Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

menschengefühl, n.

menschengefühl, n.
den menschen eigenthümlich zustehendes, auch auf andere menschen gehendes gefühl, humanitas: ein undeutscher kerl, ohne redlichkeit, ohne menschengefühl. Nicolai Seb. Nothanker 2, 102; ein historisches menschengefühl heiszt ein dergestalt gebildetes, dasz es bei schätzung gleichzeitiger verdienste und verdienstlichkeiten auch die vergangenheit mit in anschlag bringt. Göthe 22, 230, vergl. 46, 355; dieser eid widerstreite seinem menschengefühl (sagt Oranien). Schiller hist.-krit. ausg. 7, 284;
furchtbar waren mir sonst die schwestern des ehernen schicksals,
graue töchter der nacht, fremde dem menschengefühl.
jetzt verehr ich die hohen, die mildgesinnten.
Herder zur litt. 3, 53;
eingefroren sahen wir so jahrhunderte starren,
menschengefühl und vernunft schlich nur verborgen am grund.
Göthe 1, 406;
einst wird menschengefühl aus einsamer zelle hervorgehn,
hörend des goldenen spruchs aufruf und hehrer naturpflicht.
Voss Luise 3, 2, 160.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2049, Z. 38.

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Zitationshilfe
„menschengefühl“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/menschengef%C3%BChl>, abgerufen am 07.12.2021.

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