sehe hieraus, junger herr, dasz ihr ein wunderlicher christ seid. wie das, meister? versetzte ich. Göthe 25, 166;
was begegnet im? ein fleischer:
'got ere dich, lieber meister!'
Uhland volksl. 700;
gott gsegne euch, fraw und maister!
ich würk euch nimmermer (sagt der weberknecht).
703;
der meister Clemens soll
ihr schwäher werden.
Tieck Octavian 196;
die verschiedenen berufsarten eines meisters sind, wenn sie in beziehung zum titel stehen, ausgedrückt durch beisetzung: da der gold- und silberfabrikant, der hut- und strumpffabriker an vielen orten in pallästen wohnet, ... warum sollte ein meister hutmacher, und ein meister strumpfwirker, wenn er es so hoch als jene bringt, nicht eben das ansehen erlangen können? Möser phant. 1, 32; dem major will ich weisen, wo meister zimmermann das loch gemacht hat. Schiller kab. u. liebe 1, 1; und wenn sie unsere schauspieler betrachten, was können ihnen diese versprechen? leute ohne erziehung, ohne welt, ohne talente; ein meister schneider, ein ding, das noch vor ein paar monaten wäschermädchen war, u. s. w. Lessing 6, 214; sonst durch zusammensetzung: vergl. bäcker-, beutler-, drechsler-, gürtler-, fleischer-, schlosser-meister und viele andere; vergl. auch handwerksmeister, lehrmeister, altmeister, jungmeister.
7)
meister, innerhalb verbänden, die den handwerkerischen nachgeahmt sind; so bei den meistersängern, vgl. Gödeke grundrisz 1, 225; und seit dem vorigen jahrhundert bei den freimaurern; auch in bildern, die vom handwerksleben entlehnt werden: ich war klug genug, bald zu sehen, .. dasz, um eine besondere materie abzuhandeln, auch ein besonderer und lang anhaltender fleisz erforderlich sei, ja dasz man nicht einmal ein solches besondere mit glück vollführen werde, wenn man nicht im ganzen wo nicht meister, doch wenigstens altgeselle sei. Göthe 26, 40.
8)
aber auch auf angehörige nichtzünftiger gewerbe übergegangen; so meister von einem selbständigen fuhrmann: darauf der fuhrmann seinen knecht hingeschickt .. worauf meister und knecht mit einer axt zugelaufen. Simpl. 3, 412 Kurz; einem wirt: im durchziehen durch den hof blieb der knecht des wirths mit einem wagen und vier pferden an der kolonne (der Schweden) hängen. denn er muszte tornister führen, und offizierskisten und weibsleute. der meister sagte: komm bald wieder heim, Jobbi! Hebel 2, 211, wo übrigens auch die bedeutung nr. 10, g unten nahe liegt; über den meister bei barbierern vgl. oben unter 3, c; auch bei weniger geachteten gewerben, wie bei schäfern:
die schäfer und die sint diebe,
sie haben weder siegel noch briefe.
die schäfer haben ir eigen recht:
man henket den meister ober den knecht.
Uhland volksl. 701;
ihr habt ein schön geläute, meister hirt.
Schiller Tell 1, 1;
meister des schwertes hieszen die freifechter:
von freifechtrn odr meistrn des schwert.
Waszmannsdorf sechs fechtschulen s. 13ᵃ (v. 1573);
die bei ertheilung der meisterschaft ritterliche gebräuche nachahmten:
welcher wil meister sein des schwerdts
inn diesem ritterlichen scherz,
derselb inn die herbstmess allein
ziech hin gen Frankfort an den Main,
alda wirdt er examiniert ...
als denn man jn zum meister schlecht,
sanct Marxen bruderschaft entpfecht.
50ᵇ (v. 1589);
und selbst bei dem unehrlichen des scharfrichters: schwäb. meister, nachrichter, abdecker. Schmid 381; ebenso westerwäldisch. Kehrein 277; vgl. auch meistermann; dieses alles sind gewisse vorboten, dasz sie (die kranken pferde) dem meister bald müssen zu theil werden. Uffenbach neues rossbuch 2, 8; ich .. liesz den meister im langen schwerdt holen, der muste den schaden (an einem brandigen arme) eröffnen. Agricola neue feldscheerkunst (1701) 23; man zog sogar den doctor Treufaug, des alten meisters von Arnheim ehrlich gemachten groszsohn, ins spiel. Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 2, 47;
dorten standen henkersknechte,
dorten stand der rothe meister,
der, gestützt auf seinem richtbeil,
mit schwermüthger miene sprach ..
H. Heine 18, 112;
er heiszt auch meister Hans, vgl. th. 4², 458: meister Hans und stadtknecht. Luther 6, 237ᵃ; meister Hämmerlein, th. 4², 317, welcher name auch für den teufel dient, vergl. nachher unter 9 den teufelnamen meister Urian.
9)
meister, als titel vor ersonnenen eigennamen; so, wenn damit ein besonderer grad des wissens bezeichnet werden soll (vergl. oben 2, b und c), in meister Klügel, meister Klügling, einem lieblingsausdrucke Luthers (theil 5, 1281. 1287): derselbe meister Klügel, der sich so klug weis. 5, 428ᵇ; denn die welt wil meister Klügling bleiben, und mus jmmer das rosz unter dem schwanz zeumen, alles meistern und selbs nicht können. ebenda; auch als zusammensetzung: wo sind nu die rottengeister und meisterklüglinge? 431ᵇ; die meisterklügling und schriftgelehrten. Opel u. Cohn 394; meister Latdünks, vergl. oben sp. 270 unter laszdünkel; spöttisch meister Michel (vergl. das letztere): es hat mir gestern ... ein reicher bürger zu Augsburg gesagt, das mehr denn die halbe stad, ja wol drei teil von reich und arm, man und weib, meide und knechte, an meister Michel, das ist an der Zwinglischen lere hangen. Spalatin bei Luther 5, 37ᵃ; meister Matz, ardelio, polypragmon, gloriosus, ostentator vanus. Stieler 2376; meister Urian, der teufel:
schon wetzte meister Urian
auf diesen braten seinen zahn.
Bürger 24ᵇ;
meister vor thiernamen (sonst werden thiere neckisch auch herr genannt, vgl. theil 4², 1134):
einst reiste meister fuchs zu einem seiner schwäger,
im schwülen sommer, über feld.
Hagedorn 2, 20;
(kastraten als opernsänger, die) von ihrem bret herunter krähen,
wie meister hahns gekappte brut.
Seume spazierg. 1, 31;
he, meister aff! das kind lasz liegen.
Tieck Octavian s. 129.
10)
von der höfischen verwendung des lat. magister aus (s. im eingange, sp. 1952) verbreitet sich nun ebenfalls die umdeutschung, und zwar als bezeichnung der würde eines vorgesetzten und leitenden einer genossenschaft, in der manigfaltigsten weise; schon ahd.: inspector meister, meistir Steinmeyer-Sievers 1, 595, 4; presides meistiri 2, 394, 8; preesse meister uuesan 279, 52; sprah zi thên hêrôston therô bisgofô inti ze thên meistaron (locutus est ad principes sacerdotum et magistratibus). Tat. 154, 1.
a)
meister, hof- und militärische würde, vergl. hofmeister, oberhofmeister, ceremonienmeister, jägermeister, quartier-, generalquartiermeister, rittmeister, zeugmeister, waffenmeister; mittellat. magister rotae, militum catervae, quae rota dicebatur, praefectus Du Cange von Henschel 4, 180ᶜ; rottmeister; meister der ceremonien, designator Maaler 287ᵇ; mhd.
nû daʒ der hirʒ gevellet was,
der dâ jegere meister was,
der strahte in nider ûf daʒ gras,
ûf alle viere, alsam ein swîn.
wie nû meister, waʒ sol daʒ sîn?
sprach aber der höfsche Tristan.
Trist. 71, 79;
Hildebrand heiszt meister als waffenmeister des königs Dietrich:
der sturmküene recke, meister Hilprant.
Nib. 2185, 1;
ich will zu land auszreiten,
sprach sich meister Hildebrant.
Uhland volksl. 330.
b)
meister, der leiter eines ritterordens:
der (bruder Heinrich von Heimburg) wart zû meistere gekorn
in daʒ vor benûmete lant.
dar wart er vrôlîchen hin gesant,
daʒ er von des ordenes wegen
Nieflandes solde pflegen.
dô man zu Nieflande vernam,
daʒ des landes meister quam,
man entphienc in sô wol,
als man zû rehte den meister sol.
livl. chron. 2304;
sînen capellân er bat
schrîben brîve zû hant
den kummentûren in die lant,
die man ouch meistere heiʒet.
4323;
der meistir ouch von dem spittâl
des ordins sente Johannis;
darzû der meistir vil gewis
des ordins von dem tempil
und ir beidir brûdre vil.
Jeroschin 438;
vergl. deutschmeister, herrenmeister, hochmeister, ordensmeister:
und vor den edlen meister tritt
der jüngling mit bescheidnem schritt.
Schiller kampf mit dem drachen v. 25, vgl. 50. 264. 294.
c)
meister, leiter der bürgerschaft, vgl. bürgermeister, burgemeister; mittellat. magister civium Du Cange von Henschel 4, 176ᵇ (von 1232 und 1320); es sind deren oft zwei: und deszgleichen sollen auch unser und des rychs städte, sie syn fry oder nit, meister und rete, als sie die setzen je zu den zyten schweren, die vorgenandten punkten oder gesetze stete zu halten. könig Wenzels landfriede bei Liliencron volksl. 1, 202; die meister solent geloben und schweren, der herrschaft disses dorfs truw und hold zu sein. weisth. 6, 407 (Elsasz); statmaister, maister der stadt, oder maister schlechthin, bürgermeister. Schm. 1, 1683 Fromm. (aus Gemeiners regensburgischer chronik); auch vorsteher eines (städtischen) gerichtes: auf was tage meister und vier, das ist, gericht gehalten werden sol. Erfurter stadtordn. C 1ᵃ; der herren eltisten, meister und vieren. B 3ᵃ; damit meister und vier erkennen mögen. C 1ᵇ.
d)
vorsteher einer zunft oder gilde, vgl. obermeister, zunftmeister: es ist ze wissende, das die zunftmeistere nüwe und alt gemeinlich und einhelleclich des über ein komen sint. rechtsquellen von Basel 1, 25; rahtsherren und meister erstbesagter ehrenzunft zu gartnern. 544 (von 1642); des obersten meisters oder zunftmeisters gewalt, tribunitia potestas. Maaler 287ᵇ; nd. do makeden disse meister, Hans van Honstein, der wantsnider mester, Til Wesken der korsnwerchten mester und Weske und Bete Koning der cremer mester, ... einen bref. d. städtechron. 7, 172, 3; auch für etwas verordnetes mitglied einer zunft: eʒ haben auch geboten unser herren di burger vom rat, daʒ niemant cheinen schuh machen sol, eʒ sei danne daʒ leder vor gesmirt .. do sein meister uber gesatzet, di daʒ besehen und rugen sullen. Nürnb. pol.-ordn. 157; man hat gesetzet und genomen aus den meʒʒerern maister, die suln daʒ bewaren auf ir aide, daʒ fürbas nieman dehaine clingen slahe, er stehele danne als si durch reht stahel haben sol. 158; vergl. auch schaumeister.
e)
meister überhaupt einer, dem eine leitung oder eine aufsicht über irgend welche gesellschaft oder irgend ein geschäft anvertraut ist; in der manigfachsten anwendung, die art des anvertrauten wird durch zusammensetzung gegeben: die verwaltung einer gemeinde hat rats-, stadtmeister, bauern-, dorfsmeister, die obrigkeit bettel-, boten-, brunnen-, kerker-, münz-, rent-, stockmeister, gesellschaften einen büchsen-, seckelmeister, ein gröszeres hauswesen haus-, garderobe-, schirr-, stallmeister, gewerke von groszem betriebe brau-, brenn-, erz-, hammer-, mühlmeister u. v. a., vergl. auch nachtmeister, th. 7, 201; meister über die andern hirten, magister pecoris, meister über die gefangnen, insularius Maaler 287ᵇ; diese wort der weisen sind spiesze und negel, geschrieben durch die meister der versamlunge, und von einem hirten gegeben. pred. Sal. 12, 11; meister im schiffswesen, lenker, steuermann: alle die an den rudern ziehen, sampt den schiffsknechten und meistern, werden aus den schiffen ans land tretten. Hes. 27, 29; meister, lenker, von etwas persönlich gedachtem:
es wird des himmels lauf, der meister aller zeit,
wie nebel, wind und dampf sein thun und arbeit schlieszen.
Opitz 2, 224.
f)
meister vom stuhle, der leiter einer freimaurerloge:
er (Amor) selbst will euch jahr aus jahr ein
der meister von dem stuhle sein,
und euch recht sanft regieren.
Blumauer 1, 269;
du (zufall), den auszuklügeln
selbst meistern nicht vom stuhl gelingt.
Thümmel 3, 33;
dafür auch nur meister:
(den mann,) den wir zum meister wählten.
Blumauer 1, 273.
g)
meister, der herr, dem dienstboten gegenüber:
sich, blinden kneht (spricht der alte Helmbrecht zum führer seines blinden sohnes), nu ziuhe
in von mir der sunnen haʒ.
er sluoc den kneht: nû habe dir daʒ.
dînem meister tæt ich sam,
wan daʒ ich mich des scham,
ob ich blinden slüege.
meier Helmbrecht 1803;
schweizerisch meister, diensthausherr, zum meister gehen, sich in dienst begeben, als knecht oder magd. Stalder 2, 206, in ländlichen verhältnissen; ebenso schwäbisch: die dienstleute verstummten, wenn der meister zu ihnen trat. Auerbach dorfgesch. 4, 166; und sonst:
er ruft: dem dien ich länger nicht,
der teufel musz sein meister sein.
Arndt ged. (1840) 308.
h)
meister, der ehemann (der der herr und vorgesetzte der ehefrau ist: daʒ der man des wîbes voget ist und ir meister. Schwabensp. 10, 2): da fieng die fraw an zu weinen und sprach, ir meister wer gehling gestorben. Pauli schimpf 61ᵃ.
i)
endlich meister im allgemeinen, der befehlshaber, herscher über irgend einen oder etwas: gib jnen herr einen meister, das die heiden erkennen, das sie menschen sind. ps. 9, 21; doct. Fausti fürst und rechter meister kame zu d. Fausto. volksbuch von dr. Faust 46 Braune;
jeder sorgt nur für sich, mistrauet dem andern, ist eitel,
und die meister des staats sorgen nur wieder für sich.
Göthe 1, 349;
in der formel herr und meister (vgl. dazu auch oben 3, e a. e.): mürbe knochen, fahret in die grube mit freuden! mein herr und meister lebt, ihn haben meine augen gesehen! (Daniel zu Karl Moor). Schiller räuber 4, 3; wollen sie mein kleines haus sogleich mit theilen, so sind wir herr und meister (können nach unserm belieben schalten). Göthe 20, 183;
ir söltint hêr und meister sîn
alles des mich beriete got.
Boner edelst. 94, 18;
erkennst du mich? gerippe! scheusal du!
erkennst du deinen herrn und meister (Mephisto zur hexe).
Göthe 12, 127;
das franz. petit-maître bezeichnete in den wirren der fronde ein glied der junkerlichen partei Condés (vgl. Littré 2, 395ᵃ), nachher überhaupt einen jungen eiteln und strebenden höfling; der ausdruck ward im 18. jahrh. als kleiner meister und kleinmeister ins deutsche übertragen (th. 5, 1118).
11)
meister, in gewissen verbindungen nun von einem, der eine person oder sache ganz in der gewalt hat, beherscht.
a)
meister sein, die oberste gewalt oder übermacht haben: sein maul nit lassen meister sein, sich mit speisz und trank maszgen, gulae temperare Maaler 287ᵇ; wenn der ehrliche mann einmal aus dem nest gejagt ist, so ist der teufel meister. Schiller räuber 2, 3; in solchen augenblicken ist die natur meister. Wieland 8, 232; sprichwörtlich: er ist meister, wenn sie nicht daheim ist. Simrock sprichw. 373;
dieweil es dann der jargang ist, ..
das die weiber wölln maister sein!
H. Sachs fastn. sp. 1, 52, 469;
wehe dem fahrzeug, das jetzt unterwegs,
der sturm ist meister, wind und welle spielen
ball mit dem menschen.
Schiller Tell 4, 1;
mit ortsangabe: in einem orte meister sein, regnum alicubi possidere. Steinbach 2, 40;
Cupido, loser, eigensinniger knabe;
du batst mich um quartier auf einige stunden!
wie viele tag und nächte bist du geblieben,
und bist nun herrisch und meister im hause geworden.
Göthe 10, 231;
wir müssen auch des kisz gedenken, der ist meister im ofen, wenn man stein drausz macht, und nimmet die silber zu sich und gibet sie dem blei. Mathes. Sar. 110ᵇ.
b)
dieses meister sein auch mit bestimmung durch genitiv oder possessiv: eines meister sein; und wollen aller meister sein. Luther 3, 26ᵇ; der sy meister seind wie iiij hund eins hasens. Frank weltb. 184ᵇ; so wie der vernünftige natürlicher weise des thoren meister ist. Wieland 7, 13;
solt ein man mein maister sein,
so gepräch mir aller der sinnen mein.
fastn. sp. 490, 7;
was du beginnst, da soll allein
dein kopf dein licht und meister sein.
P. Gerhard 221, 70;
Apollos kinder,
die ware meister sind des todes und der zeit.
Opitz 1, 443;
Arkas. was ists, das den befehl des königs hindert?
Iphig. der zufall, dessen wir nicht meister sind.
Göthe 9, 64;
in bezug auf die herschaft über sich: ich were meinen selbs kaum so meister und gewaltig, vix ita compos mei essem. Maaler 287ᵇ; seinen selbs meister und über seine anfächtungen und böse begirden, imperiosus sibi, der sich selbs wol im zaum halt. ebenda; sein eigner meister nicht sein, impotentem esse animi. Steinbach 2, 40; du bist deiner worten meister, so lange sie nicht ausgeredet sind, und das wort ist dein meister, so bald du es gesprochen hast. pers. baumg. 7, 3; seiner krankhaften gefühle meister sein. Kant 1, 298; seiner selbst meister und über sich selbst herr zu sein, d. h. seine affecten zu zähmen und seine leidenschaften zu beherrschen. 5, 235;
ein gefühl, des ich nicht meister bin,
furcht möcht ichs nicht gern nennen, überschleicht
in seiner nähe schaudernd mir die sinne.
Schiller Wallensteins tod 3, 4;
von frauen (vergl. oben 5, aber auch meisterin):
Lukrezia zu treugesinnt,
ist ihrer wuth nicht meister.
Gotter 1, 35;
ich herrschen, ich ein reich mir unterwerfen,
und bin nicht meister meiner selbst, und bin
nicht mächtig meiner sinne mehr! (worte der Phädra).
Schiller Phädra 3, 1;
ich bin meiner selbst nicht meister (sagt Marcebilte);
folge dem, wie es verhänget.
Tieck Octavian 354;
meister von einem oder etwas: von etwas meister sein, aliquid in potestatem habere. Steinbach 2, 40; Agathon, der noch weit davon entfernt war, von seiner einbildungskraft meister zu sein. Wieland 2, 45; (es hängt) an einem neide der Londonschen kaufleute, die, so lange das linnen über Bremen kömmt, mehr meister von der quelle sind. Möser patr. phant. 1, 19;
ist er (ein rittmeister) nun meister von dem ritt,
führt er mit recht den namen;
doch nimmt der ritt den meister mit,
weh ihm und seinem samen!
Göthe 26, 78;
meister über einen oder etwas sein: über einen meister sein, in alicujus cervicibus stare. Steinbach 2, 40; welche da über ihre eigene lust meister sind, und dieselbe unter sich gebracht haben. pers. baumg. 6, 1; man soll das gute niemand aufdringen, sagte der priester mit einer empfindlichkeit, über die er nicht meister war. Wieland 20, 240;
wer sie nicht kennte,
die elemente, ..
wäre kein meister
über die geister.
Göthe 12, 68;
mit zu und inf.: sihe, das ist ein meister für die seelen zu sorgen (er hat die macht dazu). Luther 3, 265ᵇ; er würde meister sein wieder aufzubrechen. Mascou 1, 100.
c)
meister werden: sie sind im kriege ihre meister worden, multo bello superiores esse coeperunt. Steinbach 1, 40; wann die ganze academia Oxoniensis et Cantabrigiensis würden nach London kommen, und würden alle ihre scalas praedicamentales anwerfen und sturm laufen, so würden sie doch nicht meister in London werden. Schuppius s. 5;
zu dringen durch den neid des volkes von der erden,
das sonst mit seiner schaar mein meister möchte werden.
Opitz 1, 53;
man sagt, dasz Jupiter zu zeigen seine macht
auf einen feiertag den plitz herfür gebracht,
Neptun den dreizankstab; Minerva trug die eule,
die harpfe Cynthius, Alcides seine keule,
die braune Ceres korn, Pan pfeifen, Flora grasz,
und Amor sein geschosz; ein jeder wuste was,
mit dem er meister ward.
55;
sie werden aufs neue meister ihres schicksals. Diderot übers. von Lessing 1, 106; gern hätte er das buch, wie Johannes jenes vom engel getragene, .. verschlungen, wäre er dadurch des inhalts meister geworden. Immermann Münchh. 1, 74;
der schwarzen augen schlauer scherz,
der anstand lockender geberden
bezauberten ein jedes herz,
und muszten Gismunds meister werden.
Hagedorn 2, 90;
o! lasz
des aberglaubens nächtliche gespenster
nicht deines hellen geistes meister werden.
Schiller Wallensteins tod 1, 7;
meister werden von etwas, über etwas: so verzweifelten sie, durch die bisher versuchte gewalt von der stadt meister zu werden. Heilmann Thucyd. 271; indem ich mich, um von dem hebräischen meister zu werden, mit dem alten testament ausschlieszlich beschäftigte. Göthe 24, 202; dasz wir zu gleicher zeit über eine leidenschaft meister werden, die so vergänglich .. war. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 539; ein andermal wurde er (Alba) von dem grafen (Egmont) bei einem scheibenschieszen in Brüssel auf den wettkampf herausgefordert und überwunden. ganz Brüssel bezeugte laut seine freude und frohlockte, dasz der Flamänder über den Spanier meister geworden sei. 9, 17; es heiszt auch einem meister werden, ihn besiegen.
d)
sich meister machen oder sich zum meister machen eines dinges: dasz er auch auf die zuschauer rücksicht nehme, und genau wisse, durch welche wege man sich ihres herzens meister macht. Wieland 19, 84;
so macht euch wenigstens zuvor des ringes meister.
22, 113 (Oberon 3, 30);
der kann nicht klagen über harten spruch,
den man zum meister seines schicksals macht.
Schiller Tell 3, 3;
von etwas: wie er sich darauf meister von Italien gemachet. Mascou 2, 4; die sich meister von Dacien gemacht hatten. 39; worauf sie eine landung thaten, sich meister vom felde machten und die stadt mit einer mauer einsperreten. Heilmann Thucyd. 132; machte sich meister von Pyrrha. 349; wolte er sich nicht mit gewalt meister von dem platze machen. 375; und machen sich von diesem weiten reiche meister. Marigny gesch. der Araber, übers. v. Lessing 553; indessen die übrigen den berg bestiegen, und, mit groszem geschrei unter die Thracierinnen einstürmend, sich von ihnen meister machten. Wieland 1, 35; wie weit er noch davon entfernt war, sich von diesem enthusiastischen schwung der seele meister gemacht zu haben. 3, 118; so schien euch nichts leichter, als euch von ihrer ganzen insel meister zu machen. 19, 95; sich meister von dem bedeckten wege vor dem st. Nicolasthor machten. Bode Tristr. Shandy 2, 4; sie unbedingt zu unterjochen, sie ihrer alten rechte zu berauben, sich meister von ihren besitzthümern zu machen. Göthe 8, 260; es kam also blosz darauf an, zu verhindern, dasz nicht einzelne von den reichern bürgern diese vorräthe aufkauften und dann bei eintretendem mangel sich zu meistern des preises machten. Schiller 868ᵃ;
und da er sich, durch einen der dienstbaren geister
im hause, mit leichter mühe zum meister
von ihrem geheimnis gemacht.
Wieland 5, 31 (n. Amadis 12, 41);
sobald ihr herz, aufs äuszerste gebracht,
vom kopfe meister sich gemacht.
21, 365;
über etwas: sobald der tod seines vaters ihn zum meister über sich selbst und seine güter gemacht haben würde. 2, 82. vergl. dazu auch machen sp. 1391 oben.
e)
meister bleiben: die furcht, durch ein zu rasches wagestück mein spiel auf immer zu verderben, zog mich noch stark genug zurück, dasz ich meister von mir selber blieb. Wieland 33, 162;
last eur mann (plur.) eur maister nit beleiben (spricht eine frau zu anderen),
das sie euch nit über treiben.
fastn. sp. 490, 16;
wohl mag er seiner selbst nicht meister bleiben,
in diesem kampf der wuth und der verzweiflung.
Schiller Macbeth 5, 3;
in den sinn des übertreffens (oben 5) übergehend:
ich bin kein Opitz nicht, der bleibt noch unser meister.
Chr. Weise überfl. ged. (1701) 194.
f)
den meister spielen: der feind spielte den meister, hostis praeveniebat. Steinbach 2, 40; meister spielen, dominum esse, rem obtinere. Frisch 1, 657ᵇ; was für ein recht hat der wunderliche kauz, hier in Jemal ... den meister spielen zu wollen? Wieland 8, 281; er (Demetrius) erinnert sich aus frühester kindheit, dasz er im wohlstand gelebt, dasz er mit andern knaben gespielt und über sie den meister gespielt. Schiller hist.-krit. ausg. 15², 527;
sie spielt vollkommen nun den meister
in ihrem neuen leib.
Wieland 17, 315 (Idris 5, 111);
verdrieszlich fiel mir stets die steife klugheit,
und dasz er immer nur den meister spielt.
Göthe 9, 197.
g)
in ähnlichen verbindungen; einen zum meister kriegen: auf das wir den rottengeist mit seiner schwermerei nicht zum meister kriegen an gottes stat. Luther 3, 58ᵇ; seinen meister finden, den der einen überwältigt: er hat seinen meister funden, succumbit, gradu depulsus est, manum tollit, digitum exserit. Stieler 2376; er hat seinen meister gefunden, superiorem invenit. Steinbach 2, 40;
denn welcher kluge fänd im Vatican
nicht seinen meister?
Göthe 9, 126;
dazu schweizerisch einem den meister zeigen, ihm seine übermacht zu fühlen geben. Stalder 2, 206; einen für seinen meister erkennen, cedere alicui, se victum fateri. Frisch 1, 657ᵇ; einen meister lassen, eines gewalt nicht beeinträchtigen: dieser umstand hatte sie gänzlich meister von einer zeit gelassen, welche sie zum vortheil der liebe und des vergnügens so wohl anzuwenden wuszten. Wieland 1, 276; sich meister fühlen:
schwer athmend steht er still,
und denkt an sie, und fühlt sich neuer kräfte meister.
Wieland 23, 62 (Oberon 7, 99);
und in einer ganz abgeblaszten formel es wäre meister gewesen, hätte durchgeschlagen, geholfen, die von oben a ausgeht: maister wer es gewest, das man mit ainer rutten zugeblasen und ain windt hett gemacht. Zimm. chron. 2, 557, 18.
12)
meister, in bezug auf gott, einerseits wegen seiner obersten gewalt (vergl. 10), andererseits aber auch wegen der kunst seiner schöpfung (vergl. 5), wie denn gott auch als künstler hingestellt wird (vergl. th. 5, 2709, nr. 4): so spricht der herr der heilige in Israel, und jr meister. Jes. 45, 11; denn der aller schöne meister ist, hat solchs alles geschaffen. weish. Sal. 13, 3; ach! mein gott, ach du meister in der noth. Schuppius (1701) 206;
ob du nicht ursach habst den maister auch zu preisen,
der solchen bau geziehlt, und der in stehts erhältt,
ohn dessen willen nicht ein stäublein steigt, noch fällt.
Rompler 147;
mein meister rufe, wann er will, dies herz
ist freudensatt, und ich kann fröhlich scheiden.
Schiller jungfrau von Orl. 3, 3;
ich bebe nieder vor dem hohen meister,
der ihnen (blitz und sonnenstrahl) botschaft her zu mir befahl.
Arndt ged. (1840) 423;
drum rufen wir zum meister der welt.
Uhland ged. 62;
sowie von Christus:
der gots sun Jesus Christ,
der des himels meister ist.
Lamprecht v. Regensburg S. Franzisken leben 296.
13)
meister im bleche nennt man auf dem blechhammer eine windschiefe stelle im bleche, die niemals recht eben werden will; es musz ein geschickter blechschläger sein, der sie herausbringen oder den also genannten meister benehmen soll. Jacobsson 3, 48ᵃ.
14)
den meister geben bei den färbern, eine dunklere oder bessere farbe auf eine hellere oder mattere setzen. ebenda. vgl. meistern.
15)
meister, im Salzburgischen, eine gewisse menge verschifften oder zu verschiffenden salzes, und eine art schiffes: 27 schiffe .. aus welchen sodann zu Laufen ein ganzer maister, oder ein ganzes maistersalz besteht. Schm. 1, 1683 Fromm.; salz auf einem maister oder einem maisterschiff ausführen. ebenda.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1952, Z. 44.

meistern, verb.

meistern, verb.,
nach verschiedenen bedeutungen von meister; ahd. meistarôn, mhd. meistern.
1)
als meister der gelehrsamkeit oder der kunst schaffen, bilden (vergl. meister 3 und 4) mit acc. quoniam videbo cælos, opera digitorum tuorum. uuanda ih gesieho die himela, uuerg dînero fingerô, ih fernimo die scripturas, die du meistrotôst. Notker bei Hattemer 2, 39ᵇ (ps. 8);
von golde dar ûf gemeistert was
ein tracke, als er lebete
und obe dem helme swebete.
Wigal. 190, 5;
im nhd. selten geworden: wenn nun der schöpfer auch die würm so zart gemeistert, wenn er dieselbigen auf tausend art gemacht. Wiedemann nov. 30; doch in neuerer zeit hie und da wieder zum vorschein gekommen: tragen will ich, was er (der schneider) gemeistert hat. Benzel-Sternau bei Campe; vergl. das folgende.
2)
meistern, ohne object, hervorragend im schaffen sein, sich als meister zeigen (vergl. meister 5): wie der ewige weltgeist mit meisterndem finger die furchtbare harfe mit allen ihren klängen greift. Tieck Sternb. 2, 107;
wenn dein finger durch die saiten meistert.
Schiller Laura am clavier.
3)
überhaupt etwas bewerkstelligen, ausführen, mit dem beisinne des heimlichen und schlauen, mit accusativ: und sulden auch unser frunde den raid (rat) halber besiczen zu ewigen ziten, als daʒ nach lude der briefe auch globt und gesworn ist, dar widder doch nuwe die zehen und besunder Nicolaus, uwir schriber, einen uwern raid besaczt han widder inhalt solicher briefe, daʒ der selbe uwer schriber allermeinste gemeinstert hait. d. städtechron. 17, 374, 19 (Mainz, von 1428); es ist an mich gelanget, wie bei euch in ewer stadt solle geleret werden, vom heiligen sacrament auf Zwinglische weise, doch unter dem schein und mit solchen worten, als solt es gar gleich und ein ding sein, mit unser und unser gleichen lere, und hab oft hören sagen, das es so gemeistert wird, das niemand gewis sei, was und wie mans meine oder gleube. Luther 6, 105ᵃ; dieses hat dieser falsche minister, dieser schaum aller creaturen so listig meistern können. Chr. Weise neue proben 117; vergl. dazu meisterkunst und meisterlich in bezug auf zauberei.
4)
meistern, handwerksmeister sein (vergl. meister 6): statt handlanger zu sein, will er doch noch immer mitmeistern. Göthe 33, 63.
5)
einen meistern, ihm als lehrer, erzieher, leiter vorschrift geben: magistrare, meistern, leren Dief. 343ᵇ; mesteren, leren nov. gloss. 243ᵇ; magistro, meistern, lehren, unterweisen Kirsch cornuc.; so will ich sie mit zucht leren und meistern. Bocc. (1535) 44ᵇ; wenn die praxis ... die theorie zu meistern berechtigt wird. Kant 5, 368;
im fleisz kann dich die biene meistern,
in der geschicklichkeit ein wurm dein lehrer sein.
Schiller die künstler v. 30;
sich meistern lassen, vorschriften geben lassen wie von einem rügenden erzieher, vgl. hofmeistern th. 4², 1694: mit dem rechten zeigefinger winkte sie mir lieblich drohend. bedenken sie dasz es wein ist! sagte sie (meine schöne), nicht lauter als dasz ich es hören konnte .. sie werden sich doch nicht meistern lassen! zischelte mir die éine (meiner nachbarinnen) ins ohr. Göthe 23, 88; indem wir nun bei diesen neuen einrichtungen republicanische formen begünstigen, so sei es uns erlaubt hinzuzufügen, dasz es dagegen dem freien bürger, der sich nicht leicht von jemand will meistern lassen, gar wol anstehe, an sich selbst gesellige tugenden auszubilden. 43, 355;
mein fräulein! sollst du dich die glocke meistern lassen.
Hofmannswaldau bei Steinbach 2, 43.
6)
meistern, in fachmäsziger weise und sachlich durch untersuchung und urtheil an einem oder etwas aussetzen, besser haben wollen: schriften meistern, est censere libros et limando perpolire, aliquid nimirum demendo, addendo, mutando, interpolando. Stieler 2379; wem es sonderbar scheinen möchte, dasz wir auf diese weise den meister meistern (durch eine kritik von Johannes von Müllers selbstbiographie), der bedenke, dasz wir nur hierdurch die schwierigkeit einer selbstbiographie fühlbarer zu machen gedenken. Göthe 33, 136;
Montagne, günstling der natur, ...
auch der dich meistert, musz dich lieben.
Hagedorn 1, 123;
der natur ... war es selbst nicht möglich, das auge ganz achromatisch zu machen .. wie sollte es also der kunst gelingen, die natur in einem solchen grade zu meistern. 54, 282;
ich denke nur was mich ergetzt, ich bin
gern was ich bin, und die natur zu meistern
steigt meines gleichen nie zu sinn,
wir lassen dieses amt euch andern groszen geistern.
Wieland 5, 275 (verkl. Amor 1, v 128 der ersten ausg.).
7)
dieses meistern mit dem beisinn eines dünkelhaften und sich überhebenden besserwissens und vorschreibens: Peter Rülz zu Orlamunda, der hat was newes da funden, und gibt für, man müge es nicht gnug verdolmetschen, sondern were billich, das man liesze das tuto stehen, und spreche, tuto ist der leib mein .. der eselskopf, wil griechische sprache meistern, und kan noch nicht deudsch noch latinisch recht. Luther 3, 66ᵇ; ich wil schweigen, das der blinde freche geist, Christus wort meistert und verkeret. denn Christus spricht nicht, fleisch ist kein nütze, von seinem fleische sagt er aber also, mein fleisch ist ein rechte speise. 82ᵃ; das heiszt ja den balken in den augen haben, und den splitter in eins andern auge meistern. 379ᵃ; sie versuchten gott jmer wider, und meisterten (variante: reizeten) den heiligen in Israel. ps. 78, 41; hab unserm herrn gott oft etliche feine artikel fürgestellet und ubergeben, und jn wöllen lehren, aber der fromme gott hat mich fein lassen in hintern sehen, das mein meistern ist zu nichte worden. tischr. 27ᵃ; was hastu hier zu meistern, quid insectaris, quid increpas et castigas? Stieler 2379; meistern will iederman, aber bessern nicht, proniores sumus ad carpendum, quam ad emendandum. ebenda; ich will mich nicht immer meistern lassen, nolo semper corrigi. Steinbach 2, 43; er meistert alle in ihren verrichtungen, omnes in suis negotiis reprehendit. ebenda; wenn man so schulmeisterlich meistert, musz man es besser machen können. Klinger 12, 73; nun soll mich zwar der himmel wohl dafür bewahren, dasz ich unsern herrn kantor meistern sollte. Möser phant. 2, 301; er .. drückte ihre finger so gut er konnte mit seinem arme an seine brust. man müszte keine lebensart haben, um seine zu meistern. J. Paul Qu. Fixl. 129; er fuhr in Evens beisein fort, und meisterte sein zu hoch aufgeballtes bette. biogr. belust. 1, 146;
die was sie selber nicht verstehn,
doch meistern und verachten wollen.
Gellert 1, 70;
die meisten drückt der klügler vormundschaft,
bis an den tod, mit meisternden geschwätzen.
Hagedorn 2, 169;
der mein thun zu meistern denkt,
predigt tauben ohren.
schmähen hat mich nie gekränkt.
3, 88;
schamlos scheint dir zu sein, wer sich nicht nennt, wenn er meistert.
Klopstock 7, 325;
wann in kleinen geistern
der unfug tobt, die welt zu meistern.
Gotter 1, 462;
mich vorlaut zu meistern,
maszt niemand sich an.
3, ⅬⅩⅩⅤⅠ;
so sind wir eines mürrschen mannes los,
der unverträglich uns nur meistern wollte.
Schiller jungfrau von Orl. 1, 1;
von diesen trotzig herrischen gemüthern
sich meistern lassen, von der gnade leben
hochsinnig eigenwilliger vasallen:
das ist das harte für ein edles herz.
1, 6.
8)
meistern von alters her auch meister, regierer, leiter, herscher sein (vgl. meister 10): ahd. meisterôn, meistrôn, praeesse, gubernare Graff 2, 890; mhd. nhd. gubernare, beschirmen l. meistern Dief. 270ᶜ; meisteren, regieren, magistrare, cohibere, edomare, compescere, dominari, imperium exhibere Maaler 287ᵇ; hierbei tritt hervor
a)
mehr ein bloszes regieren, eine feste herschaft üben: die vogel fliegent scharot sam die kränch und der êrst an der schar füert die andern und ist ir belaiter. aber der letscht an der schar maistert die andern und twingt si, daʒ si die rehten ordnung haltent an dem flug. Megenberg 185, 11; weiszestu wie der himel zu regirn ist? oder kanstu jn meistern auf erden? Hiob 38, 33 (früher: kanstu ein ampt auf yhn legen auf erden?); gemeistert von eim weib, gynecocratumenos Dasyp.; seine kind meisteren, in zucht und meisterschaft halten, liberis imperare Maaler 287ᶜ; was vermag es der fromme mann, wann er die frau nicht meistern kan. Schuppius 406;
welcher unsrer väter hunden
fürzustehen nichtig war,
dieser hat sich unterwunden
thron zu meistern und altar.
Logau 2, 244;
es gebürt den officialen und bischoven, weil sie nicht theologen, sondern gesetztreiber sind, nicht im gewissen zu meistern, das gehört uns theologen zu, lasse sie forum regiren, wir wöllen conscientiam regiren. Luther 5, 240ᵇ; die heiden die nicht gleuben, das gott das los meistere, sondern glück gebe es alles. 3, 207ᵃ; darumb mus die billichkeit hie das recht meistern. 318ᵇ;
den rath der weisen
gott bald kan meistern.
Soltau volksl. 488 (von 1631);
sie werden durch den wahn, der wie ein blinder irret,
im fall er die vernunft will meistern, nicht verwirret.
Opitz 1, 141;
euch meistern keine strengen schlüsse.
Hagedorn 3, 101.
b)
oder mehr die bezwingung eines widerstrebenden: in disem land haben sy die helfant also gemeistert und zum krieg und allen dingen gewönt. Frank weltb. 220ᵃ; windt läszt sich nit meistern. parad. 183; vil wildigkeit so im fewer durch den stein nicht gar hat können geweltiget oder gemeistert werden. Mathes. Sar. 108ᵇ; lasz doch sehen, ob mich ein starrkopf von sohn meistert (präsident zu Ferdinand). Schiller kab. u. liebe 1, 7;
das eisen meistert gold mit seinen hammerschlägen.
Abele gerichtshändel 1 (1661), 32;
die nordischen hexen wuszt ich wohl zu meistern,
mir wirds nicht just mit diesen fremden geistern.
Göthe 41, 142;
in bezug auf eszwaaren, bewältigen durch verbrauch: ob sie der wirthin nicht ein körbchen mit barillen (aprikosen) bringen dürfe, sie hätten so viele, dasz sie sie nicht meistern möchten. J. Gotthelf schuldenb. 406.
c)
oder die überwindung eines feindes: wer weis, wer der jüngling ist, den ich wider dich rüsten werde? denn wer ist mir gleich? wer will mich meistern und wer ist der hirte, der mir widerstehen kan? Jer. 49, 19; und wehret sich dapfer, ob gleichwohl der junkher vom Meer jn nach seinem willen meistert und oblage. Amadis 77; derjenige feldherr zu rühmen ist, der die ehre verachtet, den feind mit waffen und macht gemeistert zu haben, und sihet, wie er durch listigkeit ihm den sieg aus den händen nehme. Butschky Patm. 760;
saget all ausz freien sinnen
Priamus fährt wolgemuth
zu den abgeleibten geistern.
es kan weiter nicht geschehn,
dasz ein Griech ihn solle meistern.
Opitz 1, 215;
oder empörung:
wol, sprach er, ruft herbei die völker die uns dienen,
die frech ihr oberhaupt zu meistern sich erkühnen (ein sultan vom aufrührerischen heer).
A. Gryphius 1, 130.
d)
meistern, von der zähmung und überwindung seiner triebe und kräfte: als aber Lucrezia oft und vil Euriolum sah, und ir inbrünstig liebe nit mocht meistern. Wyle translat., Lucrezia; ein mensch der rechte forcht hat, der meistert und zemet alle seine glider und zeuchet sie ab von aller unzimlicher bewegung. Keisersberg seelenpar. 111ᵇ; die begirden und lüst meisteren, seine lüst überwinden und dämmen, cupiditatibus imperare. Maaler 287ᵇ; die liebe meisteren und hindersich halten, flammas amoris nefasque compescere. ebenda; sein zorn meisteren, cohibere iracundiam. 287ᶜ; sein zungen zämmen und meisteren, nit übels ze reden, linguae temperare. ebenda; deine oren soltu lieber brauchen dann die zungen, die zungen soltu meistern. Steinhöwel (1555) 22ᵇ; der seine zungen nicht meistern kan. Kirchhof wendunm. 344ᵃ; wann der verleumder seine zunge nicht kan meistern, so hat der. gros lob, der seine ohren meistern kan. Butschky Patm. 237;
der begirden reich
die sein vernunft soll maistern.
Weckherlin 515;
sich meistern, in bezug auf solche triebe: sich meistern und maszen, cohibere se Maaler 287ᶜ; mit anklang an die bedeutung 5: meister dich selber, als du einem kind tetest, das dir zugehört, das du gern woltest recht ziehen. Keisersberg seelenpar., vorrede Vᵃ; mit gleichzeitiger hindeutung auf oben a:
rosse hemmet eure flügel,
fühlet den gewohnten zügel,
meistert euch wie ich euch meistre,
rauschet hin wenn ich begeistre.
Göthe 41, 42.
e)
auch von der überwältigung des menschen durch seine regungen: wo sicht man auch einichen zornmütigen, den der zorn nit so fast meistert, dasz weder zil noch masz bei jm gehalten wirdet. Aimon, vorrede; disz schöne junge paar ... ist nicht das erste und auch nicht das letzte, so sich von den unüberwindlichen kräften der liebe meistern lassen. Simpl. 1, 336 Kurz;
(jetzt da) die begiehrlichkeit mich wenig meistern kan,
steckt Flavia mich doch als neues feuer an.
Opitz 2, 178;
ich kenne mich nicht mehr und weisz nicht, was ich setze,
die regung meistert mich.
Chr. Gryphius poet. wäld. 1, 268.
vergl. bemeistern th. 1, 1459.
9)
meistern, bei den färbern, auf vorher hellblau gefärbte leinwand eine dunkelblaue farbe aufsetzen. Jacobsson 3, 48ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1974, Z. 6.

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Zitationshilfe
„meistern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meistern>, abgerufen am 03.12.2021.

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