Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meisterstück, n.

meisterstück, n.
stück eines meisters oder wodurch sich einer als meister zeigt: das meisterstuck, vollkunst, artificiosum opus, ein meisterstuck thuͦn, facere tyrocinium Maaler 287ᵈ; von meisterhaften gelehrten, künstlerischen, dichterischen leistungen (wie sonst meisterwerk, s. d.): derwegen bleibt es noch diese stunde bei den comoedien Terentij und Plauti, die man bisher gehabt, und sind die verlornen an jrem ort, da sie der teufel hingefuhrt oder verstackt hat, blieben, das also d. Faustus hierinnen kein meisterstück hat beweisen können (er wollte die verlorenen wieder ans licht bringen). volksbuch von dr. Faust s. 133 Braune; vielleicht ist das gröste meisterstück des brittischen Aeschylus nicht am meisten beklatscht worden. Schiller hist.-krit. ausg. 2, 7; das bestreben meisterstücke fremder literatur der unsrigen zu erwerben und anzueignen. Göthe 26, 158; es war der thätigkeit Ifflands vorbehalten, .. durch eine glänzende darstellung dieses meisterstücks (der jungfrau von Orleans) sich für alle zeiten in den theater-annalen einen bleibenden ruhm zu erwerben. 31, 120; die übertragung der französischen tragischen meisterstücke. Gotter 3, xxxiv; die figur (auf einem gemälde) ist ganz nackt, und scheint mir ein meisterstück der zeichnung und färbung. Seume spazierg. 1, 26;
wen noth und schwermuth plagt, der singt kein meisterstücke,
und wie es Günthern geh, ist allemal bekandt.
Günther 577;
in dieser bildung (bild Bodmers) herrscht der schöpferische geist,
der neuen witz und muth im Noah uns beweist.
sein auge lebt und denkt, und weiszagt meisterstücke.
Hagedorn 1, 85;
ein witzling liest den Arouet,
und räth ihm, worte, reime, zeilen
mehr zu feilen,
vor allem in dem Mahomet.
wie übt er sich an meisterstücken!
3, 104;
geprüfte
meisterstücke der bühne durch unser spiel zu verschönern.
Ramler 2, 129;
der stolz, mit dem die grosze welt
des witzes meisterstücke richtet.
Gotter 1, 451;
genius! über dir
ist zusammengestürzt
dein meisterstück (der tempelbau).
Göthe 2, 178;
gern von den vorzüglichen gebilden der natur: es ist ein meisterstücke der natur, in hoc natura, quid efficere possit, videtur experta. Steinbach 2, 755; weil demnach in unser teutschen sprache die wurzelen fast überall einlautend, klar, hell, deutlich, vollkommen, ja solche sein, darin die natur jhr meisterstük getahn. Schottel 144; es erweiset bisweilen die natur ein meisterstück der schönheit, indem manches frauenzimmer trägt die rosen auf ihren rothen wangen, die narcissen auf ihrer schneeweiszen stirn, die lilien auf ihren händen, die hyancinthen in ihren augen ... Abr. a S. Clara hundert ausbündiger närrinnen (1713) 44; ich hab es immer gesagt: das weib wollte die natur zu ihrem meisterstücke machen. aber sie vergriff sich im thone; sie nahm ihn zu fein. sonst ist alles besser an euch, als an uns. Lessing 2, 186;
wer wolte nun die rose nicht
naturens lust und schönstes licht,
ja gar ihr meisterstücke nennen?
J. Weber poet. lustkinder (1695) 171;
hier ruht Lalage, die schöne!
sie, dein meisterstück, natur!
Gotter 1, 105;
schätzest du so, natur,
deines meisterstücks (des künstlers) meisterstück?
unempfindlich zertrümmerst du
dein heiligthum (den tempel)?
Göthe 2, 179;
so schauet mit bescheidnem blick
der ewigen weberin meisterstück.
3, 100;
von den werken gottes, des schöpfers: herrlich sasz Adam, der urvater unter seinen kindern; gottes meisterstück sasz er, in übermächtiger kraft leibes und der seele. Fr. Müller 1, 14;
dasz manchen dunken könnt, er seh in jedem blück (mit jedem blick seines auges)
ein herrlichs schöns geschäpf, und sonders meisterstück.
Rompler 111;
o schauplatz reicher meisterstücke,
aus dem die höchste weisheit strahlt:
worinnen ich ein bild erblicke,
da sich der schöpfer selbsten mahlt!
Drollinger 7;
und von anderem als ein gebilde hingestellten:
wilstu für der welt erweisen deines glaubens meisterstücke?
ei so sih, dasz deine liebe für den nechsten, deutlich blicke.
Logau 3, 63, 37;
freunde, die das glücke macht, sind kein rechtes meisterstücke,
wann sie nicht zuvor beschaut und bewährt das ungelücke.
3, 106, 27;
aber auch von kunststücken in bösem sinne, künsten schlimmer art: seine uhr soll er so richtig müssen da lassen — ha! sieh, da kömmt er gleich. hurtig geh fort! ich will mein meisterstück machen. Lessing 1, 305; sie triumphiren. sie haben ein meisterstück gemacht. Lenz 1, 245; ein meisterstück des betrugs. Schlosser weltgesch. 3, 340;
verzug ist oft mein maisterstück (sagt der jurist).
Schwarzenberg 136ᵃ;
eben das ist mein maisterstüeck (sagt der heuchler),
das ich hang einem freunde an,
so lang ich sein geniesen kan.
H. Sachs fastn. sp. 2, 23, 350;
sie haben aber solche tück
selbst gebraucht als ihr meisterstück.
froschmäus. 3, 1, 15 (Ss 6ᵇ);
der ehre scheinlich gift, des hofes meisterstücke,
was gehen die mich an?
Logau 1, 168, 19;
darum geht ihr mund aufs lügen
und das herz auf lauter triegen;
gute wort und falsche tück
ist ihr bestes meisterstück.
P. Gerhard 308, 24;
(das mädchen) sinnt, voll ungeduld, in ihrem ersten lenze,
schon auf ein meisterstück der frühen lüsternheit.
Hagedorn 3, 26;
diesz alles sieht und nennet
Almansaris der buhlkunst meisterstück.
Wieland 23, 216 (Oberon 11, 27);
ironisch: ich ermorde — mein weib! (beiszend lächelnd) das ist das meisterstück! Schiller Fiesko 5, 13;
halts (das gefäsz beim trinken) nur am maul ein weil,
dasz dich der luft nicht übereil.
das ist ein rechtes meisterstück,
dardurch bekompstu lob und glück.
Grobian. N 2ᵇ (v. 3269);
meisterstück bei den handwerkern: meisterstück bei den handwerkern, das ein gesell machen musz, der zum meister will erklärt werden, opus magistrale. Frisch 1, 657ᶜ; darauf .. eine churfürstl. gnädigste verordnung publicirt, dasz nebenst erlegung 10 thlr. ein meisterstück nach gangbarer mode (bei den schneidern) sol gemacht werden, hat also in unserem handwerge das alte meisterstück, welches in fodern und abreiszen bestanden, hierdurch seine endschaft und abschidt bekommen, welches, so viel man nachricht hat, über 100 jahr gestanden. neue mittheil. des dür.-sächs. alterthumsvereins 11, 462 (Halle, von 1683); endlich meisterhafter hieb eines fechters:
ein streich fein auf den andern gieng,
dasz mans hort uberlaut, kling, kling.
brauchten der meisterstück gar viel,
und etlich häw scharpf und subtil.
Beyer wirtemberg. hochzeit (1578) s. 421,
am rande: etlich meisterstuck und häw aus rechter fechtkunst. vergl. das folgende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1981, Z. 7.

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Zitationshilfe
„meisterstück“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meisterst%C3%BCck>, abgerufen am 25.10.2021.

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