Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

melk, adj.

melk, adj.
milch gebend; ahd. melch foetus, mhd. melch; das mittelengl. milche, neuengl. milch, das auf ags. mylce zurückweist, sowie das nord. milkr giving milk (Vigfusson 428ᵇ) zeugen für den umstand, dasz das wort dem alten gemeingermanischen sprachschatze angehört. der endlaut von melk gehört der mitteldeutschen lautstufe an, die mit der niederdeutschen übereinstimmt, westfäl. melk Woeste 173ᵃ; göttingisch melke Schambach 133ᵃ; ostfries. melk ten Doornkaat-Koolman 2, 588ᵃ; oberdeutsch steht dafür melch Schm. 1, 1591 Fromm.; kärntn. melch milch gebend Lexer 189; alem. melch, mälch, mälchig Stalder 2, 207. das wort wird gebraucht
1)
im eigentlichen sinne, vom vieh, namentlich der kuh, milchgebend: vacca mulsaria ein melke ku Dief. 604ᵃ; 15 melke kühe. Schweinichen 2, 199; herr, eine gute melke kuh ist kein tand. A. Gryphius (1698) 1, 814; eine kuh die eben melk geworden. Möser patr. phant. 1, 303; auch, als gegensatz zu gelt (s. d.), was ebensowol nicht milchgebend, als nicht kräftig bedeutet, trächtig, tragend: die blässe ist melk, und wenn sie verkalbt, so seid ihr vom hof. Immermann Münchh. 3, 5. vgl. altmelk, frischmelk, neumelk.
2)
schweizerisch auch vom futter, milcherzeugend. Stalder 2, 207.
3)
bildlich in mehrfacher anwendung; zunächst an die bedeutung 1 angeschlossen:
der vor mit barmung nye hete getropfet,
der ist mit gnaden nu worden melk,
des wurden wir alle von einer jungkfraw selig.
Rosenplüt vom priester und der frawen, ms. Dresd. 50, s. 34;
mundartlich in den sette communi von mild-regnerischem wetter: de zait ist süze un melch, il tempo è dolce ed inclinato a pioggia. sitzungsber. der Wiener akad. bd. 15 (1855) s. 208ᵇ; alem. melch vortheilhaft, nützlich Stalder a. a. o.; auch in Ostfriesland melk von einem prozess der viel einbringt, für die advocaten besonders ertragreich ist; dann aber feuchtigkeit ausflieszen lassend, mîn nöse (nase) is melk. ten Doornkaat-Koolman 2, 588; westfäl. de balken (bodenraum) werd melk, es wird abgedroschen. Woeste 18ᵇ. 173ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1996, Z. 56.

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Zitationshilfe
„melk“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/melk>, abgerufen am 27.10.2021.

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