Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

memorie, f.

memorie, f.
memoria; im sinne von gedächtnis, gedächtniskraft war dieses fremdwort, zuerst in der sprache der mystiker erscheinend: di memôrje und di phantasie und di bildende kraft di mugen wol valsche bilde wirken. d. myst. 1, 129, 28, im 16. jahrh. recht in die sprache des gewöhnlichen lebens eingedrungen: derselbige siehet alle diese practiken; er vergisset ihrer nicht, denn er hat eine grosze memorien. Luther tischr. 1, 96 Förstem.; namentlich in der form memori: lieben stalbruder, machent mich nit irr, dan ich bin kurzer gedechtnus. ich hab mein memori in diser apoteken bei gar verlorn. Schade sat. u. pasqu. 3, 45, 26;
ein buch cento novella heist,
hat ein poet geschriben,
hundert histori es ausweist,
mir saget mein memori,
das buch sei Johannes Boccatius.
H. Sachs dicht. 1, 18 Gödeke;
all, so wöllen hörn und schawen
ain wunderwirdige histori,
wol zu pehalten in memori.
hürn. Seyfr. 1, 6 Götze;
später wieder sich in die sprache der gelehrten bildung zurückziehend: allein es war ein memori bei mir, aber kein judicium. Schuppius 817; man vergiszt nichts leichter als lügen oder einen traum und meine memorie ist nicht schneller als meine imagination. Fr. Müller 1, 312; jetzt ganz verschollen, doch ist es ostfriesisch noch im gewöhnlichen leben sehr gebräuchlich: he hed sîn memôrje nog gôd. her memôrje ferlett hör, word swak u. ähnl. ten Doornkaat-Koolman 2, 589ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2006, Z. 10.

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Zitationshilfe
„memorie“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/memorie>, abgerufen am 24.01.2022.

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