Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meiszel, m.

meiszel, m.
1)
der da schneidet, abhaut: lapicida steinmaiszel Dief. 318ᵇ.
2)
gerät zum schneiden und zerkleinernden abtrennen von etwas gröszerem, mit einer schneide versehenes eisen, wie es eine reihe von handwerkern, schmiede, schlosser, zimmerleute, schreiner, gelbgieszer u. a. in verschiedener form gebrauchen, ahd. meiʒil, altnord. meitill (vergl. dazu unten das verbum meiszen): celtes meiszel Dief. 111ᵃ; celtulus meiszel 111ᵇ; celum meiszel, meisel ebenda; telus mayszl 576ᵃ; meiszel der steinmetzen, celtes, celtis, celtrum. voc. inc. theut. n 5ᵃ; meiszel der zimerleut, ascia, trona. ebenda; meiszel, instrumentum fabri lignarii Schottel 1363; ich habe mich einmal vom hochmuth verleiten lassen und wollte, wie ihr es nennt, einen richtigen schrank zu wege bringen, weil mir hobel und meiszel und reiszschiene auch bei dem zimmerwerk durch die hände gegangen waren. Immermann Münchh. 1, 128;
(bauleute) bleimasze, meiszel, feilen
in ihrer harten hand.
Ramler 1, 131;
der meiszel der bildhauer, zugleich sinnbild ihrer kunst: sah er (gott) einen engel unter dem meiszel hervorgehen, und half diesem irrthum in der eile mit einem desto schlechtern herzen ab? Schiller kab. u. liebe 5, 7;
können sie
in ihrer schöpfung fremde schöpfer dulden?
ich aber soll zum meiszel mich erniedern,
wo ich der künstler könnte sein? (Posa zum könige).
don Carlos 3, 10;
lasz, künstler, lasz uns das vergnügen,
dein meiszel ist dazu zu klein.
hist.-krit. ausg. 1, 51;
diesz ist ja die gestalt der Cypria,
die ich (Pygmalion) bei nacht in träumen sah,
die jeden morgen um mich schwebte,
indem mein arbeitsamer stahl
ihr diesen marmor nachzubilden strebte.
und führt ich nicht einmal —
o wunderbares schicksal! statt des meiszels
in meinen händen einen pfeil?
Ramler 2, 20;
zerbrich die pflugschar, lasz den meiszel fallen,
die leier still, den webstuhl ruhig stehn!
Körner 1, 122 (aufruf, 1813);
(verkündige im fremden land) dasz mit meiszel und farb und in gestimmtem klang,
Deutschlands genius schaft.
Voss 3, 21;
die ordnung schmückte dorf und stadt,
vom schönen volk umblüht,
die kunst mit meiszel, schnur und rad,
der weisheit red und lied.
4, 170;
meiszel, die sonde der wundärzte: meiszel, eisen des wundarzet, specium Dasyp.; meiszel der wundärzte, specium, specillum, instrumentum chirurgicum, quo vulnus vel altitudinem vulneris tentant. Frisch 1, 657ᵃ; im dim. meiszlin = meiszellin:
wer gern well werden bald gesund,
der zoug dem arzet recht die wund,
und lyd sich, so man die uff brech
oder mit meiszlin dar jn stech.
Brant narrensch. 38, 16;
vergl. dazu meiszeleisen; meiszel in den schmelzhütten der bergwerke, ein eisen mit einem langen heft, das was sich im ofenloch angehängt, abzustoszen. Frisch 1, 657ᵃ. östreich. der mesel, schwere hacke. Castelli 200, in den sette communi moazel, asce, ascia, axt. Schm. in den sitzungsber. der östr. akad. 15, 209ᵇ, geht von der verwendung des verbums meiszen (s. d.) beim holzfällen aus.
3)
meiszel, wieche, charpie in eine wunde, wird dasselbe wort sein, und das bedeuten sollen, was sich von leinwand abtrennt, abgeschlissen wird (vergl. meiszen): meiszel in ein wunden, plagella, tenta. voc. inc. theut. n 5ᵃ; meiszel von schleiszen gemacht, wie jn die wundarzet brauchend, pannus, turunda, peniculum, linamentum, ein meiszel in die wunden thuͦn oder legen, linamentum dare in plagam. Maaler 287ᵇ; sô man sein (des feldkümmels) pulver mischt mit eʒʒeich und smeckt dar zuo, oder tunkt ainen maiʒʒel darein und steckt den maiʒʒel in die nasen, dem verstêt der rôt fluʒ auʒ der nasen. Megenberg 396, 34 in einer lesart, vergl. s. 542, sonst waiʒel; du solt auch ein meiszel in das loch stoszen, das es nit zuͦfall. Gersdorf feldbuch d. wundarzn. (1528) 46; wie notwendig die meiszel und fäselin so man in die wunden legt seien zu gründlicher cur und heilung derselbigen. Ryff chirurgie (1559) 86ᵇ; etwan braucht man sie die wunden damit offen zu behalten, alsdann werden solche meiszel bereit von reinem werk (flachs) oder aus kleinen fäselin leinin tuchs. 87ᵃ; ein meiszel von leinem tuch gemacht, in wein genetzet, in die nase gesteckt, stillet das nasenbluten. Tabernaem. kräuterb. 129; leinine meiszel in baldriansaft genetzt und in offene wunden gestoszen, zeucht alle geschosz heraus und heilet auch den schaden. 458; wann du nur ohn allen meiszel oder wiechen dieses pflaster überlegest. Agricola neue feldscheerkunst (1701) 32; die wunden must du mit oel, fetten oder vielen harten pflastern, meiszeln und dergleichen mit nichten beschweren. 50; einige meiszel macht man auch aus weicher zarten leinwand, in keils- oder kegelform zusammengewickelt ... einige meiszel braucht man auch, um allzu enge wunden oder geschwüre zu erweitern, welche, weil sie in der wunde aufschwellen oder aufquellen, quellmeiszel genannt werden. Jacobsson 6 (1793), 547ᵃ;
ich wone in gar fleiszig bei
mit pflastern, meiseln und ander arznei.
fastn. sp. 377, 23;
auch als fem. die meiszel, was sich aus dem plur. entwickelt zu haben scheint: das du machest meiszeln oder weichen von encian der wurzelen, oder mark von holder, oder binzen. H. Braunschweig chir. (1539) 19; soll man saubre meiszlen nemen, dieselbige mit zerlassenem pech bestreichen, inn den schaden stoszen. Sebiz 128.
4)
meiszel, bair. maisel, stelle an einem flachs- oder wollefaden, wo sich dieser, wegen zu starken drehens beim spinnen, zusammengerollt hat. Schm. 1, 1664 Fromm. vergl. meiszeldraht, meiszeldrähtig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1984, Z. 17.

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Zitationshilfe
„meiszel“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meiszel>, abgerufen am 17.10.2021.

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