Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

menschenhand, f.

menschenhand, f.
1)
hand eines menschen: (die thiere) hatten menschenhende unter jren flügeln. Hes. 1, 8; da ein jglichs vier angesicht hatte, und vier flügel, und unter den flügeln, gleich wie menschenhende. 10, 21; dem thier ward ein vierfüsziger gang: denn als menschenhände konnte es seine vorfüsze noch nicht gebrauchen. Herder zur phil. 4, 121.
2)
als vertreterin ihres eigners, in fällen wo eine handlung desselben durch sie vollbracht wird (vergl. dazu hand III, theil 4², 358 fg.): der heiden götzen sind silber und gold, von menschenhenden gemacht. ps. 135, 15; sein wird auch nicht von menschenhenden gepfleget, als der jemands bedürfe. ap. gesch. 17, 25; der triumph einer menschenhand über die hartnäckige gegenwehr der natur überraschte mich öfters. Schiller hist.-krit. ausg. 3, 576; etwas gröszeres und schöneres von menschenhänden hat sie (die welt) schwerlich aufzuweisen. Seume spazierg. 1, 107; eine menge kleiner kegelförmiger berge .. sie sind augenscheinlich von menschenhänden aufgeführt. mein sommer 65;
so scheints auch, dasz es (das kleinod) mehr, als eine menschenhand
in ein so schönes thun zusammen bracht musz haben.
P. Fleming 601;
schätze, die der abgrund träget,
welche menschenhände finden.
unw. doct. 134;
und hoch auf den spitzen — den augen graut
stehen schlösser, von menschenhand aufgebaut.
Blumauer 1, 32;
thut, was ihr wollt, nur lasset mich
von menschenhänden sterben!
2, 53;
seines gleichen ist nicht auf erden bekannt,
und doch ists ein werk von menschenhand (die chines. mauer).
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 358;
und was in jenen blüthengärten reift,
was aus der saat, der grünenden gedeiht,
es werde nicht von menschenhand gestreift:
dir (kriegsgott) sei es alles, alles dir geweiht!
Uhland ged. 380;
der glocke wonnevoller klang
ertönte schütternd in dem thurme;
doch zog nicht menschenhand den strang:
sie ward bewegt von heilgem sturme.
399;
nichts mag vollbringen menschenhand
das werth zu rühren wär ein herz.
Rückert 249;
mit betonung der erbarmenden liebe, die ein kennzeichen des menschen sein soll (vgl. mensch 8, e sp. 2027 unten): ich nahm dem tyrannen den zügel ab, .. dein vaterland, Walter, fühlte zum erstenmal eine menschenhand, und sank vertrauend an meinen busen. Schiller kab. u. liebe 2, 3.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2053, Z. 12.

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Zitationshilfe
„menschenhand“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/menschenhand>, abgerufen am 27.10.2021.

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