Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

meit, meite, m.f.

meit, meite, m.f.,
als bild einer kleinigkeit, zur verstärkung der verneinung, im 16. jahrh. häufig.
1)
mit geben, schuldig oder wert sein: oder wo auch schon in dieser welt nicht genug geschehen were, das man dannoch solches ferner hernachmals im andern leben bisz zum letzten pfennig bezahlen könne. also das man gott nicht ein meitten kan schuldig bleiben. Fischart bienk. 109ᵇ (nach dem niederl. des Marnix: dat salmen voorts hier namaels in het andere leven tot den laetsten pennick toe betalen: soo dat men gode niet een mijte en sal schuldich blijven. byencorf 100ᵃ);
(sie) geben nit ain har,
ja nit ain meit auf erden
umb alle oberkait.
Uhland volksl. 909;
allein dem bapst und seinen cardinälen ..
wöllen wir geben nit ein meit.
Schade sat. u. pasqu. 3, 100, 13;
die doch nit sint ein meiten wert.
3, 119, 19;
ist alls nit einer meiten werd.
B. Waldis päpstl. reich 1, 16;
auf Christi lehr kein meiten geben,
den satan nauf gen himel heben.
2, 11;
ja wol, sie gibt kein meit auf mich.
H. Sachs bei Schm. 1, 1690 Fromm.
2)
mit andern verben, im sinne von gar nichts, nicht das geringste: also hilft uns kunst und wissen nit ain meit. S. Frank; uber disen (schlechten schützen) ward der hauptmann zornig und sprach zum schreiber, der eines jeden treffen, darnach es gut was, merket, thu den hudler gar aus. der knecht aber erwüschte dem schreiber die hand und sagt: nicht ein meit auszgeth an. Kirchhof wendunm. 95ᵇ
unt wirt mir dann geschossen
ein schenkel von meinem leib,
so tuͦ ichs nacher kriechen,
es schadt mir nit ein meit.
Uhland volksl. 520;
doch hilfts den seelen nit ein meit
noch hie noch zur künftigen zeit.
B. Waldis päpstl. reich 4, 13;
on got wöln sie kein herren hon,
dan sie in solcher hoffnung ston,
er würd sie alles machen lon,
und in weren nit ein meit
uff erden hie in dieser zeit.
Murner luth. narr 2465;
seintmals ich kuntschaft hab kein meit
mit dem den man der grechtigkeit
ein brunn und schützer nennt allzeit.
Schade sat. u. pasqu. 1, 112, 40;
weil die strafnemer gar kein meit
nicht wissen von barmherzigkeit.
115, 149;
eule, fledermausz,
die drähten sich vom adler ausz,
und traten auf des löwen seiten.
desz acht der adler nicht ein meiten.
E. Alberus 114ᵃ;
irrt sie nicht ein meiten.
128ᵇ;
dein feind soll dir nicht thun ein meit.
Bresnicer christl. ritterschaft (1553) C 4ᵃ;
deiner leer folg ich nicht ein meit.
F 6ᵃ;
ei wer doch wolt verlieren
so schöne frühlingszeit?
weil doch melancoliren
hilft warlich nit ein meit.
Spee trutznacht. (1654) 72.
3)
nicht um ein meit:
du solt nit gehn zuͦr linken seiten,
auch nit zuͦr rechten umb ein meiten.
Schade sat. u. pasqu. 2, 239, 1598;
ich fele keinem umb ein meit
dann ich als triff die rechte zeit.
G. Wickram irr reitend bilg. C 3, bl. 7.
4)
nicht ein meit allein stehend oder bei substantiven oder adverbien, gar nicht, keineswegs, nicht im geringsten: so lasz mir doch nach, lieber Mercuri, die kron, und diesen kostlichen rock und deck. Merc. nit ein meit, es musz alles dahinden bleiben. Vielfeldt spiegel der menschl. blödigkeit (1545) 22ᵇ; Charon. wilt du dich dann allein beruͤmen, und mein spotten, dasz du vergebens ubergefaren seyest. Menipp. nit ein meit vergebens, ich habs schiff gröszt am riemen gezogen. 25ᵇ; 'nun sechs zink, welchs eh kompt, der trink.' nit ein meit, sonder was der würfel under dem becher geit. Garg. 100ᵇ; nicht ein meit, sprach Gargantole, dʒ gesteh ich nit. 134ᵇ; wie wolten wir denn in Morenland kommen? Chariclia saget: nicht ein meit, denn wir haben gehöret, wir werden den göttern zu Meron zu einem opfer ernehret und aufenthalten. b. d. liebe 221ᵈ;
Son. spilt nur fort an, wer weisz wies geht.
wirt. ja nicht ein meid, dann wo gelt steht.
Scharpffenecker acolastus Cᵇ;
was? solt ein kalkopf voller neid
mich treiben aus? nicht, nicht ein meid.
Hayneccius Hansoframea act 3, sc. 2;
(der wirt) saget: seit mir gotwillkommen, lieber junker. der junker sihet den wirt schlimms und saur an und spricht: kein meidt ein junker, .. ich bin mit ehren ein herr. Katziporus K 6ᵃ; kein meidt ein gesell, ich bin von den gnaden gottes ein guter meister. L 1ᵃ.
5)
nebenform mit, mite, bei alemannischen schriftstellern:
mich hilft jetz weder richtumb guͦt,
auch das ich bin von edlem bluͦt,
darzuͦ ouch alle mine fründ
für ainen miten mir nütz sind.
P. Gengenbach x alter 761;
es ist ein fuler huf zuͦ beiden siten
und gwinnend allsamen gwüsz nit einen miten.
N. Manuel 257, 12 Bächtold;
mögent wir dann hiemit gotts huld erwerben,
so rüwt mich min leben nit ein mit.
H. Salat verl. sohn v. 57 Bächtold;
die mesz unds sacrament,
die wil ich gar zuͦ boden stoszen,
ja nit ein mit dran bliben loszen.
Schade sat. u. pasqu. 2, 248, 1934,
meut bei H. Sachs, s. unten meitlein; niederd. nicht eine miet. Melander Jocos. 2, 534 nr. 422 (vergl. gramm. 3, 733), Melander war ein Niederhesse;
wen ick dar ok twintich gülden vor geven scholde,
des wold ick achten nicht ein mieth.
fastn. sp. 984, 8.
6)
das wort ist das niederl. mijte, welches wie niederd. mite, eine milbe, dann aber auch eine kleine schlechte kupfermünze bezeichnete (wie auch das engl. mite milbe, käfer und kleinstes geldstück ausdrückt: there came a certain poor widow, and she threw in two mites, which make a farthing. Marc. 12, 42, vergl. dazu unter meitel am schlusse): mijte, minutia, minutum, minuta: oboli vilissimi genus Kilian; mittellat. mita, mitta, franz. mite, mitte. Du Cange von Henschel 4, 446ᶜ. 450ᶜ; vergl. kleine pfening oder meudten, der ungeverlich einer ein cölnischen heller wert were. münzordn. von 1574 bei Kehrein gramm. d. d. spr. des 15.—17. jahrh. 470; die verwendung des wortes als bild für etwas geringstes ist wenigstens im späteren niederl. bezeugt: dat niet een myt waardig is, vix cassa nuce dignus Hoogstraaten (1719) 476ᵇ; ähnlich wird schon im mittelalter ein gleichbedeutendes franz. maille kleine kupfermünze (aus medalia) gebraucht, Littré 2, 380ᶜ. der auffällige umstand nun, dasz das niederländische wort in jener und verwandten redensarten, und zwar wie schon seine schwankende form, zum theil auch seine anwendung lehren, als halb unverstandenes lehnwort, seit dem 16. jahrh. in oberdeutschen gegenden läuft, im gebrauche des gemeinen lebens, von den wörterbüchern verschmäht oder übersehen, läszt den schlusz wagen, dasz die landsknechte, die für Maximilian die burgundischen kriege führten und die ja meist Oberländer, aus den österreichischen erblanden, Schwaben und Franken waren, es, wie manchen andern ausdruck (vergl. lärmen oben sp. 202), aus den Niederlanden mit heim brachten und zunächst in der sprache ihrer kreise pflegten, bis es allgemein ward.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1986, Z. 77.

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Zitationshilfe
„meit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/meit>, abgerufen am 06.12.2021.

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