Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

melancholisch, adj. und adv.

melancholisch, adj. und adv.
mit der melancholie behaftet: melancholisch, melancolicus Maaler 287ᵈ; von leuten, die solches temperament oder solche krankheit haben: thimian inn weiszem wein oder lauterer milch gebraucht, ist melancholischen personen sehr dienstlich. Sebiz feldb. 245; er hat ein melancholisch verdrieszliches temperament, dadurch er von aller lust und kurzweil abgehalten wird. Chr. Weise erzn. 194 Braune; sie hatte von jugend auf so was besondres, stilles, melancholisches. Fr. Müller 1, 295; der wär der rechte! wird alle tage unumgänglicher; weg, melancholische leute sind mir zuwider. 3, 41;
sagt man doch von tauben herzen,
dasz sie melancholisch machen.
Uhland ged. 275;
von vorübergehender schwermütiger oder niedergedrückter stimmung: wie sonsten die justitia verkauft werde, davon mag ich nicht weitläuftig reden. dann es machet grosze herren und ihre grandes melancholisch. Schuppius 16; nun war einer bei tische, der sasz die ganze zeit traurig .. darumb fragte er ihn, warumb er so melancholisch gewesen? Chr. Weise erzn. 175 Braune; von handlungen, zuständen, zeit solcher stimmung: bei einem geloch under lustiger bursch entstund von der melancolei zwar kein melancolisch gesprech, was derselben natur und eigenschaft sei. Zinkgref apophth. 2, 88; unser melancholisches leben allein in der einöd .. zubringen. Weckherlin 860;
wenn auch die stunde,
melancholische lehrreiche stunde, die künftig die seele
von dem körper befreiet, erscheint.
Cronegk 2, 46;
alle wunden, die mich je geschmerzt,
und aller mismuth melancholscher zeit
zerrt grinsend mir am herzen.
Freytag dram. werke 1, 139;
von dem, was die stimmung anzeigt:
sein tiefes und melancholisches auge
funkelte.
Klopstock 3, 162 (Mess. 4, 110);
von dem, was melancholische vorstellungen macht:
die schwarze nacht verbreitet wieder
ihr melancholisches gefieder;
der sternenvolle himmel brennt.
Uz 1, 262;
ein melancholisch heimchen zirpt
vor ihrer kammerthür;
das leichhuhn schreit. ach gott! sie stirbt,
des dorfes beste zier!
Hölty 16 Halm;
schweigend, in der abenddämmrung schleier,
ruht die flur, das lied der haine stirbt;
nur dasz hier, im alternden gemäuer,
melancholisch noch ein heimchen zirpt.
Matthisson ged. (1794) 29;
hier kömmt eine nahrung, bei der man eher grillen machen kann. der liebe, melancholische kaffee! Lessing 1, 564. vgl. die umdeutung maulhenkolisch sp. 1805.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1990, Z. 20.

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Zitationshilfe
„melancholisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/melancholisch>, abgerufen am 24.01.2022.

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