Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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memm, m.

memm, m.
milchgebende brust, euter, dasselbe was das fem. mamme, mamm und mämm sp. 1519; zumal im fränkischen sprachgebiete: memm, mamma Alb. Dd 4ᵇ; mamma, mammilla, brust, memm, dutzen CC 1ᵃ; der memm, in Aschaffenburg das euter, in Koburg die weibliche brust. Schm. 1, 1598 Fromm.; der memm euter, auch wol von der weiblichen brust gebraucht, in Oberhessen. Vilmar 268; im Vogtlande der memm mutterbrust;
und wil mein bäuchlein essen sadt,
dasz ich dir bring den memm voll milch (sagt die geisz zum böcklein).
Alberus buch v. der tug. 41ᵃ;
den memm voll milch hab ich dir bracht.
41ᵇ;
ich wölt kein gröszer freud erleben,
dann das ich dir den memm solt geben.
42ᵃ;
übertragen auf die männliche brust: cardia, das herzgespan, das stechen am öbersten ingeweid unter dem linken memm. Alb. dict. Gg 4ᵇ. vergl. das folgende.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2004, Z. 35.

memme, memm, f.

memme, memm, f.
1)
wie das masc. memm, mutterbrust oder euter; nebenform zum fem. mamme sp. 1519, auszerhalb des bairischen und alemannischen sprachgebietes (im letzteren hat mämmi, mämma eine nicht sehr abliegende bedeutung, vgl. a. a. o.) weithin verbreitet: rhein. memm und memmpel, mutterbrust, euter der säugethiere, besonders der kühe Kehrein 277; mämm brust (neben mutter und feigling, vgl. unten 2 und 4) Waldbrühl 188; in Aachen die mämm Müller u. Waitz 149; westf. memme, frauenbrust Wöste 173ᵇ; siebenbürg.-sächs. dêing mämmen sêing läwlicher denn wêing (hohel. Sal. 1, 2). Fromm. 6, 100; mammilla meme, memme Dief. 345ᶜ; der keiser leszt sich melken wie eine memme. Luther tischr. 347ᵃ (vergl. unter melken 6).
2)
dann die säugende mutter; vornehmlich niederd.: memme, mamme, mutter, nur in der sprache der kleinen kinder oder im verkehr mit diesen gebräuchlich Schambach 133ᵇ; memm in der kindersprache mutter Danneil 136ᵇ; memme, memm mutter, weib, muhme, groszmutter ten Doornkaat-Koolman 2, 588ᵇ; in Hessen memme mutter, angeblich blosz von judenkindern Vilmar 268; schles. memme, mater, mulier Steinbach 2, 44, als wort der niedrigen rede bezeichnet; auch in Oberdeutschland bekannt:
dann was ist lieblichers zu hören
als wann die kinder reden lehren,
wanns herauszlispeln bald die red
und rufen: abba, vatter, ett,
rufen der mutter, memm und ammen,
geben nach jrer notturft namen.
Fischart dicht. 3, 205, 65 (anmanung zu christl. kinderz.);
auf amme und wärterin übertragen, momme, mömme, memme brem. wb. 3, 183 (vgl. dazu muhme); niederl. memme, mamme nutrix Kilian; memm nutrix Schottel 1363.
3)
auch der kinderbrei (vergl. alem. 's mämm, mäm-mämm, milch, trinkbare flüssigkeit überhaupt, in der kindersprache Seiler 203): und wenn man ihnen (den kleinen kindern) nicht die memme oder pappen in mund striche, müsten sie verschmachten. Heyden Plinius (Frankf. 1584) 30.
4)
memme gewendet auf einen furchtsamen und weichlichen menschen, der einem kinderwartenden weibe verglichen wird. es ist seit dem 16. jh. bezeugt und wird von mittel- und niederdeutschen gegenden ausgegangen sein, Schottel 1363 gibt wol irrthümlich memme, homo timidus, muliebris als masc., das fem. ist sonst allgemein: die mämme, homo timidus, muliebris, quasi ubera adhuc sugens, eine feige mämme, meticulosus, pavidus, pusilli animi homo Stieler 40; denn es sind gemeiniglich memmen, die sich zu sehr für ihren weibern fürchten. Mathes. Syr. 1, 54ᵃ; du zertling und feige memme, rühme dich keiner stärke und tugend, .. was unterscheid ist denn zwischen dir und einem weibe? pers. rosenth. 2, 36; dachte auch, beide studenten würden keine kinder oder memen sein, sich entweder verführen oder so leichtlich berauben zu lassen, weil jeder einen degen an statt desz steckens in händen trug. Simpl. 3, 342 Kurz; es habe eine forchtsame meme einen andern kerl angesprochen, er wolte ihm doch einen zettel vor die festigkeit zukommen lassen. 4, 189; eine feige memme. Salinde, vorrede; so geht er mit pfiffen um, deren sich nur eine theologische mämme schuldig macht. Lessing 10, 192; vereinigt können sie (die enthusiasten) alles; getrennt sind sie immer in gefahr, das zu sein, wofür du sie ausgegeben hast, memmen und narren. Wieland 8, 125; still, du feige memme, lispelte ihm don Sylvio zu, der jetzt sah, was den guten Pedrillo in einen so groszen schrecken setzte. 11, 226; Pedrillo, der bei nacht und in den gespensterstunden die feigste memme von der welt war, hatte hingegen herz wie ein junger stier aus Andalusien, wenn es darum zu thun war, sich mit leuten von fleisch und blut bei tageslicht herum zu balgen. 328; feige, träge memme. Hamann 6, 58; o weh! o weh! die memmen! hat man noch solche abscheuliche memmen gesehen? .. wollt ihr noch nicht anpacken, ihr hasen? Fr. Müller 2, 107; in den koth mit euch, ihr memmen, ihr kröten. Schiller räuber (schausp.) 1, 2; warst du nicht die memme, die anhub zu schnadern (mit den zähnen zu klappern), als sie riefen: der feind kommt! 4, 5; das unglück musz einen groszen mann nicht zur memme machen. räuber (trauersp.) 1, 4; präsident (drohend zu den gerichtsdienern). wenn euch euer brod lieb ist, memmen — kab. u. liebe 2, 7; fasz dieses end an, sag ich. sonst wirst du ja fehl schieszen, memme! wie sie zittert, die memme! du solltest gott danken, memme, dasz du zum ersten mal etwas in deinen hirnkasten kriegst! 4, 3; bist doch krepirt, du memme. Göthe 8, 93; fürchte nichts, feige memme, du bist meiner stiche nicht werth. 35, 188; wenn ein reich durch die dummen und memmen gestürzt und durch die klugen und tapfern gerettet worden, so beginnt einige tage nach der rettungsstunde ganz sicherlich die herrschaft der dummen und memmen wieder. Immermann Münchh. 2, 172;
was thut der mann von tausend siegen?
die memme weint, dasz dort zu kriegen,
der himmel keine brücken hat.
Lessing 1, 46;
eine memme bin ich,
deine schönheit entmannet mich.
Fr. Müller 1, 213;
seid ihr soldaten? memmen seid ihr!
Schiller jungfr. von Orl. 5, 5;
ich bin gar ein armer wicht,
bin die feigste memme,
halten durst und hungerqual
mich in angst und klemme.
Bürger 50ᵇ;
der, wenn memmen matt und feig
dingen um der knechtschaft lohn,
nimmer müde, nimmer bleich,
trotzt der spötter schnödem hohn.
Arndt ged. (1840) 235;
maulhenker ihr, schlafmützen, memmen, tröpfe!
Uhland ged. 439,
überall in bezug auf zages und unkriegerisches verhalten; selten auf weichliche lebensgewohnheiten bezogen: die mämme Sardanapal vertrieb seine lange weile zwischen mägdgen und capaunen. Paulini philos. luststund. (1709) 1, 168.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2004, Z. 54.

memme, memm, f.

memme, memm, f.
1)
wie das masc. memm, mutterbrust oder euter; nebenform zum fem. mamme sp. 1519, auszerhalb des bairischen und alemannischen sprachgebietes (im letzteren hat mämmi, mämma eine nicht sehr abliegende bedeutung, vgl. a. a. o.) weithin verbreitet: rhein. memm und memmpel, mutterbrust, euter der säugethiere, besonders der kühe Kehrein 277; mämm brust (neben mutter und feigling, vgl. unten 2 und 4) Waldbrühl 188; in Aachen die mämm Müller u. Waitz 149; westf. memme, frauenbrust Wöste 173ᵇ; siebenbürg.-sächs. dêing mämmen sêing läwlicher denn wêing (hohel. Sal. 1, 2). Fromm. 6, 100; mammilla meme, memme Dief. 345ᶜ; der keiser leszt sich melken wie eine memme. Luther tischr. 347ᵃ (vergl. unter melken 6).
2)
dann die säugende mutter; vornehmlich niederd.: memme, mamme, mutter, nur in der sprache der kleinen kinder oder im verkehr mit diesen gebräuchlich Schambach 133ᵇ; memm in der kindersprache mutter Danneil 136ᵇ; memme, memm mutter, weib, muhme, groszmutter ten Doornkaat-Koolman 2, 588ᵇ; in Hessen memme mutter, angeblich blosz von judenkindern Vilmar 268; schles. memme, mater, mulier Steinbach 2, 44, als wort der niedrigen rede bezeichnet; auch in Oberdeutschland bekannt:
dann was ist lieblichers zu hören
als wann die kinder reden lehren,
wanns herauszlispeln bald die red
und rufen: abba, vatter, ett,
rufen der mutter, memm und ammen,
geben nach jrer notturft namen.
Fischart dicht. 3, 205, 65 (anmanung zu christl. kinderz.);
auf amme und wärterin übertragen, momme, mömme, memme brem. wb. 3, 183 (vgl. dazu muhme); niederl. memme, mamme nutrix Kilian; memm nutrix Schottel 1363.
3)
auch der kinderbrei (vergl. alem. 's mämm, mäm-mämm, milch, trinkbare flüssigkeit überhaupt, in der kindersprache Seiler 203): und wenn man ihnen (den kleinen kindern) nicht die memme oder pappen in mund striche, müsten sie verschmachten. Heyden Plinius (Frankf. 1584) 30.
4)
memme gewendet auf einen furchtsamen und weichlichen menschen, der einem kinderwartenden weibe verglichen wird. es ist seit dem 16. jh. bezeugt und wird von mittel- und niederdeutschen gegenden ausgegangen sein, Schottel 1363 gibt wol irrthümlich memme, homo timidus, muliebris als masc., das fem. ist sonst allgemein: die mämme, homo timidus, muliebris, quasi ubera adhuc sugens, eine feige mämme, meticulosus, pavidus, pusilli animi homo Stieler 40; denn es sind gemeiniglich memmen, die sich zu sehr für ihren weibern fürchten. Mathes. Syr. 1, 54ᵃ; du zertling und feige memme, rühme dich keiner stärke und tugend, .. was unterscheid ist denn zwischen dir und einem weibe? pers. rosenth. 2, 36; dachte auch, beide studenten würden keine kinder oder memen sein, sich entweder verführen oder so leichtlich berauben zu lassen, weil jeder einen degen an statt desz steckens in händen trug. Simpl. 3, 342 Kurz; es habe eine forchtsame meme einen andern kerl angesprochen, er wolte ihm doch einen zettel vor die festigkeit zukommen lassen. 4, 189; eine feige memme. Salinde, vorrede; so geht er mit pfiffen um, deren sich nur eine theologische mämme schuldig macht. Lessing 10, 192; vereinigt können sie (die enthusiasten) alles; getrennt sind sie immer in gefahr, das zu sein, wofür du sie ausgegeben hast, memmen und narren. Wieland 8, 125; still, du feige memme, lispelte ihm don Sylvio zu, der jetzt sah, was den guten Pedrillo in einen so groszen schrecken setzte. 11, 226; Pedrillo, der bei nacht und in den gespensterstunden die feigste memme von der welt war, hatte hingegen herz wie ein junger stier aus Andalusien, wenn es darum zu thun war, sich mit leuten von fleisch und blut bei tageslicht herum zu balgen. 328; feige, träge memme. Hamann 6, 58; o weh! o weh! die memmen! hat man noch solche abscheuliche memmen gesehen? .. wollt ihr noch nicht anpacken, ihr hasen? Fr. Müller 2, 107; in den koth mit euch, ihr memmen, ihr kröten. Schiller räuber (schausp.) 1, 2; warst du nicht die memme, die anhub zu schnadern (mit den zähnen zu klappern), als sie riefen: der feind kommt! 4, 5; das unglück musz einen groszen mann nicht zur memme machen. räuber (trauersp.) 1, 4; präsident (drohend zu den gerichtsdienern). wenn euch euer brod lieb ist, memmen — kab. u. liebe 2, 7; fasz dieses end an, sag ich. sonst wirst du ja fehl schieszen, memme! wie sie zittert, die memme! du solltest gott danken, memme, dasz du zum ersten mal etwas in deinen hirnkasten kriegst! 4, 3; bist doch krepirt, du memme. Göthe 8, 93; fürchte nichts, feige memme, du bist meiner stiche nicht werth. 35, 188; wenn ein reich durch die dummen und memmen gestürzt und durch die klugen und tapfern gerettet worden, so beginnt einige tage nach der rettungsstunde ganz sicherlich die herrschaft der dummen und memmen wieder. Immermann Münchh. 2, 172;
was thut der mann von tausend siegen?
die memme weint, dasz dort zu kriegen,
der himmel keine brücken hat.
Lessing 1, 46;
eine memme bin ich,
deine schönheit entmannet mich.
Fr. Müller 1, 213;
seid ihr soldaten? memmen seid ihr!
Schiller jungfr. von Orl. 5, 5;
ich bin gar ein armer wicht,
bin die feigste memme,
halten durst und hungerqual
mich in angst und klemme.
Bürger 50ᵇ;
der, wenn memmen matt und feig
dingen um der knechtschaft lohn,
nimmer müde, nimmer bleich,
trotzt der spötter schnödem hohn.
Arndt ged. (1840) 235;
maulhenker ihr, schlafmützen, memmen, tröpfe!
Uhland ged. 439,
überall in bezug auf zages und unkriegerisches verhalten; selten auf weichliche lebensgewohnheiten bezogen: die mämme Sardanapal vertrieb seine lange weile zwischen mägdgen und capaunen. Paulini philos. luststund. (1709) 1, 168.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2004, Z. 54.

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Zitationshilfe
„memm“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/memm>, abgerufen am 06.12.2021.

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