Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm (¹DWB)

menschheit, f.

menschheit, f.
art und gesamtheit der menschen, ahd. mannischeit, mennischeit, mhd. menscheit.
1)
art, eigenschaft, wesen eines menschen: humanitas, menisheit Dief. 281ᵇ; menscheit, humanitas. voc. inc. theut. n 6ᵃ; menschheit, humanitas, mortalitas, natura et conditio humana. Stieler 1241.
a)
von Christus nach seiner éinen natur (vgl. dazu mensch 6): der ist vom himel herab komen und hat die menscheit an sich genommen. Keisersberg seelenpar. 37ᵇ; also haben sie auch das im andern psalm von seiner gottheit ausgelegt, .. so doch das nach der menschheit gesagt ist. Luther 1, 98ᵇ;
ach her mîn vater und mîn got,
durch dînen bitterlîchen tôt,
den dîn menscheit durch uns leit
an dem criuze hêre,
dar an soltu gemanet sîn.
Wackernagel kirchenl. 2, 382 (nr. 529, 2);
nu pegab dich (Christus) die gothait nie,
wi doch die menschait ist verplichen
und naturleich chraft entwichen.
Erlauer spiele 6, 20 Kummer;
di menschait Jesu Christ.
Schwarzenberg 154ᵈ;
gott hat vom himmel seinen sohn
gesand aus seim obersten thron,
durch angenomne menschheit blos,
durch leiden, pein, auch armut gros.
J. Greff action auf das 18. u. 19. cap. Lucä B 6ᵇ;
und später in geistlichen schriften, aus denen die formeln: die menschheit ablegen, humanitatem exsuere, die menschheit annehmen, humanam naturam adsumere Steinbach 2, 46. Frisch 1, 659ᵃ, entnommen sind.
b)
vom menschen, in bezug auf sein allgemeines ihn als menschen kennzeichnendes wesen und leben: daʒ er alle creaturin hat dir gegeben, zu helfin diner krancheit, unde ouh sin engele, zu dieniste diner mensheit. Adrian mittheil. 440, 97;
sîn (Christi) menschheit ist gelîch der dînen,
du enhâst ab niht der sînen:
wan sîniu ist besunder
mit gotlîchem wunder
gezieret in der meide lîbe,
sô kæme dû von einem wîbe.
Lamprecht v. Regensburg tochter Syon 2061;
alsus vert diu mennischeit,
hiute freude, morgen leit.
Parz. 103, 23;
in dieser anwendung kommt das wort nach dem mittelalter erst im 18. jahrh. wieder mehr empor (im 17. jahrh. wenig bezeugt, eine stelle aus Fleming s. unten): die anlagen für die menschheit können auf den allgemeinen titel der vergleichenden selbstliebe gebracht werden. Kant 1, 186;
bei ihnen zeugt die furcht der tugend edle triebe,
der menschheit feder ist, für sie, die eigenliebe.
Haller 57 (v. 1729);
die ältern geben uns die menschheit, die erziehung musz uns die menschlichkeit geben. Sonnenfels bei Campe; der widerstreit ... in welchem er (Lavater) sich sowohl mit den mahlern als mit den individuen befand. jene konnten ihm niemals wahr und genug arbeiten, diese bei allen vorzügen, welche sie haben mochten, blieben doch immer zu weit hinter der idee zurück, die er von der menschheit und den menschen hegte, als dasz er nicht durch das besondere, wodurch der einzelne zur person wird, einigermaszen hätte abgestoszen werden sollen. Göthe 26, 260; der begriff von der menschheit, der sich in ihm und an seiner menschheit herangebildet hatte. ebenda;
so hat, das Orpheus sang, da Linus einst gespielt,
der menschheit ersten trieb der rohe mensch gefühlt.
Kästner verm. schriften 1 (1783) 85;
und hier namentlich in den mannigfachen beziehungen, in der auch der mensch nach seiner stellung in der welt und nach seinen eigenschaften sprachlich erscheint (vergl. sp. 2022 fgg.); so gegenüber dem wesen gottes oder der götter, zu welchem der mensch empor strebt (vgl. unter mensch 4 und 5): man schildre also den Herkules als einen helden voll muth und tapferkeit ... allein sein allzugroszes vertrauen auf eigene kräfte bringe ihn zu einer stolzen verachtung der götter. man lasse ihn nach und nach sich in seine eigne anschläge verwickeln; man gebe ihm einen schmeichler zu, der durch übertriebene lobsprüche das ohnedem geringe gefühl seiner menschheit unterdrückt. Lessing 4, 257; ein weltweiser, .. indem er sich über die grenzen der menschheit erhebt. Kästner verm. schriften 1, 45;
o Nemesis, und ihr, hohl brausenden
gewitter Jovis, und du, loher strahl
des nachtumgebnen blitzes! zähmet ihr
den trotz, der über menschheit sich versteiget!
Schiller scenen aus d. Phöniz. v. 209;
gegenüber dem wesen des thiers (vergl. mensch 7):
Ulysses redt ihn (den löwen) an: mein wächter, mein getreuer, ..
so bald du willst, bist du ein mensch, wie wir.
der löwe, der sogleich aus wildem eifer schnaubte,
spricht, da er noch zu brüllen glaubte:
so thöricht bin ich nicht; die menschheit gönn ich dir.
ich bleibe was ich bin.
Hagedorn 2, 118;
vornehmlich in rücksicht auf dessen niederere stufe: die thierheit ist früher und im grunde mächtiger, als die reine menschheit. Kant 10, 370; hätte sie (die vernunft) zuviel auf ihn (den menschen) gerechnet, so würde sie ihm für eine menschheit, die ihm noch mangelt und unbeschadet seiner existenz mangeln kann, auch selbst die mittel zur thierheit entrissen haben, die doch die bedingung seiner menschheit ist. Schiller 1152ᵇ;
jetzt fiel der thierheit dumpfe schranke,
und menschheit trat auf die entwölkte stirn.
die künstler v. 184;
zu welcher entmenschte menschheit hinabsinkt (vergl.entmenschter mensch sp. 2025):
schrumpfte so sehr die schönheit ein, von der eiterung todtbleich,
schwindelnd, ein schleichend gespenst?
wurde weises so ganz zu thörichtem? wurde die menschheit
jemals also entmenscht?
Klopstock 2, 163;
dann aber auch, ohne hervorhebung solcher gegensätze, vom wesen des menschen, nach seiner äuszeren erscheinung: diese (bilder der götter und halbgötter) sind ... ihrer natur nach unwahr, werden aber desto unwahrer, je mehr sie sich der einzelnen menschheit nähern (der einzelnen menschlichen art). Wieland 24, 191;
bei solchen scenen wars, wo in den goldnen zeiten
der kunst (die itzt aus schutt sich muster graben musz)
den Zeuxis und Parrhasius
die schöne menschheit sich von ihren schönsten seiten
zu sehen gab.
10, 86;
nach seinem sinnlichen triebe:
er siehts, und länger hält die menschheit es nicht aus:
halb sinnlos nimmt er sie (werd auch das ärgste draus!)
in seinen arm, die glühnden lippen saugen
mit heiszem durst den thau der liebe auf.
Wieland 23, 14 (Oberon 7, 15);
vgl. mhd.: daʒ er saʒ
bî ir und ouch etewenne greif
mit der hant
hin dâ wir daʒ suochen
dâ mit wir unser mennescheit beruochen.
Neidhart 44, 14;
nach seiner gebrechlichkeit, sterblichkeit: das lange stehen erinnerte mich an meine menschheit. Hippel 12, 134; unsere sachen stehen gut; aber ich fürchte, die rache des himmels wird mich für dieses verwegene gaukelspiel strafen und diesem thörichten haufen meine schwache sterbliche menschheit früh genug offenbaren (worte Gustav Adolfs). Schiller 962ᵇ;
wenn, wie Olympie sich hat ümm mich gewunden,
so ich sie wiederümm in die zwei arme schlosz:
wie seelig war ich da? wie aller menschheit losz!
Fleming 661;
hier muszt er der menschheit erliegen;
oder ihn muszte mit mächtigem arm der helfer erheben!
und der erbarmende thats. der schwache sterbliche fühlte
sich der erde gewaltig entrissen.
Klopstock 5, 344 (Mess. 15, 442);
auch seinen sittlichen mängeln (wofür mehr menschlichkeit, s. d.): mein freund, rief ich aus, der mensch ist mensch, und das biszchen verstand, das einer haben mag, kömmt wenig oder nicht in anschlag, wenn leidenschaft wüthet, und die gränzen der menschheit einen drängen. Göthe 16, 72;
bis, wann er (der weise) itzt entfernt von irdischen begriffen,
im weiten ocean der gottheit wagt zu schiffen,
vernunft der leitstern fehlt, und er aus menschheit irrt.
Haller 59 (später geändert: aus blindheit, s. Hirzels Haller s. 309);
der tod hat eine reinigende kraft,
in seinem unvergänglichen palaste
zu ächter tugend reinem diamant
das sterbliche zu läutern und die flecken
der mangelhaften menschheit zu verzehren.
Schiller braut von Messina v. 2738;
nach seinem inneren wesen schlechthin: der fischer des herrn Dusch ... ist das gröszte menschliche ungeheuer, das je gewesen oder erdichtet worden. er kömmt an den strand und entdeckt ein verunglücktes schiff; er entdeckt, dasz vielleicht hundert andere durch den sturm hundertmal mehr verloren haben, als er selbst. was hätte diese entdeckung bei ihm wirken müssen, wenn ihm schöpfer Dusch nur einen funken menschheit gegeben hätte? hätte sie seine verzweiflung nicht noch höher treiben müssen? Lessing 6, 110; alle vorgefühle, die ich jemals über menschheit und ihre schicksale gehabt, die mich von jugend auf, mir selbst unbemerkt, begleiteten, finde ich in Shakespears stücken erfüllt und entwickelt. Göthe 19, 310; häufiger aber wird unter menschheit das bevorzugte innere wesen des menschen verstanden, das als eine würde aufgefaszt ist: die menschheit selbst ist eine würde. Kant 5, 305;
der menschheit würde ist in eure hand gegeben,
bewahret sie!
sie sinkt mit euch! mit euch wird sie sich heben!
Schiller die künstler v. 443;
die zu achten ist, aber auch verachtet wird: achtung für die menschheit in der person des missethäters. Kant 5, 127; der Paria kann füglich als symbol der herabgesetzten, unterdrückten, verachteten menschheit aller völker gelten. Göthe 45, 342; diese menschheit als stufenförmig gedacht: wie, wenn uns endlich alles überführte, dasz der mensch auf der ersten und niedrigsten stufe seiner menschheit, schlechterdings so herr seiner handlungen nicht sei, dasz er moralischen gesetzen folgen könne? Lessing 10, 325; ich wünsche glück denen die .. ihre augen .. nach dem alterthum wenden, wo ganz allein für die höhere menschheit und menschlichkeit reine bildung zu hoffen und zu erwarten ist. Göthe 46, 53;
da gott mir höhere menschheit gönnte,
mag ich die täppischen elemente
nicht verkehrt auf mich wirken lassen.
3, 264;
oder sie heiszt innig, rein, schön, tief, ganz u. ä., bezeichnungen, wie sie auch für das menschliche gemüt gelten: das ideal der reinsten menschheit, unter welchem ich mir die person unsers ersten meisters dachte. Wieland 28, 32; ausgedehnte menschheit und moralische kraft. Klinger 7, 152; sie leben doch noch ganz in dem gefühl der innigsten, reinsten menschheit. Göthe 10, 148; wem ererbte reichthümer eine vollkommene leichtigkeit des daseins verschafft haben, wer sich, wenn ich mich so ausdrücken darf, von allem beiwesen der menschheit, von jugend auf, reichlich umgeben findet, gewöhnt sich meist, diese güter als das erste und gröszte zu betrachten, und der werth einer von der natur schön ausgestatteten menschheit wird ihm nicht so deutlich. 19, 17; wer alles und jedes in seiner ganzen menschheit thun oder genieszen will, wer alles auszer sich zu einer solchen art genusz verknüpfen will, der wird seine zeit nur mit einem ewig unbefriedigten streben hinbringen. 20, 250; inzwischen geschehen kühnere griffe in die tiefere menschheit. 31, 4;
aus der bezaubernden einfalt der züge
leuchtet der menschheit vollendung und wiege,
herrschet des kindes, des engels gewalt.
Schiller würde der frauen, im musenalm. 1796, s. 192;
sie steht gegenüber standes- oder gesellschaftlichen begriffen (vgl. mensch 8, e): siehst du, guter Diokles, wir sind hier alle nichts als menschen, und die menschheit ist das einzige was wir an einander hochachten und lieben. Wieland 25, 315; was nicht menschheit ist, ist zufällig an dem menschen. Schiller hist.-krit. ausg. 10, 151; alles beruht hier auf allgemeiner gesunder menschheit, welche sich in verschiedenen abgesonderten charakteren neben einander als die totalität einer welt darstellen soll. Göthe 46, 126; im gegensatz zu solchen: mein entschlusz und das vorurtheil! wir wollen sehen, ob die mode oder die menschheit auf dem platze bleiben wird. Schiller kab. u. liebe 2, 3; die könige, prinzessinnen und helden eines Corneille und Voltaire vergessen ihren rang auch im heftigsten leiden nie und ziehen weit eher ihre menschheit als ihre würde aus. hist.-krit. ausg. 10, 151; menschheit als das allgemeine gefühl der menschen für die menschen (vergl. dazu unter mensch 8, e zu ende, sp. 2027), wofür jedoch gewöhnlicher menschlichkeit gilt: menschen haben menschheit vor mir verborgen, da ich an menschheit appellirte; weg denn von mir, sympathie und menschliche schonung! Schiller räuber 1, 2; wir sehen ihn (Philipp II) gegen natur und menschheit ankämpfen, die er nicht ganz besiegen kann, zu stolz, ihre macht zu erkennen, zu unmächtig, sich ihr zu entziehen .. wir trauern über seinen misverstand, weil wir auch selbst aus dieser verzerrung noch züge von menschheit herauslesen, die ihn zu einem der unsrigen machen, weil er auch blosz durch die übrig gebliebenen reste der menschheit elend ist. briefe über don Carlos, 9. brief; und sein mädchen? er fühlte menschheit! er glaubte an menschheit, und nahm sie mit. Göthe 10, 189; ich glaube an menschheit. 14, 99;
der jüngling, der mit partheyischem hasse
über das andre geschlecht itzt heftge verwünschungen dachte,
konnte doch nicht das gefühl der edelsten menschheit ersticken,
und erlaubte, die schöne nach seinem wagen zu bringen.
Zachariä tageszeiten (1757) s. 80;
so furchtbar ihn der ruf von seinen siegen schildert —
er ist ein mensch; er kann nicht taub für menschheit sein;
der herrlichste triumph des helden ist — verzeihn.
Gotter 2, 432.
2)
menschheit, gesamtheit der menschen, wie mhd. mennescheit:
er sol verscheiden ame tage
an dem durch al die mennescheit
got die vrône marter leit.
K. v. Würzburg Alexius 827;
in einzelnen fällen in weniger scharfer hervorhebung des persönlichen und collectiven, so dasz die vorige bedeutung des wesens noch deutlich im hintergrunde steht: aber der versuch, ein schattenbild .. nachzuzeichnen oder nachzubilden, hat nichts, das die kraft der menschheit übersteigt. Wieland 24, 231; ein vorurtheil, das nur aus stolz oder hasz flieszen kann, und die Juden nicht blos zu rohen menschen macht, sondern sie in der that weit unter die menschheit setzt. Lessing 4, 219; hier und da fehlt es (in den jesuitenkirchen neben ehrfurcht einflöszendem und blendendem) auch nicht an etwas abgeschmacktem, damit die menschheit versöhnt und angezogen werde. Göthe 27, 9;
freund, du kennst doch die goldene zeit? es haben die dichter
manche sage von ihr rührend und einfach erzählt,
jene zeit, da das heilige noch in der menschheit gewandelt.
Schiller hist.-krit. ausg. 11, 68 (der genius; später dafür im leben gewandelt);
oder dasz dieselbe für jene hervorgekehrt werden kann, wie da, wo auf die klage:
alles opfert ich hin, sprichst du, der menschheit zu helfen,
die bedeutung des zunächst persönlich und collectiv gemeinten wortes auseinander gelegt wird in menschliche art, menschliche person und menschengeschlecht:
von der menschheit — du kannst von ihr nie grosz genug denken;
wie du im busen sie trägst, prägst du in thaten sie aus;
auch dem menschen, der dir im engen leben begegnet,
reich ihm, wenn er sie mag, freundlich die helfende hand.
nur für regen und thau und fürs wohl der menschengeschlechter
lasz du den himmel, freund, sorgen, wie gestern, so heut.
Schiller an einen weltverbesserer;
in den meisten fällen allerdings ohne solches schwankende. der gebrauch des wortes auch in diesem sinne ist dem älteren nhd. nicht fremd:
Mars ist ein gewissensmann,
der sich nimmt der menschheit an,
schlägt er menschen häufig nieder,
zeugt er menschen häufig wieder.
Logau 1, 85, 49;
wann keine thorheit mehr wird sein,
so wird die menschheit gehen ein.
2, 106, 36;
wer nie kein ungemach und nirgend ausz wil stehn,
musz in der welt nicht sein, musz aus der menschheit gehn.
2, 171, 69 (u. ö.);
wird aber doch erst seit dem 18. jahrh. recht gewöhnlich: ich habe manchen sterben sehen; aber so eingeschränkt ist die menschheit, dasz sie für ihres daseins anfang und ende keinen sinn hat. Göthe 16, 179; der gemeinverstand, der als genie der menschheit gelten soll, musz vorerst in seinen äuszerungen betrachtet werden. forschen wir wozu ihn die menschheit benutzt, so finden wir folgendes: die menschheit ist bedingt durch bedürfnisse. sind diese nicht befriedigt, so erweist sie sich ungeduldig; sind sie befriedigt, so erscheint sie gleichgültig. 22, 240; die region des irrthums ist der menschheit aufgethan. 241; der lobgesang der menschheit, dem die gottheit so gerne zuhören mag, ist niemals verstummt. 53, 75; höhere geister sehen die zarten spinnenweben einer that durch die ganze dehnung des weltsystems laufen, und vielleicht an die entlegensten gränzen der zukunft und vergangenheit anhängen — wo der mensch nichts als das in freien lüften schwebende factum sieht. aber der künstler wählt für das kurze gesicht der menschheit, die er belehren will, nicht für die scharfsinnige allmacht, von der er lernt. Schiller Fiesco, vorrede;
die menschheit ist nicht das, was sie zu sein gedenket,
wo sie, wie gott die welt so wunderbar geziert,
nicht mit vergnügter seele spührt.
Brockes 4, 152;
aber hat nicht die menschheit noch höhere freuden?
Cronegk 2, 52;
wenn er um mitternacht
die seele auf das wohl der menschheit heftete.
Hölty 45 Halm;
der menschheit loos verbeut es!
Stolberg 1, 243;
wann dich der orkus aufnimmt, ruh im kranze
Platons, welcher wie du der armen menschheit
wonne, die entschleierung Psyches lehrte.
Matthisson ged. (1794) 45;
ihr zitternd bild
leuchtet aus dem strome (Lethe) wieder,
der der menschheit jammer stillt.
35;
mich faszt ein längst entwohnter schauer,
der menschheit ganzer jammer faszt mich an.
Göthe 12, 237;
dein werth ist auch von der menschheit erkannt,
sie zittern all, willst du dein haupt bewegen.
Tieck Octavian s. 382;
das ganze volk erschlage,
rotte die menschheit aus.
Körner 1, 120;
sie wird auch zeitlich unterschieden: es bedurfte wieder ... ein eben so entschiedenes talent als des groszen alten, um uns ähnliche persönlichkeiten und charactere mit leichter bedeutenheit vorzuspiegeln, indem einer spätern menschheit neuere menschlichkeiten durchschaubar vorgetragen werden. Göthe 46, 10; aus dem philosophischen standpuncte der geschichte der menschheit. 16, 22; auch eine philosophie der geschichte zur bildung der menschheit. Herder z. phil. 4, 29; ewig wird patriarchengegend und patriarchenzelt das goldene zeitalter der kindlichen menschheit bleiben. 36.
3)
menschheit, in engerem sinne, eine räumlich verbundene und zusammengehörige menge menschen: nun aber, als man auf die leeren stellen (in der kirche) sah, gingen die gedanken immer wandern und suchen nach den tafeln, und es dauerte geraume zeit, ehe und bevor die menschheit wieder recht nach dem pastor hinhörte. Immermann Münchh. 1, 131; bair. menschheit die leute: ich gehe nicht mehr unter die menschheit (vor scham). Schm. 1, 1629 Fromm.; in Leipzig menschheit, menschenmenge: herre, da war euch aber eine menschheit! ne, diese menschheit! Albrecht 169ᵃ; ebenso niederd. minschheit, eine grosze menge von menschen. Danneil 137ᵇ.
4)
menschheit endlich auch die einzelne menschliche person nach ihrem wesen, ihrer art: daʒ uuir lesen in evangelio, non enim recipis personam hominum, daʒ wir diuten mugen dû ne nimest uuara dero manskeite. Notker bei Hattemer 2, 528ᵃ; humanare menscheit werden Dief. 281ᵇ; wie die homunculi und bilder gemacht werden, in denen ein menschheit spiritualischer weise verborgen ligt. Paracels. opp. 2, 307 C; und so noch bei Herder: (sehen wir an) endlich gar éine menschheit, éin menschliches herz nur in verschiedenen stunden, und innern zuständen, wo wir bald kalt wie eis, und hart, wie eine landstrasze sein können, und bald mit einem überflusz von einbildung, rührung und sonnengluth .. aufwallen. z. theol. 8, 73.
Fundstelle
Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm. Lfg. 11 (1883), Bd. VI (1885), Sp. 2077, Z. 38.

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Zitationshilfe
„menschheit“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/dwb/menschheit>, abgerufen am 27.10.2021.

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