Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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meng, menge, m.

meng, menge, m.,
s. mennig.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2006, Z. 58.

menge, m.

menge, m.
herumziehender händler, trödler, hausierer, nebenform zu manger sp. 1550, vgl. auch unten menger: den mengen, landstreichern, schlüffeln oder terminierern ... soll gewehrt werden. S. Frank weltb. 36ᵃ; den kolenberg verwiedmet man armen mengen, lumpentragern und dorfkremern, zur herberg, welche in offne gasthäusern einzuͦkehren nicht vermöchten. Wurstisen Basler chronik 651; der ablaszmengen. Mathes. Sar. 17ᵃ; es gehört auch der bettler- und gaunersprache an: meng, mit der erklärung keszler P. Gengenbach 369 als rotwelsch.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2006, Z. 63.

menge, f.

menge, f.
multitudo.
1)
goth. managei; alts. menigi, altnfr. auch menigo, ags. menigo, fries. menî; ahd. manakî, managî, manigî, menigî, mhd. manige, menige, menege, menie; das altnord. kennt das wort, ebenso wie das ihm zu grunde liegende adj. manag, manch (sp. 1524) nicht, während schwed. und dän. mängd menge unter deutschem einflusz sich einfanden. das wort ist abstractbildung zu dem eben angeführten manag, mit der bedeutung des vielseins, der vielheit, welche in die der groszen zahl, des haufens übergeht.
2)
die nhd. form schlieszt sich zunächst der mhd. an, so dasz menige, menig noch vielfach bis ins 16. jahrh. dauern: multitudo menige Dief. 371ᵃ; menige copia, quasi habundantia, menig volks, turma, concio, multitudo populi. voc. inc. theut. n 6ᵃ; minnige, menigin, meine Lexer mhd. wb. 1, 2101, weitere beispiele im folgenden. menge kommt schon mhd. auf:
ir menge wart niht merre,
niwan dise viere.
Erec 8762;
die wahteln habent die art, daʒ si gegen winterszeiten über mer varnt in ainer grôʒen meng. Megenberg 182, 19; agmen vily, menge Dief. 18ᵇ; multitudo mengin 371ᵃ; turba ein ungeordenot mengin 602ᵃ, um, da sie Luther braucht, noch im laufe des 16. jahrh. die ausschlieszliche form zu werden.
3)
menge, ohne nähere bestimmung durch theilungsgenitiv oder sonst, in seinem früheren vorkommen auf eine menschenansammlung, einen volkshaufen, schar, bezogen: goth. þanuh þan usdribana varþ sô managei (ὁ ὄχλος). Matth. 9, 25; ahd.
druhtin selbo in uuâra   giang sâr in eina fiara,
er joh sîn githigini   suntar fon ther menigî.
Otfrid 3, 4, 42 (declinavit a turba vulg.);
mhd. dô hort ich einen ritter   vil wol singen
in Kürenberges wîse   al ûʒ der menigîn.
minnes. frühl. 8, 6;
hie wurden dise zwêne man
Êrec und Mabonagrîn,
von aller dirre menigîn
schône gesalûieret.
Erec 9657 (vorher burgære 9638);
wie später: menge, ein grosze versamlung oder zesamenkommung desz volks, multitudo, agmen, turba, coetus, celebritas, concio, conventus Maaler 288ᵃ; es ist ein geschrei einer menge auf den bergen, wie eines groszen volkes. Jes. 13, 4; die pallast werden verlassen sein, und die menge in der stad einsam sein. 32, 14; dein herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die menge am meer zu dir bekeret. 60, 5; gegenwertig aller menig (praesente populo). Bocc. 2, 206ᵇ; als nun die stund kam, das er predigen solt, versamlet sich ein grosze menige in der kirchen. Wickram rollw. 150, 13 Kurz.
4)
diese bedeutung tritt auch in mehr rechnerischem sinne hervor, insofern die zusammensetzung eines solchen haufens aus einzelwesen deutlicher als in den vorhergehenden beispielen gefühlt wird, es ist wie grosze anzahl: ich wil deinen samen also mehren, das er fur groszer menge nicht sol gezelet werden. 1 Mos. 16, 10, vergl. 32, 17; damit zweierlei geschlecht undereinander vermischet kinder ausziehen möchten und die ganz erden mit ihrer menig erfüllen. Alpinus Vergil. (1537) 7ᵃ; item, das ist kein gebot, wachset und mehret euch, das stettig binde, sondern hat allein zu jener zeit golten, da noch wenig leut gewesen, und nicht mehr jtzo, da für mennig einer den andern drücket. bei Luther 5, 97ᵇ;
jetzt wird der angst die stadt, der tempel vor die menge,
den thränen seine gruft und ihm die welt zu enge.
Günther 801;
so im gegensatz zu einzeln oder wenig: so sol gewis dieser hauf, des eine grosze menge ist, ganz gering werden. Baruch 2, 29; ihr werdet gegen die menge wenig sein. Göthe 8, 86;
hier stehen tausende dich zu beschützen,
hier wirken tausende nach deinem wink;
und wenn der einzelne dir herz und geist
und arm und leben fröhlich opfern wollte,
in solcher groszen menge zählt er nicht.
9, 264;
daher aber auch selbst kleine menge: die kleine menge aber, die den gesetzgeber ernähret, und daher auch seine vorzügliche aufmerksamkeit verdienet, dürfte wohl eine andre sprache führen. Möser patr. phant. 1, 106; die alte formel die meiste menge, von dem gröszten theile einer schar (vgl. oben sp. 1949), später durch substantives die meisten ersetzt (ebenda): wenn es kompt, dasz eine newe tracht (kleidertracht) allenthalben gemein ist, mag man alsdenn wol der meisten mennig nachfolgen, und thun wie die andere, jederman nach seinem stand. b. d. liebe 289ᵈ;
des was die meiste menje vrô.
livl. chron. 1178.
5)
andrerseits aber hebt sich auch die gesellschaftliche oder staatliche verbundenheit einer schar hervor: in älteren bairischen quellen ist menige, menig gemeinde, dorfmenig, kirchmenig, pfarrmenig Schm. 1, 1605 Fromm.; auch sonst, vergl. dorfmenge th. 2, 1283, kirchmenge th. 5, 822; Alexander Aurelius ... der wart von der menig keiser geheiszen und von dem senate Augustus. d. städtechron. 8, 28, 26; untz wie lang mürmelt wider mich dise böse menig (multitudo haec pessima)? bibel von 1483 73ᵃ (diese böse gemeine bei Luther 4 Mos. 14, 27); und wil meinen grim ausschütten uber Sin, welche ist eine festung Egypti, und wil die menge zu No ausrotten. Hes. 30, 15; diese wurden namhaftige fürsten in jren geschlechten des hauses jrer veter, und teileten sich nach der menge. 1 chron. 5, 38; die menge aber der stat spaltet sich, etliche hieltens mit den Jüden, und etliche mit den aposteln. ap. gesch. 14, 4; so sehen sie zum dritten, das an etlichen orten ein ganze menig und volk regiert, also was dem mehrertheil gefiel, dem gieng man nach. Livius von Schöfferlin 4.
6)
dies hat verächtlichen beisinn, namentlich in der neuern sprache erlangt, von der wahrnehmung aus, dasz solche enge gesellschaftliche verbundenheit selbständigkeit und eigenes urtheil vernichte, vergl. einen ähnlichen bedeutungsübergang bei haufe 4 und 5, th. 4², 584: du solt nicht folgen der menge zum bösen, und nicht antworten fur gericht, das du der menge nach, vom rechten weichest. 2 Mos. 23, 2; ich bin nit gern bei der menge, odi celebritatem. Maaler 281ᵃ; spannen sie alle ihre segel auf, erheben sie sich über die menge. Wieland 24, 37; der ruhige beifall des kalten kenners oder das laute zuklatschen der menge. 39; nicht die schimmernde that vor dem auge der welt, nicht das stürmende klatschen des beifalls der menge, die innere quelle der that ists, die zwischen tugend und untugend entscheidet. Schiller hist.-krit. ausg. 1, 61; wenn man der menge das mitgefühl alles menschlichen geben .. könnte. Göthe 18, 165;
das schätzt, das glaubt kein kopf, der wie ein taumelnd schaaf
noch mit der menge lauft.
Günther 423;
wir sehn der tugend bahn; wir wollen sie beschreiten,
und lassen uns doch selbst von den begierden leiten.
der irrthum macht uns stolz, die menge reiszt uns hin.
Cronegk 2, 123;
also spiele dein spiel; nicht für die menge, für dich.
Herder z. litt. 4, 27;
sie hören nicht die folgenden gesänge,
die seelen, denen ich die ersten sang; ..
mein lied ertönt der unbekannten menge,
ihr beifall selbst macht meinem herzen bang.
Göthe 12, 5;
ich wünschte sehr der menge zu behagen,
besonders weil sie lebt und leben läszt.
9;
die menge drauszen jauchzt, und die batuken schallen.
Freiligrath dicht. 1, 97;
sie wird dem pöbel nahe gestellt: das drama setzt eine müszige menge, vielleicht gar einen pöbel voraus, dergleichen sich bei uns nicht findet. Göthe 22, 170; manchmal in ihren eigenschaften ihm gleich:
wohin entflieht dem pöbellärm der menge
die stille wehmuth und der tiefe schmerz?
Arndt ged. (1840) 169;
wie menge und pöbel wol auch wechseln:
dann forscht sie mit feurigem auge
um sich herum, ob sie unter der menge nicht edlere fände,
welche mit ihr den propheten bewunderten.
Klopstock 4, 25 (Mess. 6, 339);
nachher dieser pöbel v. 350; die menge wird grosz, bunt, verworren, urtheilslos, betrogen, gaffend, unruhig u. ähnl. genannt: er verachtet das urtheil der groszen menge; ich schämte mich nun, eine nation nach der verworrenen menge beurtheilt zu haben, die sich in eine theatergarderobe drängen mag. Göthe 19, 107; der bunte pickelhäring, den der schlaue alte unter die unruhige menge emporgeschickt hat. Immermann Münchh. 1, 167; wahre liebe ist schüchtern und verbirgt sich vor der gaffenden menge. Freytag dram. werke 1, 201;
drauf versucht er, wie weit er die schwindelnde menge beherrsche.
Klopstock 4, 50 (Mess. 7, 113);
um einen arzt und seine bühne
stand mit erstaunungsvoller miene
die leicht betrogne menge
in lobendem gedrenge.
Lessing 1, 59;
stand die erstaunte menge.
ebenda;
o sprich mir nicht von jener bunten menge,
bei deren anblick uns der geist entflieht.
Göthe 12, 10;
die wankelmüthge menge,
die jeder wind herumtreibt!
Schiller M. Stuart 4, 11;
ihr werden nach geistiger und gesellschaftlicher seite hin die leiter, oberen, groszen, regierenden entgegengesetzt: doch die menge hat immer sinn genug, wenn die obern damit begabt sind. Göthe 22, 182;
die hohenpriester begleiten
zu Herodes den göttlichen sohn, mit ihnen die menge.
Klopstock 4, 75 (Mess. 7, 499);
grosze gingen zu grunde: doch wer beschützte die menge,
gegen die menge? da war menge der menge tyrann.
Göthe 1, 363;
wenn dir die menge, gutes edles kind,
bedeutend scheinen mag, so tadl ichs nicht;
sie ist bedeutend, mehr noch aber sinds
die wenigen, geschaffen dieser menge
durch wirken, bilden, herrschen vorzustehn.
9, 264;
wenn ich (königin Elisabeth) dem wunsch der menge nun gehorcht.
Schiller M. Stuart 4, 8;
wann soll ich frei auf diesem throne stehn!
die meinung musz ich ehren, um das lob
der menge buhlen, einem pöbel musz ichs
recht machen, dem der gaukler nur gefällt.
4, 10;
in manchen beispielen ist doch auch der verächtliche beisinn fast bis zum schwinden gemildert: in friedenszeiten ist für die menge wohl kein erfreulicheres lesen als die öffentlichen blätter, welche uns von den neuesten weltereignissen eilige nachricht geben. der ruhige, wohlbehaltene bürger übt daran auf eine unschuldige weise den parteigeist. Göthe 48, 66.
7)
menge, eine streitbare schar, kriegerschar, heerhaufe: cohors khraft endi manakî Steinmeyer-Sievers 1, 91, 26;
zuo dem chuninge (Pharao)   und zaller sîner menige.
exodus, fundgr. 2, 95, 33;
(während der heerführer) in eine lâge sich
mit der menie dâ vorstîʒ (in den hinterhalt sich legte).
Jeroschin 20338;
daʒ er nüt gesigen möhte gegen solicher kraft und meine so die burgere hettent. d. städtechron. 8, 83, 11; ich wil Sissera den feldheubtman Jabin, zu dir ziehen an das wasser Kison, mit seinen wagen, und mit seiner menge. richt. 4, 7; in deinem namen sind wir komen, wider diese menge (zum kampf). 2 chron. 14, 11; es kompt wider dich eine grosze menge von jenseid dem meer, von Syrien. 20, 2; das Pharao, und alle seine menge sol ligen unter den unbeschnittenen, und mit dem schwert erschlagenen. Hes. 32, 32; das thal, .. weil man daselbst Gog mit seiner menge begraben hat, und sol heiszen, Gogs haufenthal. 39, 11; der sieg kompt vom himel, und wird nicht durch grosze menge erlanget. 1 Macc. 3, 19; waren inen doch die Turken so gar mit irer unzelichen menig uberlegen. Zimm. chron. 1, 84, 27; es versammlet sich ein grosze mennig zum streit, nicht allein die streitbaren, sondern was stab und stangen tragen mocht. b. d. liebe 198ᵇ;
jr kriegszknecht, hielt jr inn der meng
ewr ehr und aid inn rechter streng, ..
zuͦ kriegen würt jr hoch geacht.
Schwarzenberg 143ᵃ;
gegen meiner grosz menig
sein ihrer vil zu wenig.
das Fadingerlied (1626) in Görres hist.-pol. bl. 33, 957;
prinz! der den Saracen mit löwenmuth erleget,
der, wie man sterben soll, verzagten siegend weist,
auch jede wunde selbst, die dir die menge schläget,
wird ein beredter mund, der deine thaten preist.
Menantes ged. (1704) 193 (über einen in der schlacht gefallenen prinzen);
auch in der neueren sprache nicht vergessen:
und eine andre menge
steht, dem verderben nah,
mit blinkendem gepränge
in waffenrüstung da.
Körner 1, 120;
an die bedeutung 5 streifend:
mit dem helm und wehrgehäng
schlieszt er sich an eine würdige meng.
Schiller Wallensteins lager, 7. auftr.
8)
menge im sinne einer groszen zusammengehörigen anzahl, mit näherer bestimmung.
a)
durch einen theilungsgenitiv:
folgete mo githiuto   al menigi therô liutô.
Otfrid 2, 24, 8;
sa zehant da was berait
di menig der engel in gotes chraft
der himelischen riterschaft.
Suchenwirt 41, 423;
eine grosze menge desz volks versamlen an ein ort, celebrare locum conventu. Maaler 288ᵃ; o weh der menge so groszes volks. Jes. 17, 12; die menge der tyrannen. 29, 5; die menge aller heiden, so wider Ariel streiten. 7; wenn der hirten menge jn anschreiet. 31, 4; mit der menge deiner zeuberer. 47, 12; fur groszer menge der menschen und viehs, so drinnen sein wird. Sacharja 2, 4; die menge seiner kinder. Esth. 5, 11; unter der menge seiner brüder. 10, 3; sahe er eine grosze mechtige menge volks on zal da. 1 Macc. 5, 30; das eine grosze menge der Jüden und der Griechen gleubig ward. ap. gesch. 14, 1; wie aber ein so grose menig der geschlechter zu grundt gangen. Zimm. chron. 3, 291, 24; in solcher gefahr do war kein bösser preserfatiff, dann sich ordenlich halten, alles obs und kalte speisen meiden und wenig under die menig volks oder in luft komen. 321, 21; der war erst user schlaf erwacht, sicht zum fenster hinausz ein solche menig volks herzu tringen. 4, 66, 14; ein merkliche menig und anzahl der allerboshaftigsten menschen. Hutten 5, 18 Münch; lasz dich nit ergeren die menig der geistlichen unwisen. Schade sat. u. pasqu. 3, 6, 15; ein grosze menig volks. Amadis 167; die weil sie mit der that und der menig jrer bastart solches genugsam bezeugen. Fischart bienk. 210ᵃ; eine grosze menge der teufel. Schuppius 344; die mennige volkes ist sampt Christo den berg gestiegen. Procopius patrociniale (Salzburg 1674) 387; ihnen ist nunmehr eine solche mennige volks nachgefolget. 389; die ganze menge der menschen, generis humani universitas. Steinbach 2, 45; wo er den trost hatte, eine menge andrer ritter anzutreffen. Wieland 24, 127; eine menge volks, die eben auf einem marktplatze vor ihren augen wimmelte. 223;
ob schon bei diesem bronne
die meng der junfräwlein
und dann die füll der wonne
zusammen kommen sein.
Zinkgref bei Opitz 1624 s. 214;
herr, ich bitte dich, erwähle
mir aus aller menschen meng
eine fromme heilge seele.
P. Gerhard 265, 66;
der anverwandten meng und pracht
umringet dich mit wunsch und scherzen.
Günther 1155;
grosz war die menge der gottesboten.
Herder z. litt. 4, 219;
und es bat jn die ganze menge der umbliegenden lender der Gadarener, das er von jnen gienge. Luc. 8, 37; mit verstandenem und aus dem vorhergehenden zu erschlieszendem theilungsgenitiv: er (ein teufel) sprach, dasz vor zeiten sein ampt gewesen, die schneider auf der welt abzuholen, und in die hölle zu tragen, dahero von der groszen mänge und last er in solche abstallt (misgestalt) gerahten. Philander 1 (1642) 304;
nun wend ich alles an, dir feinde zu erwecken:
schreckt ihr verstand dich nicht; die menge (derselben) soll dich schrecken.
Cronegk 1, 6.
b)
die genitivform ist verwischt: eine grosze mennig ubelthäter. Kirchhof wendunm. 13ᵃ; ein grosze menig weiber. Fischart bienk. 176ᵇ; umb der groszen mennige feinde willen. Antimachiavell (1624) 186ᵇ; eine menge zuehörer, frequens auditorium Stieler 1269; pursche und soldaten aber eine grausame menge. Haller tagebücher 77; eine menge kinder. 78;
er hat jm geben rinder viel,
ein grosze mennig knecht und maid.
Tirolf Isaak und Rebecca E;
oder wird in der neueren sprache, zumal in gewöhnlicher oder nicht sorgfältiger rede, durch beigesetzten gleichen casus ersetzt: es gab dort eine menge müszige menschen; man sah eine grosze menge vorüberziehende soldaten; eine menge tapfere leute haben, copiam fortium virorum habere. Steinbach 2, 44; er .. genieszt hohe glückseeligkeit, und ist der leithammel von einer menge jungen leuten. Heinse Ardingh. 2, 127.
c)
oder sie wird durch von ersetzt: ir schickent uns ain soliche grosze menig von allen nacionen, creaturen und geschlechten der menschen, dasz wir sie nit wol behalten möchten. Schade sat. u. pasqu. 2, 89, 15; wenn wir die menge von heuerleuten nicht hätten. Möser patr. phant. 1, 101; wann diesem (regenten) die menge von köpfen zu seiner grösze dienlich ist. 105; vergl. in der alten sprache:
dadir (zu Köln) restit ein sulîch menige
van senti Mauriciin herige.
Annolied 97;
oder durch an: dasz er eine gröszere menge an knechten und mägden .. gehabt habe, als alle. Schuppius 101.
9)
menge, auch von thieren, mit ähnlichen näheren bestimmungen, schon gothisch: galukun managein fiskê filu (πλῆθος ἰχθύων πολύ). Luc. 5, 6; wie später:
sie uurfun thô zi zesue   thaʒ irô nezzi in den sê;
in quam sâr ingegini   fisgô mihil menigî.
Otfrid 5, 13, 16;
und si lîʒen (das netz), und dô mochten si iʒ îczunt niht gezcîhen von der menige der fische. Behaims ev.-buch, Joh. 21, 6; das land .. mocht sie nicht ertragen fur der menge jres viehs. Luther 1 Mos. 36, 7; du weiszest, wie ich dir gedienet habe, und was du fur vieh hast unter mir. du hattest wenig ehe ich her kam, nu aber ists ausgebreitet in die menge. 30, 30; füre das volk nicht wider in Egypten, umb der rösser menge willen. 5 Mos. 17, 16; man neme die fünf ubrige rosse, die noch drinnen sind uberblieben (sihe, die sind drinnen uberblieben, von aller menge in Israel, welch alle dahin ist). 2 kön. 7, 13; wie eine grosze menge hewschrecken. richt. 6, 5; jre kamele waren nicht zu zelen fur der menge. 7, 12; die menge der kamelen wird dich bedecken. Jes. 60, 6; jre camelen sollen geraubt, und die menge jres viehes genomen werden. Jer. 49, 32; grosze menge vieh, copia ingens pecorum Steinbach 2, 44; eine grosze menge frösche hat sich mir zu ehren erreget, mei honoris causa vis maxima ranunculorum se commovit. 45; der professor erstaunte über die menge der braunen hausträgerinnen, der schnecken, welche jetzt überall hervorkamen. Freytag handschr. 1, 135.
10)
jünger ist menge in bezug auf dinge.
a)
von einer groszen anzahl gleichartiger und zusammengehörender einzelner gegenstände; mit theilungsgenitiv: wie die menge der stern am himel. 5 Mos. 1, 10; ich bin durch die menge meiner wagen auf die höhe der berge gestiegen. 2 kön. 19, 22; was sol mir die menge ewer opfer? Jes. 1, 11; es ist ein meer uber Babel gangen, und sie ist mit desselbigen wellen menge bedeckt. Jer. 51, 42; alsdann sol der cammerrichter nach mennige oder gelegenheit, oder grösze der sachen, macht haben, die personen der beisitzer oder urtheiler zu theilen. cammergerichtsordnung von 1521, iii; daraus so ein grosze menig der büchern in allen künsten zu uns hergeflossen ist. Alpinus Vergil. (1537) 44ᵃ; die mennige der götzen. Mathes. Sar. 45ᵇ; menge der sternen, multitudo, exercitus stellarum Stieler 1269; anstatt der menge schlechter und mittelmäsziger ernsthaft-moralisierender bücher in allen formaten. Wieland 12, 9; aus der unendlichen menge ihrer kunstwerke. 24, 190;
dasz kaum dein tisch der schüsseln menge faszt.
Hagedorn 2, 63;
knisternd entflog
die menge der funken.
Stolberg 2, 39;
schwere menge:
der kugeln schwere menge
erleichtert dir dabei des schweiszes müh und last.
Günther bei Steinbach 2, 45;
menge mit apposition: du hast wohl im ergusz der liebe, und unter den blüthen des frühlings eine menge lieder gesungen. Hölty 265 Halm; oder mit nur verstandenem beisatz: eine innigere theilnahme, .. die uns nach und nach mit den gegenständen bekannter macht. alsdann bemerken wir erst eine grosze mannichfaltigkeit, die uns als menge entgegentritt. Göthe 52, 3; sprichwort des kaufmanns ist die menge musz es bringen, verstanden die menge der verkauften waaren den gewinn; doch kann auch eine grosze anzahl käufer verstanden werden: die menge musz es bringen, multitudo quaestum debet adferre Scheller deutsch-lat. handlex. (1796) 974;
das macht dasz zu Trident im tag
beschlossen ward, dasz in all land,
die nicht gern han des bapstumbs band,
man solt mit allen schlimen ränken
ein haufen bistumb nur einsenken;
so könne man so mit der meng
die leut eintreiben in die leng.
Fischart nachtrab 1389;
überhaupt von sächlichen begriffen: nach der menge der jar soltu den kauf steigern. 3 Mos. 25, 16; ich dacht, las die jar reden, und die menge des alters las weisheit beweisen. Hiob 32, 7; umb der menge willen deiner missethat, sind dir deine seume aufgedeckt. Jer. 13, 22; die liebe deckt auch der sunden menge. 1 Petr. 4, 8; nach der mennige deiner erbarmung tilge ab meine ungerechtigkeit. Luther 1, 30ᵇ; so sind in kurzem der vermuthungen so viele, dasz ihre verschiedenheit und menge einen treuherzigen leser weit verlegener macht, als er nimmermehr bei dem gänzlichen mangel derselben gewesen wäre. Lessing 11, 60; zu jenem glücklichleben ... wohin wir aufgeklärten leute, vor lauter menge der wege die dahin führen, so selten oder gar nie gelangen können. Wieland 24, 65; alle diese gelegenheiten ... muszten die imaginazion der künstler mit einer menge schöner formen anfüllen. 179;
ich gschweig die meng der mummerei,
zutrinkens und ander büberei.
H. Sachs fastn. sp. 1, 78, 281;
was ziert ein conterfei? der farben meng und pracht?
Günther 710;
und was ist denn der jahre mänge,
wornach man so begihrig strebt?
Drollinger 270;
ich erbitte mir, auf heute, sonst kein theil, als brodt und frieden,
aus der andern güter menge wähle nie mein eigner wahn!
Hagedorn 1, 4;
er hat eine grausame menge bücher in schöner unordnung. Haller tagebücher 113; eine ungeheure menge leibes- und seelenkrankheiten. Wieland 24, 70; um eine unendliche menge augen auf einmahl zum anschauen .. zuzulassen. 185; eine menge conjecturen wird nöthig sein. Freytag handschr. 1, 201;
so achtet gleichewohl man deiner gaben nicht,
weil bei der menge (derselben) dir barmherzigkeit gebricht.
Homburg Dulcimunda (1643) 22;
in sachen, die von .. verknüpfung einer menge von begriffen abhangen, welche selbst wieder resultate von einer menge andrer sind. Wieland 24, 49;
indem ein stengel solche menge
von beeren träget und ernährt.
Brockes 2, 383;
auf ungezählten zweigen,
die durch der blumen meng und ihre last sich beugen.
46;
ja, wenn wir endlich gar bei dieser grösz und länge
noch vollends erst die ungezählte menge,
ja die unendlichkeit,
so ungeheurer lichts- und sonnenkörper schauen.
215;
der berge gipfel schmückt gewürzter kraüter mänge.
Drollinger 83;
welch eine menge von güldenen früchten verschüttet das jahr nicht!
Zachariä tageszeiten (1757) 25;
welch eine flimmernde menge von goldnen und demantnen spangen
werden zum hauptschmuck der nacht.
126.
b)
auch von stoffbezeichnungen: eine menge silbers, goldes oder silber, gold; das kostet eine menge geld; und Salomo lies alle gefesz ungewogen fur der seer groszen menge des erzs. 1 kön. 7, 47; sie werden die menge des meers saugen. 5 Mos. 33, 19; wird dich die menge des wassers verdecken? Hiob 38, 34; durch die menge der kraft werde ich anders und anders gekleidet. 30, 18; es ist eine grosze menge wein worden, vineae fructuosissimae fuerunt, abundantia vini extitit. Stieler 1269;
da viele (pfirsiche) mehr als zwei pfund am gewicht,
durch die gehäufte meng der feuchtigkeiten, haben.
Brockes 2, 37.
11)
die mehrzahl des wortes erscheint schon goth. verwendet, wie haufen, volkshaufen: gasaíhvands þan þôs manageins (τοὺς ὄχλους) infeinôda in izê. Matth. 9, 36; hazjiþ, allôs þiudôs, fraujan, jah hazjaina ina allôs manageins. Röm. 15, 11 (αἰνεῖτε, πάντα τὰ ἔθνη, τὸν κύριον, καὶ ἐπαινεσάτωσαν αὐτὸν πάντες οἱ λαοί); wie ahd.: gisamanôtê uuârun zi imo managô menigî (turbae multae). Tat. 70, 2; md.
von Babilônien der soldân
vorterbete Armenien
mit sînis heris menien.
Jeroschin 15654;
und wieder in der neueren sprache, hier aber nur in gewählter rede: unten auf den breiten steinen des Bra gingen mengen von menschen: männer von allen ständen, weiber vom mittelstande spazieren. Göthe 27, 65;
welche mengen stürmen daher! ach sie eilen, und reiszen
ihn in der deckenden nacht zu dem tode.
Klopstock 4, 17 (Mess. 6, 211).
12)
bei menge im singular kann, wie zu andern sammelbegriffen, pronomen und verbum im plural stehen:
thoh sie ougtin argan uuillon,
emmiʒên thiu menigî   afur thara ingegini.
Otfrid 3, 14, 116;
alle die menge deines hauses sollen sterben, wenn sie menner worden sind. 1 Sam. 2, 33; und die menge, die dich zustrewen, werden so viel sein, als ein dummer staub. Jes. 29, 5; eine grosze menge des volks, .. die da komen waren, jn zu hören. Luc. 6, 17; soll ich mit jhnen streiten, so sind jhrer ein grosze mennig, also, dasz mir nicht wol müglich ist, mit dem leben von jhnen zu kommen. b. d. liebe 21ᵃ; wie eine rasende menge mit stäben, beilen, hämmern, leitern, stricken versehen, von wenig bewaffneten begleitet, erst capellen, kirchen und klöster anfallen, die andächtigen verjagen, die verschlossenen pforten aufbrechen, alles umkehren, die altäre niederreiszen, die statuen der heiligen zerschlagen, alle gemählde verderben, alles was sie nur geweihtes, geheiligtes antreffen, zerschmettern, zerreiszen, zertreten. Göthe 8, 181 (gleich darauf: wie eine grosze menge volks, von gleichem unsinn ergriffen, sich über Menin, Comines, Verwich, Lille verbreitet, nirgend widerstand findet); Michelagnolo dagegen hatte eine menge fuszvolk vorgestellt, die bei dem heiszen wetter sich im Arno badeten. 34, 37; von gegenständen: es waren die menge gemahlter figuren darin (im buche). Wieland 11, 56; was ich von dem meinen dazu that, und womit ich die arbeit bereicherte, die menge schöner kleiner masken, erfreuten meinen meister höchlich. Göthe 34, 42. singular und plural des verbums wechselnd: da nun diese stimme geschach, kam die menge zusamen, und wurden verstörzt. ap. gesch. 2, 6.
13)
menge in festen formeln, die an adverbialen gebrauch streifen oder in ihn auslaufen.
a)
eine menge, vielfach, zahlreich, in groszer zahl:
küszten eine lange länge,
küszten eine grosze menge,
küszten immer in die wette.
Logau 3, 100;
mit vorhergehendem genitiv: also hat man zu ieder zeit solcher ritter ain menige. Zimm. chron. 4, 3, 32; alsdann deren gesellen in den groszen stetten ein mennig ist. 10, 33.
b)
häufiger die menge; ebenso mit genitiv: das sie gelds die menge zu hauf brauchten. 2 chron. 24, 11; mit kamelen, die würze und golds die menge trugen. 9, 1; wenn er donnert, so ist des wassers die menge unter dem himel. Jer. 10, 13; wo des (des geldes) einer die menig hat. Hutten 5, 268 Münch;
nemt piderbe herren an den rat,
der ewer lant di menige hat.
Suchenwirt 27, 68;
der eselinnen die menge
stehen zu meinem gebot.
Herder z. litt. 3, 258;
und wärens der schweine die menge.
Göthe 40, 182;
gewöhnlicher mit apposition: allerlei edelgesteine, und marmelsteine die menge. 1 chron. 32, 2; er gab jnen fütterung die menge. 2 chron. 11, 23; er hatte reichtum und ehre die menge. 17, 5; brachten schafe die menge und kamel. 14, 15; hatte vieh an schafen und rindern die menge. 32, 29; allerlei wein die menge. Neh. 5, 18; fewr und holz die menge. Jes. 30, 33; wenn er donnert, so ist da wasser die menge unter dem himel. Jer. 51, 16; ein artiger liebwerther junger mann .. verkaufte honig und bekam kaufleute die menge. pers. baumg. 4, 7; (ein meister,) der reimer die menge, aber auch nichts als reimer gezogen hat. Lessing 4, 449; einzelne stücke sind die menge auch in alle andere sprachen übersetzt worden, denen es nicht ganz an poeten fehlt. 8, 508; solche fehler können die menge im Plinius sein. 96;
herr, du lässest für das vieh gras und kraut die menge werden.
Brockes 2, 571;
ehre
die menge regnets gleich herab!
Gökingk 2, 97;
rosen nennet dein lied, narcissen und blumen die menge.
Herder z. litt. 3, 251;
hundert sträusze vertheilt ich des tags, und kränze die menge.
Göthe 1, 306;
denn hier sind kläger die menge.
40, 60;
alles da lustiger, loser ging,
soff und spiel und mädels die menge!
Schiller Wallensteins lager, 6. auftr.;
die schwere menge: der leichenpomp ward veranstaltet in aller pracht, carmina gabs die schwere meng um den hund. Schiller räuber 1, 2; Schweizer. wir haben doch pulver genug. Razm. pulver die schwere menge. 2, 3.
c)
auch ohne genitiv oder apposition eines subst.: und des andern morgens opferten sie brandopfer, tausent farren, tausent widder, tausent lemmer, mit jren trankopfern, und opferten die menge unter dem ganzen Israel. 1 chron. 30, 21; ein groszer herr könnt mir geben die meng und die füll; ich könnt ihn doch nicht leiden. Göthe 42, 5;
A. gebt uns ein lied! M. wenn ihr begehrt, die menge.
12, 110;
oder mit anderem beisatze: es fielen zu jm aus Israel die menge. 2 chron. 15, 9; oder mit nachfolgendem genitiv:
Hans, du bringst ja die meng herzstärkungen!
Voss Luise 1, 602;
schlag ayer dorunter, so vil und dy menig der krebs ist. kuchenmeisterei a 4.
d)
in menge: hier bekömmt der amtmann so viel getreide, dasz er noch einen ochsen mästen kann, und butter in menge. Rabener sat. 3, 75;
auch wein, den herzerfreuenden, trug man
reichlich und brod aus den häusern, und holz auch las man in menge.
Ilias 9, 547;
in der menge: er ist ein schriftsteller, wie man sie bei den Deutschen und Franzosen in der menge antrift. Lessing 4, 490;
anbeter könnt ich wohl noch in der menge haben.
Göthe 7, 52;
in groszer, zahlreicher menge: do giengen die jungfrawen dem sacrament abermals in groszer menig vor. Zimm. chron. 2, 224, 8; daselbst vertauschte ich mein schwarz hembd um zwei weisze, und dörfte sonst nichts aufgeben als die läuse die sich in dem meinigen in unzahlbarer mänge befanden Simpl. 3, 383 Kurz; es haben schon leute daran gedacht, ob nicht in der grundtiefe des meeres solche meerwunder in zahlreicher menge beisammen sitzen. Hebel 3, 19;
hier sind in der gröszten menge
schwefeladern, kiesz, metall.
Brockes 2, 233;
wäre deine zarte regung gegen mich auch noch so grosz,
gäbst du sie mir zum verschwenden in gemünzter menge blosz (hin).
Günther 866;
dafür genitive fügung:
doch du, o seele! wirst du bleiben?
wie, oder must du mit vergehn?
ist denn dein stoff auch ein gedränge,
von teilen ungezählter mänge,
als wie ein körper, zugericht?
Drollinger 18.
14)
menge ohne artikel, im 16. jahrh.: darumb wil ich jm grosze menge zur beute geben, und er sol die starken zum raube haben. Jes. 53, 12; geht über in die stellung und den gebrauch eines unbestimmten pronomens: nachdem auch durch mennige personen und urtheiler, die arbeit der cammergerichts-canzlei nunmehr viel gröszer, dann hievor sein wird. abschied des reichstags zu Augsburg 1530, § 81; gesteigert von dem begriffe der groszen zahl zu dem sinn jedermann, ein jeglicher: die stat an vil enden wie ein bergwerk undergraben. im ersten eingang eng wie ein thür, darnach hinden weit auszghület, gladt und auszbutzt, dʒ sich menig darab verwundert hat. S. Frank chronica 247ᵃ; es meinet mennig, Cnemon sei dem urtheil, so jm aufgelegt, nachkommen, und ins elendt entwichen, ich hab aber nachfrag gehabt, und ist mir unverborgen, dasz er noch nahet umb die statt heimlich vorhanden. b. d. liebe 182ᵈ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2006, Z. 73.

menge, f. oder m.

menge, f. oder m.
pflanzenname, agrimonia eupatorium: meng, ein kraut, so man auch nennt agrimonien, eupatorium, eupatoria Maaler 288ᵃ. der lat. name agrimonia entstellte sich zu der odermennig, die odermennige (s. d.), welches sich wiederum zu menge kürzte, soweit nicht bisweilen auch menig blieb: menig oder agrimoni. Sebiz feldb. 58; niederl. menghe, eupatorium, vulgo agrimonia Kilian.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2014, Z. 28.

mengen, verb.

mengen, verb.
miscere, permiscere.
1)
die heimat dieses wortes ist das niederdeutsche sprachgebiet, wo auch das ihm zu grunde liegende mang, das wir nur als adv. und präp. im sinne von unter, zwischen kennen, wie auch das zunächst stehende subst. gimang, gemong schar, haufe, gesellschaft lebt (vergl. sp. 1539): alts. altnfr. mengian, darunter thun, dazwischen machen, niederd. niederl. mengen, ags. mengan, mencgan, mängan, altengl. meng und ming, neuengl. mundartlich ming neben der schriftgemäszen weiterbildung mingle; fries. menga, mengia; das nord. menga, schwed. mänga, dän. mænge ist verhältnismäszig späte entlehnung. dagegen findet sich mengan schon früh im fränkischen ahd., doch nur einmal im part. prät.: in dhes aeuuiste sitzit pardus mit gheizssinu, bauhnit dheâ nîdhigun chimenghide mit sundigêm (in cujus ovile pardus cum hedo accubat, permixtim, scilicet subdoli cum peccatoribus). Isidor. 37, 25 Weinhold (IX, 7); um aber später vorzudringen, und so, dasz das wort mhd. überall eingebürgert erscheint. im westfälischen hat es starke form entwickelt: mengen, prät. mong, part. mongen, mungen Woeste 174ᵃ; wie auch das engl. ming prät. mung, part. mung und mong zeigt.
2)
mengen, gebraucht von gegenständen und stoffen, die durch einander gethan werden: mengen, miscere, i. temperare. voc. inc. theut. n 6ᵃ; mixtim gemengit Dief. 364ᵇ; Abraham eilet in die hütten zu Sara, und sprach, eile und menge drei mas semelmelh, knete, und backe kuchen. 1 Mos. 18, 6; nim zu dir specerei, balsam, stacten, galben und reinen weihrauch, eins so viel als des andern, und mache reuchwerg draus, nach apoteker kunst gemengt. 2 Mos. 30, 35; er macht das das tiefe meer seudet wie ein töpfen, und rürets in einander wie man eine salbe menget. Hiob 41, 22; das futter mengen, equo avenam miscere paleis ex confectis frugum culmis. Stieler 1267; haber und spreu mengen, miscere avenam cum palea. Steinbach 2, 45; getreide mengen, vergl. mengekorn, mangkorn; die ochsen und füllen, so den acker bawen, werden gemenget futter essen, welchs geworfelt ist mit der worfschaufel und wanne. Jes. 30, 24; bei den spielern karte mengen, commiscere cartas lusorias. Stieler 1267; in den schmelzhütten erz mengen, verschiedene arten oder sorten, zum schmelzen oder probieren; gemengkrücke, damit die sorten (erze) gemenget werden. mineral. lex. 244ᵇ; eine gemengte mark silbers war die mark, der ein gewisser kupferzusatz beigemischt war: der kroschen schal de ghemengede mark holden achte lot fynes sulvers unde ein quentyn. d. städtechron. 16, 551, 14 (hildesheim-braunschweigische münzeinung von 1501); bei den tuchmachern gemengte wolle, die überall her vom thiere genommen und gemengt ist, im gegensatze zur kernwolle, die nur vom rücken und nacken genommen wird: von 5 pfd. gemengter wollen, da der meister die fluck wil ungeschlagen haben, sol man eim knecht geben 20 dr. Mone zeitschr. 9, 159; vergl. alts.
habdun im unswôti   ekid endi galla
gimengid thia mên-hwaton.
Heliand 5648;
mhd. swaʒ si wæte solden haben,
daʒ was sîde unt golt gemenget,
mit porten gesprenget.
Servatius 467;
ein gemengtes hemd, wol von der buntfarbigkeit desselben:
ein langes hembd, was schon gemengt,
das im sin liebe geuchin schenkt,
er trugs mit im ins welsche landt.
Murner geuchm. v 4ᵃ (8, 1034 Scheible);
westfäl. heiszt bloszes mengen brotteig machen, kneten. Woeste 174ᵃ; mit näherer bestimmung etwas mit etwas, unter etwas mengen, durch einander mengen: ungesewerte kuchen mit öle gemenget. 2 Mos. 29, 2; speisopfer das mit öle gemengt .. ist. 3 Mos. 7, 10; so neme er .. ein zehenden semelmelh mit öle gemengt zum speisopfer. 14, 21; das .. kein kleid an dich kome, das mit wolle und lein gemenget ist. 19, 19; es ward ein hagel und fewer mit blut gemenget. offenb. Joh. 8, 7; dem pferde den haber mit heckerlinge mengen. Stieler 1267; wein und wasser durcheinander mengen, temperare vinum aqua, aqua diluere, miscere. ebenda; etliche lassen denen zugrossen wickfutter unter den heckerling mengen. öcon. lex. 1872;
die ander truͦg gemenget
grüen, rot, weis, gel gesprenget ..
gemischet durch einander.
Suchenwirt 28, 29.
3)
dieses mengen auch weniger sinnlich oder bildlich. so von durcheinander liegenden orten: und alle grenzstedte, sampt jren dörfern der kinder Ephraim waren gemenget unter dem erbteil der kinder Manasse. Jos. 16, 9; namentlich von einem bunten oder verschwimmenden landschaftsbilde:
die dickere dämmrung
menget thal und feld und wiesen untereinander.
Zachariä tageszeiten (1757) 85;
welch ein freundlicher gott (der mond)! wie er sein fackellicht
unter die schatten des hains und der gesträuche mengt.
Hölty 68 Halm;
vergl. mhd.
nu ist diu wise mit bluomen wol gemenget.
Neidhart 25, 24;
von tönen:
schreitet der rege fleisz durch das ährengefild,
mengt das sichelgeräusch und ein fröhliches lied
in das morgengeflüster des hains.
Hölty 66 Halm;
menget lieder ins getöne,
das die morgenglocke tönt,
ins geschwirr der espenblätter!
131;
und der stimme:
sie zieht und trillert, mengt und paart
der hellen kehle starke stimme
auf hundert und auf tausend art.
Gellert 1, 307,
aber von ihm selbst getadelt: wie kann ich eine stimme mengen? töne möchten wohl gemenget werden können. 315; auch in bezug auf gefühltes und dessen ausdruck:
ich was den mînen (augen) wîlen alze sêre undertân,
daʒ ich in ze vil ir twerhen blicke hân verhenget:
dâ von ist daʒ herze mîn mit trûren wol gemenget.
Neidhart 66, 22;
Johan, min sun, van diser stunden
hilp mir dragen mines hercen wunden, ..
inde di minnende Magdalene,
cum, mir (wir) mengen unse trene.
Marienlieder in Haupts zeitschr. 10, 29, 27;
wer nutz und wer ergetz recht scheidet und recht mengt (qui miscuit utile dulci),
verdienet, dasz man ihn mit lob und ruhm beschenkt.
Logau 1, 109, 58;
ihr, die ihr fähig seid den busen zu vertauschen,
und witz in schönheit mengt.
Günther 393;
dasz in zärtlichen gesängen
deine liebe sanften schmerz
mit der freude weisz zu mengen.
Gökingk lieder zweier lieb. (1779) 114;
und sonst von zu erkennendem, mit dem verstande zu erfassenden, erlebten: es ist kein gröszere ketzerei und bosheit gewest, denn der papisten, die alles in alles mengen, und in ein haufen stoszen. Luther 5, 10ᵇ; under sein lob mengen und mischlen, communicare aliquid cum sua laude. Maaler 288ᵃ; er mengt alles durcheinander her, permiscit, confundit omnia. Stieler 1267; himmel und erde durcheinander mengen, confundere sacra profanis. ebenda; das hunderte ins tausende mengen, se aliorum colloquiis immiscere. Steinbach 2, 45; das 100ste ins 1000ste mengen, miscere et turbare, confundere. Frisch 1, 658ᶜ (vergl. auch unter hundertste, th. 4², sp. 1928); das leben mengt und mischt ohnehin alles durcheinander. Göthe 22, 25;
umb ding, des sunst lacht jederman,
darf sie fangen ein hader ahn,
und denn eins in das ander mengt.
H. Sachs fastn. sp. 3, 2, 29;
es droht die kunst vom schauplatz zu verschwinden,
ihr wildes reich behauptet fantasie;
die bühne will sie, wie die welt entzünden,
das niedrigste und höchste menget sie.
Schiller an Göthe, als er den Mahomet auf die bühne brachte;
von der art eines menschen: machten sie aus dem bapst einen gott auf erden, der ein gemengter gott und mensch were, und nicht ein lauter mensch. Luther 5, 220ᵇ; vergl.
dô gimengite dei wîse godes list
von den zwein ein werch, daʒ der mennisch ist,
der beide ist corpus unte geist.
Annolied 25;
in bildern, in denen mengen zum theil in sinnlicher bedeutung gebraucht ist:
und dorten tobt des krieges wut,
verspritzt auch königliches blut,
und mängt es mit gemeinen leichen.
Drollinger 273;
hinab, hinab in der erde ritzen
rinnet, rinnet, rinnet dein blut.
drunten aber im tiefen sitzen ..
der Themis töchter, die nie vergessen,
die untrüglichen, die mit gerechtigkeit messen,
fangen es auf in schwarzen gefäszen,
rühren und mengen die schreckliche rache.
Schiller braut von Messina v. 1994;
einen namen in eine angelegenheit mengen, indem man ihn in beziehung auf solche ausspricht: menge meinen namen nicht in diese sache.
4)
mengen, übertragen auch mit persönlichem object: einen in einen streit mengen, hineinziehen; las du vom hadder, ehe du drein gemenget wirst. spr. Sal. 17, 14; er wolte mich in seine lose händel auch gerne mit einmengen, me ineptiarum suarum participem esse exoptat. Stieler 1267.
5)
reflexives mengen, reichlich entfaltet; von gegenständen, stoffen: und das du gesehen hast eisen mit thon vermengt, werden sie sich wol nach menschengeblüt unternander mengen, aber sie werden doch nicht an einander halten, gleich wie sich eisen mit thon nicht mengen läszt. Daniel 2, 43;
erdenbaw kan übel längen,
drein sich wind und wasser mengen.
Logau 3, 146, 56;
es sucht der böse gaist mit Adams-flaisch zu laichen,
macht, dasz sein sündengift sich unvermärkt oft mängt,
dieweil es, wie der khot, sich an die klaider hängt.
Rompler 60;
und es wallet und siedet und brauset und zischt,
wie wenn wasser mit feuer sich menget.
Schiller taucher;
und, gegen den gewöhnlichen gebrauch des wortes:
dasz sich wieder frischer saft
in die dürre wurzel menget (: besenget),
und zum wachsen gibet kraft.
Logau 2, 245
(da eine festliegende wurzel am mengen nicht theil haben kann); bei landschaftsbildern:
sucht, seinen schmerzen nachzuhängen,
im nahen walde den allerwaldigsten ort,
wo hecken und büsche fein dicht sich in einander mengen.
Wieland 4, 16 (n. Amadis 1, 19);
lag im morgenlicht das meer, von schiffen
übersät, von kähnen übervölkert,
und im halbmond, um gekerbte buchten,
dehnte reich sich eine stadt, es mengten
am gestade masten sich und thürme.
Platen 323;
von gefühlen, anschauungen:
wo mich keine furcht mehr schreckt,
die sich hier in alles menget.
Günther 115;
häufig auch von personen, und hier entweder sinnlicher: sie mengeten sich unter die heiden, und lerneten der selben werk. ps. 106, 35; menge dich nicht unter die aufrürischen. spr. Sal. 24, 21; Ephraim menget sich unter die völker. Hos. 7, 8; sie mengten sich unter die reiterei, inter equitum turmas se insinuabant. Steinbach 2, 45; sich mitten unter die feinde mengen, in medios hostes se immittere. ebenda; dieser Lucifer mengte sich auch unter die jünger, welche Christus in seiner schul so treulich unterrichtete. Schuppius 650;
dô dî her begundin
mit craft zusamin sprengin,
und sich in strîte mengin.
Jeroschin 15512;
nû wolde er mit in intsam
in dî kirche wandrin
und dâ als dî andrin
in gotisdînst sich mengin.
17269;
es schnaubt des überwinders rosz,
es schäumt und riecht den streit von fernen,
das glücke mengt sich in den trosz,
um von Eugen bestand zu lernen.
Günther 123;
trotzt er (der mörder) vielleicht den göttern, mengt
sich dreist in jene menschenwelle,
die dort sich zum theater drängt.
Schiller kraniche des Ibykus v. 78;
oder übertragen: nachdem und sich zwischen erbern frowen, gesippten und ungesippten, der stül halben in baiden pfarren und im newen spitale bishere vil und manigerlai widerwertigkait, unwillen und zwytrecht erhaben, inn wellicher irer zwytrecht und spenne sich dann ye zu zeiten andre ire freunde, manns und frowen bilde, gemengt und geunainigt haben. Nürnb. pol.-ordn. 116; wer furgehet und sich menget in frembden hadder. spr. Sal. 26, 17; menge dich nicht in frembde sache. Sir. 11, 9; also gehets dem auch, der sich an den gottlosen henget, und sich in jre sünde menget. 12, 13; sich in streitigkeit mengen, litigio se interponere. Steinbach 2, 45; er mengt sich in fremde händel, se alienis fluctibus committit. ebenda; der sich in allen quark mengt, magnus ardelio. ebenda; sich in bürgerliche unruhen mengen oder einlassen, immittere se civilibus fluctibus. Frisch 1, 658ᶜ; die mathematiker mengen sich in das, was sie nicht angeht. Kant 8, 79; mein guter rath hat ein ende. ich will mich bald wieder in so etwas mengen! Lessing 1, 285; ohne dich in unser spiel zu mengen, Franciska, wenn ich bitten darf! 588; menge dich ja nicht in ein spiel, das so offenbar verloren ist. Schiller kab. u. liebe 5, 2. sprichwörtlich: wer sich unter die kleie mengt, den fressen die schweine.
6)
intransitives mengen, unter einander mischen, verwirren, unruhe stiften, verhetzen (durch reden u. s. w.), wie mnd. (und hier gern in der reimformel mengen unde plengen Schiller-Lübben 3, 69ᵃ), so auch im ältern hd., zumal mitteldeutscher gegenden: dâ zwêne mit einander zürnent, die dâ zwischin gênt mengende und werrinde, die tragin daʒ vergifnisse in der zungen. Leyser pred. 77, 12; wir haben niemandes ausgeschickt, mengt oder plenget iemandt, das ist uns leidt. Spittendorff denkwürdigkeiten 198 Opel; Schlegell .. mengete so unter dem volke, das dar nicht viel guttes von mochte kommen. 289;
ich pitte euch all zu mal
und gepeüt euch auch da pei,
als lieb ich euch sei,
get zwischen in hin meingen! (l. mengen).
die pauren sult ir an pringen (l. prengen),
das sie niemants nicht vertragen.
da mit werden ir vil erschlagen.
fastn. sp. 441, 38;
(ich will) liegen, triegen und leüt mörden,
das kind den vater wol erzürnen,
hinterwerz schelten und mengen,
all posheit wil ich an in hengen,
die ich imer erdenken mag.
443, 21.
vergl. dazu menger, mengerei und mengern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2015, Z. 37.

mengen, verb.

mengen, verb.
zur menge machen, häufen, vermehren: menige, copia, i. quasi habundantia, inde menigen, copiare. voc. inc. theut. n 6ᵃ.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2018, Z. 62.

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Zitationshilfe
„mengen“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/mengen>, abgerufen am 24.10.2021.

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