Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meiszeln, verb.

meiszeln, verb.
1)
nach meiszel 2: meiszelen, scalpro exscindere, torno excidere Stieler 1252; an einem steine meiszeln; ein bild, eine statue meiszeln; ein loch in den stein meiszeln; späterhin erblicken wir bei den Griechen die blüthezeit der bildhauerkunst, und diese bekundet schon eine äuszere bewältigung der materie; der geist meiszelte eine ahnende sinnigkeit in den stein. H. Heine 11, 327;
hieran fügt ich das bett und meiszelt es bis zur vollendung,
künstlich mit gold und silber und elfenbeine durchwirkend.
Odyss. 23, 199;
du zürnst, dasz man noch jetzt die götzen meiszelt.
Seume spazierg. 2, 84;
am münsterthurm, dem grauen,
da sieht man, grosz und klein,
viel namen eingehauen;
geduldig trägts der stein.
einst klomm die luftgen schnecken
ein musensohn heran,
sah aus nach allen ecken,
hub dann zu meiszeln an.
Uhland ged. 301;
meiszeln bei den bergleuten, mittels des meiszelbohrers losbohren. Veith bergwb. 337; bei den hutmachern: um die haare zum filzen fähig zu machen, beizet man die felle mit geschwächtem scheidewasser, trocknet sie, und meiszelt die haare mit dem schneideeisen herunter. Beckmann technol. (1777) 47. meiszeln heiszt auch das beschneiden der allzu langen ohren der pferde. Adelung.
2)
nach meiszel 3, in eine stichwunde oder ein tiefes geschwür charpie (in nagelform zusammengeballt) drehen, um ein vorzeitiges schlieszen der wundöffnung zu verhindern: alle beinbrüche, rorenbrüche, aderenzerschroten die man spene nempt, glidabehouwen, stich geleiches tiefe und tiefer die man meiszlen oder büszen (nähen) müsse. Basler rechtsquellen 1, 133 (von 1449); welher ouch den andern sluͤge oder würfe mit bengel, kannen oder andern dingen gelider entzwei, der verbessert dem herren zwenzig und ein pfund, muͤszt man es aber heften, meiszlen oder bein usznemen, so verbessert er zehen pfunt pfenning. muͦsz man es aber pflastern oder sust heilen, so verbessert er drü pfunt ein helbling. 2, 57 (von 1464); so aber yemandt der masz geschlagen, gestoszen, gepissen oder geworfen wurde, das er meiselns oder heftens notdurftig. Nürnb. pol.-ordn. 44; wer aber die wund in die hüle des leibes gangen, so werde sie gemeiszelt mit rosenhönig, rosenöl und ayerthotter, bisz es anfahet zu aitern. H. Braunschweig chir. 70; da ist es (das geschwür) zu öffnen, meiszeln und reinigen, das soll man etliche tage treiben, damit der wust wol ausflieszen möge. Wirsung arzneibuch (1572) 493; es heilet eine wunde viel besser ungeheftet, als wann du die wunde damit mehr erzürnest: du solt dich auch alles meiseln enthalten, dann es eine rechte henker- und buben - marter ist. Agricola neue feldscheerkunst (1701) 82;
ein scherer meiszelt, schnydt die wund,
do mit der siech bald werd gesunt.
Brant narrensch. 23, 15.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1985, Z. 69.

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Zitationshilfe
„meiszeln“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meiszeln>, abgerufen am 25.10.2021.

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