Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

melodisch, adj. und adv.

melodisch, adj. und adv.
das wesen der melodie habend, gesangreich, wollautend; eine von Adelung zuerst aufgeführte bildung, die wol nicht über das 18. jahrh. hinausreicht, und erst seit dem letzten drittel desselben in dichterischer sprache sich recht verbreitet hat; gebraucht vom lied, gesang:
in melodischem fluge des gesanges.
Stolberg 1, 129;
wenn der entzückung sohn, der gesang, in goldenen locken,
tönend, von harmonieen umsäuselt, melodisch einherschwebt!
198;
ha, wie es schwärmt und lebt von tausend leben,
die alle dich, unendlicher, erheben,
zerflossen in melodischem gesang.
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 29;
mit freudig melodisch gewirbeltem lied
begrüszen erwachende lerchen die sonne.
304;
doch mit sanftem geisterbeben
dringt das lied ins innre leben,
löst den sturm melodisch auf.
Körner 2, 26;
sowie vom ton, accord, klang: ein melodisches flöten. J. Paul Qu. Fixlein 37;
verleihet dem haine
verliebten gesang;
und gläsern, beim weine,
melodischen klang.
Hölty 177 Halm;
dieser entlockte gemach der Cremonageige melodisch
rieselndes silbergetön, das oft in gezogener seufzer
weicheren laut hinschmolz.
Voss Luise 3, 2, 501;
ihr tuben, schmettert, donnert, ihr posaunen,
der jubel mache, der melodische,
den festen bau des firmamentes beben!
H. v. Kleist Penthesilea, 14. auftr.;
mit geheimnisvollen worten
in melodischen akkorden
grüsz ich deine rosenpracht!
Körner 2, 26;
vom gesprochenen wort und dessen wolklang:
im hexameter steigt des springquells silberne säule,
im pentameter drauf fällt sie melodisch herab.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 185;
diese spricht zu ihm melodische worte.
Platen 326;
zu des strengen herrn Cujacius
schöner tochter, die dereinstmals
glücklicher Pariser jugend
vom catheder ihres vaters
hefte süsz melodisch vortrug.
Scheffel trompeter s. 42 (2. stück);
vom säuseln, zittern der quelle, des laubes u. ähnl.:
wo, im morgengewölk, röthlich und licht, ihr geist
an melodischen quellen irrt.
Hölty 73 Halm;
wann in des mondes dämmerlichte ..
durch cytisus und Weymutsfichte
melodisches gesäusel tönt.
Matthisson ged. (1794) 133;
die zinne konnte nicht so sehr verwittern,
dasz nicht den marmor noch in späten zeiten
selbst bei des fingers leichtem drübergleiten
durchklungen hätt ein sanft melodisch zittern.
Uhland ged. 127;
von einem lande, in welchem melodie oder wollaut heimisch ist:
als wollt ich suchen das gelobte land,
wo jene himmelssprache der musik
gesprochen würde — weh, ich kam zu euch,
dem gegenfüszler der melodschen zone.
165.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2002, Z. 76.

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Zitationshilfe
„melodisch“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/melodisch>, abgerufen am 17.10.2021.

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