Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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melke, f.

melke, f.
1)
die handlung des melkens, bair. die melch Schm. 1, 1591 Fromm.; ebenso tirol. Schöpf 432; der chan .. befahl allen, zur zeit der stutenmelke sich wieder hier zu versammeln. didaskalia vom 29. juli 1873;
eutern, die sich zur melke dehnen.
Overbeck Virgils hirtenged. 69;
auch die zeit des melkens, hier die zeit des ersten melkens:
und süsz ist das fleisch des zickleins, bis zu der melke.
ders. ged. 165 (nach Theokrit id. 1, 6).
2)
in Appenzell auch das euter in beziehung auf das melken: die chue hed e schöne melcha, sie ist gut und angenehm zu melken. Tobler 315ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1997, Z. 15.

melken, verb.

melken, verb.
mulgere.
1)
das starke verbum ist ein den westlichen indogermanischen völkern gemeinsames wort. im gothischen nicht erhalten, im altnordischen durch ein denominativ mjólka von mjólk milch ersetzt, wie auch im engl. milk als gleiches denominativ an stelle des ags. melcan getreten ist; fries. melka; niederd. niederl. melken, für alts. melkan zeugend; ahd. melchan, mhd. melchen; die urverwandten europäischen sprachen zeigen entsprechend griech. ἀμέλγειν, lat. mulgere, altbulg. mlěsti, präs. mlŭza, litt. milsti, präs. melžu, melken, während die asiatischen im sanskr. marǵ, marǵati wischen, streichen, streifen, streicheln, send. marez, marezaiti streifen, die zweifellos ältere bedeutung desselben wortes bewahren, aus der sich bei der trennung beider sprachengruppen jene europäische noch nicht entwickelt hatte.
2)
die oberdeutsche lautstufe zeigt, wie das ahd. mhd., noch heute das im alemannischen und bairischen sprachgebiete geltende melchen, neben dem alemannisch auch der kehllaut in der form melen, mälen (Stalder 2, 207) schwindet, während bairisch doch auch melken neben melchen erscheint. Schm. 1, 1591 Fromm.; schon im späteren mhd. ist inneres k theilweise aufgekommen, und hat um sich gegriffen: mulgare, mulgere melken neben melchen Dief. 370ᵇ; melken, melchen, mulgare, mulgere. voc. inc. theut. n 5ᵇ;
Ruodolf malc sîn kuo.
Hadlaub in Bartsch liederd. 274, 237;
kuo Bluemle sprach zuom stiere: ich muosz dir iemer klagen;
mich wolt ein schwäbscher herre gemulken haben.
lied von der Sempacher schlacht in Wackernagels leseb. 1 (1873), 1299, 10;
heute findet man melchen in der schriftsprache nur noch bei schriftstellern von ausgeprägter mundartlicher färbung: am morgen ging es eine weile, bis Hans Joggi von hause weg kam. begreiflich molch er zuerst. J. Gotthelf schuldenb. 167 (neben er melke seine kuh. 307).
3)
die ablautverhältnisse des verbums zeigen sich reiner in der älteren sprache, in der neuern gestört und theilweise durch eindringen schwacher form zerrüttet. präs. ich melke, du milkst, er milkt: sie .. milkt die kue. Luther 1, 489ᵃ;
sie macht ein feuer auf, ist mühsam und geschwinde,
lauft hin und milkt die küh so bald als das gesinde.
Opitz 1, 157,
wird noch von Gottsched (kern der sprachkunst 1753 s. 157) ausschlieszlich angegeben, doch im imperativ melk, erst Adelung stellt melke, melkst, melkt als richtiger hin. das prät. malk in quellen bis zum ausgang des 16. jahrhunderts: als ich denn zuͦ der Hohen Senen oft gesehen, da die knecht ausz den frauwenzimmern dem höuwmarkt zuͦ liefend, die eseltreiber und pauren mit gält erbaten, dasz sy jnnen die esel malkend. Forer thierb. 43ᵇ;
ich kam zu einer peurin, die malk.
fastn. sp. 274, 6;
wie nd.: he messede den stal, he malk de koe.
972, 30;
später molk, plur. molken, nach dem part. gemolken; conj. prät. mölke für früheres mülke:
und ist denken ein unnütz mühe,
als wenn einr mülk und het kein kühe.
B. Waldis Esop 4, 80, 128;
neben der starken form, die sich noch weit in den mundarten hält (auch niederd.: melken, mulk Woeste 173. Schambach 133ᵃ; ostfries. melken, mulk, mulken ten Doornkaat-Koolman 2, 588ᵃ) erscheint die schwache: bair. part. gemelcht neben gemolchen und gemolken Schm. 1, 1591 Fromm.; und in der schriftsprache schon seit dem 17. jahrhundert: den bock melkte. Schuppius 422; während dasz sie ihre ziegen melkte. Wieland 8, 61;
die hirtin melkt und sang und spann.
Voss 4, 170;
weitere beispiele im folgenden.
4)
melken heiszt einem euter milch entziehen: mälchen, die milch auszhinziehen, als von einer kuͦ, mulgere. Maaler 281ᵃ; ohne object: in ein geschirr mälchen, immulgere. ebenda; ich habe einen ganzen stotz voll gemolken, mulctram complevi expresso lacte. Stieler 1265;
hört wie es mir eins mals ergieng
gen einer paurenmeid, weil sie malk.
fastn. sp. 334, 31;
wenn die schweren kühe brüllen,
gern die blanken eimer füllen,
und die dirne melkend singt.
Stolberg 1, 232;
der infinitiv substantivisch: er fürchtete, wenn er leicht gesäumt werde, so komme er nicht zum melken heim. J. Gotthelf schuldenb. 187; um das melken der kühe zu überwachen. G. Keller leute von Seldwyla 2, 168;
dieweil die maid im melken sitzen.
fastn. sp. 386, 19;
eine kuh, eine ziege melken: die magt milkt die kuh, ancilla pressat palmis ubera vaccae. Steinbach 2, 72; die esel werden in Frankreich, Italien und anderer orten gemolken, und die milch den lungensüchtigen zur arznei gebrauchet; so pflegen auch die Tartarn ihre pferde, die Samojeden ihre rennthiere, und die Araber die cameele zu melken. öcon. lex. 1592; die leinwand ist begossen, die kühe sind gemolken. Göthe 11, 3; eine junge, im blauen gewand kniende frau schaut, eine ziege melkend, aus dem bilde heraus. 39, 195;
jetzo sasz er und melkte die schaf und meckernden ziegen.
Odyss. 9, 244;
milch melken: hastu mich nicht wie milch gemolken, und wie kese lassen gerinnen? Hiob 10, 10; und wird so viel zu melken haben, das er butter essen wird. Jes. 7, 22; die milch in eine gelde melken, immulgere lac mulctrae. Steinbach 2, 72; vorwärts liegen und sitzen drei knaben um eine schale, eben gemolkene milch schlürfend. Göthe 39, 195;
wie schaafe des reichen manns in der hürde,
zahllos stehen, zur zeit, da die weisze milch gemelkt wird.
Bürger 218ᵃ (Il. 4, 434);
selten dieses melken in bezug auf menschen: item wo aber das kindtlein so kürzlich ertödt worden ist, dasz der mutter die milch in den prüsten noch nit vergangen, die mag an jren prüsten gemolken werden; welcher (cui) dann in den prüsten recht vollkommene milch funden wirdet, die hat deszhalb ein stark vermutung peinlicher frag halber wider sich. Carolina art. 36; hinein melken, als die mutter bisweilen den säuglingen in die augen oder in die nasen, immulgere. Frisch 1, 658ᵇ; vergl. dazu unter 5.
5)
melken auch milch geben, zumal im part. präs. melkend: o ich sihe ihn, der mir nützer ist dann ein melkende ku. A. v. Eybe Menächmi 98ᵃ; da luffen drei wild hindtin zu mit melkenden eutern. heiligen leben 1472 31ᵃ; ein paar melkende ziegen einfangen. Felsenb. 1, 229; doch auch sonst: das vieh friszt um ein drittel weniger, und mölkt um die hälfte besser. Möser patr. phant. 1, 346; ein niederd. sprichwort ist de kau melkt dôr den hals. Schambach 133ᵃ, je nachdem sie friszt, gibt sie milch; vom blutmelken oder seichen (der kühe). Coler. hausb. 295, wenn die kühe beim melken blut geben. Auch hier (wie oben 4) bisweilen von menschen: da musz man sich umthun und befleiszigen, das man ehrliche ammen bekommen und haben möge, nicht melkende megde, welche in die nüsse gegangen seind. Mathes. Syrach 2, 126ᵇ;
und saugende kind und melkend ammen:
die ding fuegen gar wol zusamen.
Keller gute alte schwänke nr. 9 s. 18.
vergl. dazu milchen.
6)
melken, an die bedeutung 4 angeschlossen, in mancherlei bildlichem gebrauch. einen melken, ihm vermögen entziehen, tirol. melchen, ausbeuten, nehmen, einem das geld abspielen, herauspressen, dann auch langsam tropfenweise arbeiten oder reden. Schöpf 432; alem. sisch nüt me an im zmälche, nichts mehr bei ihm zu holen. Seiler 202ᵇ; me hett em gmulche bis uffs blut. ebd.; zu viel melken gibt blut. Simrock sprichw. 374;
sie sindt hirten auf erden worn,
haben aber die schaf nur gschorn,
und gemolken bisz auf das blut,
sie nit geweiden wol und gut,
mit deiner lehr, dem gottes wort.
H. Sachs 3, 1, 257ᶜ;
es wär zit das man sie (die pfaffen) ouch melk,
das inen die spanadren krachtind.
U. Eckstein rychstag, in Scheibles kloster 8, 836;
wenn gläubiger und advocaten ihn in die enge treiben, und juden an den zipfeln seines schlaffen geldbeutels melken. Knigge umg. m. menschen 2, 57; als vergebliche arbeit den bock melken: er will den bock melken. Simrock sprichw. 62; als er den bock melkte, hielte Menalcus das sieb unter. Schuppius 422; vgl. dazu auch unter gänsemilch th. 4¹, 1275; melken wie auspressen:
Didos thränen, die der schmerz
ihr aus dem aug gemolken.
Blumauer 2, 85;
aber auch wie streicheln, sanft streichen, in der redensart die ohren melken, os sublinere Agr. spr. 15ᵃ:
welch jung man sich an heuchler kert,
und lest jm melken seine ohren.
H. Sachs 3, 2, 120ᵃ;
den schmeichelhaftigen schelken,
welche die ohren künnen melken.
3, 3, 26ᵇ;
oder endlich für hin und her wenden, zwischen den händen herum ziehen: melken et melkeren etiam significat contrectare, in specie mammas premere et pressare, cum alias sit manibus tractare, attrectare, comprehendere, volutare in manibus. Stieler 1265; das wort weiden, lesset sich nicht so melken und treiben. Luther 1, 423ᵇ; der keiser lest sich melken, wie eine memme, der etwan der glückseligste war, ist nu der unglückseligste. tischr. 347ᵃ, wobei auch, mit rücksicht auf memme = euter, an das auspressen, ausbeuten gedacht sein kann; vergl. melkern und katzenmelker; flämisch konijnenmelker (Schuermans 275ᵃ) der kaninchenliebhaber, der sie immer herumzerrt. in einer eigenen ausdrucksweise: indesz noch dazu unten im thurm seine frau die glocken melkte. J. Paul uns. loge 1, 27, ihnen durch das ziehen am seil klang entlockte.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 1997, Z. 29.

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Zitationshilfe
„melke“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/melke>, abgerufen am 27.10.2021.

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