Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

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mensch, m.

mensch, m.
homo.
1)
mensch ist dasjenige adjectiv zu mann, das als männisch sp. 1594 aufgeführt worden. während es im adjectiven gebrauch über alle deutsche stämme geht (auch goth. mannisks, nord. mennskr), haben nur nieder- und hochdeutsch es auch zu substantiver verwendung ausgebildet, und es dadurch allmählich auch in der form vom adjectiv getrennt. am wenigsten das ags., das die starke masculine form des adj. mennisc humanus in wenigen nachweisbaren fällen substantiv im sinne von homo braucht (hit wäs .. häleđa forlor, menniscra morđ. genes. 722), während die neutrale in gleicher stellung ihm genus humanum ausdrückt: mid twêgen ormæte dracan, þæra orđung acwealde þät earme mennisc. Älfric homil. 2, 474; beide anwendungen sind in der späteren sprache wieder eingegangen. das altsächsische und altniederfr. dagegen hat die schwache form mennisko in der häufigeren verbindung menniskôno barn (Heliand 2636 u. ö.) in jenem sinne aufgenommen, woraus sich das mnd. mensche und minsche, das mnl. mensch in häufiger anwendung und in unserer heutigen bedeutung herausbildet, und so, dasz das wort nicht nur masculin, sondern auch, bei bezeichnung eines menschlichen wesens ohne rücksicht auf das geschlecht neutral, und selbst weiblich gebraucht wird, wenn es das natürliche geschlecht ausdrücklich hervorheben will, vergl. Schiller-Lübben 3, 94 fg.: nu bedde ek iw umme aller fruntschap und lewe willen, de gy iw to einer minschen hat hebben und borcet my twei gulde wer (wert) geldes. liebesbrief des 15. jh., Germ. 10, 392; fries. hat sich nur das masc. manniska, menneska, manska, menska, mansche, menscha, minscha ergeben (Richthofen 915ᵇ). ebenso ist ahd. mannisko, mennisko in jedem falle nur männlichen geschlechtes, erst mhd. wird daneben, zunächst im allgemeinen sinne, später auf das weib bezogen, das neutr. mensche gebildet, über das unten besonders; feminin, wie im nd., kommt es in hessischen actenstücken des 16. und 17. jahrh. häufig vor: die mensche neben die menschin, menschen Vilmar 268; ohne weitere verbreitung. im dänischen hat sich ein neutr. menneske mensch als lehnwort aus dem deutschen eingestellt; schwed. ein fem. menniska mensch, das aber dem geschlecht nach wol vom altnord. mennska humanitas, virtus beeinfluszt worden ist. Die form des wortes, im ahd. durchsichtig und vom oben erwähnten adjectiv nicht geschieden, verdunkelt sich und nimmt die heutige gestalt an im mhd., wo in frühen denkmälern noch menniske, mennische, menesche begegnet (Lexer wb. 1, 2102), aber auch schon mennisk: also scol der mennisk tuon. fundgr. 2, 29, 35; und bald nur noch mensche und mensch:
des merke und vröu dich, hôher, werder, wîser mensch,
dû sîgest tiutsch, welsch, windesch, ungersch oder tensch.
minnes. 2, 381ᵃ Hagen;
die form mensche, die Luther nicht braucht, ist doch gerade bei mittel- und norddeutschen schriftstellern noch des 17. jahrh. nicht vergessen: weil Timotheus ein junger mensche war. Schuppius 826; wo man gottesfurcht auf die seite setzt, da ist der mensche mehr als halb verdorben. unw. doct. 562;
o mensch, beweine deine sünd,
um welcher willen gottes kind
ein mensche muste werden.
P. Gerhard 30, 3;
wie gieng es ihm? eh es ein mensche dänkt,
wird er (Haman) erhenkt.
Neumark lustwäldchen 5;
weitere beispiele im folgenden verstreut. der dat. acc. sing. hat bisweilen starke form, wie schon mhd.:
die varent noch hiute dem mensche bî.
Wolfram Willeh. 308, 25;
so auch in der neuern sprache: der mensch wird nur zum mensch gezogen. Klinger 2, 170;
ich kenne schon den unbestand der weiber,
die nicht so wohl den mensch als nur das wams beschaun.
Günther 560;
häufiger finden sich starke casus beim neutrum mensch, s. d.
2)
mensch bezeichnet, wie in der älteren sprache das neutr. mensch (s. dasselbe, nr. 1), allgemein ein menschliches wesen, somit in jedem von beiden geschlechtern, sowie jedem lebensalter (wie das allgemeine mann, s. sp. 1555 fg.), und diese allgemeine bedeutung tritt in häufigen fällen, im singular wie im plural, hervor (vergl. nachher 3 bis 15). einschränkung des begriffes auf den erwachsenen männlichen menschen, vergl. unten 16. auszerdem vermeidet man noch besonders da, wo das weib ausdrücklich durch ein anderes substantiv oder fürwort hervorgehoben wird, das wort in unmittelbare verbindung damit zu bringen, wegen der nahe liegenden beziehung auf das neutr. mensch in übler bedeutung; wiewol nicht ohne ausnahme, wo misverständnis ausgeschlossen: sie mache in der ersten hitze mit dem mörder was sie will, ich verzeihe ihr, sie ist mensch und mutter. Lessing 7, 212;
wer kann dich zwingen? du bist herrscherin ...
du bist ein mensch, und jetzt kannst du nicht richten (Shrewsburg zu Elisabeth).
Schiller Maria Stuart 4, 9.
in der schöpfungsgeschichte wird der erstgeschaffene, den namen mensch führende mann zunächst von seinem weibe unterschieden: und sie waren beide nacket, der mensch und sein weib, und schemeten sich nicht. 1 Mos. 2, 25.
3)
nach der aus dem alterthum überkommenen, in der mittelalterlichen gelehrsamkeit allgemeinen und ausgebildeten vorstellung ist der mensch der mikrokosmus, die welt im kleinen, in welchem sich die art und beschaffenheit des weltalls wiederholt: von den viern (elementen) habent ir natur alle geschepht gots und der mensch hat aller der natur ieglichs ain teil an ime, ettliches mer, ettleichs minner; wan er aller vier an im hat so haist er microcosmus, dʒ ist in däutsch die minner welt. kräuterb. des 14. jahrh. im anz. des germ. mus. 1854 sp. 185; nû hân ich kurz begriffen, wie der mensch der ganzen welt sei geleich. dar umb haiʒt er in kriechischer sprâch microcosmus, daʒ ist als vil gesprochen als die clain welt. dar umb sprechent hübsch leut: ich sach alle werlt in ainem rok. Megenberg 4, 5, es wird dies vorher und nachher manigfach ausgeführt, gleich als leitender gedanke im eingange des buches: got beschuof den menschen an dem sehsten tag nâch andern crêaturen und hat in beschaffen alsô, daʒ seins wesens stük und seins leibes gelider sint gesetzet nach dem satz der ganzen welt. 3, 3; homo i. microcosmus l. antropus mensche Dief. 279ᶜ; microcosmus minderwelt als der mensch 360ᵇ; microcosmus, parvus mundus, der mensch Dasyp.;
alle gescaft ist an dem mennischen,
sô iʒ sagit daʒ êvangelium.
Annolied 29;
und mit beziehung darauf bei Göthe:
wenn sich der mensch, die kleine narrenwelt,
gewöhnlich für ein ganzes hält (Mephistopheles zu Faust).
12, 71;
von dieser lehre her wird die komplexion der welt, namentlich der vier elemente auf den menschen übertragen (vgl. th. 5, 1686), seine natur als trocken oder feucht, warm oder kalt hingestellt (vergl. unter melancholie sp. 1989), und danach endlich auch sein charakter bestimmt, vergl. dazu die ausführungen unter kalt 3, th. 5, 78 fgg.
4)
die biblische schöpfungsgeschichte läszt den menschen, das doppelwesen aus fleisch und geist (waʒ ist anderes mennisko, uuane redehaftiu sêla in demo fleiska? Müllenhoff u. Scherer nr. 78 B, 94), von gott aus erde, aber nach seinem bilde geschaffen werden: und gott sprach, lasset uns menschen machen, ein bild das uns gleich sei. 1 Mos. 1, 26; und got schuf den menschen jm zum bilde, zum bilde gottes schuf er jn, und schuf sie ein menlin und frewlin. 27; und gott der herr machet den menschen aus dem erdenklos, und er blies jm ein den lebendigen odem in seine nasen, und also ward der mensch eine lebendige seele. 2, 7;
da hielt gott an dem sechsten tag
von dem menschen einen ratschlag,
wie er jn formieret,
zu seinem bild und gleichnis zieret.
Wackernagel kirchenl. 4, 411 (nr. 580, 10);
Hans Adam war ein erdenklos,
den gott zum menschen machte.
Göthe 5, 14;
darum ist der mensch das beste der schöpfung:
als gott, dasz der mensch ein gott sei auf der erde,
dasz des geschöpfes werk dem schöpfer ähnlich werde,
ihm eine seel einbliesz, sein ebenbild drückt ein.
Lohenstein himmelschlüssel s. 4;
der mensch, ein leib, den deine hand
so wunderbar bereitet;
der mensch, ein geist, den sein verstand
dich zu erkennen leitet;
der mensch, der schöpfung ruhm und preis.
Gellert 2, 146;
wenn auch andererseits der stoff, aus dem er geschaffen, und seine vergänglichkeit und hinfälligkeit hervorgehoben wird (vergl. auch erdensohn, erdgeboren): wee dem menschen, der da erd ist und muͦsz zuͦ erden werden. Keisersberg sünd. d. m. 6ᵇ; wie der mensch ist von der erden, darumb so hangt er der erden an, und musz von ihr die nahrung nemen und entpfahen. Paracels. (1590) 8, 223; ein mensch ist in seinem leben wie gras. ps. 103, 15; der mensch ist wie ein wasserblase, homo bulla. Agr. sp. 322ᵇ; ist der mensch geboren, so fängt er an zu sterben. Simrock sprichw. 375;
wann ich dann mir   zu gmüthe führ
was der mensch ist auf erden,
zeigt mir die schrift nicht anders an:
wie er aus erd   gemachet werd,
musz wider zur erden werden.
Wackernagel kirchenl. 4, 703 (nr. 1030, 4);
alle menschen müssen sterben,
alles fleisch vergeht wie heu.
geistl. lied von G. Albinus;
daher die formel was ist der mensch, die solchen zustand des menschen hervorheben will, in ausruf oder frage: was ist der mensch! heute rot, morgen todt!; herr, was ist der mensch, das du dich sein annimpst? und des menschen kind, das du jn so achtest? ps. 144, 3; was ist der mensch? wozu taug er? Sir. 18, 7; was ist ein mensch, das du (gott) jn gros achtest? Hiob 7, 17;
was ist der mensch, den du befreit?
Gellert 2, 133;
und er in der verzweiflung einem wurm sich gleich stellt (vergl. auch erdenwurm): ich aber bin ein wurm und kein mensch. ps. 22, 7;
ich bin kein mensch, ein wurm; ein raub
der wut, ein spott der leute.
Gellert 2, 132;
er betont die abhängigkeit von gott, als seinem schöpfer, vater und richter: ja lieber mensch, wer bistu denn, das du mit gott rechten wilt? spricht auch ein werk zu seinem meister, warumb machstu mich also? Röm. 9, 20; das wir auf den lebendigen gott gehoffet haben, welcher ist der heiland aller menschen, sonderlich aber der gleubigen. 1 Tim. 4, 10;
ein mensch, der gott gehorcht, erwählt das beste theil:
ein mensch, der gott verläszt, verläszt sein eignes heil.
Gellert 2, 180;
bei menschen ist
nicht rath noch trost in dieser groszen sache:
ich trage sie dem höhern richter vor.
Schiller Maria Stuart 4, 9;
und mensch gottes weist auf dieses verhältnis besonders hin (vergl. auch mann gottes sp. 1560): du mensch gottes, dise ding spricht der künig: eile und steig ab. Helias antwurt und sprach: ob ich bin der mensch gottes, das fewer steig ab vom himel und verwüste dich und dein fünfzig. bibel 1483 170ᵃ (2 kön. 1, 9; homo dei vulg., du mann gottes Luther); und es geschach die red des herren zu Semeiam dem menschen gottes. 201ᵇ (2 chron. 2, 2); aber du gottes mensch fleuch solches. Luther 1 Tim. 6, 11 (variante du mensche gottis); niederd. dô de jode alzô du bî sik dâchte, dô quam ên cristen up den kerkhof gânde, den rêp de jode unde sprak: o minsche godes, hale mi den kerkheren von dosser kerken. Germ. 10, 286, 17 (15. jahrh.). Sonst erscheint der abstand gottes gegenüber dem menschen: ich bin gott und nicht ein mensch. Hos. 11, 9; das ein mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen gott. Hiob 9, 2; ist deine zeit wie eines menschen zeit? 10, 5;
der herr des himmels und der erden,
bedarf der eines menschen flehn?
Gellert 2, 98;
in formeln wie vor gott und menschen, bei gott und menschen (lieb, angenehm);
derhalb bisz frum, so bist du reich,
gott und den menschen lieb und werdt.
H. Sachs fastn. sp. 3, 53, 401;
und der gegensatz des menschen in der stellung gegen gott: Egypten ist mensch und nicht gott. Jes. 31, 3; ich bin gott, und nicht ein mensch. Hos. 11, 9; aber auch das bestreben, diesen gegensatz aufzuheben: darumb, das sich dein herz erhebt, und spricht, ich bin gott, ich sitze im thron gottes, mitten auf dem meer, so du doch ein mensch, und nicht gott bist. Hes. 28, 2 (vgl. auch menschengott 2 und menschengöttlichkeit); und namentlich, wenn im glücke der mensch sich gott fühlt:
zittern
nicht alle schrecken dieses glücks noch in mir?
hab ich so stolz gehofft? hab ich das je
zu träumen mir getraut? wo ist der mensch,
der sich so schnell gewöhnte, gott zu sein?
Schiller don Carlos 2, 4.
5)
daneben der mensch gegenüber den göttern nach heidnischen begriffen: aber der olebawm antwortet jnen, sol ich meine fettigkeit lassen, die beide götter und menschen an mir preisen? richt. 9, 9; die götter, die bei den menschen nicht wonen. Dan. 2, 11; huben sie jre stimme auf und sprachen auf lycaonisch, die götter sind den menschen gleich worden, und zu uns ernider komen. ap. gesch. 14, 11; namentlich nach den aus der antike übernommenen vorstellungen:
die aber so zugleich von edlem stamm geboren,
durch tugendt noch darzu vollkommen sein gemacht,
die sein, die sein allein die edlen auszerkoren,
die man vor götter hie under den menschen acht.
Zinkgref bei Opitz 1624 s. 213;
selig durch die liebe
götter — durch die liebe
menschen göttern gleich!
Schiller triumph der liebe;
zwischen menschen, göttern und heroen
knüpfte Amor einen schönen bund.
götter Griechenlands;
mit einem wort: Apoll, so bald er mensch sich fühlte,
entdeckte, was er nie als göttersohn gewuszt,
es schlage was in seiner linken brust.
Wieland 9, 154;
jemehr du fühlst ein mensch zu sein,
desto ähnlicher bist du den göttern.
Göthe 4, 336;
(ich) fühle den gott in meinen adern flammen, der unter des menschen muskeln zagt. Fr. Müller 2, 35.
6)
Christus hat die doppelte natur von mensch und gott (vgl. auch menschensohn 2, gottessohn): es wird je geschehen, das des menschen son kome in der herrligkeit seines vaters, mit seinen engeln, und alsdenn wird er jglichen vergelten nach seinen werken. Matth. 16, 27; der heubtman aber der da bei stund gegen jm (Christus) uber, und sahe, das er mit solchem geschrei verschied, sprach er, warlich dieser mensch ist gottes son gewesen. Marc. 15, 39;
er was mennisch unde got.
Ezzos leich, Müllenhoff u. Scherer 31, 14, 1;
unser herre Jesus Christ,
der wârer got und mensche ist.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 3150;
Maria hat geboren
ausz jhrem fleisch und blut
das kindlein auszerkoren,
wahr mensch und waren gott.
Wackernagel kirchenlied 2, 303 (nr. 460, 4);
wir danken dir, herr Jhesu Christ,
der du ein mensch worden bist.
4, 410 (nr. 579, 8);
wir gleuben auch an Jhesum Christ,
seinen son und unsern herren,
der ewig bei dem vater ist,
gleicher gott von macht und ehren,
von Maria der jungfrawen,
ist ein warer mensch geboren.
Luther 8, 362ᵃ;
(dies aber) verwirrt der Juden witz, der weisen heiden köpfe:
dasz heute gott ein mensch, der schöpfer ein geschöpfe,
die jungfrau mutter wird.
Lohenstein himmelschlüssel s. 5;
herr, der du mensch gebohren wirst,
Immanuel und friedefürst,
auf den die völker hoffend sahn,
dich, gott messias, bet ich an.
Gellert 2, 134.
7)
in der stufenleiter der wesen nimmt nach einer philosophischen anschauung, zumal des 18. jahrh., der mensch die mittelstufe zwischen engel und thier ein:
unselig mittelding von engeln und von vieh!
Haller 47 (s. 44 Hirzel, vergl. dessen anmerkung dazu);
was ist der mensch? halb thier, halb engel.
J. L. Evers, vergl. Hoffmanns volksthüml. lieder s. 138;
der gegensatz aber des menschen blosz zum thier, vieh ist älter und gewöhnlicher betont: alles das seine mutter bricht unter allem fleisch, .. es sei mensch oder vieh, sol dein sein. 4 Mos. 18, 14; herr, du hilfest beide, menschen und vihe. ps. 36, 7; ich wil beide menschen und vihe, beide vogel des himels, und fische im meer wegnemen. Zephanja 1, 3; es sol weder mensch noch thier, weder ochsen noch schafe etwas kosten. Jona 3, 7; der blitz hat menschen und vieh getödtet. Klinger Otto 33, 34;
der krieg reiszt länder fort,
und beides mensch und vieh will jämmerlich verzagen.
Günther 585;
der edlen hetze freund,
die heulen und musik, und mensch und thier vereint.
Hagedorn 1, 108;
thier und menschen schliefen feste.
Lichtwer fabeln 1, 21;
kein eselein, kein öchslein,
kein mensch entkam der fluth.
Hölty 11 Halm;
dieser gegensatz wird auch durch gesittung, leben und haltung des menschen hochgehalten, wer darin fehlt, lebt wie ein vieh, ein thier, ist ein viehischer, verthierter mensch: ein entmenschter mensch, homo omni humanitate privatus Stieler 1240, vergl. auch unmensch, menschenthier;
man sichts (leider) es ligt am tag,
dasz auch der mensch wird erger schier,
dann ein grob unvernünftig thier,
wann er sich also uberfült,
und denkt nicht, dasz er sei gebildt
nach gottes gleichnis.
Grobian. T 3ᵃ (v. 4931),
will man den menschen recht auszstreichen,
soll man jn mit einr saw vergleichen?
ja noch vil erger helt er sich,
dann sunst kein unvernünftig vich.
T 3ᵇ (v. 4955);
als der wilde mensch wie vieh fängt an zu leben,
ja teufeln ehnlich wird.
Lohenstein himmelschlüssel s. 4;
andrerseits wird wieder der zusammenhang des menschen mit dem thier betont: ein mensch ist ein gesellig thier. Keisersberg narrensch. 128ᵇ; denn es gehet dem menschen wie dem vihe, wie dis stirbt, so stirbt das auch, und haben alle einerlei odem, und der mensch hat nichts mehr denn das vihe, denn es ist alles eitel. pred. Sal. 3, 19; diejenigen, welche behaupten, dasz die menschen weiser und besser sein sollten, als sie sind, nehmen als thatsache an, dasz sie dermahlen, im ganzen genommen, eine thörichte und verkehrte art von thieren sind. Wieland 36, 337; wisset für gewisz: dasz das schönste thier, das die natur hervorgebracht, der mensch sei. Göthe 35, 375;
ich tier und mensche in menschenhût,
gotes muoter lob ich überlût.
minnes. 3, 109ᵇ Hagen.
8)
nähere bestimmung des menschen,
a)
nach seiner körperart und beschaffenheit, man unterscheidet einen äuszern und einen innern menschen zunächst rein leiblich: den äuszern menschen schön machen, in bezug auf kleidung oder putz, den innern menschen wärmen, durch ein heiszes getränk; der ganze mensch (unterschieden von unten d), jeder theil desselben: der ganze mensch ist gesund; wenn ein glied leidet, ist eben der ganze mensch krank; so ein mensch die beschneitung annimpt am sabbath, ... zürnet jr denn uber mich, das ich den ganzen menschen habe am sabbath gesund gemacht? Joh. 7, 23; auch mit dem possessiv, das die körperliche bedeutung dann besonders betont, mein ganzer mensch ist wohlauf; und der ganze mensch im gegensatz zur unreifen leibesfrucht:
ein unzeitige frucht, bewart in mutterleibe,
lebt halber nur bisz sie zum ganzen menschen wirdt.
Zinkgref bei Opitz 1624 s. 213.
b)
nach dem alter: erwachsene und unerwachsene menschen, früher auch junge, alte menschen in solchem verstande (jetzt in eingeengterem, vgl. unten 16, a); man nehme von cypressenkraut, drucke den saft aus, .. und gebe einem alten menschen einen löffel voll, einem jungen weniger, nach beschaffenheit. Hohberg 1, 267ᵇ;
ein kind sucht kindern oft den apfel abzustreiten,
weil schon die kinder menschen sind:
auch der erwachsne mensch ficht oft um kleinigkeiten.
Hagedorn 1, 119;
doch wird auch der begriff auf den zu voller entfaltung seines körpers gekommenen eingeengt: ich thet (im kampfe) als ein junger gesell, der auch gern ein mensch wäre gewest, und daucht mich auch, als jung ich war, man musz mich auch einen menschen und guten gesellen sein lassen. Götz v. Berl. 78; und im gegensatz zu kind gestellt:
nu pin ich, secht, zum menschen worden,
und han verworfen kindelspil.
ring 20ᶜ, 5;
ebenso nach dem geschlecht und nach der erscheinung: männliche und weibliche menschen; grosze, kleine menschen (unterschieden von unten d); in diesem lande giebt es meist hochgewachsene menschen; und do man nuo sagt, wie das mit dem herzogen vil wunderlicher lüte komen wären, die mit im auf der strasz und gaszen eingiengent, da lief iedermeniglich zuo, jung und alte, frawen und manne, solich selzsame menschen zuo beschawen. herzog Ernst 291, 19 Bartsch; menschen die schnablen haben, ciconides, sic in transmarinis partibus. voc. inc. theut. n 6ᵃ; menschen die ir augen und mund haben an der brust, lemine. ebenda; in vielen bergen aber sind auch menschen mit hundsköpfen. G. Rollenhagen reisen (1717) s. 77;
die andren wöllen dir bedeuten
von meerwundren und wilden leuten,
die under andrem polus sind,
da man hundszköpfig menschen find.
Grobian. J 2ᵇ (v. 2244);
doch welch entsetzen! seine schöne,
sein liebling, war halb mensch, halb fisch.
Gellert 1, 257;
trinken auch aus den hirnschalen der todten menschen. Rollenhagen reisen (1717) 69.
c)
in der sprache des neuen testaments nach seinem religiösen verhalten: die weil wir wissen, das unser alter mensch sampt jm gecreuziget ist, auf das der sündliche leib aufhöre. Röm. 6, 6; ich habe lust an gottes gesetz, nach dem inwendigen menschen. 7, 22; der natürliche mensch aber vernimpt nichts vom geist gottes. 1 Cor. 2, 14; sondern ob unser euszerlicher mensch verweset, so wird doch der innerliche von tage zu tage vernewert. 2 Cor. 4, 16; so leget nu von euch ab, nach dem vorigen wandel, den alten menschen, .. und ziehet den newen menschen an. Eph. 4, 22. 24; es sei denn, das zuvor der abfalle kome, und offenbaret werde der mensch der sunden. 2 Thess. 2, 3; der verborgen mensch des herzen unverrückt, mit sanftem und stillem geiste, das ist köstlich fur gott. 1 Petr. 3, 4; und daher in geistlicher rede: das dein alter mensch, lieber er Leonhart, gefangen, ist der wille und beruf Christi, .. der auch seinen newen menschen für dich .. dargeben hat. Luther 3, 422ᵃ;
der reichthum deiner herrlichkeit
ist gar nicht auszusprechen,
wir bitten nur ein theil davon,
den alten mensch zu schwächen.
Günther 52;
einzelnes ist auch von der weltlichen rede angenommen:
sieht er! das hat er wohlerwogen.
einen neuen menschen hat er angezogen (wachtmeister zum recruten).
Schiller Wallensteins lager, 7. auftr.
d)
nach seinen sittlichen und geistigen eigenschaften: die vernunft ist das, davon der mensch ein mensch ist und genannt wird. Keisersberg pred. 62ᵃ; desgleichen ist einer erst ein rechter mensch genannt, wenn er vernünftiglichen lebt. seelenpar. 67ᵇ; nur durch ertödtung des thierischen menschen wird der geistige ins leben geboren. Wieland 27, 282; es ist nichts weniger als gleichgültig für den sittlichen menschen, wie sie (eine streitfrage) entschieden wird. 36, 334;
wie wird ein mensch ein mensch? durch einsicht und durch reisen.
Günther 545;
die wütriche, die henker deines reichs,
die noch zu menschen nicht geworden sind.
Gleim 4, 75;
und ich, ich sollt ein mensch noch sein,
und gott in brüdern nicht erfreun?
Gellert 2, 165;
es werden einerseits der hohe vorzug des menschen und seines geistes hervorgehoben: der gute Dionysius hat keine vorstellung davon, was für engel von menschen es sind, zu denen mein herz mich so unwiderstehlich hinzieht. Wieland 28, 128; kunst ist die rechte hand der natur. diese hat nur geschöpfe, jene hat menschen gemacht. Schiller Fiesko 2, 17;
das riesenwerk ..,
das gröszte, welches je des menschen geist vollbracht.
Seume spaziergang 1, 107;
andererseits die sittliche gebrechlichkeit und die neigung zu fehlern und irrthümern: ich bin ein mensch, das ist prästhaft, zuͦfellig, homo sum. Maaler 288ᵇ; wir sind alle menschen, und können den menschen nicht ausziehen, homines sumus, humani nihil a nobis alienum putemus. Stieler 1240 mit der bemerkung: ita et mensch ponitur pro vitio, miseria et fragilitate; zum lebendigen menschen muͦsz man sich guͦts und bösz versehen. Agr. spr. 8ᵃ;
ja, lieben brüder! fehlt ein mensch,
so zeiget eur geschlechte,
und helft ihm, weil ihr geistlich seid,
mit sanftmuth stets zu rechte.
Günther 41;
es irrt der mensch, so lang er strebt.
Göthe 12, 24;
und dies namentlich auch, wenn der mensch menschlich genannt wird: der imam wird über lang oder kurz damit aufhören, dasz er sultan sein wird. die gelegenheit ist zu schön, die versuchung zu grosz, der weg zu gerad und gebahnt, als dasz ein blosz menschlicher mensch — auf halbem wege stehen bleiben sollte. Wieland 8, 213;
so lang ein mensch ein mensch noch ist,
so lange kan er fehlen.
Günther 22;
er (der gott) bequemt sich hier zu wohnen,
läszt sich alles selbst geschehn.
soll er strafen oder schonen,
musz er menschen menschlich sehn.
Göthe 1, 251;
die sittlichen und geistigen eigenschaften sind durch adjective bezeichnet: es gibt gute und böse menschen; kluge, dumme menschen; einfältige menschen; dasz ich nicht begreifen konnte, wie auch der kaltblütigste aller menschen einem so natürlichen und vernünftigen projekte seinen beifall versagen könne. Wieland 28, 127;
denn hat auch je einmal gelebt
ein frommer mensch, der nicht geschwebt
in groszem kreuz und leiden?
P. Gerhard 192, 48;
verflucht wer auf den eid der leichten menschen baut!
A. Gryphius (1698) 1, 40;
ein ganzer mensch, ein leiblich, geistig und sittlich vollkommener (unterschieden von oben a), belege th. 4¹, 1291 unten; kleine menschen, solche von nicht hoher gesinnung, die kleinen menschen seiner umgebung verstanden ihn nicht; grosze menschen, von groszer gesinnung; er ist ein ganz anderer mensch geworden, ein mensch von anderem fühlen, denken, streben; es ist schön, dasz sie sich auch verheirathen .. man wird ein ganz anderer mensch. sie werdens sehen. Göthe 14, 256; mensch genug sein, das einem menschen eigene masz von fühlen und überlegen haben: nein, ihr seid noch mensch genug, euch zu Euripides Admeten zu versetzen. Göthe 33, 279.
e)
endlich der mensch an sich, nach seinen allgemeinen, jedem zukommenden eigenschaften, ohne rücksicht oder gar im gegensatze zu seiner sonstigen gesellschaftlichen oder andern stellung: wenn es wahr ist, dasz nur empfindung empfindung weckt, so müszte, däucht mich, der politische held in eben dem grade kein subject für die bühne sein, in welchem er den menschen hintansetzen musz, um der politische held zu sein. Schiller Fiesko, vorrede; nicht unterthan gegen herrn, nicht freund gegen freund, mensch gegen mensch red ich zu dir. 5, 16; ich verdenks ihm gar nicht. mensch ist mensch. das musz ich wissen. kab. und liebe 1, 1; sie (die poesie) soll .. nicht auf den staatsbürger in dem menschen, sondern auf den menschen in dem staatsbürger zielen. hist.-krit. ausg. 10, 174; alle fehler des menschen verzeih ich dem schauspieler, keine fehler des schauspielers verzeih ich dem menschen. Göthe 20, 26; es ist nicht der doctor im langen kleide, der uns vom katheder herab belehrt; es ist der mensch, der umherwandelt, aufmerkt, erstaunt, von freude und schmerz ergriffen wird und uns davon eine leidenschaftliche mittheilung aufdringt. 53, 143;
der alte urstand der natur kehrt wieder,
wo mensch dem menschen gegenüber steht.
Schiller Tell 2, 2;
da kam der landvogt gegen mich daher,
er ganz allein mit mir, der auch allein war,
blosz mensch zu mensch, und neben uns der abgrund.
3, 1;
dasz nicht des lebens bedingender drang mich, den menschen, verändert.
Göthe 1, 330;
mensch dem christen gegenüber gestellt:
wenn ich nur nicht mein elend selbst verschulde;
wenn ich als mensch, als christ, hier leid und dulde.
Gellert 2, 157;
Rousseau leidet, Rousseau fällt durch christen,
Rousseau — der aus christen menschen macht.
Schiller Rousseau;
und so betont die formel mensch sein, ein mensch sein, diese allgemeine art schlechthin, namentlich nach der gefühlsseite:
(sie) ringen ängstlich, von der schweren bürde
dieser menschlichkeit sich zu befrein,
und vergessen, dasz die höchste würde
eines menschen sei — ein mensch zu sein.
Blumauer 1, 228;
Apollo selbst gestand, es sei entzücken,
mensch unter menschen sein.
Schiller Semele v. 484;
nicht alle
glückseligkeit soll unter mir verdorren.
ihr selbst, ihr sollet unter meinen augen
fortfahren dürfen, mensch zu sein (Philipp zu Posa).
don Carlos 3, 10;
zufrieden jauchzet grosz und klein:
hier bin ich mensch, hier darf ichs sein.
Göthe 12, 54;
zumal in bezug auf erbarmen: wenn du ein mensch bist und ein menschliches herz hast. Schiller räuber 4, 5;
du so grausam? du nicht edel?
sei ein mensch und gib sie frei.
10, 258.
vergl. menschlich.
9)
diese innere eigenart des menschen grenzt ihn auch für die wertschätzung sowol nach oben als nach unten ab: euer Klopstock, der doch immer unter euch noch ein mensch ist. Göthe 33, 277;
trompeter. was? was? ihr redt ihm das wort noch gar?
dem hunde! thut euch der teufel plagen?
1. arkebus. der bauer ist auch ein mensch — so zu sagen.
Schiller Wallensteins lager, 10. auftr.;
soll sich auch in seinem aussehen kund geben: nun siehst du doch aus wie ein mensch. Göthe 20, 136.
10)
mit dem collectiven singular der mensch wird der letztere nach seiner eigenthümlichen art gemeint: (Mephistophiles) taucht sich ganz in den menschen hinein, ihn desto richtiger zu studiren. Fr. Müller 2, 11; derselbe ist dem vereinzelnden plur. die menschen entgegengesetzt: wenn sie darauf grosz thun, menschen zu kennen, ohne doch den menschen und was aus ihm gemacht werden kann, zu kennen. Kant 5, 451; ich habe von jugend auf die augen meines geistes mehr nach innen als nach auszen gerichtet, und da ist es sehr natürlich, dasz ich den menschen bis auf einen gewissen grad habe kennen lernen, ohne die menschen im mindesten zu verstehen und zu begreifen. Göthe 19, 96; ich selbst und mein engerer kreis befaszten uns nicht mit zeitungen und neuigkeiten, uns war darum zu thun, den menschen kennen zu lernen, die menschen überhaupt lieszen wir gern gewähren. 48, 69.
11)
daher steht dieser singular, wenn etwas für die menschliche art allgemein zutreffendes oder verbindliches ausgesagt wird: vone disen allen sol sih der mennisco behuoten. Müllenhoff und Scherer nr. 85, 1, 10; di gotlîchen fûrigin minnc, ôn di der mensche nicht inmac zû himmilrîche komin. Meister Eckart, Haupts zeitschr. 15, 375, 73; wer hat dem menschen den mund geschaffen? 2 Mos. 4, 11; das der mensch nicht lebet vom brot allein. 5 Mos. 8, 3; der mensch wird zu unglück geborn. Hiob 5, 7; der mensch vom weibe geborn, lebt kurze zeit, und ist vol unruge. 14, 1; alles fleisch würde mit einander vergehen, und der mensch würde wider zu asschen werden. 34, 15; des menschen herz schlehet seinen weg an, aber der herr allein gibt, das er fort gehe. spr. Sal. 16, 9; wer weis, was dem menschen nütz ist im leben, so lange er lebet in seiner eitelkeit ... oder wer wil dem menschen sagen, was nach jm komen wird unter der sonnen? pred. Sal. 7, 1; jre (der sünde) zeene sind wie lewen zeene, und tödten den menschen. Sir. 21, 3; was hülfs den menschen, so er die ganze welt gewünne, und neme doch schaden an seiner seele? oder was kann der mensch geben, damit er seine seele wider löse? Matth. 16, 26; dasz menschen herz ist eine behausung alles übels. Schuppius 529; so gut, so vollkommen und glücklich zu werden, als es der mensch nach der göttlichen anlage sein kann. Gellert 6, 47; sie (die neigung) ist es eigentlich, die den menschen, wenn er sie sich zu erhalten weisz, in einer schönen folge glücklich macht. Göthe 49, 18; der mensch denkt, gott lenkt;
weil dem menschen schwer ist zw leben,
in so vil truebsal und peschwerden
an (ohne) einen trewen freunt auf erden.
H. Sachs fastn. sp. 2, 13, 24;
götzbild dem menschen gleicht.
P. Melissus bei Opitz 1624 163;
denn was der mensch allhier gesät,
das wird er einmal erndten.
Günther 41;
der mensch, durch eigne schuld, hat seine würd entehret.
Gellert 2, 127;
was zagt der mensch, wenn der ihn schützt,
der in des vaters schoosze sitzt?
155;
nie schenkt der stand, nie schenken güter
dem menschen die zufriedenheit.
172;
des menschen würde
trotzet siegreich dem geschick.
Stolberg 2, 249;
der mensch ist frei geschaffen, ist frei,
und würd er in ketten geboren.
Schiller worte des glaubens;
jedoch der schrecklichste der schrecken,
das ist der mensch in seinem wahn.
glocke v. 377;
denn aus gemeinem ist der mensch gemacht,
und die gewohnheit nennt er seine amme.
Wallensteins tod 1, 4;
edel sei der mensch,
hülfreich und gut!
Göthe 2, 86;
des menschen thätigkeit kann allzuleicht erschlaffen,
er liebt sich bald die unbedingte ruh.
12, 25;
in einer etwas eingeschränkten wendung:
der sturm ist meister, wind und welle spielen
ball mit dem menschen.
Schiller Tell 4, 1,
wo aber auch der sing. alle menschen begreift, die mit wind und welle in berührung kommen.
12)
häufig auch im ausrufe: mensch, bedenke das ende!; mensch, ärgere dich nicht!; du elender mensch, wo kommst du her und wo wilst du hin? Scriver seelenschatz (1684) 231;
sich, mensch, und leit smerzin.
Wackernagel kirchenl. 2, 372, nr. 523, 1 (homo, tristis esto);
mensch, pit gott, das er dich beker
und dich den seinen willen ler.
425, nr. 558, 5;
ach mensche, wiltu dich beklagen,
dasz dich dein gott nicht treulich liebt.
unwürd. doct. 494;
sei stille mensch und lasz gott walten.
ebenda;
und du willst dieser kraft, o mensch! dich widersetzen?
Gellert 2, 127;
denk, o mensch! an deinen tod.
174;
der glaube heiligt dich. ist dieser dein geschäffte?
nein, mensch!
178.
13)
diesem zusammenfassenden singular steht der plural gegenüber, wenn in der anzahl der einzelne betont wird (der mensch ist schwach, es ist menschliche art schwach zu sein, die menschen sind schwach, jeder von ihnen):
quimit ther selbo gotes sun   fon himilrîche herasun, ..
thaʒ suach er mit thên forahtun,   waʒ mennisgon io uuorahtun.
Otfrid 5, 20, 8;
da sich aber die menschen begunden zu mehren auf erden, und zeugeten jnen töchtere, da sahen die kinder gottes nach den töchtern der menschen. 1 Mos. 6, 1. 2; da aber der herr sahe, das der menschen bosheit gros war auf erden, .. da rewet es jn, das er die menschen gemacht hatte auf erden. 5. 6; der du die menschen lessest sterben, und sprichst, kompt wider, menschen kinder. ps. 90, 3; der die menschen leret was sie wissen. 94, 10; bis ich lernete, was den menschen gut were, das sie thun solten, so lange sie unter dem himel leben. pred. Sal. 2, 3; der menschen augen sind auch unsettig. spr. Sal. 27, 20; ehre sei gott in der höhe, und friede auf erden, und den menschen ein wolgefallen. Luc. 2, 14; das vielmehr .. gott, glauben, gerechtigkeit und gewissen bei den menschen heutigs tags nur ein ratio status, ein schein, ein praetext und fürwort wäre. Philander 1 (1642), 276; sprichst du zu der menschen ruhm. Fr. Müller 2, 25; ich habe die menschen gesehen, ihre bienensorgen und ihre riesenprojecte. Schiller räuber 3, 2;
beglückest du die menschen nur,
um vor der welt geehrt zu werden.
Gellert 2, 142;
ein unvergängliches glück den menschen zu erwerben.
167;
mit zahlbegriffen, etliche, viele, die meisten, alle menschen: sô vil menschen, die noch den geistlîchen schîn hânt. Haupts zeitschr. 8, 452; alsô etelîche menschen sint. 458; werden sie sterben, wie alle menschen sterben, oder heimgesucht wie alle menschen heimgesucht werden. 4 Mos. 16, 29; und war weiser denn alle menschen. 1 kön. 4, 31; alle menschen sehen das, die leute schawens von ferne. Hiob 36, 25; alle menschen sind narren mit jrer kunst. Jer. 10, 14; die pestilenz gestunde, dasz sie viel menschen vergiftet. Philander 1 (1642), 241; gleich wie der ein groszer übelthäter ist, der einen brunnen vergiftet, darausz hernach viel tausend menschen trinken und sterben. Schuppius 643;
fora sînen ougôn   stênt alle mennisgon,
ubile joh guate.
Otfrid 5, 20, 21;
die farb hat auch das köstlich golt,
dem jetzund sind all menschen holt.
Grobian. A 3ᵇ (v. 184);
dasz alle menschen auf dich gucken.
B 2ᵇ (v. 390);
alle menschen werden brüder,
wo dein sanfter flügel weilt.
Schiller an die freude;
dieses alle menschen, im sinne von jedermann, nahm im 16. jahrh. gern den sing. des verbums zu sich:
mainst, dein sach wer haimlich aufs best,
so es all menschen von dir west.
H. Sachs fastn. sp. 1, 139, 208;
und wann schon alle menschen schweigt,
und dir der düppel wider steigt.
Grobian. Bᵇ (v. 303);
(sei) halszstarrig, trutzig, frevel gnuͦg,
dasz alle menschen auf dich luͦg.
E 2ᵇ (v. 1166);
so man dein also streng begert,
und alle menschen auf dich wart,
das lasz dich nicht bekümmern hart.
K 4ᵃ (v. 2589);
da lacht all menschen uber laut.
O 2ᵇ (v. 3563);
so wirt dein alle menschen lachen.
O 3ᵃ (v. 3588);
menschen ohne artikel, wenn eine unbestimmte anzahl derselben gemeint ist: ich sehe menschen gehen, als sehe ich bewme. Marc. 8, 24; von nu an wirstu menschen fahen. Luc. 5, 10; die taufe Johannis, war sie vom himel oder von menschen? 20, 4; stolz und ehrgeiz, du hast engel gestürzt, die zierden des himmels, wie leicht ist dirs, menschen zu fällen! Fr. Müller 2, 133; todesarten will ich ersinnen, peinigender und schrecklicher, als sie noch von menschen gehört und gesehen worden! Klinger Otto 25, 24;
güter, die du hier erwirbst,
würden, die dir menschen gaben.
Gellert 2, 174;
menschen und wind
ändern geschwind.
Simrock sprichw. 375;
wir menschen: dis hat gott alles aus nichts gemacht, und wir menschen sind auch so gemacht. 2 Macc. 7, 28;
wir menschen sein mit sorgen, pein und plagen ..
vom himmel, luft, meer und uns selbst geschlagen.
Weckherlin bei Opitz 1624 192;
in einer anzahl von fällen, wo die hervorhebung der menschlichen art gegen die blosze zahl zurücktritt, rührt der plur. an die verwendung von leute (oben sp. 841, nr. 13), oder deckt sich damit: das er meine schmach unter den menschen von mir neme. Luc. 1, 25; wer denn bittet oder flehet unter allerlei menschen und unter alle deinem volk Israel. 2 chron. 6, 29; namentlich in der artikellosen formel unter menschen (vergl. unter leuten sp. 843): das er seine wonunge zu Silo lies faren, die hütten da er unter menschen wonet. ps. 78, 60; geh unter menschen, ich beschwöre dich! Schiller Fiesko 4, 12; zum unglück hab ich eine sehr böse laune. es ist mir ganz unmöglich, unter menschen zu gehn. kab. u. liebe 5, 6; menschen fast gleichviel wie man: du (liebe) kannsts erheben, des mannes herz, mit stärke und gutem muthe, und er ist wohlbehalten bei dir, auch wenn ihn der kummer drückt, und menschen ihn necken. Klinger Otto 12, 2.
14)
bei zutritt von adjectiven zu mensch überwiegt vielfach der adjectivbegriff, und das substantiv tritt dem sinne nach so zurück, dasz das adjectiv auch substantiv stehen könnte.
a)
im singular mit dem bestimmten artikel, bei einer allgemeinen aussage (vgl. oben 11): swenne nuͦ der arme mensche alsô ellende und arm wirt. Haupts zeitschr. 8, 463; wenn der gottlose mensch stirbet, ist hoffnung verloren. spr. Sal. 11, 7; du weiszt nicht, wie glücklich der böse mensch ausgerüstet ist von natur. Klinger 12, 21;
zu dem, was ist ein stein, der uns so mächtig rühret,
eh ihn der eitle mensch mit langer müh gezieret?
ein klumpe sonder form.
Drollinger 70.
b)
mit dem unbestimmten artikel, bei einer vereinzelnden aussage: das bezeichent einen unstæten menschen. Haupts zeitschr. 8, 457; wer nu irgend einen todten menschen anrüret, der wird sieben tage unreine sein. 4 Mos. 19, 11; das ist der lohn eines gottlosen menschen bei gott. Hiob 20, 29; ein vleisziger mensch wird reich. spr. Sal. 12, 27; eim losen menschen wirds gehen, wie er handelt, aber ein fromer wird uber jn sein. 14, 14; ein verkereter mensch richtet hadder an. 16, 28; also thut ein falscher mensch mit seinem nehesten. 26, 19; scherze nicht mit einem groben menschen. Sir. 8, 5; ein zorniger mensch zündet hadder an, und der gottlose verwirret gute freunde. 28, 11; ein gut mensch, bringet guts erfür, aus seinem guten schatz des herzen, und ein böser mensch, bringet böses erfür, aus seinem bösen schatz. Matth. 12, 35; dieses sympathetische mittel einem verstopften menschen zu helfen. Hohberg 1, 283ᵇ; ein gefangener mensch ein armer mensch. Pistorius thes. par. 8, 91;
ein guter mensch in seinem dunkeln drange
ist sich des rechten weges wohl bewuszt.
Göthe 12, 25;
auch wo das allein gesetzte adj. prädicativ stehen würde: das bewîset er (der mensch) denne mit wandel und mit gebærden und mit grüeszen und er wil denne daʒ man in für einen guoten menschen halte. Haupts zeitschr. 8, 462, für gut halte; wer gedüldig ist, der ist ein kluger mensch. spr. Sal. 19, 11, ist klug; ich bin auch ein sterblicher mensch. weish. Sal. 7, 1, bin sterblich.
c)
im plural: sihe dich nicht umb nach schönen menschen. Sir. 42, 13; die allermagerste menschen, die sich in der grösten fasten, mit geiszlen, mortificiren. Philander 1 (1642), 241; durch list und trug loser verführischer teüfelischer menschen. 275; o ich sage euch, es gibt garstige menschen, garstige brüder, garstige herren. Schiller räuber 4, 3; in diesen pluralfällen ist jedoch die ersetzung durch ein bloszes adjectiv der schriftsprache fremd, wenn auch in oberdeutschen mundarten gewöhnlicher.
15)
sehr verblaszt ist der begriff, wenn mensch zum unbestimmten pronomen tritt; höchstens dasz er diesem mehr lebendigkeit verleiht.
a)
ein mensch, einer, irgend einer, jemand: dis grundes ze wissen wære einem menschen wæger und nützer wan aller engel vernunft. Haupts zeitschr. 8, 453; wie denn einem menschen ein schwur entfaren mag, ehe ers bedacht. 3 Mos. 5, 4; für die herzbräune, die kommt einem menschen an mit kopfwehe, und ein wenig schauer. Hohberg 1, 274ᵇ;
ein strâʒe rîch dar ûfe sich vor valle
behüetet wol eins menschen trit.
Wackernagel kirchenl. 2, 192ᵃ (nr. 320, 2);
du bist ja die beste gabe,
die ein mensche nennen kann.
P. Gerhard 76, 10;
ein mensch im gegensatze zum andern: wan der grunt in allen menschen gelîch ist, sô ist doch ein mensche swærlîcher dâ mit besessen denn der ander, und dar umbe tuot ein mensche mê sünde denn der ander. Haupts zeitschr. 8, 457, wo auch einer — der andere stehen könnte; ein mensch ist so gut als der andere. Pistorius thes. par. 6, 4; ein mensch ist des andern wolf, teufel oder hagel. Agr. spr. 17ᵇ. Mehr tritt der substantivbegriff noch heraus: halb besinnungslos stürzte ich zum fenster zurück, ich hörte, dasz man auf der strasze rief: ein mensch! ein mensch! die leiter her! Freytag dram. werke 2, 73, wo mehr als nur jemand, wo ein menschliches wesen nach seiner hilfsbedürftigkeit verstanden ist.
b)
für ein mensch auch der mensch im falle von nr. 11, wie das allgemeine man: ihr herren, morgen ist der erste april, der mensch solte sich der jahrzeit zu ehren brauchen lassen. Chr. Weise erzn. 219 Braune; wozu der mensch lust hat, dazu hat er auch andacht. Pistorius thes. par. 6, 79;
heut grünen sie gleich wie ein baum,
ihr herz ist froh und lachet,
und morgen sind sie, wie ein traum,
von dem der mensch aufwachet.
P. Gerhard 192, 67;
der gen. dat. des menschen, dem menschen wie unbestimmtes eines, einem (vergl. th. 3, 121 fg. 123): der stein in des menschen leib gewachsen, humanus calculus Maaler 288ᵇ; an desz menschens wille und gespanntem gewand gehet viel ab. Pistorius thes. par. 8, 6; des menschen wille ist sein himmelreich. 14.
c)
kein mensch, niemand: ich saget keinem menschen, was mir gott eingegeben hatte zu thun an Jerusalem. Neh. 2, 12; ich wil niemands person ansehen, und wil keinen menschen rhümen. Hiob 32, 21; und ward drinnen (in der stadt) funden ein armer weiser man, der die stad durch seine weisheit kund erretten, und kein mensch gedacht desselben armen mans. pred. Sal. 9, 15; liesz sich kein mensche finden. polit. stockf. 306; es ist auf keines menschens freundschaft gewisse rechnung zu machen, ehe und bevor man mit ihme eine erbschaft getheilet. Pistorius thes. par. 9, 23; hinunter ans wasser! wir kommen so durch, dasz kein mensch weisz, wohin. Fr. Müller 2, 87; kein mensch war auf dem platze zu sehen, und die wunderliche gruppe fand sich in dieser einsamkeit allein. Göthe 19, 40; du gehst nicht eher in die burg, du, bis es finster ist, und lässest dich vor keinem menschen sehen. H. v. Kleist Käthchen 3, 6; auch kein mensch und keine seele: soldat. ist nicht da! niemand! bürger. wie? wie? kein mensch und seel! Fr. Müller 2, 95;
so hörs dann ausz mit ganzen freuden,
und lasz dirs gschwätz kein mensch erleiden.
Grobian. J 2ᵃ (v. 2216);
ich wolt jhn (einen hasen) euch jetzt bringen eben,
keim menschen jhn zu kaufen geben.
L. Sandrub kurzweil 47;
kein mensche kan zugleich mit zweien göttern streiten.
Zinkgref bei Opitz 1624 179;
kein mensch es hindern kan.
216;
kein mensche hört fast mehr,
was gottes geist uns lehr
in seinen heilgen worten.
P. Gerhard 105, 19;
schweigst du nicht, so sollt du etwas hören,
das dir kein mensch noch jemals nachgesagt.
Drollinger 131;
wo man singet, wird kein mensch beraubt:
bösewichter haben keine lieder.
Seume ged. 148;
nicht ein mensch:
und zürnt doch nit ein mensch darumb,
dasz man sie (Ciceros briefe) lesz und uberkumb.
Grobianus R 2ᵇ (v. 4343);
mit andern adjectiven (vergl. dazu 14, b): es wird kein verständiger mensch läugnen, dasz der spargent dieses paszquills .. gesündiget habe. Schuppius 622;
mein gfater het eim gstoln ein pachen,
die hab wir alle paid vertragen,
das kain frum mensch darfan darf sagen.
H. Sachs fastn. sp. 2, 28, 58.
d)
ein jeglicher mensch, ein jeglicher, jeder: ein jglicher mensch der da isset und trinkt, und hat guten mut in alle seiner erbeit, das ist eine gabe gottes. pred. Sal. 3, 13; eim jglichen menschen ist erbeit aufgelegt, nach seiner masze. 6, 7;
jeder mensch hat sein vergnügen.
L. Angely.
e)
welcher mensch, ein solcher mensch, plur. welche menschen, solche menschen, nicht mehr wie welcher, solcher, welche, solche: swelhe menschen vil bîle (anfechtungen) habent. Haupts zeitschr. 8, 458; welcher mensch aus dem hause Israel, oder auch ein frembdlinger der unter euch ist. 3 Mos. 17, 8; welcher mensch, er sei vom haus Israel oder ein frembdlinger unter euch, jrgent blut isset. 10; welcher mensch diese wort verendert, von des hause sol man einen balken nemen, und aufrichten, und jn dran hengen. Esra 6, 11; jedermans genge komen vom herrn, welcher mensch verstehet seinen weg? spr. Sal. 20, 24; welcher aus dem haus Israel ein ochsen oder lamb, oder zigen schlacht in dem lager oder auszen fur dem lager, und nicht fur die thür der hütten des stifts bringet, .. der sol des bluts schüldig sein, als der blut vergossen hat, und solcher mensch sol ausgerottet werden aus seinem volk. 3 Mos. 17, 4.
f)
endlich ist auch der mensch der oder welcher gleich einem allgemeinen derjeniger welcher: selig ist der mensch, den gott strafet. Hiob 5, 17; wol dem menschen, dem der herr die missethat nicht zurechnet. ps. 32, 2; wol dem menschen, der weisheit findet, und dem menschen, der verstand bekompt. spr. Sal. 3, 13;
ain yglich engel der helf palt
dem menschen, des er hat gewalt.
Wackernagel kirchenl. 2, 414 (nr. 551, 2).
16)
einschränkung des begriffes auf eine erwachsene person männlichen geschlechts (vergl. dazu unter 8, b).
a)
vielfach als umschreibung eines prädicats: er ist ein guter lieber mensch, für er ist gut und lieb in lebendigerer rede; er ist ein dummer, einfältiger, beschränkter mensch; aber Mose war ein seer geplagter mensch uber alle menschen auf erden. 4 Mos. 12, 3; aber Hebron hies vorzeiten Kiriath Arba, der ein groszer mensch war unter den Enakim. Jos. 14, 15; auch ich bin ein mensch der oberkeit unterthan. Luc. 7, 8; dieser ist ein fromer mensch gewesen. 23, 47; die ihn (den mann) als einen boshaften oder kleinen menschen in die rumpelkammer herab stieszen. Fr. Müller 2, 5; ach was vor ein freundlicher mensch, sagten sie oft zusammen, ist doch der jäger! Simpl. 1, 324 Kurz; er ist ein feiner mensch, homo est honestus. Steinbach 2, 46; ferner in den zahlreichen fällen, wo mensch, namentlich im singular als subject stehend, unmittelbar und ausschlieszlich in gedanken auf eine männliche person bezogen wird: ein bescheidener mensch; an unserem tische sasz ein recht lustiger mensch; es war ein reicher mensch, des feld hatte wol getragen. Luc. 12, 16; es war ein mensch, der machte ein gros abendmal. 14, 16; ein mensch pflanzet einen weinberg. 20, 9; ein junger mensch, namentlich in der neueren sprache weniger verbindlich als ein junger mann oben sp. 1558: es trat ein junger mensch zu uns herein; ein junger mensch, der sich nunmehr nach einer liebsten zu seiner heirath umbsehen wolle. Chr. Weise erzn. 161 Braune; hat solchen (zum bischof gewählten jünglinge) der pabst, als einen jungen menschen, welchem kein härl ums maul, veracht. Abr. a S. Clara Judas 1, 198;
und wirst auch darausz lernen wol,
dasz kein junger mensch trauen soll
den leichtfertigen weibspersonen.
J. Ayrer fastn. sp. 6ᵇ (2363, 13 Keller);
sie sind
ein groszer general — wer weisz das nicht?
der neid musz es beschwören. ich — ich bin
ein junger mensch (Carlos zu Alba).
Schiller don Carlos 2, 5.
b)
die allgemeinheit der bezeichnung weist sie überhaupt der rede zu, die sich nicht bestrebt höflich zu sein: und sihe, da war ein mensch, der hatte eine verdorrete hand. Matth. 12, 10; da gieng der könig hinein, die geste zu besehen, und sahe alda einen menschen, der hatte kein hochzeitlich kleid an. 22, 11; und sihe, etliche menner brachten einen menschen auf einem bette, der war gichtbrüchig. Luc. 5, 18; oder was seid jhr hin aus gegangen zu sehen? woltet ihr einen menschen sehen, in weichen kleidern? Luc. 7, 25; sihe, der mensch ist ein fresser und weinseufer, der zölner und sünder freund. 34; funden den menschen, von welchem die teufel ausgefaren waren, sitzend zu den füszen Jhesu. 8, 35; der mensch, der Jhesus heiszet, machet einen kot, und schmieret meine augen. Joh. 9, 11; lasset ab von diesen menschen (den aposteln), und lasset sie faren. ap. gesch. 5, 38; dieser mensch höret nicht auf zu reden lesterwort. 6, 13; sie kann selbst verächtlichen nebensinn annehmen: die körperliche wollust ist seine tägliche gefährtinn .. sehen sie mit einem geheimen beifalle auf diesen menschen? Gellert 6, 35; nimmt ihre abneigung gegen diesen menschen nicht zu? 36; wird sie (die welt) mich nicht mit dem namen eines schwermüthigen, eines milzsüchtigen, eines schwärmers, eines menschen, der nicht zu leben weis, dem der schulstaub den kopf verfinstert hat, bestrafen? 88; ei, werden sie sagen, der mensch legt sich auf niedliche complimente! Göthe 16, 99.
c)
so auch in der anrede: sprach er zu jm, mensch, deine sunde sind dir vergeben. Luc. 5, 20; es sprach aber einer aus dem volke zu jm, meister, sage meinem bruder, das er mit mir das erbe teile. er aber sprach zu jm, mensch, wer hat mich zum richter oder erbschichter uber euch gesetzt? 12, 14; und uber ein kleine weile sahe jn ein ander, und sprach, du bist auch der einer. Petrus aber sprach, mensch, ich bins nicht. 22, 58; Gelanor sagte, ihr lieber mensch, reiszen euch die contradictoria so sehr im leibe? Chr. Weise erzn. 165 Braune; ihr wunderlicher mensch, mein schreiben wird euch nicht fromm machen. 205; haben sie lust, junger mensch, ihr herz in eine pfütze zu werfen? Schiller Fiesko 1, 12; mensch, dein gesicht brennt fieberisch wie dein gespräch! (Julia zu Fiesko) 4, 12.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2021, Z. 16.

mensch, n.

mensch, n.
homo; puella, femella.
1)
das neutr. mensch bildet sich, zunächst in der allgemeinen bedeutung des wortes (vergl. oben das masc. mensch 1 und 2) im mhd. heraus:
reht als ein heubluome
lebet daʒ mensche, anders niht.
Barlaam 213, 23;
recht sichtbar nur im nom. acc. sing., da die form der andern casus mit denen des masc. zusammenfällt:
alle menschen sint verlorn,
sîn werden drîstunt geborn:
diu muoter daʒ mensche gebirt,
von toufe eʒ danne reine wirt,
der tôt gebirt uns hin ze gote.
Freidank 21, 3;
selten dasz auch im plur. das neutr. sich zeigt:
von meiden sint zwei mennisch komn.
Parz. 464, 27;
die spätere sprache, die bis ins 17. jahrh. das wort in diesem allgemeinen sinne verwendet (mundartlich noch heute, e frems mensch eine fremde person, bairisch Schm. 1, 1628 Fromm.; mensch mensch im allgemeinen, schlesisch Weinhold 61ᵇ, ebenso fränkisch und oberpfälzisch), braucht es so nur im singular, das einzelwesen bezeichnend, und mit hervorhebung seines zustandes, seiner leiblichen oder geistigen eigenschaften (vergl. das masc. mensch 8): wenn man ein mensch darein stiesz und ein glute under den ochsen legt, so schri das mensch vor hicze. H. v. Müglin (1489) 126ᵃ; ein mensch das do understot ein guͦt leben zuͦ überkummen und zuͦ fuͤren. Keisersberg bilg. 76ᵃ; wie ein mensch, das zum tod verdampt ist, ganz verzweivelt, verstockt und imer je böser wird. Luther 2, 407ᵇ; sonst mus man sich je mit dem herzen und gewissen befragen, und sich stellen als ein mensch das gerne wolt mit gott recht stehen. 4, 429ᵃ; einem narren leit sein herz alwegen in maul, er verbirgt nüt, es muͦsz als herausz, aber ein weisz mensch das selb hat sein maul in seinem herzen. Keisersberg s. d. m. 52ᵃ; ein ungeschaffenes mensch zieret eben ein haus als ein muck ein habermuͦs. sch. d. pen. 116ᵈ; es ist ein mann, der weder dis noch das gleubet, nimpt sichs nichts uberall an, als ein rohes, und rauchlos mensch. Luther 4, 449ᵃ (vorher ein widersetziger mensch); summa, es wird ein solch mensch, das gegen niemand kein falsch, sondern ein aufrichtig, rein, und lauter herz tregt, wie es für gott im glauben rechtschaffen und on heuchelei ist, denn es suchet nicht das seine, .. thut alle werk umb sonst nur andern zu dienst, sihe, das mus je ein rechtschaffen auserwelet mensch sein, beide für gott und menschen. 6, 196ᵇ; alle welt liebt ein jung mensch, so es schamhaftig ist. und widerumb ist alle welt feind, der unverschampten jugent. randbemerkung zu Sirach 32, 14 (Bindseils bibel 7, 540); von sunde nemlich mag ein altes mensch nit vor der zeit sterben. A. v. Eybe 12ᵇ; wenn ein kind oder alt mensch kein stuhlgang haben kann. Gäbelkhover arzneibuch (1599) 285; ein altes mensch nimmt 1 loth, ein junges drei quintel. Hohberg 1, 312ᵇ;
man findt gar manch noch gültig mensch,
das ist so gar ein wättertrentsch,
das es sich nyenan schicken kan.
Brant narrensch. 70, 1;
ein armes mensch lieszen (sie, das volk) verderben,
offlichen auf der gassen sterben.
Schmelzl lobspruch 87;
des höchsten auge sieht
wie hart ein sterblich mensch um seinen fall bemüht,
wie blind es in den pful des tiefsten abgrunds laufe.
A. Gryphius (1698) 1, 218;
menschliches mensch:
du durch die laster selbst so weit berufner hügel, ..
da keine dryas sich zu wohnen unterfängt,
wie auch kein menschlichs mensch, kein wild und kein geflügel.
Fleming 586;
gegenüber gott:
es ist mir unverborgen,
dasz kein gott durch ein mensch beflecket werden kan.
Opitz 1, 193;
im ausrufe: o du armes verblendetes mensch, was machst du mir vor herzeleid? Scriver seelenschatz (1684) 204; traue sicherlich, mein mensch, dasz du nicht das geringste übel thust und kein unnützes word redest, ja keinen sündlichen gedanken hast, der nicht in gottes register verzeichnet wird. 205;
o du unmenschlichs mensch, was leidens pein und schmerzen
gleich deiner schnöden that!
Opitz 2, 234 (auf einen meuchelmörder);
ha! unmenschlichs mensch! verzweifelter tyrann!
Lohenstein Ibr. 4, 87;
undankbar mensch!
7, 183;
das mensch im zusammenfassenden sinne von der mensch 10 und 11: daʒ mensch hât ain grœʒer hirn nâch seinr grœʒen wan kain ander tier. Megenberg 7, 7;
swie vil daʒ mensche zuo der welte guotes habe,
und eʒ gedenket, wie eʒ scheiden muoʒ dar abe,
ze leste mit dem tôde, mag eʒ trûren sêre.
minnes. 2, 259ᵈ Hagen;
ein mensch im gegensatze zum andern: denn gott hats befohlen, das ein mensch das ander trösten sol. Luther 6, 206ᵃ; kein mensch, wie das masc. 15, c:
ein loser lecker du sein must,
weil du dich einen freund her nennst,
doch kein mensch in disem hausz kennst.
J. Ayrer fastn. sp. 3ᶜ (2349, 31 Keller);
welch mensch, manch mensch, wie welcher, mancher, vergl. dazu das masc. mensch 15, c: der was so schön, das er mit seiner schön manniges mensch da raiczt zu leichtikeit und tummer begird und unkeusch. Müglin 61ᵇ; ein löwengriff, den ich an meinem backen hab, darum mich manches mensch zu wunder und seltzamkeit beschawet hat. b. d. liebe 270ᶜ; rautenwasser ist gut, welchs mensche das an seinem halsz hat, dem mage der teufel nicht wol schaden. H. Braunschweig destilierbuch (1551) 71;
manic mensch, daʒ eʒ vernam,
quam von andern landen dar,
pfaffen, leien manigiu schar.
Lamprecht v. Regensburg Franzisken leben 4898;
welch cristen mensche daʒ vernam,
daʒ lobete dar umme Jhêsum Crist.
livl. chron. 11314;
ach ach, wie manches mensch verdirbt,
das frost halb in dem ellend stirbt.
Grobian. Lᵇ (v. 2669);
manchs mensch im wasser wird ertrenkt,
manchem vergeuszt das schwert sein blut.
Eyering 2, 603;
mit andern adjectiven (vergl. dazu das masc. mensch 15, c): jedes verständige mensch. F. Würtz pract. der wundarzn. 476;
ist dann kein ehrlichs mensch hierinnen,
das mich erlöst ausz dem scheiszhausz?
J. Ayrer fastn. sp. 3ᵇ (2348, 16 Keller);
das mensch, das wie der mensch der, oben 15, f: es ist auch disz wirdig zu gedenken, das die binnen (bienen) dem menschen, das wolriechende ding bei ihm trage, mer dann andern aufsetzig sein und zu stechen begeren. Wirsung arzneibuch (1572) 610. das mensch im wechsel mit dem masc. des persönlichen pronomens:
swer mit den dingen umbe gât,
ob er der mâʒe niht enhât,
swie reht er sîner slahte sî,
dâ wirt ein krankeʒ mensche bî
geergert, swenne er daʒ siht,
daʒ er solher gnâden niht
ouch von gote enphangen hât.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2998.
2)
mensch im verengten sinne einer dienenden person, knecht oder magd: item dem graben umb Werd vollen nachgen und ausz jeglichem haws hie ein mentsch dartzu leihen. d. städtechron. 2, 274 anm. 3 (von 1449).
3)
mensch, bezogen auf eine weibliche person, kommt im 15. jahrh. auf und ist im 16. schon recht gewöhnlich. anfangs und bis ins 17. jahrh. und wol zum theil noch ins 18. in der form von dem vorigen nicht unterschieden, daher dat. gen. menschen: fieng die schöne Magelona also an zu reden: edler ritter, wiewol es nicht geziemet einem jungen menschen, als ich bin, allein mit einem mann heimlich zu reden. b. d. liebe 35ᶜ; mit solchem sündlichen wollust brachte ich die nacht vollends zu, bisz es anfing zu tagen und meine gewesene jungfer anhub zu schlafen, welche ich dann in ihrer ruhe ungestört liegen liesze ... wie aber diese kürbe dem guten menschen künftig bekommen sei, davon hab ich seither keine nachricht erhalten. Simpl. 3, 416;
herr, lat den brunn auch besehen,
was disem menschen (einer hausmagd) sei geschehen,
wann es ist gar krank und schwach.
fastn. sp. 698, 10;
seit dem 17. jahrh. aber bildet sich starke form heraus, die dann allein herschend geworden ist, zunächst im plur. die menscher: buhlerei, tänze, bankete, schöne menscher. Opitz poeterei (Wackernagels leseb. 3, 1, 628); baurnmenscher und menscherinnen. Abele unordn. 2, 164; also pflegen dergleichen laggey und dienstmenscher in aller boszheit der herrschaft an die hand zu gehen. Abr. a S. Clara Judas 1 (1686) 316; sodann aber auch im sing. des mensches, dem mensche bei Adelung, wie denn auch der letztere eine auf ein weib bezügliche formel bei Gellert: dem armen menschen durch den dat. mensche erklärt; des küchenmensches, s. th. 5, 2507. Dieses mensch steht
a)
im 16. 17. jahrh. im edeln sinne, von einer jüngern frau wie von einem mädchen, wie man auch weib braucht: bis das sie das heilige edle mensch, die jungkfrauw Maria, aller welt fürbildeten. Luther 5, 83ᵃ; vermanet sie (eine jüdische jungfrau, die sich taufen lassen wollte) derhalb mit ernst, das das elende mensch sich selbs nicht betriege. 264ᵃ; derselbig entpfurte ein junge closterfraw zu Hailigcreuztal, hiesz Barbara von Friedingen, furwar ain schöns mentsch. Zimm. chron. 3, 389, 23; einmals wolt er ein experiment (in der schwarzen kunst) versuchen, als er auch thett, das ein schönes junges mentsch zu im sollt kommen. 4, 409, 8; ach ich elendes mensch, ach wie bin ich in so groszen engsten (worte der Susanna). H. J. v. Braunschweig 182; o ich armes verlassenes mensch, o wehe mir. 256; derselbig könig hatte mit seinem weibe eine einige tochter, die ausz der maszen ein schön mensch war. wegkürzer 22; ich weisz mich wol zu erinnern, dasz ich in meiner jugend einsmals im heiszen sommer durch eine gasse gegangen, und allda ein trefflich schön mensch gesehen. pers. rosenth. 5, 15; hat sie (die frau) ihm (den in sie verliebten richter) mit schmehworten angefallen, auch sich nicht gescheuet, einen stein auf ihn zu werfen, zu ergreifen. der richter aber, sagte zu einem weisen, welcher als sein gefährte, zugegen war: siehe doch dieses schöne mensch und seinen zorn an, wie lieblich stehets, dasz die zornrunzeln über die augenbrauen zusammen gezogen. 5, 19; o du glückseliges mensche (ein ehemann zu seiner frau). 6, 2; das mensch spielt noch mit docken, juvencula admodum est ac ludicra tractat. Stieler 323; es ist ein artliches mensch, venusta, vinnula est virguncula. 1239; dasz ich die historie in der ganzen stadt auszbreitete, und das mensch in einen unerhörten schimpf brachte. Chr. Weise erzn. 172 Braune; marquise d'Angeau ... sie ist ein recht tugendsam ehrlich mensch, so von jedermann estimiert. E. Ch. von Orleans briefe s. 272 (von 1718);
wer kan alles erzelen hie
wie diensthaftigs mensche sie sei
und so gar sorgfeltig darbei (sagt Magdalene von ihrer schwester Martha).
Joach. Greff Lazarus C 8ᵃ;
ach gott, lasz doch erbarmen dich!
kein ärmers mensch lebet, als ich.
ach weh mir armen jungkfrauen!
J. Ayrer 154ᵈ (771, 18 Keller);
doch, ich elendes mensch, darf ich die götter bitten:
soll ich nach hülfe sehn? (worte der Antigone).
Opitz 1, 190;
hie liegt der zugebracht sein leben hat mit lieben,
mit lieben dieses mensch, das allzeit ihn geplagt.
2, 153;
bekömmt er lust zum weibe,
desz nachbars tochter wil; ein mensch das schön am leibe,
und gut vom herzen ist.
Fleming 72;
sie, disz mensch, diese halbgöttinne.
523;
ein mensch hat alle schuld,
das mich doch liebt,
das weil es mir ist huld,
mich so betrübt.
525;
o dasz ich doch den tag erleben müssen,
der mir verbeut das schöne kind zu küssen!
der mir versagt das liebe mensch zu sehn.
534;
wer seine seele liebt, und liebt auch seinen bauch,
der liebt ein ehrlich mensch, und einen schandbalg auch.
Logau 3, 224, 33;
Gumpertus nimmt ein schönes mensch, und ist gewaltig froh.
2, 110, 58;
(ich) suche da hinauf zu gehn
wo disz schöne mensch soll stehn.
S. Dach in Alberts arien 2, 55;
mit beigegebenem pronomen nach dem natürlichen geschlechte: das guet jung mentsch ist fro gewesen, das sie zu ir schwester ein mal komen soll. Zimm. chron. 2, 449, 25; (ich) ward in ein jung mensch vernarret, welche eine sehr liebliche stimme zu singen hatte, ihr angesichte stund und leuchtete zwischen den schwarzen herunter hangenden haarlocken, wie der volle mond in der finstern nacht. pers. rosenth. 5, 10; es ist wol schadt vor dasz mensch (die enkelin der prinzessin Charlotte), sie hat viel guts an sich. E. Ch. v. Orleans briefe s. 286 (von 1718);
so sitzt darbei ein voller kruͦg,
der kan sein lieb nicht loben gnuͦg,
und dörft verwetten groszes gelt
kein schöner mensch wer in der welt.
da wirt er loben offenbar,
ir glitzend schön goldtfarbes har.
Grobian. H 4ᵇ (v. 2126);
die rief sie und sagt jhr: ich kan dir nicht verhelen,
dasz niemand bessers ich, als dich, weisz zu erwehlen,
kein trew- und weiser mensch weis, o Hippalca, ich,
die ich zur botschaft jtzt gebrauchen könt, als dich.
D. v. d. Werder Ariost 23, 29, 7;
mehr aber rühm ich dich (Moskau), weil, was dich himmlisch preist,
mich an ein göttlichs mensch bei dir gedenken heiszt,
in welcher alles ist, was treflich wird geheiszen.
Fleming 617;
dennoch hat das liebe mensch (die verstorbene frau) ein vertrautes
freundschaftsband
auf die meinen unverfälscht jmmer fort und fort erstrecket,
bisz nun auch desz todes neid jhr das letzte ziel gestecket.
Logau 2, 46;
das gottgeliebte mensch war niemals nicht ergeben
der schnöden eitelkeit; in ihrem ganzen leben
hielt sie die gottesfurcht für ihren höchsten ruhm.
Neumark lustwäldchen 189;
nur sprich mich, bitt ich dich, von dieser sünde frei,
dasz dein verdienst kein lob von meiner muse krieget.
was soll das arme mensch und auch ihr blöder sinn
mit ihrer heiserkeit sich so verspotten lassen?
Günther 575.
b)
mensch, das dienende weib, die magd: sehet, mensch, da habt ihr euren herrn, mit dem möcht ihrs auszmachen. Simpl. 4, 49 Kurz; mensch, wist ihr oder hat euch eure jungfer vertraut, was ihr bei mir zu suchen. polit. stockf. 58; ecce! haec est serva bona et fidelis, das mensch ist gar vertreulich. Abr. a S. Clara Judas 1, 317; ach liebe frau, antwortet so denn das mensche, wir haben gehöret .. ihr hülfet gerne armer leute kinder in gute dienste. Marforio mägdeschlendrian (Leipzig 1729) s. 9; dieses dem ansehen nach ganz feine mensch (eine zofe). ehe eines mannes 244; das leichtfertige mensch. 248;
sie schreibt und liest den abend wie den morgen,
hält ihr ein eigen mensch blosz zu dem bücher-borgen.
Günther 979;
vergl. dienstmensch, kammermensch, kindermensch, kindsmensch: ei wie lange wolt ihr doch ein kindermensch sein. mägdeschlendrian 11; bisz etwan die hauszfrau befiehlet, sie solle mit den kindern ein wenig hinunter auf die gassen gehen, ... sie kommt aber kaum an die thüre, siehe so ist schon ein ander kindsmensche da. 12; küchelmensch, küchenmensch, kühmensch (Wieland 12, 22).
c)
mensch, in derber, bäuerlicher rede, die dirne: das bischen dahlen wird doch den hals nicht kosten sollen! das mensch sieht gut aus, es ist wahr, und ich traf sie auf der panse allein an. Rabener sat. 3, 57; Grethe, du bist ein flinkes mensch. ich habe es in der heuerndte gesehen, wie dir die arbeit frisch von der faust gieng. so eine frau möchte ich haben! 263;
wie hieszend ir, jungs mensch, dört hinden?
fastn. sp. 863, 5;
im ganzen dorf ist kein gesicht
der flinken Hanne gleich.
das mensch gefällt, auch ungeputzt.
Hagedorn 3, 75;
die edelfrau ist zart und fein;
mein mensch ist wohl so schön.
76;
mensch! ich bitte guck heraus!
Schiller hist.-krit. ausg. 1, 349 (bauernständchen);
diese bedeutung ist mundartlich im süden weit verbreitet, schwäbisch mensch ledige weibsperson Schmid 382; elsässisch Fromm. 4, 475; bair. mensch, unverheiratete weibsperson, erwachsenes lediges mädchen, im gegensatz der ledigen mannsperson (des bueben), auf dem lande ohne allen verächtlichen nebenbegriff Schm. 1, 1629 Fromm.; tirol. mensch, weibsperson, magd, dirne Schöpf 433; ebenso österreichisch, fränkisch, in Mitteldeutschland schlesisch, hessisch (Vilmar 268), obschon auch in den mundarten jetzt vielfach in dem ausdrucke etwas unedles gefühlt wird, namentlich wenn das verhältnis zum andern geschlecht hervortritt (zum kerl, vergl. th. 5, 575, und nachher d); niederd. minske, minsk. Auch sonst in derber rede mensch für mädchen: ich machte nun allemahl eine sehr artige mine gegen die menscher. Schelmuffsky 25; o sapperment! wie fiel mir dasz mensche, die Charmante, um den halsz! 35; und auch für frau: ich unglückliches mensch (sagt die arme frau). Stilling 1, 44; vergl. auch frauensmensch.
d)
mensch, mit verächtlichem nebentone, wie weibsbild, weibsstück: ist im auch ein saugamma zugestanden, ein saubere junge fraw, daneben aber ain sollich neidig mentsch und so zornig, dergleichen mir kein solch bösz thier nie zu handen gestoszen. Zimm. chron. 4, 147, 23; diese menscher verdienen, dasz man sie ins spinnhaus setzet. Pierot 2, 56; sie (die gnädige frau) hat noch ein mensche bei sich, das maulaffengesichte möchte auch gern kammermädchen heiszen. Rabener sat. 3, 29; Chrys. den augenblick schwur er, er kenne kein frauenzimmer, und nun nennt er ein halb dutzend menscher. Damis. menscher? herr vater! Chr. ja, herr sohn, menscher! .. D. himmel, menscher, griechische berühmte dichterinnen menscher zu nennen! Lessing 1, 222; zu spät — unvernünftiges mensch? wie alt bin ich denn? (die alte jungfer zum kammermädchen). 2, 391; und vor allen dingen: warum fehlt denn (in Gottscheds nöthigem vorrath) Anne Dore, oder die einquartirung, ein schäferspiel, in einem aufzuge? dieses mensch kennet der herr professor doch ganz gewisz, und es ist gar nicht dankbar, dasz er ihrer wenigstens nicht bei gelegenheit seiner schaubühne erwähnet hat. 6, 41; wenn nicht alles blendwerk ist, so mögen die menscher hübsch sein. Sturz 2, 405; hahlgans, die du bist! ist das auch erlaubt, so was zu vergessen! hab mein lebtag kein dummer mensch gesehn! Fr. Müller 1, 248;
'wer ist das dicke mensch von stahl?'
die göttinn alles kriegs, Bellona, kurz zu melden.
Lichtwer fabeln 3, 9;
ha! eher soll der tod mich von der erde sicheln,
eh ich dies Türkenmensch im hause dulden will.
Kotzebue dram. sp. 3, 342;
gegenüber dem kerl: nur betaure ich, dasz meine komödie darüber in die brüche fallen wird. denn endlich war es entschieden worden: dasz der kerl das mensch haben solle. und haben soll er es auch wirklich, wenn sich auch schon die sache wieder ein wenig verzögert. Lessing 12, 548;
oft schleppen ihre gnaden gar
mich zu der baurkanaille,
zu kerln mit unfrisirtem haar,
zu menschern ohne taille.
Voss 4, 44;
in burschikoser rede ist dieser verächtliche nebenton mehr gemildert und geht weniger über das blosz derbe (oben c) hinaus:
mein seele (sprach von Torf) den ruhm hat diese stadt,
dasz sie, bei allem zwang, doch schöne menscher hat.
Zachariä 1, 14 (renommist);
fordert so wie ich
das erste mädchen auf; der teufel hole mich!
schlägt mir das mensch es ab, so sollt ihr wunder sehen.
26;
geduld, rief Zeus, dem taugenichts
will ich ein näschen drehen,
er soll anstatt der schiffe nichts
als hübsche mädel sehen,
und wenn der tausend sapperment
mir dann die menscher noch verbrennt
soll ihn der teufel holen!
Blumauer 2, 233.
e)
endlich mensch geradezu mit üblem nebensinne: du hast aber ain mentsch in der kirchen (eine concubine). Zimm. chron. 4, 255, 15; grüsze mir deine menscher (schreibt ein obrister an seinen herrn bruder). Rabener sat. 3, 38; du gehst weiter, du führst ihn in spiel-kompagnien und bei liederlichen menschern ein. Schiller räuber 2, 3; dasz du dich an solche menscher hängst. Lenz 1, 283. vergl. dazu das verbum menschern.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2033, Z. 40.

menschern, verb.

menschern, verb.
1)
unpersönlich, nach menschen riechen: menschern, hominem sentire, prae se ferre, olere, et abusive crepitum ventris olere, es menschert sich hier, i. e. reucht nach menschen, male hic olet. Stieler 1240. vergl. menscheln.
2)
persönliches menschern (nach dem neutr. mensch 3, c sp. 2037), mit weibsbildern unsittlichen umgang pflegen. in Tirol. Schöpf 433; in Kärnten mentschern, bei der geliebten nächtliche besuche machen. Lexer 189.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2076, Z. 72.

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„menschern“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/menschern>, abgerufen am 07.12.2021.

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